Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 07.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. EU-Rettungsfonds überweist erste Milliarden nach Irland:
2. Credit Suisse wertet Eurokrise als ausgestanden:
3. Positive Zahlen aus Japan und den USA beflügeln Weltwirtschaft:
4. Deutschland hat auf Geheiß der EU Vermögenswerte Ben Alis konfisziert:
5. Preisralley bei Lebensmittel führt zum Streit zwischen Handel und Produzenten:
6. Gewerkschaften erhöhen Druck für gerechte Bezahlung von Leiharbeitern:

Branchen und Unternehmen:
7. Deutsche Mehrwegquote bricht ein, Einwegflaschen legen weiter zu:
8. Bayer forciert Abbau von 1.700 Stellen:
9. AOL kauft aufstrebende US-Webzeitung:

 

EU-Rettungsfonds überweist erste Milliarden nach Irland:
Der Euro-Rettungsfonds hat die erste 3,6 Mrd. Euro Tranche seiner Hilfskredite an Irland überwiesen. Die Zinsen betragen 5,9%. Vereinbart waren ursprünglich nur 3,3 Mrd. Euro. Das Geld stammt aus der ersten eigenen Anleihe des Rettungsfonds Mitte Januar (wofür 2,7% Zinsen fällig wurden). Irland erhält von den EU-Staaten sowie dem IWF insgesamt ein Hilfspaket über 85 Mrd. Euro, da das enorme Bankenproblem der Insel zu extremen Liquiditätsengpässen mit extrem hohen Zinsen geführt hatte (im November 2010: 8,85%).

 

Credit Suisse wertet Eurokrise als ausgestanden:
Die Ökonomen der Schweizer Großbank Credit Suisse haben in einer am Freitag veröffentlichten Studie zur Schuldenkrise ein optimistisches Fazit gezogen: „Europa steuert auf eine Lösung hin – wenn auch sehr langsam.“ Zwar sei die Schuldenkrise noch nicht so rasch entschärft, für Anleger könnte die Eurokrise jedoch bereits ausgestanden sein. Hauptgrund der Bewertung seien die zunehmend positiven Zahlen aus Spanien, dessen Entwicklung bis vor wenigen Monaten als das Kernrisiko für die Eurozone beurteilt wurde. Das Defizit sei kleiner als angenommen, mit tieferen Löhnen wurde die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, die Reformen der Sozialsysteme würden angegangen und die Rekapitalisierung des angeschlagenen Bankensystems verkraftbar. Daher geht die Credit Suisse davon aus, dass Spanien nicht unter dem EU-Rettungsschirm Schutz suchen muss. Stattdessen dürften sich die Märkte nun vermehrt der Schuldenproblematik der USA widmen, heißt es. Diese gebe mehr Anlass zur Sorge als die der Eurozone. Die geplante EU-Regelung, bei künftigen Anleihen Klauseln einzufügen, wonach Gläubiger bei Zahlungsproblemen teilweise auf Forderungen verzichten müssen, wurde ebenfalls begrüßt. Dies würde die disziplinierende Rolle der Finanzmärkte stärken.

 

Positive Zahlen aus Japan und den USA beflügeln Weltwirtschaft:
Die Arbeitslosenquote in den USA ist von 9,8% auf rund 9% zurückgegangen. Gleichzeitig sank die im Verhältnis stark überbewertete japanische Währung Yen, wodurch die japanische Wirtschaft wichtige Impulse erhält. Der japanische Nikkei-225-Index erreichte daraufhin am Montag seinen höchsten Stand seit neun Monaten.

 

Deutschland hat auf Geheiß der EU Vermögenswerte Ben Alis konfisziert:
Der Mitte Januar von der Bevölkerung aus dem Amt gedrängte tunesische Präsident Ben Ali sieht sich mit der Konfiszierung seiner Vermögenswerte im Ausland konfrontiert. Nun hat auch Deutschland auf Geheiß der EU hin seine Konten dichtgemacht. Seit Samstag gilt der EU-Erlass, sämtliches Vermögen von Ben Ali, seiner Frau und 46 weiteren Angehörigen in allen Ländern der EU einzufrieren. In Deutschland betrifft das mehrere Bankkonten, die zwei Mitgliedern seiner Familien gehören, sowie eine Immobilie in Frankfurt. Die Schweiz hatte dies bereits vorletzte Woche veranlasst. Die Vermögenswerte des autokratischen Machthabers und seines Clans werden auf mindestens 10 Mrd. Euro geschätzt.

 

Preisralley bei Lebensmittel führt zum Streit zwischen Handel und Produzenten:
Der Chef des Handelskonzerns Rewe, Alain Caparros, sieht im Zusammenhang mit den stark steigenden Lebensmittelpreisen die große Lebensmittelindustrie am Zug: Die Umsatzrenditen der großen Hersteller liegen zwischen 15 und 30%, womit die Margen der Hersteller deutlich höher liegen als die Margen des Handels. Auch wenn sich Agrarrohstoffe aufgrund von Spekulationsgeschäften oder durch Unwetter-Katastrophen temporär verteuerten, könne dies so nicht an die Verbraucher durchgereicht werden. Laut Caparros muss die Lebensmittelindustrie jetzt einen Beitrag zur Dämpfung der Inflationsgefahr leisten, was sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke auch könnte. Der große Lebensmittelkonzern Kraft Foods hat derweil die Politik zum Handeln aufgefordert: Aufgrund der sprunghaft steigenden Rohstoffpreise wäre mehr Transparenz an den Börsen von Nöten. Hubert Weber, Kaffee-Chef von Kraft Foods: „Kaffee ist seit einem halben Jahr eine der Top-Wetten der Finanzwelt geworden. Ob die Blase platzt oder ob das noch eine Weile so weitergeht, kann heute niemand wissen.“ Wer nicht wolle, dass dadurch Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben würden, müsse den Markt regulieren.

