Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 14.04.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Australien will leicht bekleidete Frauen in Börsenprospekten verbieten
2. EU-Kartellstrafen gegen Ariel und Coral
3. Afghanistan verklagt Deloitte, PWC und Bearing Point
4. USA mit Haushaltsdefizit von 830 Mrd. Dollar in 6 Monaten
5. China bekommt mehr und mehr Dollar-Millionäre

Branchen und Unternehmen:

6. Katastrophen-Bohrfirma stellt neuen Tiefseerekord auf
7. Deutsche-Schatten-Bank in den USA spart 20 Mrd. Dollar
8. Telekom sucht Partner zum Spielen in China
9. Daimler macht mit Trucks wieder deutlich Gewinne
10. Schiesser verschiebt Börsengang wegen unsicherer Börse

 

Wirtschaftspolitik:

 

Australien will leicht bekleidete Frauen in Börsenprospekten verbieten
Fakten statt Unterwäsche. Das ist die Divise der australischen Regulierungsbehörde. Sie fordert, dass Unternehmen in ihren Börsengangprospekten und Firmenprospekten für potenzielle Investoren auf Fotos mit leicht bekleideten Models verzichten sollen. Vorrang hätte es, die Zahlen übersichtlicher und klarer darzustellen.

 

EU-Kartellstrafen gegen Ariel und Coral
Procter & Gamble (Ariel) und Unilever (Coral) haben einen Fleck auf ihre weiße Weste bekommen: Die europäischen Wettbewerbshüter haben den Waschmittelherstellern eine Kartell-Strafe von zusammen 315 Millionen Euro aufgebrummt, da sie zu Lasten der Verbraucher die Preise durch Absprachen künstlich hochgehalten haben. Dem ebenfalls beteiligten Düsseldorfer Konzern Henkel (Persil, Weißer Riese) wurde die Strafe erlassen, weil er die Behörde über das Kartell informiert hat.

 

Afghanistan verklagt Deloitte, PWC und Bearing Point
Wegen der Beinahe-Pleite der Kabul Bank verklagt die afghanische Regierung die international tätigen Beratungsunternehmen Deloitte, PricewaterhouseCoopers (PWC) und Bearing Point. Die Situation um das marode Bankensystem war im letzten Herbst eskaliert, als Gerüchte um Missmanagements, Vetternwirtschaft und fragwürdiger Kreditvergabepraxis die Kabuler Bank ins Trudeln brachten und die Kunden innerhalb von zwei Tagen mehr als 150 Millionen Dollar abzogen. Dabei war es auch zu Prügeleien vor den Filialen gekommen, die Polizei setzte Schlagstöcke ein und es gab zahlreiche Verletzte. Insgesamt hatte die Kabul Bank 850 Mio. Dollar, das sind  97 Prozent des gesamten ausstehenden Kreditvolumens, an ihre Anteilseigner und Spitzenpolitiker ausgereicht – alles zinslos und ohne Sicherheiten. Derartig mit kostenlosem Geld ausgestattet hat sich die (Abzocker-)„Elite“ des Landes mit Immobilien in Kabul eingedeckt, oder anderweitige Wirtschaftsprojekte und Gründungen finanziert. Die US-Entwicklungshilfebehörde (Agency for international Development) hatte bereits im Februar 2011 ihren 92-Millionen-Dollar-Beratervertrag mit Deloitte gekündigt. Auch wenn Deloitte die Betrügereien der Bank nicht hätte stoppen können, hätte die Beratungsfirma dennoch Hinweise auf die Machenschaften nicht weitergeleitet. Auch eine pakistanische PWC-Tochter hatte der Bank kurz vor Bekanntwerden des kritischen Zustanden ein solides Zeugnis ausgestellt. Präsident Karsai hat nun strafrechtliche Schritte angekündigt – sowohl gegen die sich selbst bereichernde Elite, insofern sie die unrechtmäßigen Kredite nicht umgehend zurückzahle, sowie gegen die drei international tätigen Beratungsunternehmen: „Diese Individuen und Organisationen haben hunderte Millionen Dollar erhalten, um uns mit dem Bankensystem unseres Landes zu helfen, und sie haben dabei vollkommen versagt.“ Die Beratungsunternehmen sind zudem ausgesprochen teuer. So hält beispielsweise auch der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Mattern, eine Umsatzrendite von über 30% für gerechtfertigt und bezeichnet dies als Kernelement der Firmenstrategie. Dazu passt dann auch die Intransparenz: McKinsey veröffentlicht schon seit Jahren keine Zahlen zu Umsatz und Gewinn. Das übertrifft sogar das umstrittene 25 Prozent Ziel der Deutschen Bank (Der Spiegel: „Scharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für ‚einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt’. Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler – weil er notfalls für eine Pleite hafte.“). Solche Mondrenditen übertriffen das in der Wirtschaft allgemein üblich und normalerweise mögliche um ein Vielfaches: Laut den statistischen Daten der Bundesbank liegt der Durchschnitt der Bruttoumsatzrendite der deutschen Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft bei 4,25 Prozent (2009), der Höchststand wurde 2007 mit 5,25 Prozent erreicht. Die Nettoumsatzrendite lag 2009 bei 3,25 Prozent und 2007 bei 4 Prozent.

