Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 13.12.2010

1. Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage bei KMU:
2. Irische Opposition will EU-Rettungspaket nachverhandeln:
3. China verschärft weiterhin seine Geldpolitik:
4. Bürgerversicherung würde Lohnnebenkosten deutlich senken:
5. DIW: steigende Staatsverschuldung mit (Spitzen-)Privatvermögen bekämpfen:
6. Städteranking in Deutschland – München bleibt vorne:
7. Hochtief und ACS zu Gesprächen bereit:
8. Weltgrößter Automarkt China kürzt Subventionen – und weckt Ängste:
9. Auch Renault mit einem Milliarden-Rekordgewinn:
10. Auch Ford setzt wieder auf Brennstoffzelle:
11. ThyssenKrupp will mit neuem Werk den US-Stahlmarkt erobern:
12. Baiersdorfer korrigiert Erwartungen nach unten und baut Konzern um:
13. Sanofi-Aventis will US-Biotechfirma Genzyme für 18,5 Mrd. Dollar übernehmen:
14. Linde-Konkurrenten streiten weiter über Übernahme:
15. Impfstoffhersteller Intercell bricht Reisepflaster-Impfstoff-Entwicklung ab:
16. Tengelmanns US-Beteiligung A&P meldet Insolvenz an:
17. Verdächtiger Sohn des 65-Mrd.-Betrügers Madoff begeht Selbstmord:

 

Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage bei KMU:
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat vor zunehmender Wirtschaftsspionage gewarnt. Dabei sei in letzter Zeit eine deutliche Zunahme der Cyberspionage, der Wirtschaftspionage über das Internet, zu verzeichnen – allen voran aus Fernost aber auch Russland (zum Teil von den Nachrichtendiensten unterstützt). Zudem geraten auch zunehmend kleine und mittelständische innovative Unternehmen in den Fokus der Technologiediebe. Die Schadsoftware (meist Trojaner) wird dabei immer ausgefeilter, so dass sich mittlerweile teilweise bereits Trojaner entfalten können, obwohl man die entsprechende Email gar nicht geöffnet hat. Da die Sicherung der Datennetze in den Unternehmen in der Rüstungsspirale der Cyberwelt allein nicht ausreicht, um dem Ideenklau 100-prozentig zu verhindern, sollten nicht alle Firmenunterlagen im Smartphone oder Laptop bzw. im ans Internet angeschlossene Firmennetzwerk gelagert, oder aus Gründen der Bequemlichkeit sogar per Email versandt werden. Ein gesondertes und abgeschlossenes Firmennetzwerk, sowie Sorgfalt bei der Übermittlung sensibler Daten (auf Datenträgern per Kurier) hilft, keinerlei Angriffsflächen zu bieten. Zudem sollten Produkte und Know-how auch international geschützt und patentiert werden.

 

Irische Opposition will EU-Rettungspaket nachverhandeln:
Im Falle eines Wahlsiegs im Frühjahr will die irische Opposition das 85-Mrd.-Euro-Rettungspaket der EU nachverhandeln (davon 67,5 Mrd. von der EU, 17,5 Mrd. Euro steuert Irland selbst bei). Konkret geht es um die Verzinsung von 5,82%. Irland sei in der gegenwärtigen Situation nicht in der Lage, diese Zinszahlungen zu leisten. Auf den Märkten muss Irland derzeit inklusive Risikoaufschlag rund 8% Zinsen zahlen, im Vergleich zu rund 3% Zinsen, die Deutschland für seine Anleihen zahlt.

 

China verschärft weiterhin seine Geldpolitik:
Peking versucht weiterhin, ein drohendes Heißlaufen der chinesischen Wirtschaft zu verhindern. Erst kürzlich hatte die Regierung die Leitzinsen und die Mindestreserveanforderungen an die größten Banken (Eigenkapitalvorschriften) erhöht, um dem Wirtschafskreislauf Geld zu entziehen und somit mögliche Blasen zu verhindern, aber auch die Inflation zu dämpfen. Nun wurden die diese Woche ursprünglich auslaufenden Mindestreserveanforderungen der Banken verlängert.

