Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 10.01.2011

International:
1. US-Börsenaufsicht solle neue Dotcom-Blase verhindern:
2. IWF mahnt USA zum schnellen Schuldenabbau:
3. Chinas Außenhandel bewegt sich auf ausgeglichenes Niveau zu:
4. Schweiz rechnet mit 3,4% Arbeitslosen in 2011:
5. Rohstoffpreise in 2010 um ein Drittel gestiegen:
6. Leck in Trans-Alaska-Pipeline treibt Ölpreis auf 94,70 Dollar:
7. Überschwemmung in Australien lässt Kohlepreis hochschnellen:
8. Aluminiumnachfrage reaktiviert stillgelegte Werke:

Deutschland:
9. Dioxin-Skandal – Verbraucherministerin zwischen den Stühlen:

Branchen und Unternehmen:
10. Renault spielt Industriespionage bei seinem E-Auto herunter:
11. Schaefflers Risikokredit aus dem Jahr 2009 mit 15% verzinst:
12. Dupont weitert Engagement im Lebensmittelmarkt aus:
13. Senseo-Hersteller Sara Lee vor der Übernahme:

 

International:

 

US-Börsenaufsicht solle neue Dotcom-Blase verhindern:
Nach dem Einstieg der US-Großbank Goldman Sachs bei dem sozialen Netzwerk Facebook Anfang dieses Monats, wurde der Wert des jungen Internetunternehmens, das (noch) nicht an der Börse gehandelt wird, auf rund 50 Mrd. Dollar geschätzt – Mondpreise wie im Jahr 2000, kurz vorm Platzen der riesigen Internetblase. Zum Vergleich: Der Unternehmenswert der Deutschen Telekom wird auf 56 Mrd. Dollar taxiert. Der Unterschied: Die Telekom kommt auf 83 Mrd. Dollar Umsatz und 4,5 Mrd. Dollar Gewinn. Facebook setzte in den ersten neun Monaten 2010 rund 1,2 Mrd. Dollar um, der Gewinn betrug 355 Mio. Dollar. Nun soll nach Berichten des „Wall Street Journal“ die US-Börsenaufsicht SEC den Facebookdeal mit Goldman Sachs prüfen. Der Deal, mit dem Facebook rund 2 Mrd. Dollar einsammelt, ähnle einem „privaten Börsengang“, allerdings unter Umgehung bestimmter Vorschriften, allen voran über die Veröffentlichung finanzieller Daten. Die SEC überlege demnach, ob sie die Auskunftspflicht für nicht an der Börse notierte Firmen verschärfen müsse.

 

IWF mahnt USA zum schnellen Schuldenabbau:
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die US-Regierung zu einer baldigen Reduzierung der Staatsverschuldung angemahnt. Würde dies nicht geschehen, müssten mit deutlich höheren Refinanzierungskosten gerechnet werden. Allein von Juni bis Dezember 2010 hat sich der US-Schuldenstand um eine Billion Dollar auf 14 Bio. Dollar erhöht. (Ende 2008: 10 Billionen Dollar.)

 

Chinas Außenhandel bewegt sich auf ausgeglichenes Niveau zu:
Der chinesische Außenhandel stieg in 2010 um 34,7% auf 2,97 Billionen Dollar – 1,58  Bio. entfielen auf den Export (+31,3%), 1,39 Bio. auf den Import (+38,7%). Der Handelsbilanzüberschuss fiel somit im Vergleich zum Vorjahreswert um 6,4% auf 183 Mrd. Dollar, das entspricht 6,2% des gesamten Außenhandels, nach 8,9% 2009 und 11,6% in 2008. Laut der chinesischen Zollverwaltung bewege sich der chinesische Handel damit „auf eine ausgeglichene Struktur zu“. Die Verbesserung der Lebensbedingung der Bevölkerung in den Städten und auf dem Land hat dabei in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dies schlägt sich auch in der Bilanz wieder: Die erweiterte Binnennachfrage hat zu mehr als 90% zum voraussichtlichen Wirtschaftswachstum von rund 10% in 2010 beigetragen. Im März 2011 wird der 12. Fünfjahresplan verabschiedet. Kernpunkte werden ein Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit („grüne Entwicklung“) sowie eine weitere Steigerung der Binnennachfrage sein. Von diesen Plänen könnte die deutsche Wirtschaft im besonderen Maße profitieren

 

Schweiz rechnet mit 3,4% Arbeitslosen in 2011:
Der Schweizer Arbeitsmarkt war 2010 überaus robust: Im Jahresdurchschnitt ergab sich eine Arbeitslosenquote von 3,9%. Im Vergleich zu dem Vorkrisenjahr 2008 sind nur noch 50.000 Schweizer mehr ohne Arbeit. Für 2011 wird mit einem weiteren Rückgang auf durchschnittlich 3,4% gerechnet.

