Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 08.11.2010

Wirtschaftspolitik:
1. Studie | Mit der Weltwirtschaft wächst auch der Protektionismus:
2. US-Korruptionsbekämpfung außerhalb seiner Grenzen gewinnt an Fahrt:
3. EU-Kommission kontrolliert Staatshilfen für WestLB:
4. China bietet Portugal finanzielle Hilfen an:
5. APEC-Staaten beraten über asiatische Freihandelszone:
6. Australien lehnt Hochtief-Antrag ab:

Finanzen:
7. Commerzbank für 2010 mit mindestens 1 Mrd. Euro Gewinn:
8. AIG mit 2,4 Mrd. Dollar Verlust im 3Q:
9. Warren Buffett verdient 3 Mrd. Dollar im dritten Quartal:
10. Microsoft-Chef verkauft eigene Konzernanteile in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar:

Unternehmen und sonstiges:
11. Siemens Sanierung nahezu abgeschlossen, Dividendensprung um 13%:
12. Eon vor Radikalumbau und Sprung in die Schwellenländer:
13. BMW investiert in Elektroauto-Serienfertigung für 2013:
14. Dachsparte des Autozulieferers Karmann an Finnen verkauft:
15. Deutsche Bahn erhöht Stromkosten für die Konkurrenz um 7%:
16. US-Arbeitsmarkt hellt sich leicht auf:
17. Gigaliner-LKWs schneiden in Pilotprojekten gut ab:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Studie | Mit der Weltwirtschaft wächst auch der Protektionismus:
Die Studie „Global Trade Alert“ des unabhängigen Londoner Think-Tanks „Centre for Economic Policy Research” konstatiert, dass seit November 2008 insgesamt 692 Handelshemmnisse eingeführt worden sind und dass weitere 369 Maßnahmen im Raum stehen. Die Maßnahmen, die größtenteils unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise eingeführt wurden, dienen dem Schutz der nationalen Volkswirtschaften, stehen aber in direktem Gegensatz zu dem Marktradikalen Credo eines vollkommen freien Handels. Die Handelshemmnisse reichen von Währungsmanipulationen, Exportsubventionen, neuen Zöllen, Maßnahmen, um ausländisches Geld abzuwehren, bis zu Firmen-Rettungen aus nationalem Interesse (allerdings ist auch der Exportaufstieg der asiatischen Tigerstaaten in den letzten Jahrzehnten unter anderem auf gezielte protektionistische Maßnahmen, vor allem im Kapiatlbereich, zurückzuführen). Die G-20 Staaten, die größten Industrieländer, zeichnen dabei für 94 Maßnahmen seit ihrem letzten Treffen im Juni verantwortlich, der Rest der Welt kommt dagegen nur auf 44 protektionistische Maßnahmen.

 

US-Korruptionsbekämpfung außerhalb seiner Grenzen gewinnt an Fahrt:
Mit einer Zahlung von insgesamt 237 Mio. Dollar haben sieben internationale Unternehmen eine von den US-Behörden erhobene Zivil- und Strafklage wegen Bestechung abwenden können. Den Unternehmen war vorgeworfen worden, Millionen an Bestechungsgeldern in zehn Ländern an Mitarbeiter der Zollbehörden bezahlt zu haben, um sich damit Vorteile beim Import von Waren zu verschaffen und Einsparungen bei Zöllen oder bei Steuern zu erhalten. Die US-Behörden berufen sich dabei auf den Foreign Corrupt Practices Act (FCPA), der seit ein paar Jahren die Grundlage für ein sich ausweitendes Engagement der USA liefert, Korruption bei international tätigen Unternehmen außerhalb der US-Grenzen zu bekämpfen. Im Visier der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll nun die Pharmaindustrie stehen. Die Vereinigten Staaten und Finnland sind die beiden ersten Länder, die die Befolgung der 1997 unterzeichneten Anti-Korruptions-Konvention FCPA von der OECD überprüfen lassen. Bislang sind 148 Individuen und 77 Unternehmen seit Inkrafttreten der Konvention 1999 angeklagt worden.