 

Reformkommission: Bürgerversicherung würde Lohnnebenkosten deutlich senken:
Laut Berechnungen der Reformkommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) würde eine tatsächlich solidarische Versicherungsform, die Bürgerversicherung, die die bisherigen Privatversicherungen in eine gesetzliche überführen würde, den Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung um bis zu 2,5 Prozentpunkte senken (derzeit 15,5%). Damit würde der Faktor Arbeit von den unverhältnismäßig hohen Lasten befreit, die somit auf sämtliche Einkommensarten und alle Bürger solidarisch verteilt werden würden. Die Bürgerversicherung beruht auf einer schrittweisen Auflösung privater Krankenkassen und einer Mitberechnung der Einkunftsarten Kapital- und Mieteinnahmen. Dabei könnten bisherige PKV-Versicherte in dieser Versicherungsform bleiben, lediglich neu zu versichernde könnten diese nicht mehr in Anspruch nehmen.

DIW: steigende Staatsverschuldung mit (Spitzen-)Privatvermögen bekämpfen:
Die deutsche Staatsverschuldung ist innerhalb der letzten drei Jahren von 65% auf nun mehr 75,5% gestiegen. Ein ausgeglichener Haushalt liegt zudem in weiter Ferne. Nach den Maastrichter Stabilitätskriterien wird jedoch nur eine Obergrenze von 60% als solide definiert. Da sich gleichfalls die Privatvermögen gemessen am BIP seit 1991 um 99% erhöht haben, bleibe nach Meinung der Wirtschaftswissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lediglich ein vernünftiger Schluss: Die erhöhten und aufgrund der in dem Industrieländervergleich einmalige Konzentrationsprozess zunehmend ungleich verteilten Vermögensstände müssen zur Finanzierung des Gemeinwesens herangezogen werden (laut OECD wächst in Deutschland – entgegen den Prinzipien der „sozialen Marktwirtschaft“ – die Ungleichheit seit 2000 wie in keinem anderen OECD-Land). Der Vorstoß der Wirtschaftswissenschaftler konkreter: Neben der Notwendigkeit eines mittelfristigen Konsolidierungsprogramms mit einem ausgewogenen Mix aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen könne man die höheren Einkommen und Vermögen belasten, die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hätten (2007 verfügten rund 27% der Deutschen über gar kein Vermögen oder hatten Schulden, dagegen besaß allein das oberste Zehntel der Bevölkerung rund 60% des Gesamtvermögens – der "Mittelstandsbauch" bei den Abgaben zieht jedoch überproportional die nicht erwähnte Bevölkerung dazwischen zur Kasse). Vor diesem Hintergrund empfiehlt das DIW eine Reform der Erbschaftsteuer beziehungsweise eine einmalige Vermögensabgabe. Nur so könne die wachsende Staatsverschuldung in Deutschland in den Griff bekommen werden.

 

Städteranking in Deutschland – München bleibt vorne:
München bleibt Deutschlands wirtschaftsstärkste Stadt. Die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und die Wirtschaftswoche legten zum siebten Mal einen Städtevergleich innerhalb Deutschlands vor. Diesmal wurde die Zahl der untersuchten Städte auf die 100 einwohnerstärksten kreisfreien Städte verdoppelt. Dadurch rückten bislang nicht berücksichtigte Städte wie Erlangen und Wolfsburg auf vordere Plätze vor.

 

Hochtief und ACS zu Gesprächen bereit:
Im Abwehrkampf des größten deutschen Bauunternehmens Hochtief gegen den spanischen Konkurrenten ACS haben beide Parteien Gesprächsbereitschaft signalisiert. Nähere Informationen liegen noch nicht vor. Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter schwächte gleichzeitig auch die bisherige Haltung zu den als feindlich bewerteten Übernahmeplänen von ACS und dessen Chef Florentino Pérez ab: „Ich rede nicht von einer feindlichen Übernahme. Herr Pérez und ich – wir haben unterschiedliche Interessen.“ Erst am Freitag war das Emirat Katar mittels einer Kapitalerhöhung bei Hochtief eingestiegen, was die Übernahme für ACS verteuern würde. In Katar wird 2022 die Fußball-WM ausgetragen. Hochtief soll bei dem Bau der Stadien eine bedeutende Rolle spielen. Die Holding von Katar erklärte, ein „konstruktiver Mediator“ sein zu wollen, um ein positives Ergebnis für alle Aktionäre sicherzustellen.

