Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 12.11.2010

1. Schwierige G20-Verhandlungen mit Minimalkonsens:
2. Schäden aus Naturkatastrophen könnten sich verdreifachen:
3. EU stärkt Irland in der Schuldenkrise den Rücken – Finanzmärkte sind erbost:
4. Studie prognostiziert Autobauern für 2011 absolutes Rekordjahr:
5. Nissans ruft 600.000 Fahrzeuge zurück – durchrostende Lenkungen:
6. Chinesischer Autobauer SAIC steigt bei General Motors ein:
7. Daimler bricht Geschäfte mit dem Iran ab:
8. Roland Berger verschweigt Zahlen
9. Hochtief schlägt nächsten Haken:
10. Siemens erhöht Gewinn auf 4,1 Mrd. Euro und Dividende um 70%:
11. EADS bleibt nur knapp in der Gewinnzone:
12. Bertelsmann steigert Gewinn auf 357 Mio. Euro nach vorjährigem Verlust:
13. Sky klart auf, Verluste reduziert:
14. Salzgitter kehrt vorsichtig in die Gewinnzone zurück:

 

Schwierige G20-Verhandlungen mit Minimalkonsens:
Die 20 größten Länder, die rund 85% der globalen Wirtschaft repräsentieren (G20), haben sich bei ihrem Gipfeltreffen im südkoreanischen Seoul offenbar auf eine Reform des IWF und auf die Annahme von Basel III (strengere Eigenkapitalregeln für Banken) geeinigt. Die schwierigen Verhandlungen haben indes keine Lösung beim „Abbau der Ungleichgewichte im Welthandel“ und „Währungs- und Wechselkursmanipulationen“ gebracht. Die Ungleichgewichte im Welthandel sollen im kommenden Jahr ausführlich diskutiert werden, um dann im Rahmen des IWF eine Lösung zu finden. Die Wechselkurse hingegen sollten nicht künstlich nach unten manipuliert werden, um den eigenen Export zu stärken – hierzu gaben die Staatschefs eine unverbindliche Verpflichtung ab. Einen substanziellen Erfolg gab es bei der Reform des IWF: Die Stimmgewichte wurden neu bewertet und an die Realität angepasst, so dass die aufstrebenden Schwellenländer mehr Gewicht erhalten – und im Krisenfall auch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Weiteres Ergebnis: Die strengeren Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III) wurden angenommen.

 

Schäden aus Naturkatastrophen könnten sich verdreifachen:
Die Schäden aus Naturkatastrophen werden einer Studie der Vereinten Nationen (UN) und der Weltbank zufolge in den nächsten Jahrzehnten drastisch steigen. Bis zum Jahr 2100 könnten sie sich demnach auf 185 Mrd. Dollar (135 Mrd. Euro) im Jahr verdreifachen. Dies liege vora allem an dem weiteren Wachstum der Großstädte, sowie auch an dem steigenden Wohlstandsniveau. „Da die Menschen reicher werden, haben sie mehr zu verlieren.“ Die Folgen des Klimawandels sind in den Berechnungen allerdings noch nicht berücksichtigt.

 

EU stärkt Irland in der Schuldenkrise den Rücken – Finanzmärkte sind erbost:
Die Risikoprämie für zehnjährige irische Anleihen stieg weiter an und erreichte erstmals 6,5 Prozentpunkte, die Rendite nähert sich damit 9% (Deutschland 2,4%). Zum Glück für Irland benötigt dieses erst Mitte nächsten Jahres wieder neue Kredite, allerdings verdeutlicht die Entwicklung die Nervosität der Märkte. EU-Kommissionspräsident Barroso sicherte Irland für den Notfall Hilfen zu, die notwendigen Instrumente lägen bereit. Dublin hingegen warb um Vertrauen und versicherte, dass es allein zurecht komme und „auf keinen Fall“ einen Hilfsantrag nach Brüssel senden müsse. Ursache der irischen Schuldenkrise sind die enormen Kosten zur Rettung der Banken, die der kleine Inselstaat im Zuge der Finanzkrise retten musste (50 Mrd. Euro). Das Haushaltsdefizit wird dadurch bedingt in diesem Jahr auf den absoluten Rekordwert von 32% des BIP steigen. Hauptursache des Anstiegs der Risikoprämie ist jedoch ein politischer Vorgang: Bereits Ende Oktober hatten die EU-Regierungschefs folgerichtig erwogen – neben den Steuerzahlern – auch die privaten Gläubiger an der Umschuldung eines in finanzieller Schieflage befindlichen Staates zu beteiligen, demnach also Risiken auch wirkliche Risiken sein zu lassen (daher ja auch der Begriff „Risikoprämie“). Dieser „Haircut“ könnte einige Jahre Zinsausfälle und somit einen Verlust von bis zu 30% der Gesamtforderungen aus Zins und Tilgung bedeuten. Die Finanzmärkte reagieren naturgemäß auf die ungewohnte Möglichkeit der Beteiligung an Verlusten erwartungsgemäß verschnupft.