 

USA mit Haushaltsdefizit von 830 Mrd. Dollar in 6 Monaten
Die USA haben erneut ein Rekorddefizit vermeldet. In den sechs Monaten seit Beginn des Fiskaljahres im Oktober 2010 ist das Haushaltsdefizit auf rund 830 Milliarden Dollar (572,8 Milliarden Euro) angeschwollen. Allein im März betrug das Defizit 188 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr wird mit einem Rekorddefizit von vermutlich 1,5 Billionen Dollar gerechnet. Das bislang höchste Defizit wurde im Fiskaljahr 2008/09 mit 1,42 Billionen Dollar erzielt. Dem folgte dann der zweithöchste Fehlbetrag im vergangenen Haushaltsjahr mit 1,29 Billionen Dollar. Mitte Mai nun dann die derzeitige gesetzliche US-Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar überschritten zu werden. Für eine weitere Erhöhung braucht die Regierung dann die Zustimmung der republikanischen Opposition im Kongress. Der Internationale Währungsfonds IWF drängt die USA derweil zur verstärkten Haushaltskonsolidierung: Während die meisten Industrienationen ihre Haushaltsdefizite verringerten, würden die USA – und auch Japan – ein Handeln aufschieben, um ihre angeschlagenen Volkswirtschaften nicht zu belasten.  Das sieht auch Max Otte ähnlich, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms: „Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft [sind] die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier gibt es ein Haushaltsdefizit von 11 Prozent, was fast doppelt so hoch wie das der Euro-Zone ist.“ Die ganze Euro-Hysterie um die Schuldenstaaten in der EU-Peripherie würde nur davon ablenken. (Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen in Deutschland, Wolfgang Franz, sieht im Kern des Euro-Rettungsschirm „letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm.“) Um von den USA abzulenken passt ganz gut dazu, dass die drei den Markt beherrschenden Ratingagenturen, die laufend die drei europäischen Schuldenstaaten Irland, Griechenland und Portugal abwerten und dadurch nicht mehr zu finanzierende Zinsen bescheren, alle ihren Sitz in den USA haben (die Marktführer Moody’s und Standard & Poor’s sind in den USA beheimatet, die drittgrößte Ratingagentur Fitch hat ihren Sitz in New York und in London). Die USA können jedoch im deutlichen Unterschied jedoch einfach 600 Milliarden Dollar neues Geld drucken („In Amerika regnet es Geld“), was es ihnen – unter anderem wegen der steigenden Inflation, aber auch durch die Funktion des Dollars als Weltreservewährung – erlaubt, ihren nationalen Schuldenberg auf Kosten anderer Staaten abzubauen.

 

China bekommt mehr und mehr Dollar-Millionäre
Die Zahl der Dollar-Millionäre (mehr als 1,5 Millionen Dollar) ist in China im Vorjahresvergleich um 9,7 Prozent auf 960.000 gestiegen. Damit kommt ein Millionär auf 1.400 Chinesen. Die meisten Wohlhabenden leben dabei in der Hauptstadt Peking, vor der südchinesischen Stadt Guangzhou und Shanghai. Rund 20 Prozent der chinesischen Millionäre haben ihr Geld mit Immobiliengeschäften gewonnen, 15 Prozent im Finanzsektor, 10 Prozent im Investitionssektor und 55 Prozent in verschiedenen Bereichen. 30 Prozent der Millionäre sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei 39 Jahren. In Deutschland gibt es 430.000 Millionäre – das ist international der fünfte Platz. Die meisten Millionäre leben in den USA (4,7 Millionen), vor Japan, China und Großbritannien. Die höchste Millionärs-Dichte hat Singapur (11,4 Prozent der Haushalt). Alle zehn Millionen Millionäre weltweit besaßen Ende 2009 zusammen 39 Billionen Dollar, dabei entfielen jedoch allein fast 14 Billionen Dollar auf die kleine Schar von 93.000 Superreichen. Dagegen müssen weltweit rund 440 Millionen Menschen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Katastrophen-Bohrfirma stellt neuen Tiefseerekord auf
Im April hatte die Explosion der Tiefseeölplattform „Deepwater Horizon“ die zweitschlimmste Ölkatastrophe der Geschichte verursacht. Neun der elf getöteten Arbeiter auf der Plattform kamen von dem Betreiber Trancocean. Kürzlich hatte das Unternehmen jedoch ernsthaft behauptet, 2010 statistisch gesehen – bis auf die neun Toten – einen eigenen Sicherheitsrekord aufgestellt zu haben. Zur Belohnung gab es umfangreiche Boni für die Manager. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte hingegen unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung berichtet, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor der Katastrophe nicht erledigt worden, darunter vor allem jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt 136 Plattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee. Nun hat das Bohrunternehmen einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ vor Indien bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Plattform „Deepwater Horizon“ hatte 1.600 Meter unter dem Meeresspiegel gebohrt. Es hatte drei Monate gedauert, bis das Leck geschlossen werden konnte.