 

EU-Kommission kontrolliert Staatshilfen für WestLB:
Die Europäische Kommission erhöht den Druck auf die angeschlagene Landesbank WestLB.
Am Freitag in Brüssel eine vertiefte Prüfung der Milliarden-Hilfen der öffentlichen Hand an die Bank angekündigt. Demnach soll die WestLB rund 3,4 Milliarden Euro mehr für eine sogenannte Bad Bank zur Auslagerung fauler Kredite erhalten haben als nötig. Die Kommission hege Zweifel, ob die Bad Bank und die damit zusammenhängenden Staatshilfen in Höhe von insgesamt 6,95  Milliarden Euro den Bedingungen eines fairen Wettbewerbs genügen würden. Die EU-K hält das Geschäftsmodell der WestLB zudem für nicht tragfähig. Eine Schließung der Landesbank werde damit laut EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia leider wahrscheinlicher.

 

China bietet Portugal finanzielle Hilfen an:
Chinas Präsident Hu Jintao hat dem hoch verschuldeten Portugal finanzielle Unterstützung zugesagt, um „dabei zu helfen, die globale Finanzkrise zu bewältigen“. China hat bereits Griechenland unterstützt und griechische Staatsanleihen gekauft sowie seine Investitionen in dem Land erhöht.

 

APEC-Staaten beraten über asiatische Freihandelszone:
Die 21 Mitgliedsstaaten des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC / Anrainer des Pazifiks) beraten über eine mögliche pazifische Freihandelszone. Allerdings würden sich einige Staaten noch gegen eine Freihandelszone ausprechen. Die APEC-Staaten stehen für 44% des Welthandels und erwirtschaften mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttosozialprodukts. Die bereits existierende ASEAN (Südostasien) hat derzeit zehn Mitgliedsstaaten. Die ASEAN hat im September 2009 einen gemeinsamen Wirtschaftsraum nach dem Vorbild der EU beschlossen.

 

Australien lehnt Hochtief-Antrag ab:
Australische Regulierungsbehörde lehnt den Hochtief-Antrag ab. Der größte deutsche Baukonzern, Hochtief, hatte mit dem Gesuch an die australische Regulierungsbehörde versucht, die eigene Übernahme für den spanischen Konkurrenten deutlich zu verteuern. Hochtief wollte durchsetzen, dass ACS im Falle einer Übernahme des deutschen Unternehmens auch die australische Tochter Leighton komplett übernommen werden müsste. Dadurch hätte sich der Kaufpreis von ACS um rund 4,5 Mrd. Dollar erhöht.

 

Finanzen:

 

Commerzbank für 2010 mit mindestens 1 Mrd. Euro Gewinn:
Die in der Finanzkrise mit 18,2 Mrd. Euro staatlich gerettete Commerzbank rechnet laut Konzernchef Blessing für das Gesamtjahr 2010 mit einem Plus von mindestens 1 Mrd. Euro. Die Rückkehr in die Gewinnzone sei damit rund ein Jahr früher gelungen, als zunächst erwartet. Nach einem Gewinn von 352 Mio. Euro im zweiten Quartal, enttäuschte das Finanzinstitut die Analysten jedoch durch ein schwächeres drittes Quartal, in dem der Gewinn mit 113 Mio. Euro hinter den erwarteten 164 Mio. Euro zurückblieb. Im Kerngeschäft mit dem Mittelstand wurde mit einem operativen Ergebnis von 456 Mio. Euro hingegen ein Rekordergebnis erzielt.

 

AIG mit 2,4 Mrd. Dollar Verlust im 3Q:
Der einst weltgrößte Versicherer und in der Finanzkrise beinahe kollabierte US-Versicherer AIG (nunmehr zu 80% in Staatsbesitz) hat belastet von verlustreichen Verkäufen und Abschreibungen im dritten Quartal einen Verlust von 2,4 Milliarden Dollar eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 455 Millionen Dollar gegeben.