 

Weltgrößter Automarkt China kürzt Subventionen – und weckt Ängste:
Der weltgrößte Automarkt China hat einen großen Anteil an dem boomenden Geschäft der deutschen Autobauer. Doch nun will Peking die Subventionen kürzen. Zudem sind Auflagen für Autokäufer geplant, um die stark gestiegene Luftverschmutzung und Verkehrsstaus zu verringern. Mit 600 Mrd. Dollar wird auch der Konkurrent Eisenbahn massiv ausgebaut. Dies könnte zusammengenommen das jährliche Wachstum von (blasengenerierenden) 30-40% auf gesunde 10% reduzieren, so Professor Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. Hauptbetroffene von einer Reduzierung der Subventionen wären ohnehin die Billiganbieter.

 

Auch Renault mit einem Milliarden-Rekordgewinn:
Auch der französische Autobauer Renault kann von der boomenden Autonachfrage in aller Welt profitieren und rechnet mit einem Rekordergebnis. 3,3 Mrd. Euro soll der Gewinn in diesem Jahr betragen, nach beinahe ebenso hohen Verlusten 2009. Zu dem Gewinn hat auch maßgeblich der Verkauf der Anteile am schwedischen Lkw-Hersteller Volvo und der Beteiligung am japanischen Partner Nissan beigetragen.

 

Auch Ford setzt wieder auf Brennstoffzelle:
Wie VW und weitere Autobauer hatte Ford zwischenzeitlich sein Engagement bei der Brennstoffzellentechnologie zurückgefahren und ganz auf den Elektroantrieb gesetzt. Daimler war einer der wenigen Hersteller, die Konsequent auch auf die Technologie gesetzt haben. Offenbar haben sich die Rahmenbedingungen soweit geändert, dass immer mehr Autobauer diese Technologie für sich wiederentdecken – ein Branchentrend. Für 2015 haben Daimler, VW und Opel ein serienreifes Auto mit Brennstoffzelle angekündigt. Ford will nun mitziehen, sich aber etwas mehr Zeit bei der Realisierung gönnen. Der Konzern rechnet mit mindestens zehn Jahren, bis er ein bezahlbares Auto herausbringt.

 

ThyssenKrupp will mit neuem Werk den US-Stahlmarkt erobern:
Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hat am Freitag im US-Bundesstaat Alabama in der Stadt Calvert ein 5 Mrd. Dollar teures Stahlwerk eröffnet. Damit soll im Flachstahlbereich ein Marktanteil von 5% realisiert werden. Auch im Edelstahlbereich will der Konzern seinen Marktanteil in den USA, Kanada und Mexiko von derzeit gut 15% weiter ausbauen. Diese Investition war neben dem im Juni eröffneten fünf Milliarden Euro teuren Stahlwerk in Brasilien („Problemhütte im Urwald“ / Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Umweltrecht) die größte Investition der Unternehmensgeschichte.

 

Baiersdorfer korrigiert Erwartungen nach unten und baut Konzern um:
Der Nivea, Eucerin, Labello und Tesa Hersteller Baiersdorfer korrigierte das Umsatzwachstum auf 2-3% nach unten, auch die Umsatzrendite auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde 11% Prozent. Baiersdorfer kündigte daraufhin einen Konzernumbau an und trennt sich von seinem Finanzvorstand. Auch in die Entwicklung neuer Produkte soll investiert werden, unrentable Produkte werden aus dem Sortiment genommen. Der Rückzug aus der Kosmetik betreffe allerdings nur den deutschen Markt. Die Tochtergesellschaften in anderen Ländern würden eigenständig entscheiden. Ein Stellenabbau sei nicht geplant. Alle Mitarbeiter würden an anderer Stelle im Konzern weiterbeschäftigt.