 

Rohstoffpreise in 2010 um ein Drittel gestiegen:
Laut dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) legten die Rohstoffpreise in 2010 im Durchschnitt um ein Drittel zu – allein im Dezember um 9,4 Prozent. Dabei verteuerten sich neben Öl und Kohle vor allem auch Lebensmittel: Der Getreidepreis stieg auf das Jahr gerechnet um 72 Prozent. Der von der UNO erstellte Agrarpreis-Index erreichte im Dezember 214,7 Punkte, der höchste Wert seit Einführung des Indikators im Jahr 1990 und übertraf damit sogar die bisherige Rekordmarke aus dem Spekulationsjahr 2008 (213,5 Punkte). Schwellenländer exportieren zudem immer weniger ihrer Rohstoffe, sondern verbrauchen diese selber, so wie der Seltene Erden Monopolist China mit seinen hoch begehrten Hightech-Metallen. Hintergrund der Preissprünge ist unter anderem, dass es zwischen Angebot und Nachfrage für (Lebensmittel-)Rohstoffe kaum noch Spielraum gibt, so dass Ernteausfälle wie in Kanada und Russland, oder überschwemmte Minen in Australien, gleich zu nervösen Preisreaktion und extremen Preissteigerungen führen. Zudem spielen Spekulanten eine immer größere Rolle, wenn es auf dem Markt eng wird.

 

Leck in Trans-Alaska-Pipeline treibt Ölpreis auf 94,70 Dollar:
Die Trans-Alaska-Pipeline transportiert mehr als 10% der US-Produktion und ist damit eine der wichtigsten Pipelines der Vereinigten Staaten. Aufgrund eines Lecks musste sie nun vorübergehend abgeschaltet werden. BP und ConocoPhillips mussten daraufhin ihre regionale Produktion um bis zu 95% zurückfahren. Die Rohstoffmärkte reagierten beunruhigt und der Ölpreis legte deutlich zu. Nach Angaben des Betreibers der Pipeline, Alyeska Pipeline Service Co. (ein Gemeinschaftsunternehmen von BP, Conoco, Exxon, Chevron und Koch Industries), habe das Leck allerdings keinen Umweltschaden angerichtet – es seien nur gut zehn Barrel Öl ausgelaufen, von denen das meiste bereits entsorgt worden sei.

 

Überschwemmung in Australien lässt Kohlepreis hochschnellen:
Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt. In dem von den Überschwemmungen betroffenen Bundesstaat Queensland werden rund 35% der australischen Kohleexporte produziert. Etwa 40 Minen sind derzeit wegen der Überflutung geschlossen oder arbeiten mit reduzierter Leistung. Dies hat auch Konsequenzen für die Weltwirtschaft. Die australische Macquarie Commodities Research rechnet daher mit einem Anstieg der Kohlepreise von derzeit 246 US-Dollar pro Tonne auf 300 US-Dollar. Betroffen ist auch die Stahlindustrie: 80% der Produktionskosten für Stahl entfallen auf die Rohstoffkosten. Thyssen-Krupp hat bereits angekündigt, die deutlich höheren Kosten an die Kunden weiterzureichen.

 

Aluminiumnachfrage reaktiviert stillgelegte Werke:
Die Aluminiumpreise sind im vierten Quartal 2010 um weitere 5% auf einem Zweijahreshoch gestiegen. Der US-Produzent Alcoa reagiert auf die gestiegene Nachfrage und hat angekündigt, drei stillgelegte Fabriken wieder in Betrieb zu nehmen. Damit soll die Jahreskapazitäten um insgesamt 200.000 Tonnen steigen.

