Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 10.11.2010

1. Wirtschaftsweise erwarten 3,7 Prozent Wachstum:
2. Deutsches Handwerk mit Rekordwert bei der Geschäftserwartung:
3. Deutsches Geldvermögen mit 4.768 Mrd. Euro auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung:
4. Portugals und Irlands Risikoprämien auf Rekordniveau:
5. Stahlbranche lässt Krise hinter sich und schaltet auf Normalmodus:
6. EU verhängt 800-Mio.-Bussgeld gegen internationales Luftfrachtkartell:
7. China geht wegen Energie-Fehlplanung der Diesel aus:
8. Chinas Außenhandels-Überschuss 27 Mrd. Dollar pro Monat:
9. Goldpreis jagt weiterhin einen Rekordpreis nach dem anderen:
10. Deutsch-Skandinavisches-Stromnetz geplant:
11. Vodafone wieder Marktführer im Handygeschäft:

Quartalszahlen:

12. Münchener Rück erhöht Jahresprognose:
13. Allianz erhöht Jahresprognose auf über 7 Mrd. Euro:
14. Henkel mit Gewinnsprung und höheren Zielen:
15. Deutsche Post schraubt Jahresprognose auf über 2 Mrd. Euro hoch:
16. Barclays mit sechstem Quartalsgewinn in Milliardenhöhe in Folge:

 

Wirtschaftsweise erwarten 3,7 Prozent Wachstum:
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweisen“) legt noch einmal etwas drauf und erwartet in seinem Jahresgutachten ein Wachstum von 3,7% für 2010. Das Wachstum sei dabei zu gleichen Teilen auf eine Belebung der Binnennachfrage und auf außenwirtschaftliche Impulse zurückzuführen. Die konjunkturelle Belebung werde sich 2011 fortsetzen, allerdings mit 2,2% in einer weniger starken Dynamik. Da 2009 der Wirtschaftsrückgang -4,7% betragen hat, werde allerdings erst Ende 2011 unter dem Strich die Produktionseinbußen durch die Wirtschaftskrise ausgeglichen sein. Einige Branchen profitieren jedoch schon überproportional von der Erholung und weisen reihenweise Rekordergebnisse aus. Dringend weist der Rat auch darauf hin, für einen „stabilen Wachstumspfad“ müsse die private Binnennachfrage nachhaltig belebt werden. Mehr Jobs, höhere Löhne, mehr Investitionen. Dies ist insofern von Bedeutung, da ein erneuter Rückschlag für den Export „nicht von vornherein unrealistisch“ sei: externe Risiken sind die konjunkturelle Schwäche in einer Reihe von Staaten, mögliche neue Schocks auf den Finanzmärkten, zunehmende Spannungen im internationalen Währungsgefüge (USA-China) und die Gelddruck-Manie der USA mit „beträchtlich höheren Inflationsraten“, was zur Aufwertung des Euro und zu Export-Einbußen führen könne. Viele Experten drängen die deutsche Politik seit langem, die Volkswirtschaft durch eine Stärkung der Binnenkonjunktur von exogenen Schocks unabhängiger zu machen. Auch aus Sicht des Sachverständigenrates erklärt die Exportorientierung der deutschen Volkswirtschaft sowohl den drastischen Rückgang der Wirtschaftsleistung 2009 als auch den steilen Anstieg danach, da die Wirtschaftskrise hauptsächlich die exportorientierten Branchen getroffen habe. Zudem wies der Rat darauf hin, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung jetzt die Früchte der Reformen der Vorgängerregierungen ernte.

 

Deutsches Handwerk mit Rekordwert bei der Geschäftserwartung:
Nach einer Erhebung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bei 20.600 Betrieben ist der Index der Geschäftserwartungen sogar noch höher als der bisherige einheitsbedingten Höchstwert von 1994. Für 2011 wird ein Umsatzanstieg um bis zu zwei Prozent und 25 000 neue Stellen erwartet. Für 2010 betrage der Umsatzzuwachs 0,5 Prozent.

 

Deutsches Geldvermögen mit 4.768 Mrd. Euro auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung:
Laut Daten der Deutschen Bundesbank haben die deutschen Privathaushalte ihr Geldvermögen allein im zweiten Quartal um 36,3 Mrd. Euro erhöht. Seit Anfang 2009 erhöhte sich das Vermögen um insgesamt 350 Mrd. Euro. Der Geldvermögensbestand kletterte damit auf den höchsten Wert des wiedervereinigten Deutschlands: 4.768 Mrd. Euro. Die Schulden bei Banken und Versicherungen summierten sich am Quartalsende nahezu unverändert auf 1.530 Mrd. Euro, so dass das Geldvermögen somit Netto auf insgesamt 3.237 Milliarden Euro anstieg.