 

Sanofi-Aventis will US-Biotechfirma Genzyme für 18,5 Mrd. Dollar übernehmen:
Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat sein Übernahmegebot in Höhe von 18,5 Mrd. Dollar für die US-Biotechfirma Genzyme verlängert. Die erste Phase lief bis letzten Freitag und wird nun bis zum 21. Januar verlängert. Bislang hat lediglich ein Prozent der Genzyme-Aktionäre das Sanofi-Angebot von 69 Dollar je Aktie angenommen.

 

Linde-Konkurrenten streiten weiter über Übernahme:
Die US-Industriegashersteller Airgas und Air Products streiten weiter über das Übernahmeangebot von Air Products. Dieser versucht bereits seit Februar, den Konkurrenten zu übernehmen. Im Zusammenhang mit einer Air-Products-Klage gegen eine geplante Kapitalerhöhung zur Abwehr der feindlichen Übernahme musste Airgas nun etliche Internas offen legen, die zeigen, dass die beiden Vorstellungen über den Preis gar nicht so weit auseinander liegen. Mit der Übernahme des derzeit mit 5,9 Mrd. Dollar bewerteten Airgas würde ein neuer Marktführer in der nordamerikanischen Industriegasbranche und dem deutschen Unternehmen Linde ein mächtiger Konkurrent entstehen.

 

Impfstoffhersteller Intercell bricht Reisepflaster-Impfstoff-Entwicklung ab:
Der Impfstoff gegen Reisedurchfall hat die geplanten Endpunkte in Wirksamkeitsstudien (Phase II und Phase III) nicht erfüllt, das Projekt wird nun abgebrochen. Der Verlust des österreichischen Intercell erhöht sich daher für 2010 von ursprünglich prognostizierten 40 Mio. Euro auf rund 200 Mio. Euro. Intercell ist der einzige unabhängige europäische Impfstoffhersteller. Die organisatorische Struktur des Unternehmens soll entsprechend angepasst werden. Die Maßnahmen sollen bis Mitte 2011 vollständig umgesetzt sein und zu weiteren Kostensenkungen führen.

 

Tengelmanns US-Beteiligung A&P meldet Insolvenz an:
Tengelmann ist seit 1979 mit 38% an der US-Einzelhandelskette A&P (Great Atlantic & Pacific Tea Co) beteiligt. Der Wal-Mart-Konkurrent mit 395 Filialen, einem Jahresumsatz von rund 9 Mrd. Dollar und 40.000 Mitarbeitern ist nun in existenzielle Schwierigkeiten geraten und hat Insolvenz angemeldet. Nach den eingereichten Unterlagen lasten auf A&P mehr als 1 Mrd. Dollar Schulden. Hauptgrund der Schwierigkeiten sei die Konsumschwäche in den USA. Dies hängt damit zusammen, dass die extrem auseinandergehende Vermögensschere seit der Reagen-Ära mit billigen Subprime Krediten aufgefangen wurde, damit die zunehmend schlechter bezahlte Masse der US-Bevölkerung weiterhin den Konsum stützen kann. Dadurch wurde die gigantische Subprime-Blase mit aufgebaut. Seit der Finanzkrise und dem Wegbrechen der Verbraucherkredite tritt das volkswirtschaftliche Ungleichgewicht jedoch ungeschminkt zu Tage und die Binnenkonjunktur liegt am Boden – mit entsprechenden Konsequenzen für die Wirtschaft (vgl. Le Monde Diplomatique Ausgabe 12/2010).

 

Verdächtiger Sohn des 65-Mrd.-Betrügers Madoff begeht Selbstmord:
Der Sohn des zu 150 Jahren Haft verurteilten US-Betrügers Madoffs und zunehmend ins Visier der Ermittlungen geratene Mark Madoff hat sich mit einer Hundeleine erhängt. Sein Anwalt: „Mark war ein unschuldiges Opfer der monströsen Verbrechen seines Vaters.“ Die beiden Söhne hatten 2008 nach dem internen Geständnis ihres Vaters über das Ausmaß der Betrügereien die Behörden (FBI) verständigt.

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