 

Studie prognostiziert Autobauern für 2011 absolutes Rekordjahr:
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens R. L. Polk beschert vor allem der boomende Wachstumsmarkt Asien den Autobauern 2011 weltweit mit 64,4 Mio. (+ 8,4%) das Jahr mit den höchsten Pkw-Neuzulassungen der Geschichte. In 2010 werde mit 59,4 Mio. (+ 7,5%) der bislang zweithöchste jemals registrierte Wert erreicht. Seit 2009 liegen die Neuzulassungen in Asien – mit zweistelligen Zuwachsraten – über denen von Amerika und Europa.

 

Nissans ruft 600.000 Fahrzeuge zurück – durchrostende Lenkungen:
Diesmal ist es der japanische Autohersteller Nissan, der Hunderttausende Autos wegen Rost an der Lenkung und wackeligen Batterieklemmen zurückrufen muss. Betroffen sind mehr als 600.000 Autos in Nord- und Südamerika und Afrika. Unfälle habe es wegen der Probleme indes noch keine gegeben. Im Detail handelt es sich um 303.000 Pick-up-Trucks des Typs Frontier und 283.000 Xterra-Geländewagen, die zwischen 2001-2008 in den USA und Brasilien gebaut wurden. Der Rost an der Lenkung kann dazu führen, dass diese schlimmstenfalls bricht. Von der schadhaften Batterieklemme sind 18.500 in Mexiko produzierte Sentra-Kompaktwagen betroffen.

 

Chinesischer Autobauer SAIC steigt bei General Motors ein:
Die chinesische Autoindustrie befindet sich derzeit weltweit auf Einkaufstour. Erst vor wenigen Monaten hatte der chinesische Hersteller Geely den schwedischen LKW- und Autobauer Volvo komplett übernommen. Nun steht General Motors auf der Tagesordnung. Der chinesische Autobauer SAIC und der größte US-Autobauer General Motors sind bislang über ein Joint Venture verbunden. Nun wollen die Chinesen bei dem 2009 mit 50 Mrd. Dollar staatlich geretteten US-Unternehmen einsteigen (Washington hält derzeit noch 60% an GM). Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, Details über die Höhe der Beteiligung wurden jedoch zunächst noch nicht bekannt. GM hat im dritten Quartal wieder 2 Mrd. Dollar Gewinn gemacht. Ermöglicht hat dies eine Ausnahmeregelung der Regierung: Eigentlich ist die Verrechnung aktueller Gewinne mit früheren Verlusten nach einer Insolvenz, wie sie GM erlebt hat, nicht möglich. GM darf es dank eines Ausnahmegesetzes trotzdem – und spart sich damit in den nächsten Jahren rund 45,5 Mrd. Dollar.

 

Daimler bricht Geschäfte mit dem Iran ab:
Aus Angst vor Auftragsverlusten aus den USA beendet Daimler alle seine Geschäftsbeziehungen mit dem Iran. Ursache sei nach Zetschke die Politik der derzeitigen iranischen Führung. Daimler trennt sich von seiner 30% Beteiligung an dem Dieselmotoren-Hersteller Iranian Diesel Engine Manufacturing. Daimler folgt mit dieser Entscheidung den deutschen Unternehmen ThyssenKrupp, Commerzbank, Deutsche Bank, Allianz und Munich Re.