 

Gewerkschaften erhöhen Druck für gerechte Bezahlung von Leiharbeitern:
Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Einkommen von Leiharbeitern hat sich die enorme Diskrepanz zwischen dem Entgelt regulär Beschäftigter und so genannter Leiharbeiter weiter verschärft, im Schnitt verdienen sie mit 1.456 Euro pro Monat im Westen und 1.124 Euro pro Monat im Osten gerade einmal halb so viel wie die Stammbelegschaft, obwohl 60% über einen Berufsabschluss verfgen. Nur 19,1% der Leiharbeiter kommt über einen Monatslohn von 2.000 Euro brutto, bei Festangestellten liegt die Quote bei über 70%. Dagegen kommen mehr als 10% im Westen und mehr als 20% im Osten trotz Vollzeitjob als Leiharbeiter nicht über 1.000 Euro pro Monat. Am asozialsten verhalte sich hier die Industrie, wo im Schnitt die Leiharbeiter noch nicht einmal halb so viel verdienen wie die Stammarbeitskräfte. Besorgniserregend sei zudem, dass sich trotz der Diskussionen in den letzten Jahren und den erfolgreichen Bemühungen in den Nachbarländern wie Niederlande und Frankreich, dem Lohndumping über die Leiharbeit einen Riegel vorzuschieben (Equal Pay), sich in Deutschland selbst die Schieflage weiter vergrößert hat und die Löhne in der Leiharbeit weiter an Substanz verlieren. Dabei kann der Verlust des Augenmaßes dem Arbeitgeber extrem teuer werden: Mitte Dezember wurde per Gerichtsentschluss der Zeitarbeitsorganisation CGZP die Tarifmächtigkeit aberkannt  (diese war zuvor durch Dumpingabschlüsse in die Kritik und ins Kreuzfeuer geraten), womit die vertretenen Firmen ihren beschäftigten Leiharbeitern auf einen Schlag denselben Lohn wie der Stammbelegschaft zahlen, sowie Sozialleistungen in Milliardenhöhe nachzahlen mussten. Hier war der Bogen also eindeutig überspannt und die Firmen erlitten aufgrund des Managementfehlers, Menschen über die Gebühr auszubeuten zu wollen, herbe finanzielle Schäden. Auch die Kosten des Imageverlusts wie beispielsweise bei Schlecker sind nicht zu unterschätzen.

 

Deutsche Mehrwegquote bricht ein, Einwegflaschen legen weiter zu:
Ursprünglich war es das Ziel des Dosenpfandes, die Verbraucher zu mehr Umweltbewusstsein zu erziehen. Dennoch sinkt seit Jahren die Mehrwegquote bei Getränken. Bei Mineralwasser viel die Quote von 53% in 2005 auf 31,7% in 2009 und 31,1% im letzten Jahr. Bei Erfrischungsgetränke sank die Mehrwegquote von 26,6 auf 23,5%, bei Bier von 84,1 auf 83,2%. Hauptgrund sei der Trugschluss, dass wenn man Pfand bezahle, es sich um Mehrwegflaschen handle. Dabei sind vor allem bei den Discountern viele günstige Produkte Pet-Flaschen weiterhin umweltschädliche Einwegprodukte.

 

Bayer forciert Abbau von 1.700 Stellen:
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hatte bereits im November 2010 angekündigt, im Zuge einer umfassenden Restrukturierung 1.700 Stellen abbauen zu wollen. Nun kamen anscheinend die Verhandlungen mit dem Betriebsrat entscheidend voran. Demnach fallen 700 Stellen bei der Gesundheitssparte HealthCare weg, besonders betroffen ist die Forschungsabteilung. Weitere 700 Stellen werden bei der Pflanzenschutz-Sparte CropScience gestrichen, sowohl in der Produktion wie auch in der Forschung. In der Konzernzentrale in Leverkusen fallen weitere 60 Stellen weg, 40 Stellen sind es bei der Kunststoff-Tochter Bayer Material Science. Hinzu kommen weitere Stellen in anderen Bereichen. Der Stellenabbau soll sozialverträglich gestaltet werden. Ein Teil der Stellen wird durch Fluktuation frei, einem Teil der Mitarbeiter werden andere Jobs im Konzern angeboten. Außer-tariflich Beschäftigten erhalten Aufhebungsverträge. Betriebsbedingte Kündigungen sind aufgrund von vorangegangenen Zugeständnissen der Belegschaft bis 2012 ausgeschlossen. In den USA werden gleich vier Pharma-Standorte mit 2.500 Mitarbeitern geschlossen. Das eingesparte Geld soll der Expansion in Asien dienen. In den ersten neun Monaten 2010 hatte Bayer einen Umsatz von 26,1 Mrd. Euro, einen Gewinn vor Steuern (Ebit) von 2,8 Mrd. Euro und ein Ergebnis nach Steuern von 1,5 Mrd. Euro realisiert.

 

AOL kauft aufstrebende US-Webzeitung:
Der amerikanische Internetkonzern AOL hat die Webzeitung „The Huffington Post“ für 315 Millionen Dollar übernommen. Die gesamte Mediengruppe des Konzerns kommt damit auf 117 Millionen US-Besucher pro Monat und auf insgesamt 270 Millionen Menschen weltweit. Die Huffington Post war 2005 mit nur einer Million Dollar Startkapital gegründet worden. AOL-Chef Tim Armstrong betont, dass mit dem Kauf der „Huffington Post“ eine amerikanische Medienfirma der kommenden Generation geschaffen wurde, die von globaler Reichweite sei.

 

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