 

Warren Buffett verdient 3 Mrd. Dollar im dritten Quartal:
US-Investmentlegende Warren Buffett hat mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway in den drei Monaten des dritten Quartals wieder 3 Milliarden Dollar verdient, nach 3,2 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Gewinne kamen nun vor allem wieder von den Industrie- und Dienstleistungstöchtern des Konglomerats, nachdem Buffett während der Krise vor allem mit Finanzspekulationen und Derivategeschäften seine Gewinne realisierte.

 

Microsoft-Chef verkauft eigene Konzernanteile in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar:
Microsoft-Chef Steve Ballmer, der zweitgrößte Anteilseigner des IT-Konzerns, hat seinen Microsoft-Anteil auf 4,2% an dem Unternehmen reduziert. Die Aktienverkäufe brachten Ballmer rund 1,3 Mrd. Dollar ein. Allerdings würde mangelndes Vertrauen in das eigene Unternehmen dabei keine Rolle spielen. Im dritten Quartal hatte Microsoft seinen Gewinn um 51% auf 5,4 Mrd. Dollar gesteigert.

 

Unternehmen und sonstiges:

 

Siemens Sanierung nahezu abgeschlossen, Dividendensprung um 13%:
Siemens will bei der jährlichen Bilanzpressekonferenz am Donnerstag die Dividende um 13% deutlich erhöhen – zum ersten Mal nach drei Jahren. Siemens-Chef Peter Löscher will damit offenbar das Zeichen setzen, dass die Sanierung des Konzerns Geschichte ist. Siemens werde zudem erstmals für künftige Dividendenausschüttungen eine Spanne verkünden, die sich an der Gewinnentwicklung orientiert. Löscher wird bei der Konferenz außerdem die neuen Ziele des Unternehmens für Wachstum, Rendite und Kapitalstruktur verkünden. Laut dem Sonderprüfer und Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel sei das Unternehmen "eindeutig auf dem richtigen Weg". Das heutige Management habe aus der Affäre radikale Konsequenzen gezogen, auch habe sich unter dem neuen Konzernchef Peter Löscher die Unternehmenskultur geändert: das interne Programm gegen Bestechung und andere Verstöße sei inzwischen national wie international zum Maßstab geworden, die eingeführten Kontrollen seien effektiv und systematische Korruption sei nunmehr ausgeschlossen. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor zwei Jahren 600 Millionen Euro Bußgeld gegen Siemens wegen der früheren weltweiten Schmiergeldzahlungen verhängt.

 

Eon vor Radikalumbau und Sprung in die Schwellenländer:
Der größte deutsche Energiekonzern, Eon, soll sich laut dem Konzernchef Teyssen neu erfinden. Von den weniger profitablen Geschäften will sich Eon trennen und stattdessen massiv an den Boommärkten der Schwellenländer partizipieren. Auch das bisherige Kerngeschäft, das deutsche Stromverteilnetz und das Gastransportnetz, kämen auf den Prüfstand. Die Milliardengewinne aus den Erlösen würden dann in Kraftwerkparks in China, Indien und Brasilien investiert. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) muss allein China in den nächsten 20 Jahren etwa 4 000 Mrd. Dollar investieren, um Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden. Teyssen will die Pläne am Mittwoch vorstellen. Eon reagiert damit auf zunehmende Beschränkungen seitens EU-Kommission und nationalen Kartellämter, die sukzessive bemüht sind, die lukrative Quasimonopolstellung der großen Energieversorger zu beschränken, um den Wettbewerb bei Strom und Gas zu fördern. Eon rechnet daher mit 30% sinkenden Einnahmen innert der nächsten drei Jahre.

