Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 16.05.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Ägypten verhandelt mit Schweiz über 324 Mio. Euro Mubarak-Gelder
2. IWF-Chef und aussichtsreicher nächster französischer Präsident festgenommen
3. Ein Drittel der Lebensmittel wird weltweit verschwendet
4. Schwere Ausschreitungen anlässlich des Jahrestags der israelischen Staatsgründung

Atomkraft:
5. Iranisches AKW Bushehr hochgefahren
6. Alle chinesischen AKWs haben Sicherheitsüberprüfung bestanden
7. Japan schaltet AKW Hamaoka präventiv ab

Branchen und Unternehmen:
8. Saab präsentiert neuen chinesischen Retter
9. VW steigt ins Offshore-Windgeschäft ein
10. Deutschland will bei Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten
11. Evonik und Daimler vor Serienproduktion von Autobatterien
12. Ägypten verhandelt mit Schweiz über 324 Mio. Euro Mubarak-Gelder

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Ägypten verhandelt mit Schweiz über 324 Mio. Euro Mubarak-Gelder
Die Schweiz hat sich bereit erklärt, Ägypten bei der Rückführung von Geldern des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak und enger Vertrauter zu helfen, unter der Bedingung, dass deren illegale Herkunft erwiesen ist. Konkret geht es um Vermögenswerte in Höhe von 323,8 Millionen Euro. Betroffen sind neben dem Ex-Präsidenten Mubarak dessen Ehefrau Suzanne, seine Söhne Gamal und Alaa, ein Schwager sowie mehrere Minister und Politiker der ehemaligen Regimepartei NDP. Die Schweiz hatte bereits am 11. Februar, dem Tag des von den Demonstranten erzwungenen Rücktritts Mubaraks, die Konten des Ex-Präsidenten und 13 weiterer Personen aus dessen Umfeld sperren lassen. Mubarak (83) steht derzeit unter Arrest, seine Söhne Gamal und Alaa sitzen in Kairo in Untersuchungshaft, auch gegen Mubaraks Frau laufen Ermittlungen. Zwei Ex-Regierungsmitglieder, der ehemalige Innenminister Habib al-Adli und der ehemalige Tourismusminister Suhair Garana, wurden bereits wegen Bestechung und Veruntreuung zu Gefängnisstrafen von zwölf beziehungsweise fünf Jahren verurteilt. Die Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig. Die neuen Behörden in Kairo haben insgesamt 6.000 Anklagen gegen Vertreter des früheren Regimes wegen kriminellen Handlungen deponiert. Die Summe der in der Schweiz gelagerten Gelder könnte sich indes laut Schweizer Medieninformationen noch deutlich erhöhen.


IWF-Chef und aussichtsreicher nächster französischer Präsident festgenommen
Es ist, als ob man eine Schachfigur vom Spielbrett nimmt. Dominique Strauss-Kahn ist derzeit Chef des Internationalen Währungsfonds und aussichtsreichster Herausforderer des amtierenden Präsidenten Sarkozy in den französischen Präsidentschaftswahlen 2012. Nach einem angeblich versuchten sexuellen Übergriff auf eine 32-jährige Hotelangestellte in New York wurde der 62-jährige IWF-Chef am Flughafen festgenommen. Da von solchen Vorfällen, auch wenn die Anklage einer versuchten Vergewaltigung fallen gelassen werden sollte, etwas an der Person haften bleiben, dürfte der französischen Linken damit ihr aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat aus dem Rennen genommen worden sein. Strauss-Kahn stand schon mehrmals wegen ähnlicher Vorwürfe im Rampenlicht: 2008 wurde die Affäre Strauss-Kahns mit einer Mitarbeiterin, der ungarischen Ökonomin Piroska Nagy, bekannt. Sie musste ihren Schreibtisch räumen und sprach dann später von Nötigung. Aggressiv von Strauss-Kahn bedrängt sahen sich auch die heutige Sprecherin der sozialistischen Parlamentsfraktion, Aurélie Filippetti, und die Schriftstellerin Tristane Banon. Die Frontfrau des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, sprach von einem „leicht pathologischen Verhalten von Herrn Strauss-Kahn gegenüber den Frauen“. Auch Präsident Sarkozy habe den bekannten Schwerenöter Strauss-Kahn bereits gewarnt , als IWF-Chef nie mehr allein mit einer Frau in einem Fahrstuhl zu fahren.