 

Portugals und Irlands Risikoprämien auf Rekordniveau:
Die Risikoaufschläge für portugiesische Anleihen erhöhten sich auf 4,3% über dem deutschen Wert. Irland muss für Staatsanleihen 5,5% mehr zahlen als Deutschland. Hintergrund sind die Sorgen, die Regierungen könnten die geplanten Ausgabenkürzungen nicht durchsetzen. Allerdings fürchten sich die Anleger offenbar noch mehr vor einem sogenannten „Haircut“. Darunter wird in Finanzkreisen eine Beteiligung der Gläubiger an der Umschuldung eines in finanzieller Schieflage befindlichen Staates verstanden. Dies hatten die EU-Regierungschefs beim EU-Gipfel Ende Oktober erwogen. Damit könnte ein von Zahlungsunfähigkeit bedrohtes Land den notwendigen Spielraum erhalten, für einige Jahre keine Zinsen mehr auf die ausstehenden Anleihen zu zahlen, sowie dass ein gewisser Prozentsatz des Nennwertes der Staatsanleihen nicht getilgt wird. Damit würde die Rettung eines hoch verschuldeten Staates nicht mehr nur zu Lasten der Steuerzahler erfolgen, sondern auch die Gläubiger mit zur Verantwortung ziehen. Die Finanzmärkte reagieren erwartungsgemäß verschnupft auf diese politisch notwendigen Maßnahmen. Die italienische Großbank Unicredit schätzt einen Verlust von 30 Prozent der Gesamtforderungen aus Zins und Tilgung.

 

Stahlbranche lässt Krise hinter sich und schaltet auf Normalmodus:
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet für dieses Jahr mit einem Produktionszuwachs von 35 Prozent auf knapp 44 Mio. Tonnen, womit der kräftige Einbruch vom Krisenjahr 2009 ausgeglichen werde. Die Auslastung der Hochöfen liege bei 83 Prozent und damit über dem weltweiten Durchschnittswert von 72 Prozent. Für nächstes Jahr erwartet der Verband dann wieder einen „Normalmodus“ mit einem leichten Wachstum.

 

EU verhängt 800-Mio.-Bussgeld gegen internationales Luftfrachtkartell:
Die EU-Kommission hat gegen elf Airlines Bussgelder von insgesamt 799,45 Mio. Euro verhängt. Die Airlines hatten zwischen 1999-2006 ein Preiskartell gebildet, das zunächst mit Absprachen bei Treibstoffzuschlägen begann, 2001 um Absprachen bei Sicherheitszuschlägen erweitert wurde und auch einen Wettbewerb um Kundenrabatte verhinderte. Air-France-KLM erhielt mit 340 Mio. die höchste Strafe, es folgen British Airways mit 104,0 Mio., die luxemburgische Cargolux mit 79,9 Mio., Singapore Airlines mit 74,8 Mio., SAS mit 70,2 Mio., Cathay Pacific Airways mit 57,1 Mio., Japan Airlines mit 35,7 Mio., Air Canada mit 21,0 Mio, Quantas mit 8,9 Mio. und Lan Chile mit 8,2 Mio. Euro. Sämtliche Gesellschaften ausser der Singapore Airlines erhielten im Rahmen der Kronzeugenregelung Rabatte zwischen 10% und 50% auf ihre Bussen, weil sie mit der Kommission zusammengearbeitet haben – die SAS erhielt als Wiederholungstäter einen Bussen-Zuschlag. Die Lufthansa Tochter Lufthansa Cargo und die von dieser 2005 übernommene Swiss wurden hingegen im Rahmen der Kronzeugenregelung die Bussen voll erlassen, da sie als erste Informationen über das Kartell vorgelegt und damit die Untersuchung ermöglicht hatten.

 

China geht wegen Energie-Fehlplanung der Diesel aus:
Der (ehrgeizige) 11. Fünfjahresplan Pekings sieht bis Ende 2010 vor, dass die chinesische Wirtschaft pro Einheit Bruttoinlandprodukt ein Fünftel weniger Energie verbraucht als im Jahr 2005. Damit soll nicht nur klima- und umweltfreundlicher produziert, sondern auch die Abhängigkeit von importierten Energieträgern reduziert werden. Allerdings führt die Umsetzung nun zu erheblichen Versorgungsproblemen mit Energie. Bislang hat sich "nur" eine Einsparung von 14,4% ergeben. Da dies als nicht ausreichend bewertet wird, ordnete das Industrieministerium im August dieses Jahres harte Auflagen an, unter anderem die Schließung veralteter Anlagen. Zudem wurden in Tausenden von Fabriken, aber auch ganzen Städten, immer wieder Stromunterbrechungen verhängt. Die betroffenen Firmen wichen daraufhin auf Generatoren aus – mit der Folge, dass nun der Diesel an tausenden Tankstellen ausverkauft ist. Bis 2020 ist insgesamt eine Erhöhung der Energieeffizienz  um 40 bis 45% gegenüber 2005 vorgesehen.

