Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 15.11.2010

1. Steuersünder weichen verstärkt von der Schweiz nach Asien aus – noch:
2. EU schließt weiteres Steuerschlupfloch bis 2015:
3. APEC-Staaten wollen Strukturreformen, freieren Handel und größeres Wachstum:
4. ThyssenKrupp unterstützt die Gründung einer „Rohstoff AG“:
5. Rente mit 67 | Zahl der 60- bis 64-Jährigen ohne Job vervierfacht:
6. Deutschland | Neuer Indikator für Wohlstand soll BIP ablösen:
7. Süddeutschland Motor des Wachstums in der Bundesrepublik:
8. BHP-Billiton verzichtet auf 39-Mrd.-Dollar-Kauf des Düngemittelherstellers Potash:
9. Schutz vor Übernahme | K+S plant Umstellung auf Namensaktien:
10. Google erhöht Löhne um 10%:
11. Rolls-Royce tauscht defekte Module der gesamten Trent-900 Triebwerke aus:
12. VW baut seine LKW-Sparte um – Scania soll MAN übernehmen:
13. Bosch will seine beiden Werkstattketten weiter ausbauen:
14. Ford schafft 500 neue Stellen in Saarlouis – und übernimmt die dortigen Leiharbeiter:
15. Adidas drängt mit „Adidas-Neo“ auf den Mode-Markt:
16. Schnellster Supercomputer der Welt steht nun in China:

 

Steuersünder weichen verstärkt von der Schweiz nach Asien aus – noch:
Nach der jüngsten Deutsch-Schweizerischen Einigung auf ein künftiges Doppelbesteuerungsabkommen nehmen immer mehr deutsche Steuerhinterzieher nicht etwa den angebotenen Weg zurück in die Legalität an, sondern verschieben ihr hinterzogenes Geld in die asiatischen Steueroasen Singapur und Hongkong. Die notorischen Steuersünder haben demnach allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres 62 Milliarden Schweizer Franken verschoben. Dies erscheint indes lediglich als ein Aufschub des Unvermeidlichen. Singapur selbst hat bereits 2009 angekündigt, die OECD-Standards einhalten zu wollen, eine genaue Ausgestaltung der internationalen Zusammenarbeit bei Steuerbetrug steht indes noch aus. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatten im Frühjahr 2009 auch die letzten vier Staaten der „schwarzen Liste“ der OECD – Steueroasen, die zu keiner Zusammenarbeit bereit waren – auf Druck der G20 hin eingelenkt und eine Zusammenarbeit bei Steuerbetrug angekündigt. Für die nächsten Jahre ist damit zu rechnen, dass die entgegenkommende Art des deutschen Fiskus, Steuerhinterziehern den einfachen, billigen und schnellen Rückweg in die Legalität zu ermöglichen, härteren und angemessenen Strafen weichen wird und muss. Denn: Dem Staat gehen jährlich rund 100 Mrd. Euro durch Steuerhinterziehung verloren – das ist rund das Doppelte des Haushaltsdefizits. Dies ist insofern kein Bagatelldelikt mehr, sondern ein Straftatbestand, den es dringend verstärkt zu ahnden gilt.

 

EU schließt weiteres Steuerschlupfloch bis 2015:
Aufgrund des grenzenlosen Internets haben einige IT-Dienstleister und Internetfirmen ihr Deutschlandgeschäft in Luxemburg angesiedelt, um ihre deutschen Kunden vom Ausland aus zu bedienen. Grund: Der Mehrwertsteuersatz ist mit 15%, den niedrigsten Satz in der EU, rund 4% niedriger als in Deutschland – damit winkt den Firmen insgesamt ein dreistelliger Millionenbetrag an Zusatzeinnahmen. Da in Schweden der Mehrwertsteuersatz 25% beträgt, ist die Gewinnspanne hier sogar noch größer. Die EU will daher das Steuerschlupfloch zum 1. Januar 2015 schließen. Dann müssen Firmen ihre Web-Dienstleistungen im Land des jeweiligen Kunden versteuern.

