Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 14.01.2011

International:
1. Wachstum der Weltwirtschaft reduziert sich in 2011 von 3,9 auf 3,3%:
2. US-Notenbank rechnet mit bis zu 4% US-Wachstum in 2011:
3. Portugiesische, spanische und italienische Anleihen problemlos gezeichnet:
4. Frankreich führt Frauenquote von 40% für die Vorstandsebene ein:

Deutschland:
5. Deutsche Wirtschaft wächst um 3,6%, Staatsschulden um 3,5%:
6. Kartellamt scheitert bei Überprüfung des Strompreises:

Branchen und Unternehmen:
7. Auftragsbestellung beim Maschinenbau legt um 43% zu:
8. Siemens-Korruptionsaffäre hält Manager ein:
9. Commerzbank erhöht Kernkapital durch Kapitalerhöhung auf 10,2%:
10. Hedge-Fonds wollen Hochtief-Übernahme verhindern:
11. IBM und Samsung gehen bei Chips Elefantenfreundschaft ein:
12. Intel mit Rekordgewinn von 3,4 Mrd. Dollar netto im 4. Quartal 2010:
13. SAP mit 3,9 Mrd. Euro Gewinn in 2010:
14. Milliardenfusion in der kanadischen Kupfer-Branche:
15. IKEA drosselt Asien-Expansion aus Angst vor Korruption:

 

International:

 

Wachstum der Weltwirtschaft reduziert sich in 2011 von 3,9 auf 3,3%:
Nach der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft mit einem Wachstum von 3,9% in 2010 rechnet die Weltbank für 2011 mit einem etwas langsameren Wachstum von 3,3% und für 2012 mit 3,6%. Wachstumsmotoren sind die Schwellenländer. Sie werden im Schnitt um 6% wachsen und tragen damit rund die Hälfte des globalen Wachstums, die Industrieländer werden hingegen im Schnitt um 2,4% zulegen. Das größte Wachstum hat mit rund 10% wiederum China erreicht. Aus der zurückliegenden Finanzkrise würden sich jedoch noch zahlreichen Risiken ergeben: Die hohen Staatsschulden der Industrieländer, Arbeitslosigkeit und der in vielen Staaten angeschlagene Immobilien- und Finanzsektor. Zudem sei der Preisanstieg bei Rohstoffen, vor allem von Nahrungsmitteln und Treibstoffen, besorgniserregend. Der zweistellige Preisanstieg bei Getreide und anderen Grundnahrungsmitteln lässt eine erneute Nahrungsmittelkrise wie im Jahr 2008 befürchten.

 

US-Notenbank rechnet mit bis zu 4% US-Wachstum in 2011:
Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed, rechnet für das laufende Jahr 2011 mit einem starken Wachstum der US-Wirtschaft von 3-4%. Grund sei eine Festigung der konjunkturellen Erholung, die in den vergangenen Monaten beobachtet werden konnte. Über den Jahreswechsel hat die US-Wirtschaft weiter an Stärke gewonnen und die verarbeitende Industrie hat in allen Regionen zugelegt, auch der für die US-Wirtschaft sehr wichtige private Konsum hat wieder zugenommen.

 

Portugiesische, spanische und italienische Anleihen problemlos gezeichnet:
Portugal, Spanien und Italien konnten sich problemlos frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen. Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums musste am Donnerstag mit 4,5% zudem deutlich weniger Zinsen für ihre Anleihen bieten, als es im Vorfeld erwartet worden war (4,8%). Auch die italienischen Staatsanleihen stießen auf ein überraschend starkes Interesse, allerdings stieg der Zinssatz für fünfjährige italienische Anleihen von 3,24 auf 3,67%. Die erfolgreichen Emissionen dämpften Spekulationen, dass nach Griechenland und Irland auch Portugal und möglicherweise sogar Spanien unter den EU-Rettungsschirm müssen. Experten rechnen nun mit einer weiteren Entspannung der Lage in der nächsten Zeit. Portugal, das für seine zehnjährigen Anleihen 6,7% Zinsen zahlen muss, hat kein Bankenproblem wie Irland und hat nicht so über die Verhältnisse gelebt wie Griechenland, auch sind die Zahlen verlässlich. Spanien wiederum hat mit 70% sogar eine niedrigere Staatsverschuldung als Deutschland, auch haben die iberischen Exporte mittlerweile wieder angezogen und fast das Vorkrisenniveau erreicht.

