Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 12.01.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Japan will Euro stützen und 20% der Emissionen kaufen:
2. Bundesregierung plant nun doch höhere Krisenabgabe für Banken:

Branchen und Unternehmen:
3. Bauwirtschaft dürfte auch in 2011 weiterhin in etwa stagnieren:
4. Airbus erhält größten Auftrag der kommerziellen Luftfahrtgeschichte:
5. Deutsche Bahn investiert 360 Mio. Euro in neue Züge:
6. Bayer spart weiter und schließt Werk in den USA:
7. Beiersdorfer investiert weiter in die Zukunft:
8. Barclays-Starinvestmentbanker erklärt Zurückhaltung bei Boni für beendet:
9. Daimler erhöht Anteil an Mitsubishi Fuso auf 89%:
10. Fiat lehnt VW-Angebot erneut ab und stichelt zurück:
11. Weltgrößter Chiphersteller Intel muss Konkurrenten Nvidia 1,5 Mrd. Dollar zahlen:
12. Duke Energy kauft sich zum größten Energieerzeuger der USA:
13. US-Start-up sammelt die Rekordsumme von 950 Mio. Dollar ein:
14. Ägyptischer Multimilliardär baut Andermatt für 1,25 Mrd. Euro aus:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Japan will Euro stützen und 20% der Emissionen kaufen:
Japan will Europa bei der Euro- und Schuldenkrise helfen und rund 20 Prozent der für Ende Januar geplanten Staatsanleihen in der Eurozone zeichnen. Damit will Japan nach eigenen Angaben auch das Vertrauen in die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF / Euro-Rettungsschirm) stärken. Daher sollen die ersten Anleihen des Rettungsfonds EFSF gekauft werden. Dieser hatte angekündigt, erstmals als Einheit am Kapitalmarkt aufzutreten und 2011 bei mehreren (als „richtungweisend“ mit Spannung erwarteten) Emissionen insgesamt 16,5 Mrd. Euro aufnehmen zu wollen. Diese Gelder werden dann in Form von Krediten an die betreffenden Länder wie Irland weitergegeben.

 

Bundesregierung plant nun doch höhere Krisenabgabe für Banken:
Die Bundesregierung will die Krisenabgabe für Banken, die einerseits zur Mitfinanzierung des Finanzcrashs von 2008 gedacht ist sowie für künftige Krisen vorbereiten soll, nun doch nicht deckeln. Ursprünglich hätten die Banken maximal 15% ihres Jahresgewinns zahlen müssen. Die Bankenabgabe errechnet sich nach einem komplizierten Schlüssel aus einem bestimmten Prozentsatz der Bilanzsumme, abzüglich der Spareinlagen von Kunden und des Eigenkapitals und soll nach bisherigen Überlegungen 15% des Gewinns nicht überschreiten. Dies soll sich nach einem Entwurf künftig ändern: In Jahren, in denen der Jahresbeitrag die 15% übersteigt, soll die Bank die Differenz nachträglich begleichen. Müsste beispielsweise ein Jahresbeitrag von 50 Millionen Euro entrichten werden, wurden aber nur 100 Millionen Euro verdient, müssten zunächst nur 15 Millionen Bankenabgabe gezahlt werden – die ausstehenden 35 Millionen Euro müssten dann allerdings später nachgereicht werden. Der Bankenverband reagierte erwartungsgemäß verschnupft.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Bauwirtschaft dürfte auch in 2011 weiterhin in etwa stagnieren:
Im Unterschied zu dem produzierenden Gewerbe, das 2010 rund 12% zulegte, gingen die Umsätze der Baubranche um 1% auf 81,5 Mrd. Euro zurück. Für 2011 wird mit einer Stagnation gerechnet, möglicherweise auch mit einem erneuten Rückgang um 1%. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht als Grund dafür den schwächelnden Wirtschaftsbau (-4,5%) und die Zurückhaltung öffentlicher Auftraggeber (-3%). So werden offenbar die Mittel aus den staatlichen Konjunkturprogrammen von den Kommunen nur zögerlich abgerufen (nur zu 60%). Lediglich der Wohnungsbau würde sich aufgrund der niederen Zinsen erfreulich entwickeln (+6%). Die Zahl der auf dem Bau Beschäftigten stieg leicht auf 715.000.