 

APEC-Staaten wollen Strukturreformen, freieren Handel und größeres Wachstum:
Die 21 Staats- und Regierungschef derAPEC-Staaten einigten sich zum Abschluss ihres Gipfeltreffens auf eine Förderung des Freihandels sowie erstmals auf eine gemeinsame Wachstumsstrategie. Zudem soll die wirtschaftliche Integration durch Schaffung einer asiatisch-pazifischen Freihandelszone (Free Trade Area of the Asia-Pacific, FTAAP) bis 2020 vorangetrieben werden – diese würde 40% der Weltbevölkerung umfassen. Die Konsultationen waren jedoch weiterhin von den Differenzen in der Handels- und Währungspolitik, vor allem zwischen China und den USA, bestimmt, sowie von geopolitischen Streitfällen zwischen China und Japan, sowie Japan und Russland – jeweils um den Besitz von Inselgruppen, in deren Nähe große Öl- und Gasvorräte vermutet werden.

 

ThyssenKrupp unterstützt die Gründung einer „Rohstoff AG“:

Bereits Ende Oktober hatte das Bundeskabinett die vom BMWi vorgelegte neue Rohstoffstrategie gebilligt. In diesem Zusammenhang hatte Bundeswirtschaftsminister Brüderle die Gründung einer „Deutschen Rohstoff AG vorgeschlagen“, also die verstärkte Zusammenarbeit deutscher Unternehmen bei der Rohstoffsicherung. Bundesminister Brüderle: Mit der „vorgelegten Rohstoffstrategie (…) stellen wir uns neuen globalen Herausforderungen, insbesondere dem schärfer werdenden internationalen Wettbewerb um wichtige Industrierohstoffe." Bereits am 4. Oktober war die deutsche Rohstoffagentur gegründet worden. Nun hat sich ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz als erster Chef eines deutschen Großunternehmens für die Gründung der „Deutschen Rohstoff AG“ ausgesprochen. Laut Schulz ist die Versorgungssicherung die „wichtigste Herausforderung in den kommenden Jahren“. Das Projekt wird derzeit von der Bundesregierung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie weiter diskutiert und präzisiert. (Mehr Informationen hier).

 

Rente mit 67 | Zahl der 60- bis 64-Jährigen ohne Job vervierfacht:

Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) steigt die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern über 60 drastisch an. Die Zahl der 60- bis 64-Jährigen ohne Job hat sich seit Oktober 2007 auf nunmehr 145.500 vervierfacht – was die geplante schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre ab dem Jahr 2012 konterkariert. Hintergrund für den deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den über 60-Jährigen ist vornehmlich die 2009 ausgelaufene staatliche Förderung der Altersteilzeit und der Vorruhestandsregeln.

Die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen mit einem sozialversicherungspflichtigen Job hat sich seit dem Jahr 2000 auf 23,4% verdoppelt. Für die 63- bis 64-fällt die Quote jedoch mit unter 10% deutlich geringer aus. Die SPD plädiert dafür, die Rente mit 67 davon abhängig zu machen, dass die Quote für die 60- bis 64-Jährigen mindestens 50% beträgt. Die nun vorliegenden Zahlen werden von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften unterschiedlich bewertet: Laut DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach ist die Rente mit 67 für die Arbeitnehmer unerreichbar, sie „ist und bleibt unvertretbar“. Arbeitgeberverbände weisen hingegen darauf hin, dass die Beschäftigung Älterer kräftig zugenommen habe, die Arbeitslosenstatistik sei lediglich zugleich auch ehrlicher geworden. Am Mittwoch will die Bundesregierung ihren Prüfbericht zur Beschäftigungslage älterer Menschen vorlegen.(Mehr Informationen hier.)

