Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 11.03.2011

Wirtschaft und Politik:
1. EU plant zum Vorteil Deutschlands Änderungen in der Steuerpolitik
2. Großinvestor Pimo verkauft alle US-Staatsanleihen
3. Spanien von Ratingagentur herabgestuft – Ablenkung vom US-Desaster?
4. Zahl der Verbraucherpleiten um 7,6% angestiegen

Branchen und Unternehmen:

5. Die größten Kapitalvernichter an der Deutschen Börse 2010
6. Lokführer uneins über weiteres Vorgehen beim Streik
7. VW will 64 Mrd. Euro in nächsten drei Jahren investieren
8. Auch BMW mit 3,2 Mrd. Euro Rekordgewinn
9. BASF schichtet Beteiligungen um

 

Wirtschaft und Politik:

 

EU plant zum Vorteil Deutschlands Änderungen in der Steuerpolitik
Der EU-Steuerkommissar Algirdas Semetas plant weitreichende Veränderungen in der Steuerpolitik. Dafür sollen zunächst die 27 EU-Länder offenlegen, auf welcher Grundlage sie Firmensteuern berechnen. Sobald seriöse Vergleiche zwischen den einzelnen EU-Ländern möglich seien, könne dann der politische Druck auf Niedrigsteuerländer erhöht werden. Deutschland könnte mehrfach profitieren und unter dem Strich weniger nach Brüssel überweisen müssen (bislang 8 Mrd. Euro): Die Länder mit niedrigen Firmensteuern wie Irland müssten ihre Unternehmenssteuern erhöhen, wovon der Standort Deutschland profitieren würde. Zudem müssten Firmen dann künftig dort versteuern, wo sie auch produzieren. Bislang errichten viele Unternehmen ihre Zentralen abseits der Produktionsstätten in Niedrigsteuerländern, was Staaten wie Luxemburg oder Liechtenstein riesige Gewinne, Ländern mit großen Produktionsanlagen wie Deutschland aber starke Einbußen beschert.

 

Großinvestor Pimo verkauft alle US-Staatsanleihen
Große Investoren entziehen den USA ihr Vertrauen und stoßen US-Staatsanleihen ab. Der zum Allianz-Konzern gehörende weltgrößte Anleiheninvestor Pimco hat bekannt gegeben, sich von allen US-Staatsanleihen (28 Mrd. Dollar) getrennt zu haben. Sorge bereite vor allem die Ungewissheit, was passiert, wenn die US-Notenbank (Fed) den massiven Aufkauf von US-Bonds stoppt. Die Fed hatte in den letzten Monaten rund 70% aller ausgegebenen US-Anleihen gekauft, das 600 Mrd. Dollar umfassende Kaufprogramm läuft jedoch Ende Juni aus. Die Folge könnte ein drastischer Kursverlust für US-Staatanleihen sein, was eine Schuldenkrise wie in Europa vor einem Jahr, mit deutlich steigenden Zinskosten für den US-Staat auslösen könnte. Der Schuldenstand der USA wird im April/Mai die gesetzliche Obergrenze von 14,3 Bio. Dollar erreichen. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) könnte die Zinslast der USA dann bald doppelt so hoch liegen wie jene Japans oder Spaniens. Derzeit werden die US-Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren mit 3,45% verzinst. Ohne die massive Nachfrage durch die Fed lägen die Zinsen bereits rund 1,5% höher. Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei 96,6% des BIP (Deutschland rund 75%), die Gesamtverschuldung der USA über alle Sektoren bei rund 140 Bio. Dollar.

 

Spanien von Ratingagentur herabgestuft – Ablenkung vom US-Desaster?
Einen Tag vor dem nächsten Euro-Gipfel und parallel zu dem Vertrauensentzug des weltgrößten Anlageinvestors Pimco in Bezug auf US-Staatsanleihen, hat eine der drei großen Ratingagenturen (Moody’s / alle drei haben ihren Hauptsitz in New York) Spanien überraschend herabgestuft – und das obwohl das laufende Staatsdefizit der Spanier nicht so hoch ist, Fortschritte erkennbar sind, die Rekapitalisierung des Bankensektors mit bis zu 50 Mrd. Euro gelingen dürfte und das Land trotz seiner Lage nicht in der Rezession steckt. Moody’s befürchtet, dass die Sanierung spanischer Banken deutlich teurer wird als von der Regierung veranschlagt. Bereits Anfang der Woche hatte Moody’s zur Empörung Athens die Bonität Griechenlands gleich um drei Stufen unter Ramschniveau gesenkt. Die Ratingagenturen stehen tief in der Kritik, da sie im Vorfeld der Finanzkrise 2007/08 lieferten die immensen Risiken der Subprime-Produkte als wesentliche Mitauslöser der späteren gigantischen Finanzkrise nicht erkannten, ihre Aufgabe verfehlten und wesentlich zu der Finanzkrise mit beigetragen haben. Nun kommt auch aufgrund der zeitlichen Korrelation mit dem Vertrauensverlust in die US-Anleihen der Verdacht der politischen Einflussnahme als Ablenkungsmanöver auf. Die EU-Kommission hat sich in dem letzten Jahr bereits mehrmals mit der Rolle der Ratingagenturen während der Euro-Krise auseinandergesetzt.