 

Airbus erhält größten Auftrag der kommerziellen Luftfahrtgeschichte:
Der europäische Flugzeugbauer Airbus (EADS) hat den nach Stückzahlen größten Auftrag in der Geschichte der zivilen Luftfahrt erhalten. Die indische Billigfluglinie IndiGo (Gründung 2006) hat 150 Mittelstreckenflugzeugen vom Typ A320 NEO mit neuartigen Spartriebwerken, die 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen sollen, sowie 30 der A320-Maschinen mit der herkömmlichen Motorisierung geordert. Der Auftrag hat nach Listenpreis – ohne Rabatte – ein Volumen von 13 Mrd. Euro (15,6 Mrd. Dollar). Die Gesellschaft betreibt eine reine Airbus-Flotte mit derzeit 34 Airbus A320-200 Modellen. Insgesamt waren bis 2015 bislang 100 A320 bestellt. Anschließend geht es mit dem nun erteilten Großauftrag weiter. Der A320 ist mit über 4.500 ausgelieferten und rund 6.800 verkaufen Maschinen das nach Airbusangaben weltweit erfolgreichste Flugzeug mit Standardrumpf.

 

Deutsche Bahn investiert 360 Mio. Euro in neue Züge:
Die Deutsche Bahn investiert 360 Mio. Euro in neue Doppelstock-Züge für den Fernverkehr. Damit sollen insgesamt 27 neue Züge mit 135 Wagen angeschafft werden, die dann ab Ende 2013 die alten Intercity-Züge ersetzen. Diese sollen aufgearbeitet und dann als Reserve eingesetzt werden. Damit sollen technisch bedingte Zugausfälle wie in diesem Winter künftig besser kompensiert werden können.

 

Bayer spart weiter und schließt Werk in den USA:
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer treibt seinen Konzernumbau weiter fort und schließt ein Werk zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln in Woodbine, Georgia (USA). Auch mehrere Produktionsanlagen in Institute in West Virginia sollen stillgelegt werden. Rund 300 Stellen sind davon betroffen. Mitte November hatte der neue Bayer-Chef Marijen Dekkers ein radikales Sparprogramm angekündigt, das die Kürzung von 4.500 Stellen, davon 1.700 in Deutschland vorsieht. Bayer will sich damit gegen billigere Konkurrenz mit Nachahmerprodukten (Generika) schützen und sich stärker auf Wachstumsbereiche und Wachstumsregionen (Schwellenländer) konzentrieren. Der chinesische Markt wird bis 2014 auf 35 Mrd. Dollar wachsen, Brasilien auf 25 Mrd., Mexiko und Indien auf je 17 Mrd. und Russland auf 14 Mrd. Dollar.   Die Einmalkosten der Sparkur und des Umbaus werden 1 Mrd. Euro kosten, ab 2013 soll dies dann zu jährlichen Ersparnissen von 800 Mio. Euro führen. In den ersten neun Monaten 2010 hatte der Konzern einen Umsatz von 26 Mrd. Euro, ein Ebit von rund 2,8 Mrd. Euro und ein Ergebnis nach Steuern von 1,5 Mrd. Euro eingefahren.

 

Beiersdorfer investiert weiter in die Zukunft:
Der Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf hat im Jahr 2010 den Konzernumsatz um 7,7% auf erstmals über 6 Mrd. Euro ausbauen können, der Gewinn sank jedoch von 380 auf 308 Mio. Euro (die Ebit-Marge liegt bei 9%). Grund ist der Sanierungskurs, der allein 2010 mit rund 120 Mio. Euro zu Buche schlug. Insgesamt sollen 270 Mio. Euro investiert werden, um die Dynamik zu erhöhen und damit den Anschluss an die Marktführer zu halten. Beiersdorf wird von der Tchibo-Mutter Maxingvest der Hamburger Kaffeefamilie Herz kontrolliert.