 

Deutschland | Neuer Indikator für Wohlstand soll BIP ablösen:

Bereits vor einem Jahr haben Frankreich und Deutschland ein Konzept lanciert, dass eine Qualitative Verbesserung der Wohlstandsmessung erreichen soll. Demnach soll der Indikator BIP durch ein breiteres Instrument ersetzt werden. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte damals die renommierten Nobelpreisträger Joseph Stiglitz (USA) und Amartya Sen (Indien) beauftragt, ein Grundlagenpapier für einen neuen Wachstumsindikator vorzulegen. Auch SPD und Grüne hatten im September einen ähnlichen Antrag initiiert, den sich Union und FDP nun in den vergangenen Wochen angeschlossen haben. Demnach sollen acht verschiedene Aspekte zu einem Indikator zusammengefasst werden: der materielle Lebensstandard, die Qualität der Arbeit, die Verteilung von Wohlstand, der Zustand von Natur und Umwelt, die Chancen auf Bildung, die Lebenserwartung, die soziale Sicherung und die subjektiv empfundene Zufriedenheit der Menschen. Der neue Indikator soll dabei das BIP nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Vorrangige Probleme, die es jetzt zu lösen gilt, sind politischer Natur: Welche Daten sollen in einen aggregierten Index einfließen, wie stark werden diese gewichtet und wer nimmt diese Gewichtung vor.(Mehr Informationen hier.)

 

Süddeutschland Motor des Wachstums in der Bundesrepublik:
Laut einer Studie des Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag des „Handelsblatts“ hängt der Wachstumstreiber Süddeutschland den Norden und Osten ökonomisch immer weiter ab. Deutschland entwickle sich dadurch ökonomisch immer mehr zu einer Zweiklassengesellschaft. Mit Hilfe von 29 Indikatoren zur wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Lage der Regionen habe sich die Stärke der Städte und Kreise im Süden und Südwesten gezeigt. Die besten wirtschaftlichen Perspektiven ergaben sich demnach für den Großraum München.

 

BHP-Billiton verzichtet auf 39-Mrd.-Dollar-Kauf des Düngemittelherstellers Potash:
Der britisch-australische Bergbaukonzern BHP Billiton will den kanadischen Düngemittelhersteller Potash nicht mehr kaufen. Die Übernahme des Weltmarktführers für 39 Milliarden Dollar war auf starken Widerstand bei dem Rivalen K+S und der kanadischen Regierung gestossen. Diese hatte ihr Veto gemäß des „Investment Canada Act“ eingelegt. Demnach darf Ottawa den Kauf einen heimischen Konzerns blockieren, wenn eine Übernahme keine positiven Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Export, Produktion und Investitionen hat. BHP will nun das 2007 ausgesetzte Aktienrückkaufprogramm wiederaufnehmen und Anteile im Wert von 4,2 Milliarden Dollar zurückkaufen.

 

Schutz vor Übernahme | K+S plant Umstellung auf Namensaktien:
Der Kasseler Düngemittelhersteller K+S prüft offenbar eine Umstellung auf Namensaktien. Entgegen den lange Zeit vorherrschenden Inhaberaktien wissen die Konzerne bei Namensaktien im Detail, wer die Anteilseigner sind. Das Management kann damit früher erkennen, ob Investoren größere Stimmpakete anhäufen. Namensaktien gelten somit als Instrument gegen feindliche Unternehmen. Die Umstellung haben bereits knapp die Hälfte der DAX-Konzerne unternommen, darunter BASF, Bayer, Eon und Adidas.

 

Google erhöht Löhne um 10% – bis auf einen:
Die 23.000 Angestellten des Internetgiganten Google sollen nächstes Jahr 10% mehr Lohn erhalten. Ein Mitarbeiter geht jedoch leer aus – derjenige, der die interne Mitteilung nach außen hat durchsickern lassen. Ihm wurde gekündigt. Allein im dritten Quartal hat Google einen Gewinn von 2,17 Mrd. Dollar verbucht, bei einem Umsatz von 7,29 Mrd. Dollar.

Rolls-Royce tauscht defekte Module der gesamten Trent-900 Triebwerke aus:
Der britische Turbinenhersteller Rolls-Royce hat sich bei den Fluggesellschaften entschuldigt. Rolls- Royce-Chef John Rose: „Wir bedauern die Unterbrechungen, die wir verursacht haben.“ Schuld an dem gefährlichen Triebwerkschaden bei einem Qantas-Airbus A380 sei ein fehlerhaftes Bauteil gewesen. Rolls-Royce will nun die entsprechenden Module in der gesamten Serie der speziell für den A380 entwickelten Trent-900-Triebwerke auswechseln.