 

Frankreich führt Frauenquote von 40% für die Vorstandsebene ein:
Frankreich hat – nach Spanien und Norwegen – eine Frauenquote für Großunternehmen beschlossen. Demnach müssen binnen sechs Jahren mindestens 40% der Posten in den Vorstandsetagen für Frauen reserviert werden. Für eine Übergangszeit von drei Jahren gilt eine Mindestquote von 20%.

 

Deutschland:

 

Deutsche Wirtschaft wächst um 3,6%, Staatsschulden um 3,5%:
Nach einer ersten Schätzung des statistischen Bundesamtes hat die deutsche Wirtschaft 2010 um 3,6% zugelegt, das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Im Krisenjahr zuvor war die Wirtschaft noch mit -4,7% eingebrochen – ebenfalls ein Rekordwert und stärker als alle anderen Volkswirtschaften in Europa, selbst als die USA. Da der Einbruch vor allem bei dem stark von der Weltkonjunktur abhängigen Export auftrat, war hier nun auch die stärkste Erholung zu erkennen: Der Export legte um 14,2% zu, die Konsumausgaben hingegen nur um 0,5%. Für 2011 wird mit einem Wachstum von insgesamt mehr als 2% gerechnet. Die stärksten Impulse werden dabei von Investitionen und Konsum erwartet. Die Zahl der Beschäftigten hat mit 40,5 Millionen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht (+212.000). Auch die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte stiegen so stark wie seit 2001 nicht mehr 2010. Allerdings legte auch die öffentliche Verschuldung weiter zu: Nach einer Defizitquote 2009 von 3,0% (72,7 Mrd. Euro) legte die Neuverschuldung auf 3,5% (88,57 Mrd. Euro) in 2010 zu. Aufgrund von Konjunkturprogrammen und der Abwrackprämie erhöhten sich 2010 die staatlichen Subventionen auf rund 164 Mrd. Euro nach 162 Mrd. in 2009 und 146 Mrd. Euro in 2008 (Daten: Kieler Instituts für Weltwirtschaft IfW). Die Bundesregierung geht von einem enger gefassten Subventionsbegriff aus und weist in ihrem Subventionsbericht lediglich die Summe von 30 Mrd. Euro aus. 

 