 

Zahl der Verbraucherpleiten um 7,6% angestiegen
Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ist die Zahl der Privatinsolvenzen (108.798 Verbraucher) in 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 7,6% (2009: +3%) angestiegen. Besonders betroffen waren niedrige Einkommen: Das Einkommen bei mehr als der Hälfte aller von Privatinsolvenz Betroffenen lag unter der Pfändungsgrenze. Die Unternehmenspleiten (31.998) nahmen hingegen um 2,1% ab (2009: +11%). Dabei ist es normal, dass die Privatinsolvenzen aufgrund des Verlusts von Arbeitsplätzen zeitlich verzögert den Unternehmensinsolvenzen folgen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen war zuletzt 2008 erstmals seit 1999 gesunken (-7,1%). Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen war im Krisenjahr 2009 erstmals seit 2003 (bisheriger Höchststand mit 39.320 Fällen) wieder gestiegen. Die voraussichtlichen Gesamtforderungen der Gläubiger für 2010 betragen etwa 39,0 Mrd. Euro, nach offenen Forderungen in 2009 von rund 85,0 Mrd. Euro. Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Mitarbeiter sank von 251.000 Beschäftigten 2009 auf 131.000 in 2010.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Die größten Kapitalvernichter an der Deutschen Börse 2010
Am schlechtesten haben sich in den letzten drei Jahren die Werte von Solarunternehmen und Banken entwickelt. Laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sind sie die „größten Kapitalvernichter“ unter deutschen Unternehmen. Platz 1, 3, 4, und 6 belegen Solarfirmen: Solon (-97% in drei Jahren), Q-Cells ähnlich schlecht auf Platz 3, Colexon Energy auf 4 und Conergy auf der 6 (-94%). Nach der Einschätzung von DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker habe sich hier in den vergangenen Jahren eine Blase entwickelt, aus der angesichts der Diskussion um ein Ende der Subventionen in Deutschland und in anderen EU-Ländern nun die Luft entweiche. In den vergangenen fünf Jahren schnitten auch Bankenwerte sehr schlecht ab: die Deutsche Bank (-47,5%), die Postbank (-57,6%) und die Commerzbank (-78,7%). Ebenso der Klinikbetreiber Marseille (-80,6%) und die Emissionshäuser Lloyd Fonds (-88,3%) und HCI Capital (-89%).

 

Lokführer uneins über weiteres Vorgehen beim Streik
Nach dem ersten Streiktag, von dem Millionen Berufspendler zwischen vier Uhr und zehn Uhr morgens betroffen waren, scheinen die Chefs der Lokführergewerkschaft GDL uneins über das weitere Vorgehen zu sein. GDL-Vorsitzender Claus Weselsky gab sich zuversichtlich, dass es bald zu einer Einigung kommt. „Wir sind mit den Schienengüterverkehrsunternehmen und den Personaldienstleistern einen Riesenschritt nach vorn gekommen. Ich kann klar und deutlich sagen, der Abschluss ist in Sicht. (…) Wir haben am nächsten Mittwoch die letzte Verhandlungsrunde und wir werden ein hervorragendes Ergebnis in dieser angespannten Situation gemeinsam erstellen.“ Dagegen erklärte der Berliner Bezirksvorsitzende Frank Nachtigall: „Wir sind bestrebt, die Eskalation zügig voranzutreiben. Wir werden ohne lange zu warten die nächste Aktion planen.“ Grund sei, eine langwierige Auseinandersetzung wie2007/2008, bei der sich die Tarifauseinandersetzung 11 Monate hinzogen, zu vermeiden. Die GDL will einen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr erkämpfen und einen gleichen Lohn bei der DB und den sechs privaten Bahnunternehmen, der 5% über dem jetzigen DB-Niveau liegt. Obwohl die DB durchaus verhandlungsbereit ist, wird auch sie bestreikt. Der Grund sei, dass eine Beschränkung des Streiks auf die sechs Privatbahnen, die zusammen nur 20% Anteil am Regionalverkehr haben, weniger öffentlichen Druck aufbrächte. Diese Unternehmen entlohnen ihre Lokführer jedoch teilweise bis zu 30% unter dem DB-Niveau. Frank Nachtigall: „Hätten wir eine Aktionsform, die Fahrgäste nicht oder nicht so stark belastet, würden wir sie sofort wählen. Eine solche Möglichkeit haben wir jedoch nicht.“