 

VW baut seine LKW-Sparte um – Scania soll MAN übernehmen:
VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch plant offenbar einen Umbau der LKW-Sparte des VW-Konzerns. Demnach soll der VW-Anteil an dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania von 45 auf bis zu 80 Prozent erhöht werden, dieser soll dann den deutschen Wettbewerber MAN komplett übernehmen, an dem VW bislang 30 Prozent hält. Vor vier Jahren hatte MAN versucht, Scania zu übernehmen, scheiterte aber an dem Widerstand aus Schweden und Wolfburg. Seitdem versucht Piëch, Scania und MAN unter dem VW-Dach stärker zusammenführen, da die beide Unternehmen im Vergleich zu Branchenführer Daimler international zu klein wären. Weiterer Grund sind Kosteneinsparungen: Die anstehende Entwicklung von verbrauchsärmeren Motoren der nächsten Generation wird Milliarden kosten, eine stärkere Zusammenarbeit biete sich also an.

 

Bosch will seine beiden Kfz-Werkstattketten weiter ausbauen:
Der Automobilzulieferer Bosch will seine beiden Werkstattketten weiter ausbauen. In den kommenden Jahren soll der „Bosch Car Service“ von heute rund 11.500 Betriebe auf weltweit mehr als 17.000 ausgebaut werden. Die Anfang 2009 von dem Zulieferer ZF Friedrichshafen übernommene Kette „AutoCrew“ soll von 500 Partnern auf über 2.000 ausgebaut werden. Die seit April 2009 im Zuge der Finanzkrise eingeführten Null-Prozent- Finanzierungen für Autoreparaturen sollen auch im kommenden Jahr beibehalten werden.

 

Ford schafft 500 neue Stellen in Saarlouis – und übernimmt die dortigen Leiharbeiter:
Der Autobauer Ford schafft für die Produktion des neuen Focus rund 500 neue Stellen. Diese sollen von Leiharbeitern besetzt werden, so dass die meisten aller Leiharbeiter in dem Werk damit zum 15. November einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Mit rund 6.500 Beschäftigten ist Ford der größte Arbeitgeber im Saarland. Saarlouis ist der einzige Standort in Westeuropa, der das neue Focus-Modell fertigt.

 

Adidas drängt mit „Adidas-Neo“ auf den Mode-Markt:
Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas will mit seiner neuen Fashion-Marke „Neo“ das Modegeschäft angreifen. Der Modemarkt wird Berechnungen zufolge bis zum Jahr 2015 weltweit ein Volumen von 125 Milliarden Euro erreichen – mehr als doppelt so groß wie der Markt für Markensportartikel. Daran möchte Adidas partizipieren. Bis 2015 soll der Umsatz von derzeit elf auf 17 Milliarden Euro wachsen.

 

Schnellster Supercomputer der Welt steht nun in China:
Auf der zwei Mal im Jahr veröffentlichten Liste über die schnellsten Rechner der Welt hat der im Oktober vorgestellte Tianhe 1A (zu deutsch „Milchstraße“) im chinesischen Tianjin den ersten Platz übernommen und damit den bisherigen Spitzenreiter aus den USA auf den zweiten Rang verwiesen. Der Supercomputer, der für die wissenschaftliche Forschung eingesetzt werden soll, wurde von der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie in der Provinz Hunan entwickelt und verfügt über eine Leistung von 2,56 Petaflops (Billiarden Rechenschritte pro Sekunde). Platz drei ging ebenfalls an China, mit dem Supercomputer-Zentrum im südchinesischen Shenzen genutzt, das eine Spitzenleistung von 1,27 Petaflops erreicht. Der deutsche Supercomputer Jugene in Jülich gehört mit 825 Teraflops (Billionen Rechenschritte pro Sekunde) immer noch zu den zehn schnellsten Rechnern der Welt (von Platz fünf auf Platz neun abgerutscht), wurde aber von dem französischen Tera-100 der französischen Atomenergiebehörde als schnellster Computer Europas abgelöst.
 

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