Kartellamt scheitert bei Überprüfung des Strompreises:
Das Kartellamt hat über zwei Jahre mehr als 300 Millionen Daten von 80 Unternehmen und 340 Kraftwerken aus den Jahren 2007 und 2008 überprüft – und kapituliert: Ob ein Missbrauch der Marktmacht der „großen Vier“ (80% der Kapazitäten entfallen auf RWE, Eon, EnBW und Vattenfall) vorliege, wisse man schlichtweg nicht: Ein Missbrauch sei nicht nachzuweisen, allerdings wurden etliche Daten zuvor bereits gelöscht. Ein Freibrief für die Stromkonzerne ist das Ergebnis der Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts laut dessen Präsidenten Andreas Mundt indes nicht. Die Behörde sieht weiteren Klärungsbedarf und hofft auf die von der Bundesregierung angekündigte Markttransparenzstelle. Mundt: „Eine effektive Missbrauchsaufsicht ist auch nach wie vor dringend erforderlich.“ Der Vorwurf war, die Konzerne hielten das Stromangebot künstlich knapp, um die Preise hoch zu treiben. Diese Preismanipulationen ließen sich nicht nachweisen. Verdächtige Kraftwerksstillstände hatten lediglich einen sehr geringen Anteil von 0,5% der Kraftwerksleistung. Allerdings war auffällig, dass durchschnittlich rund 25% der Erzeugungskapazitäten wegen technischer Restriktionen nicht verfügbar waren – ein laut Mundt sehr hoher Anteil. Es sei nicht auszuschließen, dass hier im Einzelfall technische Schwierigkeiten vorgeschoben worden seien. Dies lasse sich mit den der Behörde derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln jedoch nicht überprüfen. Mundt wertet auch die Wettbewerbssituation auf dem Markt für den erstmaligen Absatz von Strom weiterhin als unbefriedigend.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Auftragsbestellung beim Maschinenbau legt um 43% zu:
Der Maschinenbau beschäftigt in Deutschland rund 900.000 Mitarbeiter und zählt als das Rückrat der deutschen Wirtschaft. Binnen Jahresfrist legten die Auftragseingänge der Branche laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) um insgesamt 43% zu. Die Nachfrage auf dem Heimatmarkt stieg dabei um 23%, die Bestellungen ausländischer Kunden um 53%. Die größte Nachfrage kommt dabei aus südamerikanischen und asiatischen Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien.

 

Siemens-Korruptionsaffäre hält Manager ein:
Früheren Managern von Siemens droht wegen der Schmiergeldaffäre (Herbst 2006) Anklagen in den USA, darunter auch Ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer. Insgesamt wird derzeit gegen 40 ehemalige Siemens-Verantwortliche ermittelt. Zwar hatte sich Siemens vor rund zwei Jahren mit dem US-Justizministerium und der SEC-Börsenaufsicht gegen Zahlung von 800 Millionen Dollar auf einen Vergleich geeinigt, doch das betraf nur das Unternehmen. Laut einer Vertragsklausel dürfen die US-Behörden weiter gegen einzelne Personen ermitteln. Die Ermittlungen konzentrierten sich offenbar zunächst auf rangniedrige ehemalige Siemens-Mitarbeiter, um mit diesen Erkenntnissen frühere Topmanager belangen zu können.

 

Commerzbank erhöht Kernkapital durch Kapitalerhöhung auf 10,2%:
Die Commerzbank hat sich mit der Ausgabe neuer Aktien (Kapitalerhöhung) für die strengeren Kapitalvorschriften für Banken durch Basel III gerüstet. 118 Millionen Aktien wurden platziert und 626 Mio. Euro eingenommen. Damit stieg der Anteil ihres „harten Kernkapitals“ um 0,36 Prozentpunkte auf rund 10,2%. Basel III sieht künftig schrittweise eine Erhöhung der Quote von 2 auf 7% bis 2019 vor. Die Kernkapitalquote beschreibt das Verhältnis vom Kapital einer Bank zu ihren risikobehafteten Geschäften (Kredite, Geldanlagen).

 

Hedge-Fonds wollen Hochtief-Übernahme verhindern:
In dem Übernahmekampf des größten deutschen Baukonzerns Hochtief und dem spanischen Rivalen ACS kehrt möglicherweise eine neue Wende ein: Um die Jahreswende hatte ACS die aktienrechtlich wichtige Marke von 30% beim Essener Baukonzern überschritten. Damit wurde der Weg frei, Hochtiefanteile an der Börse zu kaufen, ohne ein möglicherweise teureres Pflichtangebot abzugeben. Nun wollen einige Hedge-Fonds offenbar die ACS-Pläne doch noch durchkreuzen. Mit dem massiven Aufkauf von rund 260.000 Hochtief-Aktien soll ACS wieder unter die 30%-Marke gedrückt und somit zu einem Nachbessern des Übernahmeangebotes gebracht werden. Derzeit sieht das Tauschangebot der Spanier fünf Hochtief-Aktien für neun ACS-Titel vor. Das entspricht lediglich 62,23 Euro für eine Hochtief-Aktie, die an der Börse momentan mit 62,36 Euro notiert.

