Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 11.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Deutscher Export wieder bei 46% des BIP:
2. Machtpoker um Nachfolger des Chefs der Europäischen Zentralbank:
3. Frankreich ermittelt gegen möglichen Insiderhandel Daimlers mit EADS-Aktien:

Branchen und Unternehmen:
4. Maschinenbau rechnet mit weiterem Aufschwung in 2011:
5. Deutsche Börse und New Yorker Börse vor Zusammenschluss:
6. Google-Chef warnt vor neuer Internetblase:
7. Google und Facebook an Übernahme von Twitter interessiert:
8. Angeschlagene Nokia holt sich Smartphone-Hilfe bei Microsoft:
9. Pay-TV Sender Sky verhandelt mit Telekom über Kooperation:
10. TÜV gibt XXL-Lastern grünes Licht:

 

Wirtschaftspolitik

 

Deutscher Export wieder bei 46% des BIP:
Die deutschen Exporte stiegen 2010 um 14,7%, nominal sogar um 18%, auf 952 Mrd. Euro. 2009 waren die Ausfuhren wegen der Wirtschaftskrise noch um 18,4% eingebrochen. Damit liegt die Exportquote, die ins Ausland verschifften Waren und Dienstleistungen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, wieder bei 46% – und damit ähnlich hoch wie vor der Krise mit 47,5%. Dadurch hat sich die Abhängigkeit von der stark anfälligen Konjunktur der Weltwirtschaft wieder kräftig erhöht. In der Finanzkrise 2009 war der Anteil auf 40% zurückgegangen. Demnach hat der Export dreimal so viel zum Wachstum beigetragen wie die Binnennachfrage, die real um 0,5% zulegte.

 

Machtpoker um Nachfolger des Chefs der Europäischen Zentralbank:
Zum 1. November wird ein neuer Präsident der Europäischen Zentralbank EZB als Nachfolger des Franzosen Jean-Claude Trichet gesucht. Bislang galt der bisherige Bundesbankpräsident Axel Weber als aussichtsreicher Kandidat. Nach Gerüchten über dessen mögliche Nachfolge von Josef Ackermann auf dem Chefsessel der Deutschen Bank müssen die Karten neu gemischt werden. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten nun die Notenbankchefs von Italien, Luxemburg, Finnland und Österreich. Möglich wäre auch wenn keine Einigung erfolgt eine geteilte Amtszeit von jeweils vier Jahren als Kompromiss. Medienberichten zufolge soll Bundeskanzlerin Merkel nun Weber zu dessen Rücktritt vom Chefposten bei der Bundesbank drängen. Das Verhältnis zwischen den beiden gilt seit längerem als angespannt.

 

Frankreich ermittelt gegen möglichen Insiderhandel Daimlers mit EADS-Aktien:
Die französische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gegenstand ist der Verdacht auf Insiderhandel beim Verkauf von Aktien des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS 2005/06. Damals hatte Daimler 7,5 Prozent des EADS-Kapitals abgestoßen, nur zwei Monate bevor die Lieferprobleme beim Großraum-Flugzeug A380 bekannt wurden, was einen massiven Kurssturz bei EADS zur Folge hatte.
Die restlichen 15% an EADS will Daimler ebenfalls verkaufen. Sollte die Suche erfolglos bleiben, könnte der Bund möglicherweise selbst in die Bresche springen.

 

Branchen und Unternehmen

 

Maschinenbau rechnet mit weiterem Aufschwung in 2011:
Der Maschinenbau, die zweitgrößte deutsche Industriebranche nach der Autoindustrie, hatte besonders unter der Wirtschaftskrise gelitten. Die Auftragseingänge fielen um fast 40%, die Produktion brach um ein Viertel ein. 2010 war hingegen wieder von einem starken Wachstum gekennzeichnet, dass sich auch 2011 fortsetzen dürfte. Im letzten Jahr erholte sich die Produktion um 8,8%, die Aufträge legten um 36% zu, der Umsatz stieg auf 174 Mrd. Euro. Für 2011 wird mit einem weiteren Produktionszuwachs von 10% und rund 20.000 neuen Stellen gerechnet, bislang war der Branchenverband VDMA lediglich von 8% Wachstum in 2011 ausgegangen. Bereits 2009 hatte das prosperierende China die USA als stärksten Absatzmarkt für Exporte abgelöst. Dies setzte sich 2010 fort, die Exporte nach China stiegen um weitere 13,7%.

 

Deutsche Börse und New Yorker Börse vor Zusammenschluss:
Unmittelbar nach Bekannt werden der Fusionsverhandlungen der Londoner Börse mit der in Toronto, wurden „fortgeschrittene Fusionsverhandlungen“ von einer anderen transatlantischen Annäherung berichtet, aus der die größte Aktienbörse der Welt hervorgehen könnte: Die Deutsche Börse und die New York Stock Exchange Euronext. Über einen Zusammenschluss war bereits vor zwei Jahren ohne Ergebnis verhandelt worden. Die Deutsche Börse weist derzeit eine Marktkapitalisierung von 11,4 Milliarden Euro auf, die NYSE Euronext von umgerechnet 7,6 Milliarden Euro. Damit würde die Deutschen Börse 60% am neuen Unternehmen halten, das Einsparvolumen wird auf 300 Mio. Euro beziffert. Die Euronext ist aus den zusammengeschlossenen Börsen in Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon hervorgegangen und war 2007 von der NYSE gekauft worden. Schon damals war die deutsche Börse an der Euronext interessiert.
Eine weitere Fusion in der Branche bahnt sich zwischen der Börse in Singapur und der Australian Securities Exchange an. Die Fusionen der traditionellen Börsenplätze erfolgen aufgrund der wachsenden Konkurrenz der privaten Plattformen und des außerbörslichen Handels, die in den letzten Jahren enorm aufgeholt und beachtliche Marktanteile errungen haben. Daher wird versucht, die Umsätze und Gewinnspannen durch  Einsparungen aufgrund von Synergieeffekten zu halten.