Chinas Außenhandels-Überschuss 27 Mrd. Dollar pro Monat:
Der Außenhandels-Überschuss Chinas ist im Oktober auf 27 Mrd. Dollar (19 Mrd. Euro) gestiegen. Das sind 10 Mrd. Dollar mehr als noch im September. Die Ausfuhren stiegen um 22,9 Prozent, die Einfuhren um 25,3 Prozent.

Goldpreis jagt weiterhin einen Rekordpreis nach dem anderen:
Am Dienstag hatte der Goldpreis erneut ein neues Rekordhoch erreicht. Eine Feinunze erreichte den Preis von 1.424,10 Dollar. Auch der Silberpreis erreichte mit rund 28 Dollar den höchsten Stand seit 30 Jahren. Grund seien die Sorge von Anlegern über die Schuldenlage einiger Euroländer, sowie Inflationsängste aufgrund der heißlaufenden Notenpresse in den USA. Allerdings viel im späten Handel der Goldpreis jedoch wieder auf 1386,40. Ursächlich seien Gewinnmitnahmen.

 

Deutsch-Skandinavisches-Stromnetz geplant:
Der nordostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat angekündigt, am Grund der Ostsee „den Nukleus für ein Ostseenetz“ zu schaffen und damit nicht nur die Offshore-Windparks anzubinden, sondern auch die Stromnetze Deutschlands und Skandinaviens zu verbinden. 50Hertz, hinter der mehrheitlich der belgische Netzbetreiber Elia steht, hatte in diesem Jahr die deutschen Stromleitungen von Vattenfall übernommen.

 

Vodafone wieder Marktführer im Handygeschäft:
Vodafone hat erstmals seit neun Jahren wieder die Deutsche Telekom bei der Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland überholt. Vodafon steigerte seine Vertragszahl von Ende September 2009 bis Ende September 2010 um 3,3 Prozent auf 35,7 Millionen, die hingegen sackte von 39 Millionen auf 34,8 Millionen ab. Der Gesamtumsatz wuchs um 2,6 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Vor zwei Monaten hatte sich Vodafone unter dem Druck seiner Aktionäre zu einem radikalen Konzernumbau entschlossen, zahlreiche kleine Beteiligungen an Telekommunikationsunternehmen weltweit sollen Schritt für Schritt veräußert werden.

 

Quartalszahlen:

 

Münchener Rück erhöht Jahresprognose:
Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat im dritten Quartal mit 764 Millionen Euro mehr verdient als erwartet und daraufhin die Jahresprognose erhöht. Die MunichRe rechnet nun mit mindestens 2,4 Mrd. Euro in 2010. Auch das Kapitalanlagegeschäft zeigte sich solide: Zwar sank das Kapitalanlage-Ergebnis leicht auf 2,2 Mrd. Euro, allerdings war ein stärkerer Rückgang auf rund 2,15 Mrd. Euro erwartet worden. Die Kapitalanlagen-Rendite lag weiter über vier Prozent.

 

Allianz erhöht Jahresprognose auf über 7 Mrd. Euro:
Das größte Versicherungsunternehmen Europas, die Allianz, besserte die Jahresprognose leicht nach. Das operative Ergebnis für 2010 werde am oberen Ende des Zielkorridors von 7,2 Milliarden plus/minus 500 Millionen Euro liegen. Nach den ersten neun Monaten sind bereits 85% des Mittelwertes erreicht bzw. 80% des Topwertes. Für das dritte Quartal ergab sich ein operatives Ergebnis von 2,1 Mrd. Euro und ein Gewinn von 1,3 Mrd. Euro.

 

Henkel mit Gewinnsprung und höheren Zielen:
Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel hat die Markterwartungen für das dritte Quartal im Umsatz und Gewinn deutlich übertroffen: 2010 werde das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte. Der Umsatz stieg um 13,7% auf 3,96 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) stieg auf 501 Mio. Euro, der Gewinn betrug im Zeitraum Juli bis September 337 Mio. Euro. Damit sei das Finanzziel 2012 erreichbar geworden: Henkel strebt eine Umsatzrendite von 14% an.

 

Deutsche Post schraubt Jahresprognose auf über 2 Mrd. Euro hoch:
Auch die Deutsche Post kann von dem anziehenden Welthandel profitieren. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 13,9 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro. Der operative Gewinn stieg um 43,7 Prozent auf 543 Millionen Euro. Unter dem Strich entstand ein Gewinn von 226 Millionen Euro. Die positive Ergebnisentwicklung werde sich auch 2011 fortsetzen.

 

Barclays mit sechstem Quartalsgewinn in Milliardenhöhe in Folge:
Die zweitgrößte britische Bank Barclays hat im dritten Quartal mit 1,5 Mrd. Euro zum sechsten Mal in Folge einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Pfund erzielt. Das Investmentbanking schnitt allerdings ebenso wie bei der Konkurrenz schwächer ab als im Vorjahr.

 

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