 

IBM und Samsung gehen bei Chips Elefantfreundschaft ein:
Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM (USA) und die weltgrößte Elektronikfirma Samsung (Südkorea) wollen bei der Entwicklung einer neuen Halbleitertechnik und neuen Chiptechnologien zusammenarbeiten. Dies betreffe vor allem den Markt für Smartphones und Tablet-Computer. Dazu gehören die Erforschung neuer Chip-Materialien und die Optimierung von Prozess-Technologien. Im Ergebnis sollen kleinere und sparsamere Chips entstehen.

 

Intel mit Rekordgewinn von 3,4 Mrd. Dollar netto im 4. Quartal 2010:
Der US-Chip-Hersteller Intel hat seinen Gewinn im vierten Quartal 2010 um 48% auf 3,39 Mrd. Dollar steigern können, der Umsatz stieg um 8% auf 11,5 Mrd. Dollar. Laut Intel-Chef Paul Otellini war 2010 insgesamt „das beste Jahr in der Geschichte von Intel“. In der Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen an IT-Investitionen gespart, die nun nachgeholt werden. Für 2011 erwartet Intel ein weiteres Umsatzwachstum in Höhe von rund 10%.

 

SAP mit 3,9 Mrd. Euro Gewinn in 2010:
Europas größter Software-Hersteller SAP steigerte seinen Umsatz 2010 um 13% auf 9,85 Mrd. Euro. Der operative Gewinn lag bei 3,9 Mrd. Euro nach 2,6 Mrd. Euro in 2009. Am stärksten Wuchs der Konzern mit einem Plus von rund 20% im vierten Quartal – das beste Quartal in der Unternehmensgeschichte.

 

Milliardenfusion in der kanadischen Kupfer-Branche:
Mit einem Zusammenschluss unter Gleichen entsteht in Kanada ein Kupfer-Förderer im Wert von 9 Mrd. Dollar. Die Fusion der Produzenten Lundin Mining und Inmet Mining soll allein durch den Austausch von Aktien abgewickelt werden. Das neue Unternehmen wird Symterra heißen, über 1,3 Mrd. Dollar Barreserven verfügen und ist nach eigenen Angaben schuldenfrei. Die Fusion sei eine Reaktion auf die starke Rohstoffnachfrage im Zuge der weiter wachsenden Weltwirtschaft.

 

IKEA drosselt Asien-Expansion aus Angst vor Korruption:
Das schwedische Möbelhaus IKEA konnte in 2010 seinen Reingewinn um 6,1% auf 2,7 Mrd. Euro steigern, die Umsätze kletterten um 7,7% auf 23,1 Mrd. Euro. Bei dem weiteren Wachstum in den Schwellenländern tritt Konzernchef Ohlsson jedoch aus Angst vor Korruption und Kriminalität auf die Bremse. Man wolle aus den Fehlern bei der Expansion nach Russland lernen. Im vergangenen Jahr wurden dort zwei Führungskräfte entlassen, weil sie Bestechungsfälle bei einem Subunternehmer ignoriert hatten. Ohlsson: „In Russland haben wir gesehen, dass die Dinge schief laufen können, wenn man zu schnell vorangeht. (…) Wir wollen auf den Märkten die Kompetenz und die Unternehmenskultur Ikeas absichern, bevor wir anfangen, zu viele Läden zu bauen.“ Daher soll die Zahl der Filialen in China von derzeit acht nur um ein bis zwei pro Jahr aufgestockt werden. „China birgt ein gewaltiges Potenzial, aber es gibt keine Eile“, so Ohlsson. „Bevor wir weiter voranschreiten, wollen wir sicher sein, dass wir an den bestehenden Standorten gute Arbeit leisten.“ 80% des Umsatzes erzielt IKEA in Europa.
 

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