 

Barclays-Starinvestmentbanker erklärt Zurückhaltung bei Boni für beendet:
Der Starinvestmentbanker und designierte Vorstandschef der Großbank Barclays, Bob Diamond: „Es gab für uns die Phase des Bedauerns und der Entschuldigungen. Damit muss nun Schluss sein!“ Er soll selber 9,6 Mio. Euro Boni erhalten, insgesamt zahlt sich die Londoner City wieder 8,4 Mrd. Euro als Boni aus. Großbritannien wurde von der Finanzkrise sehr hart getroffen und musste härteste Sparpaket der Nachkriegsgeschichte schnüren, hunderttausende Jobs sind weggefallen. Barclays selbst hat die Kreditkrise knapp, aber anders als Rivalen wie die Royal Bank of Scotland oder Lloyds dennoch ohne direkte Staatshilfen überstanden.

 

Daimler erhöht Anteil an Mitsubishi Fuso auf 89%:
Der Stuttgarter Autobauer Daimler baut seinen Anteil am japanischen Nutzfahrzeughersteller Mitsubishi Fuso um 271 Mio. Euro auf 89,29% der Anteile aus. Mitsubishi Fuso, das asiatische Standbein der Nutzfahrzeugsparte von Daimler Trucks, hat nach einer längeren Umstrukturierungsphase mit Massenentlassungen 2010 erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. Mitte der 90er Jahre setzte Fuso jährlich noch rund eine halbe Million Fahrzeuge ab, 2009 waren es nur noch knapp 100.000.

 

Fiat lehnt VW-Angebot erneut ab und stichelt zurück:
VW-Patriarch Piëch äußert schon seit längerem den Wunsch, den Autobauer Alfa Romeo aus von dem Fiat-Konzern zu übernehmen. Am Rande der Automesse in Detroit hat Fiat-Chef Marchionne dies erneut zurückgewiesen und mit einem Übernahmeangebot des VW Lastwagengeschäfts durch Fiat Industrial gekontert. Später ergänzte Marchionne: „Das ist genauso ein Witz wie euer Plan, Alfa zu kaufen.“

 

Weltgrößter Chiphersteller Intel muss Konkurrenten Nvidia 1,5 Mrd. Dollar zahlen:
In einem Patentstreit muss Intel seinem Konkurrenten und Grafikkartenspezialisten Nvidia eine Lizenzgebühr in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar zahlen und erhält im Gegenzug einige Nvidia-Lizenzen für sechs Jahre.

 

Duke Energy kauft sich zum größten Energieerzeuger der USA:
Das US-Unternehmen Duke Energy will seinen Konkurrenten Progress Energy für 13,7 Mrd. Dollar in eigenen Aktien übernehmen und so zum größten Energieversorger der USA aufsteigen. Auch die 12,2 Mrd. Dollar Schulden von Progress sollen übernommen werden. Die Unternehmensspitze von Progress hat die Offerte positiv beurteilt.

 

US-Start-up sammelt die Rekordsumme von 950 Mio. Dollar ein:
Die Schnäppchen-Internetseite Groupon (Gründung vor zwei Jahren) hat in einer Finanzierungsrunde mit 950 Mio. Dollar (736 Mio. Euro) die höchste Summe eingesammelt, die je ein Start-up-Unternehmen erhalten hat. Das Geld soll in die Technik und die internationale Expansion investiert werden. Erst kürzlich hatte Groupon, das Massenbestellungen zu Großhandelspreisen organisiert, ein Kaufangebot von Google über 6 Mrd. Dollar zurückgewiesen. Groupon ist in 35 Ländern aktiv und hat mehr als 50 Millionen registrierte Nutzer.

 

Ägyptischer Multimilliardär baut Andermatt für 1,25 Mrd. Euro aus:
Der ägyptische Multimilliardär Samih Sawiris (Familienvermögen 20 Mrd. Dollar) will das Schweizer Bergdorf Andermatt vor dem endgültigen Untergang retten und zu einem mondänen Wintersport- und Kurort ausbauen. Für 1,25 Mrd. Euro will er bis 2020 sechs Luxushotels, 490 Appartements sowie 25 Luxusvillen zu einem Stückpreis von 10-20 Millionen Franken errichten (3.800 Gästebetten und 1.800 Arbeitsplätze). In das umliegende Skigebiet werden 125 Mio. Franken gepumpt. Andermatt war aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage an den Gotthardtunnels die wichtigste Militärbasis des Alpenlandes, befindet sich aber seit Ende der 1980er in einem kontinuierlichen Niedergang.

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