 

Ein Drittel der Lebensmittel wird weltweit verschwendet
Laut einer aktuellen Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verschwendet oder geht verloren. In Europa und Nordamerika entspricht das durchschnittlich bis zu 115 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr. In ärmeren Regionen wie Südostasien oder Afrika sind es bis zu elf Kilogramm. In den Entwicklungsländern gehe das hauptsächlich auf den Transport zwischen Ernte und Verkauf zurück, sind in den wohlhabenden Regionen hingegen seien überwiegend Händler und Konsumenten dafür verantwortlich. Häufig führten dort „mangelnde Einkaufsplanung oder übertriebene Vorsicht bei Haltbarkeitsdaten zu großer Verschwendung“. Kongresses "Save Food" vorgestellt. Demnach verschwendet in Europa und Nordamerika jeder Mensch durchschnittlich bis zu 115 Kilogramm Lebensmittel im Jahr. In ärmeren Regionen wie Südostasien oder Afrika sind es bis zu elf Kilogramm. Bei dem internationalen Kongress "Save Food" in Düsseldorf beraten am Montag und Dienstag Experten über das Problem der globalen Nahrungsmittelverluste.

 

Schwere Ausschreitungen anlässlich des Jahrestags der israelischen Staatsgründung
Bei den seit Jahrzehnten schwersten Ausschreitungen anlässlich des Jahrestags der israelischen Staatsgründung und der palästinensischen Vertreibung vom neu gegründeten israelischen Staatsgebiet (aus Sicht der Palästinenser Nakba = Katastrophe) vor 63 Jahren sind am Sonntag, den 15. Mai, bis zu 13 Palästinenser an den Grenzen Israels getötet worden. Sie hatten erneut ein Ende der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel und das Rückkehrrecht für geflohene und vertriebene Palästinenser und ihre Nachfahren gefordert. Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten Absperrungen der Hamas und drangen bis zu dem israelischen Erez-Kontrollpunkt vor. Dort wurden 82 Menschen verletzt, die meisten durch Schusswunden, etwa 15 durch Granatsplitter. Ein Palästinenser starb. An der Grenze mit Syrien überwanden Tausende Zivilisten von Syrien aus die streng bewachte Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen, dabei wurden mindestens vier Demonstranten erschossen. An der Grenze zum Libanon gab es die meisten zivilen Opfer: Zwischen drei und zehn Palästinenser wurden erschossen und bis zu 112 weitere verletzt. Laut der Tageszeitung Haaretz haben sowohl die israelischen als auch die libanesischen Soldaten auf die Demonstranten geschossen, um sie am Grenzübergang zu hindern. Die Forderung nach einem Ende der israelischen Besetzung sowie für ein Rückkehrrecht der ursprünglich 750.000 vor 63 Jahren vertriebenen und geflohenen Palästinenser, deren Zahl in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern aufgrund der hohen Geburtenrate mittlerweile die Millionengrenze weit überschritten hat (nach Angaben des UNRWA sind es mittlerweile 3,7 Millionen), drohen den 7,5 Millionen Einwohnerstaat zu überfordern: Israel ist auf die in mehreren Kriegen angeeigneten Wasserreserven angewiesen (laut Schätzungen der Weltbank werden 90% des Grundwassers des Westjordanlandes für die Bewässerung der israelischen Anbaugebiete genutzt, für die palästinensischen Gebiete bleiben nur 10%), Israel weigert sich auch, die international nicht anerkannte Annektierung von dem arabischen Ostteil Jerusalems rückgängig zu machen (1967) und dürfte an der finanziellen Herausforderung scheitern, die vertriebenen Palästinenser für deren Grund und Boden zu entschädigen (prinzipielles Recht auf Rückkehr der allein 750.000 im Zuge des Krieges 1948 vertriebenen Palästinenser, bzw. deren Kompensation – geschätzte Kosten bis zu 100 Milliarden Dollar). Die Aufrechterhaltung des Konflikts bot Israel daher bislang die Möglichkeit, die schwierige Lösung dieser gewaltigen, historisch gewachsenen Probleme weiter hinauszögern zu können. Allerdings stehen Israels Hardliner international zunehmend isoliert da: Mitte April diesen Jahres hatte ein Bericht der Vereinten Nationen konstatiert, dass die palästinensische Autonomiebehörde mittlerweile – gemessen an den Kriterien Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und Gesundheitswesen – die Voraussetzungen für einen eigenen unabhängigen Staat erfüllen würde. Zu der gleichen Einschätzung war in der Woche zuvor bereits die Weltbank gelangt. Die Palästinensische Autonomiebehörde will nun bis September eine funktionierende Verwaltung, effektive Sicherheitskräfte und eine unabhängige Justiz aufbauen, um dann einen unabhängigen Staat auszurufen, der das Westjordanland, den Gazastreifen und den arabischen Ostteil Jerusalems umfassen soll. Der UN-Bericht listet auch alle Maßnahmen Israels auf, die eine bessere Bewegungsfreiheit der Palästinenser im Westjordanland ermöglicht haben. Allerdings wird Israel geraten, die Besatzung weiter zu lockern, um den Fortschritten der Autonomiebehörde zu entsprechen.