 

Deutschland:

 

Dioxin-Skandal – Verbraucherministerin zwischen den Stühlen:
Der Dioxin-Skandal um den Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch in Uetersen (Kreis Pinneberg) weitet sich aus. Erstmals wurde das Gift auch im Fleisch von drei Legehennen nachgewiesen. Das Futterfett des Herstellers wies in der Spitze eine 77-mal höhere Belastung aus, als vom Grenzwert her vorgeschrieben. Laut dem niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums habe der Futterfetthersteller seine Kunden betrogen und technische Mischfettsäure als teures Futterfett verkauft. Damit kämen auch die Tatbestände der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung hinzu. Derzeit wird bereits wegen des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz ermittelt. Im Juli 2010 soll das Unternehmen bereits staatlichen Kontrolleuren überhöhte Dioxin-Werte aus Eigenkontrollen vorenthalten haben. Laut der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) befänden sich die Betriebe derzeit in einer „bitteren Situation“, da „wenige schwarze Schafe“ in der Branche einen enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet hätten. Dennoch ergreift sie für diese „schwarzen Schafe“ und gegen die Verbraucher und geschädigten Betriebe Partei und wies mögliche Forderungen geschädigter Bauern nach finanziellen Entschädigungen zurück. Es sei „falsch, in einen Wettlauf der Forderungen einzutreten“. Dabei sind angemessene Entschädigungszahlungen (aufgrund der abschreckenden Wirkung auch ein präventiv schützender Mechanismus) in einer Marktwirtschaft nur logisch und konsequent. Der Skandal hat inzwischen auch internationae Dimensionen angenommen: Südkorea hat den Import deutschen Schweinefleisches ausgesetzt, Russland will die Kontrollen für Fleisch aus Deutschland verschärfen, die Slowakei untersagte den Verkauf deutschen Geflügelfleisches und von Eiern.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Renault spielt Industriespionage bei seinem E-Auto herunter:
Drei Top-Manager des französischen Autobauers Renault haben offenbar Geheimnisse über das ambitionierte E-Auto verraten und an fernöstliche Konkurrenten verkauft. Die Spuren weisen Richtung China. Renault gab allerdings nun Entwarnung, der Schaden sei begrenzt: Es seien keine strategisch wichtigen Informationen darunter gewesen und auch keine Details der 200 Patente zu Antrieb und Montage, die Renault derzeit anmelden will. Zwischenzeitlich hatte sich sogar der französische Geheimdienst eingeschaltet. Bereits Ende August hatten Renault-Mitarbeiter erste Verdachtsmomente gemeldet. Hinter der Affäre stehe ein organisiertes System zur Sammlung wirtschaftlicher, technischer und strategischer Informationen, das Interessen im Ausland dienen soll, heißt es.

 

Schaefflers Risikokredit aus dem Jahr 2009 mit 15% verzinst:
Der fränkische Autozulieferer Schaeffler hatte sich Mitte 2008 kurz vor der Finanzkrise mit der Übernahme von Continental überhoben und hatte im August 2009 am Rande der Pleite einen Kredit über 11 Mrd. Euro benötigt. Mit fünf Banken wurde das Kreditpaket ausgehandelt – rund die Hälfte entfällt auf die Commerzbank. In der Spitze sollen diese Kredite mit rund 15 Prozent verzinst sein. Hinzu komme noch eine Beteiligung der Banken an der Steigerung des Unternehmenswerts. Allein der Commerzbank würden demnach rechnerische Zinszahlungen von rund einer halben Milliarde Euro pro Jahr zustehen. Die Branche spricht sogar über sittenwidrige Konditionen. Mittlerweile haben sich Unternehmenszahlen Schaefflers in 2010 wieder erholt (9 Mrd. Euro Umsatz, 1,35 Mrd. Euro operativer Gewinn).


Dupont weitert Engagement im Lebensmittelmarkt aus:

Der US-Chemiegigant Dupont will für 6,3 Mrd. Dollar den dänischen Hersteller von Lebensmittelzusatzstoffen, Danisco, übernehmen. Dupont hatte bereits 1999 für 7,7 Mrd. Dollar den Samenhersteller Pioneer gekauft.

 

Senseo-Hersteller Sara Lee vor der Übernahme:
Der Senseo-Kaffee und Natreen-Herstellers Sara Lee steht offenbar kurz vor der Übernahme durch ein Konsortium von Beteiligungsgesellschaften. Das US-Unternehmen ist rund 13 Mrd. Dollar wert. Damit wäre dies die größte fremdfinanzierte Übernahme seit der Finanzkrise.
 

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