 

Roland Berger verschweigt künftig seine Zahlen:
Die Unternehmensberatung Roland Berger wird künftig keine Zahlen mehr zum operativen Erfolg veröffentlichen. Roland Berger folgt damit dem Konkurrenten McKinsey, der seinen Umsatz schon seit Jahren nicht mehr rechtfertigen will. Der Umsatz 2009 hatte sich auf 616 Mio. Euro belaufen.

 

Hochtief schlägt nächsten Haken:
Deutschlands größter Baukonzern Hochtief bereitet einen nächsten „Giftpfeil“ in dem Abwehrkampf gegen den spanischen Konkurrenten ACS vor. Demnach soll die Mehrheit an der Flughafentochter Concessions abgegeben werden, die Einnahmen würden dann im nächsten Jahr den Aktionären zugute kommen. Damit sollen die Anteileigner für eine Ablehnung des Übernahmeangebotes der Spanier gewonnen werden. Gleiches gelte auch für die Beteiligung an Aurelis Real Estate.

 

Siemens erhöht Gewinn auf 4,1 Mrd. Euro und Dividende um 70%:
Der Technologiekonzern Siemens gibt einen großen Teil seines kräftigen Gewinnplus an die Anteilseigner weiter und erhöht die Dividende um 70%. Künftig werde zwischen 30-50% des Jahresgewinns an die Eigentümer abgeben. Der Gewinn hat sich in dem Geschäftsjahr 2009/10 um fast zwei Drittel auf rund 4,1 Mrd. Euro erhöht und soll in dem Geschäftsjahr 2010/11 um weitere 25-35% wachsen. Die Rendite auf das eingesetzte Capital (ROCE) soll künftig 15-20% betragen. Der Auftragseingang stieg um 3% auf 81,2 Mrd. Euro.

 

EADS bleibt nur knapp in der Gewinnzone:
Der größte europäische Rüstungs-, Raum und Luftfahrtkonzern EADS hat rund ein Drittel weniger verdient als noch im Vorjahr. Der Konzern verspricht daher eine "erhebliche Rentabilitätssteigerung". Negativ haben sich vor allem höhere Kosten beim A380 und beim Militärtransporter A400M – dem Fass ohne Boden – zu Buche geschlagen. In den ersten neun Monaten des Jahres fiel der Gewinn auf 198 Mio. Euro. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen betrug der Gewinn 784 Mio. Euro. Der Umsatz hingegen stieg um sechs Prozent auf fast 31,6 Mrd. Euro.

 

Bertelsmann steigert Gewinn auf 357 Mio. Euro nach vorjährigem Verlust:
Der größte deutsche Medienkonzern Bertelsmann profitiert von dem wieder anziehenden Werbemarkt und kehrt deutlich in die Gewinnzone zurück. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Umsatz um 3,5% auf 11,0 Mrd. Euro, der Gewinn stieg nach einem Verlust von 246 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 357 Mio. Euro.

 

Sky klart auf, Verluste reduziert:
Der chronisch defizitäre Bezahlsender Sky konnte seine Abonnentenzahlen im dritten Quartal deutlich steigern und damit seine weiter anfallenden Verluste damit auf 89,3 Mio. Euro reduzieren. Analysten waren von 98 Mio. Euro ausgegangen. Für das Gesamtjahr wird ein negatives Ergebnis von 260-280 Mio. Euro Verlust erwartet. Von den 2,52 Mio. Kunden zahlt jeder durchschnittlich 29,45 Euro pro Monat (Umsatz: 243 Mio. Euro). Sky hofft nun, von dem allgemeinen Aufschwung weiter profitieren zu können und auf ein gutes Weihnachtsgeschäft.

 

Salzgitter kehrt vorsichtig in die Gewinnzone zurück:
Der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern Salzgitter hat nach einem Verlust von 232 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum wieder die Gewinnzone erreicht. Nach den ersten neun Monaten 2010 ergibt sich ein Gewinn von 3,9 Mio. Euro. Der Umsatz von 6,19 Milliarden Euro zog besonders im dritten Quartal an (plus 18 Prozent).

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