 

VW will 64 Mrd. Euro in nächsten drei Jahren investieren
Der nach Toyota und GM drittgrößte Autobauer der Welt VW hatte 2010 Rekordwerte erzielt: Der Umsatz stieg um 20,6% auf 126,9 Mrd. Euro, der operative Gewinn stieg um das Siebenfache auf 7,2 Mrd. EUR. Wechselkursgewinne brachten 1 Mrd. Euro, Einsparungen weitere 1,6 Mrd. Euro. Den größten Gewinn lieferte Audi mit 3,3 Mrd. Euro, vor der Marke VW mit 2,2 Mrd. Euro Lkw-Tochter Scania mit 1,1 Mrd. Euro und der tschechischen Tochter Skoda mit 450 Mio. Euro. Nun wurde eine Modelloffensive angekündigt. 30 neue Modelle sollen Konzernweit erscheinen, 50.000 Arbeitsplätze geschaffen werden (5.000-6.000 in Deutschland / der weibliche Anteil soll auf 20%, im Management auf 10% steigen) und innert drei Jahren 64 Mrd. Euro investiert werden. Damit sollen neue Werke im wichtigsten Markt China (1,9 Mrd. Euro Gewinn) und ein Produktionswerk in Malaysia gebaut, sowie das Werk in den USA noch in der ersten Hälfte 2011 in Betrieb gehen. Ziel ist es, bis 2018 zum Weltmarktführer aufzusteigen. Der Jahresanfang verläuft bislang blendend: Bis Ende Februar hat VW seinen Absatz um weitere 17,5% auf 1,2 Mio. Einheiten gesteigert. Allerdings haben sich auch die Konkurrenten gut erholt: Die Nummer zwei General Motors hatte 2010 1,2 Mio. Autos mehr verkauft als VW und einen Gewinn von 4 Mrd. Euro gemeldet – und das mit weltweit rund 200 000 Mitarbeitern, der Hälfte von VW. Die Umsatzrendite Fords im operativen Geschäft liegt wiederum bei 6,9% im Vergleich zu den 5,6% von VW.

 

Auch BMW mit 3,2 Mrd. Euro Rekordgewinn
BMW hat 2010 einen Rekordgewinn von 3,2 Mrd. Euro erreicht (2009: 210 Mio Euro). Der Umsatz legte um knapp 20% auf 60,5 Mrd. Euro zu. Die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge stieg um 13,6% auf 1,46 Mio. Einheiten, womit BMW der größte Anbieter von Luxusautos vor Mercedes und der Volkswagen-Tochter Audi blieb. Neben China wuchs auch der Absatz in den Schwellenländern wie Russland, Südkorea, Brasilien, Indien oder der Türkei zweistellig. BMW beschäftigt weltweit derzeit 95.500 Mitarbeiter.

 

BASF schichtet Beteiligungen um
Der Chemiekonzern BASF trennt sich von seiner 10,3% Beteiligung im Wert von rund 1 Mrd. Euro am Düngemittelkonzern K+S. Der Verkaufsgewinn soll dem Schuldenabbau dienen (13,5 Mrd. Euro). Der Umsatz von K+S war aufgrund der starken Nachfrage 2010 um knapp 40% auf 5 Mrd. Euro gewachsen, der operative Gewinn verdreifachte sich auf 727 Mio. Euro verdreifacht. Auf der Hauptversammlung am 11. Mai wird K+S zudem die Umstellung von Inhaber- auf Namensaktien beraten, die als Schutz gegen feindliche Übernahmen gelten. Derweil hat sich BASF über seine Tochter Wintershall mit dem russischen Staatskonzern Gazprom auf die gemeinsame Erschließung eines riesigen Gasfeldes in Sibirien geeinigt (mehr als 200 Milliarden Kubikmeter Gas). Die Höhe der Investitionen werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Gazprom erhält im Gegenzug das Recht, sich an Wintershall-Projekten in der Nordsee zu beteiligen.

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