 

Google-Chef warnt vor neuer Internetblase:
Der Chef des Internetriesen Google, Eric Schmidt, warnt angesichts des Ansturms auf kleinere Internet-Unternehmen wie Facebook vor einer neuen Internetblase wie zuletzt zur Jahrtausendwende. Durch den Glauben an künftig riesige Umsätze würden jetzt schon die Bewertungen über die Maßen steigen. Schmidt: „Da sind klare Anzeichen einer Blase.“ Facebook beispielsweise hat seinen geschätzten Unternehmenswert (geschätzt, da noch nicht an der Börse gehandelt) auf 60 Milliarden Dollar beziffert, was mehr wäre, als Siemens wert ist (rund 53 Mrd. Euro). Dabei rangiert Facebook mit einem Umsatz in den ersten neun Monaten 2010 von 1,2 Milliarden Euro und einen Netto-Gewinn in Höhe von 355 Millionen US-Dollar (Umsatzrendite rund 30 Prozent) weit hinter dem Münchner Elektronikriesen zurück (für das Geschäftsjahr 2010: Umsatz 76 Mrd. Euro, Gewinn nach Steuern 4,1 Mrd. Euro).

 

Google und Facebook an Übernahme von Twitter interessiert:
Der Internetriese Google und die Social Media Plattform Facebook sind offenbar laut Medienberichten an der Übernahme des rasant wachsenden Kurznachrichtendienstes Twitter interessiert. Der Unternehmensweert von Twitter wird auf 8-10 Milliarden Dollar taxiert. Twitter hatte im September 2010 weltweit 175 Millionen Nutzer. Nach eigenen Angaben will Twitter zu einem unabhängigen Konzern im Wert von 100 Mrd. Dollar heranwachsen. Der Werbeumsatz von Twitter betrug 2010 rund 45 Mio. Dollar und soll 2011 auf 150 Mio. Dollar anwachsen.

 

Angeschlagene Nokia holt sich Smartphone-Hilfe bei Microsoft:
Der noch weltgrößte Handyhersteller Nokia, der allerdings wichtige Trends bei Smartphones und deren Betriebssystemen verschlafen hat und dadurch stetig an Marktanteilen verliert, und der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft tun sich zusammen, um gemeinsam Smartphones zu entwickeln. Gemeinsam soll damit vor allem Google und Apple Parole geboten werden und somit Nokias Existenz gerettet werden. Künftig soll dann das Betriebssystem Windows Phone die Plattform für Nokia-Smartphones sein, Nokia wiederum soll seine Erfahrungen aus der Handy-Gestaltung und Unterstützung verschiedener Sprachen einbringen. Dennoch will Nokia seine Entwicklungsarbeiten an dem Nachfolger (MeeGo) des veralteten Betriebssystem Symbian fortsetzen. Zudem will Nokia das Telefon-Geschäft aufteilen: Ein Teil soll sich künftig mit Smartphones beschäftigen, der andere Bereich die Marktführung bei günstigeren einfacheren Telefonen sichern. Nokia-Chef Elop hatte kürzlich intern seinen Konzern mit einem Mann verglichen, der auf einer brennenden Bohrinsel steht und sich metertief ins eiskalte Wasser stürzen müsse, um zu überleben. Nun ergänzte Elop: „Heute taucht Nokia nach vorn.“ Der Kanadier Elop war erst im Herbst von Microsoft an die Nokiaspitze gewechselt.

 

Pay-TV Sender Sky verhandelt mit Telekom über Kooperation:
Laut der (noch chronisch) defizitären Pay-TV-Plattform Sky Deutschland (ehemals Premiere) gebe es Verhandlungen mit der Deutschen Telekom, die „sehr nahe an einer Vereinbarung“ seien. Dabei gehe es um die Einbindung einiger Sky-Sender in das Internet-Fernsehangebot der Deutschen Telekom, vor allem um die Sky-Spielfilmkanäle in hoher HD-Bildqualität. Die Telekom war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 

TÜV gibt XXL-Lastern grünes Licht:
Nach Modellversuchen in NRW mit den 25 Meter langen XXL-Lastern (Giga-Liner) hat der TÜV ein hervorragendes Prüfzeugnis ausgestellt. Aus dem Abschlussbericht geht hervor, die Gigaliner könnten „technisch sicher und verkehrstechnisch gefahrlos betrieben werden“. Auch Kurven und kleinere Straßen seien für die Gigaliner kein Problem. EU-weit werden die Gigaliner bereits in Finnland, Schweden und den Niederlanden eingesetzt, Norwegen und Dänemark planen die Einführung. Bei den überlangen Lastern ist das Verhältnis aus Transportleistung und Kraftstoffverbrauch günstiger, auch könnten sie die Gesamtzahl der Lkws auf den Straßen senken und damit den Verkehrsfluss verbessern.

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