Atomkraft:

 

Iranisches AKW Bushehr hochgefahren
35 Jahre nach Baubeginn hat der Iran das umstrittene Atomkraftwerk Bushehr auf niedriger Stufe hochgefahren. In einem „aktiven Bereich“ eines Reaktors wurde bereits eine „sich selbst erhaltende Kettenreaktion“ in Gang gesetzt, allerdings werde noch keine Energie produziert. Innerhalb der nächsten zwei Monate sollen derzeit noch letzte Sicherheitstests vorgenommen werden, bevor der Leichtwasserreaktor dann an das Stromnetz angeschlossen wird. Der Start des ersten iranischen Atomkraftwerks hatte sich immer wieder verschoben, zuletzt angeblich aus technischen Gründen, die vermutlich durch den mysteriösen Computervirus Stuxnet in den Rechensystemen des Reaktors ausgelöst wurden.

 

Alle chinesischen AKWs haben Sicherheitsüberprüfung bestanden
Vor dem Hintergrund der japanischen Atomkatastrophe haben auch die chinesischen Behörden umfangreiche Sicherheitstests der chinesischen AKWs angeordnet. Die Endergebnisse der Überprüfung sollen erst Ende des Monats veröffentlicht werden, allerdings berichten chinesische Medien vorab, dass die Sicherheit aller 14 chinesischen Kernanlagen den internationalen Standards entsprechen würde. Demnach werde Peking seine Entwicklungspläne für die Kernindustrie nicht revidieren und alle Anlagen am Netz behalten, sowie die 28 derzeit im Bau befindlichen Anlagen zwischen 2011 und 2015 planmäßig in Betrieb nehmen. Allerdings sollen die Sicherheitsanforderungen verschärft werden.

 

Japan schaltet AKW Hamaoka präventiv ab
Die japanische Regierung hat das vollständige Herunterfahren des an der Ostküste gelegenen Atomkraftwerkes Hamaoka angeordnet. Die Reaktoren 1-3 sind bereits heruntergefahren, mit dem Herunterfahren des Reaktors 4 wurde bereits begonnen, nun soll auch der letzte Reaktor 5 abgeschaltet werden. Hintergrund ist eine Erdbebenprognose für die betreffende Region, laut der die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Erdbeben der Stärke 8 oder mehr innerhalb der nächsten 30 Jahre bei 87 Prozent liegt.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Saab präsentiert neuen chinesischen Retter
Wenige Tage nachdem ein potenzieller Helfer aus China, Hawtai Motor, abgesprungen war, präsentiert der niederländische Eigentümer Spyker des angeschlagenen schwedischen Autobauers Saab einen neuen Geldgeber aus China. Diesmal ist es der Autohändler Pangda Automobile. Es sei bereits ein „Memorandum of Understanding“ über eine Zusammenarbeit und finanzielle Hilfe vereinbart worden. Die Vereinbarung sehe zwei Joint-Ventures vor: Eines für den Autovertrieb und eines für die Produktion der Autos und einer neuen chinesischen Marke. Für 65 Millionen Euro wollen die Chinesen 24 Prozent an Spyker übernehmen. Spyker-Aktien legten daraufhin um mehr als 15 Prozent zu.

 

VW steigt ins Offshore-Windgeschäft ein
VW und seine Tochter Audi investieren in Erneuerbare Energien, um Strom für Elektroautos zu gewinnen. Zentral ist dabei die Investition in Offshore-Windparks. Audis Projektleiter Reiner Mangold: „Wir werden Strom, Wasserstoff und Methangas erzeugen – die Treibstoffe für unsere Autos.“ Die Kunden von E-Autos sollen so gleichzeitig mit ihrem Wagen ein grünes Stromangebot erhalten. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft sieht sogar die Chance, dass aus der Stromerzeugung ein eigenes Geschäftsfeld erwächst, das mögliche Verluste kompensieren kann, die durch die E-Mobilität entstehen.

 

Deutschland will bei Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten
Deutschland will in der Elektromobilität eng mit China zusammenarbeiten. Guido Zielke, Leiter der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität: „Es gibt das konkrete Angebot der deutschen Seite, mit Vertretern Chinas eine gemeinsame Plattform zu gründen.“ Damit sollen Kompetenzen gebündelt und vor allem bei den Themen Forschung und Vermarktung kooperiert werden. Demnach sei die chinesische Seite am deutschen Know-how interessiert, während es für Deutschland unter anderem wichtig sei, auch mit batteriegetriebenen Autos einen Zugang zum chinesischen Markt zu bekommen. China sei zudem ziemlich weit bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien und verfüge nicht zuletzt über große Vorkommen der sogenannten seltenen Erden, die man zum Bau solcher Batterien benötigt werden.

 

Evonik und Daimler vor Serienproduktion von Autobatterien
Der Mischkonzern Evonik und der Autobauer Daimler wollen mit der Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos beginnen. Demnach soll die Produktionskapazität der gemeinsamen Tochter Li-Tec Battery im sächsischen Kamenz ab der zweiten Jahreshälfte von derzeit 300.000 Batteriezellen bis 2013 verzehnfacht werden. Der Batterietyp soll in die nächste Generation des Elektromodells des Kleinwagens Smart eingebaut werden, der im ersten Halbjahr 2012 auf den Markt kommt.

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