 

Deutsche-Schatten-Bank in den USA spart 20 Mrd. Dollar
Die Deutsche Bank plant, eine 20 Milliarden Dollar teure Kapitalerhöhung ihrer US-Tochter Taunus Group zu umgehen. Dafür soll die Tochter aus dem US-Handelsregister gestrichen werden. Das hatte kürzlich erst die britische Großbank Barclays vorgemacht. Hintergrund ist die im letzten Jahr verabschiedete und ab 2015 greifende US-Finanzreform und die damit einhergehende neue aufsichtsrechtliche Behandlung von Holdinggesellschaften ausländischer Banken. Bislang war es ausreichend, wenn der Mutterkonzern über ein ausreichendes Finanzpolster verfügt. Von 2015 an müssen die Holdings selbst über eine genügend große Kapitalausstattung verfügen. Da die Deutsche Bank Tochter, eine der größten Bank-Holdings in den USA, allerdings nur über ein Eigenkapital von deutlich unter den derzeit gesetzlich geforderten vier Prozent verfügt, müsste die Deutsche Bank ihre US-Tochter mit knapp 20 Milliarden Dollar frischem Kapital versorgen. Laut dem Wall Street Journal ist die Holding restlos unterfinanziert und komme unter dem Strich lediglich auf eine negative Kernkapitalquote von minus 1,3 Prozent. Nach der Reorganisation der Holding sollen nun offenbar nur die Investmentsparte und andere Geschäftsbereiche unter dem Dach der Taunus-Gruppe verbleiben, die dann als unregulierte Schattenbank weiterarbeitet, um die Folgen der Finanzreform zu umgehen.

 

Telekom sucht Partner zum Spielen in China
Bislang lag der Schwerpunkt der Deutschen Telekom bei der Suche nach innovativen Softwareherstellern auf den USA und Israel. Nun zieht es den Bonner Konzern offenbar nach China – zum Spielen. Technik- und Innovationschef Edward Kozel: „Die Chinesen sind extrem gut bei Spielen, Kurznachrichten, Netzwerken.“ Daher werde sich der Konzern nun auf diesen Gebieten Partner in China suchen, was ein wesentlicher Teil der neuen Wachstumsstrategie mittels neuen Web-Diensten ist. Ein Auge wird dabei anscheinend vor allem auf das chinesische Portal für Online-Spiele Tencent geworfen.

 

Daimler macht mit Trucks wieder deutlich Gewinne
Die Lkw-Sparte von Daimler ist wieder deutlich in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Die Truck-Sparte hat 2010 mehr als ein Fünftel zum Konzernumsatz von 97,8 Milliarden Euro beigetragen und 1,3 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen erzielt. Wenn das Bus- und Lieferwagengeschäft hinzu gezählt wird, sorgten die Nutzfahrzeuge sogar für 35 Prozent des Gesamtumsatzes. Und die Auftragseingänge im Januar und Februar lagen erneut um 28 Prozent über dem Vorjahr. Daher hat Finanzchef Bodo Uebber einer möglichen Abspaltung der Truck-Sparte mittels eines Börsengangs erneut eine Absage erteilt: Gerade die breite Produktpalette vom Premiumauto bis zum Schwerlastwagen mache den Autobauer für die Aktionäre „hoch attraktiv“. Laut Analysten könnte Daimler mit einem Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte einen zweistelligen Milliardenbetrag erlösen.

 

Schiesser verschiebt Börsengang wegen unsicherer Börse
Der Wäschehersteller Schiesser hat seinen für das zweite Quartal geplanten Börsengang verschoben. Grund sei die aktuelle Unsicherheit, die am Markt aufgrund der Katastrophe in Japan und den Unruhen in der arabischen Welt herrscht. Das Unternehmen wolle sich „etwas mehr Zeit geben und abwarten, inwieweit die Kapitalmärkte die aktuellen Neuemissionen aufnehmen“. Als neuer Termin sei nun Ende November oder Anfang Dezember vorgesehen. Schiesser hatte nach fast zweijähriger Sanierung im Januar das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Mit dem geplanten Börsengang sollen die Gläubiger bis Ende 2012 ausgezahlt werden.

 

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