 

BMW investiert in Elektroauto-Serienfertigung für 2013:
Der Münchner Autobauer BMW investiert rund 400 Millionen Euro, um sein Leipziger Werk für die Serienfertigung von Elektroautos auszubauen. Das neue "Megacity Vehicle" soll ab 2013 vom Band laufen. In dem Werk entstehen dadurch 800 neue Arbeitsplätze. Bei den Elektroautos kooperiert BMW mit dem US-Unternehmen SGL Carbon (Karbonfasern für die ultraleichte Karosserie) und PSA Peugeot Citroën (Elektromotoren). Bei der Batterieentwicklung habe Deutschland laut Bundeskanzlerin noch Boden gutzumachen, dafür müsse auch die Produktion hierzulande stattfinden. BMW kauft seine Batterien beispielsweise von der deutsch-koreanischen Gemeinschaftsfirma SB LiMotive, die je zur Hälfte dem weltgrößten Autozulieferer Bosch und dem Elektronikriesen Samsung aus Südkorea gehört.

 

Dachsparte des Autozulieferers Karmann an Finnen verkauft:
Die Dachsparte des insolventen Automobilzulieferers Karmann wird an den finnischen Zulieferer Valmet verkauft. Alle Karmann-Kunden hätten sich für den finnischen Mischkonzern Metso, Valmets Unternehmensmutter, ausgesprochen, so dass kein Abzug von laufenden Aufträgen zu befürchten sei. Gelände und Maschinen des insolventen Automobilzulieferers Karmann wurden bereits an den VW-Konzern verkauft.

 

Deutsche Bahn erhöht Stromkosten für die Konkurrenz um 7%:
Die Deutsche Bahn plant nach Medienberichten, ihren Konkurrenten ab Anfang 2011 um 7% höhere Stromkosten in Rechnung zu stellen. Hintergrund seien Zusatzbelastungen durch die umstrittene Atomlaufzeitverlängerung (angeblich wegen Steuer auf Atombrennstoffe, der Aufbau eines Fonds für Ökoenergien und die Nachrüstung von Atommeilern). Die privaten Bahnunternehmen reagierten empört, auch, da die Bahn nur rund 25% ihres Stroms aus Atomkraft bezieht. Die Bundesregierung hatte die umstrittene Laufzeitverlängerung ja vor allem auch mit dem Argument eines günstigen Strompreises gegen die breiten gesellschaftlichen Widerstände durchgesetzt.

 

US-Arbeitsmarkt hellt sich leicht auf:
US-Unternehmen haben im Oktober 159.000 Stellen geschaffen und damit die Experten überrascht. Insgesamt wurden in 2010 damit bereits 1,1 Mio. Arbeitsstellen geschaffen – nachdem während der Krise rund 8,5 Mio. Arbeitsplätze vernichtet wurden. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 9,6% (14,84 Mio.). Der durchschnittliche Stundenlohn ist gegenüber dem Vormonat leicht auf $ 22.73 gestiegen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte er sich um 1,7%. Die durchschnittliche Arbeitswoche nahm um 0,1 Stunden auf 34,3 Stunden zu.

 

Gigaliner-LKWs schneiden in Pilotprojekten gut ab:
Die Länderverkehrsminister hatten den überlangen Lastwagen (Gigaliner) vor drei Jahren eine Abfuhr erteilt. Die Fahrzeuge seien ein zu hohes Risiko für die Verkehrssicherheit und könnten die Tragfähigkeit von Brücken überfordern, auch die Umweltfreundlichkeit wurde in Frage gestellt. Allerdings legte die Regierung einen bundesweiten Großversuch auf. Nach sieben Monaten Testlauf ist die Bilanz der beteiligten Transportunternehmen positiv: keine Unfälle, keine Probleme mit Kreisverkehren, niedrigere Treibstoffkosten. Die Gigaliner würden erheblich Kosten sparen, weil wir weniger Lkws, Fahrer, Fuhren und Benzin benötigt würden. Die XXL-Lkws übertreffen die bisherigen Grenzwerte: statt 18,75 m messen sie 25 m und statt 40 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht kommen sie auf rund 60 Tonnen.

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