Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 17.12.2010

Wirtschaftspolitik international:
1. Einigung auf dauerhaften Krisenmechanismus für die Eurozone:
2. Großmächte Indien und China wandeln Feindschaft in Partnerschaft:
3. Irlands Bonität um fünf Stufen auf Baa1 herabgestuft:
4. US-Notenbank greift in Kreditkartengebühren ein – betroffene Aktien verlieren 10%:
5. USA verklagen BP wegen  Ölkatastrophe – BP stößt weitere Aktiva ab:

Wirtschaftspolitik national:
6. Ifo-Geschäftsklimaindex auf höchstem Stand seit der Wiedervereinigung 1991:
7. Katar plant weitere Milliardenkäufe in der deutschen Wirtschaft:

Branchen und Unternehmen:
8. Abwehrkampf: US-Fonds verkauft Anteile an Hochtief an Konkurrenten ACS:
9. Siemens weitet Finanzaktivitäten nach Russland aus:
10. SAP-Konkurrent Oracle steigert Quartalsgewinn auf netto 1,87 Mrd. Dollar:
11. VW will Elektromotoren intern bauen:

 

Wirtschaftspolitik international:

 

Einigung auf dauerhaften Krisenmechanismus für die Eurozone:
Der EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs hat sich auf einen dauerhaften Krisenmechanismus für die Eurozone geeinigt. Er soll ab 2013 den dann auslaufenden 750-Mrd.-Euro-Rettungsschirm für kriselnde Euro-Länder ablösen. Bundeskanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Barroso waren sich einig: „ein guter Tag für Europa“. Der dauerhafte Krisenmechanismus sieht eine von Fall zu Fall zu bewertende Beteiligung privater und institutioneller Anleger (Finanzsektor) an den Kosten einer Umschuldung vor („Haircut“), allerdings nur im Extremfall, falls ein Land nicht mehr anders aus der Schuldenspirale herauskommen sollte. Bei dem aktuellen Beispiel Irland wäre dies noch nicht der Fall. Zudem wurde mit zwei kleinen Zusätzen an dem EU-Vertrag von Lissabon der Stabilitätsmechanismus aufgewertet: „Die Bewilligung finanzieller Hilfen wird dabei unter strikte Bedingungen gestellt.“ Damit ist der Weg für härtere Sparauflagen gegen betroffene Länder geöffnet, allerdings auch hier nur, wenn dies „unverzichtbar“ für die Sicherung der Stabilität des Euro als Ganzes ist. Die Änderungen müssen von der EU-27 bis Ende 2012 ratifiziert werden, sind aber so klein gehalten, dass erneute Referenden beispielsweise in Irland und Großbritannien nicht erforderlich sind.

 

Großmächte Indien und China wandeln Feindschaft in Partnerschaft:
Lange Zeit war das Verhältnis zwischen den beiden asiatischen Schwergewichten China und Indien sehr frostig. 1962 führten beide Länder einen Krieg um den Grenzverlauf in Kaschmir. Aus strategischen Gründen war daher China lange Zeit enger Partner und größter Waffenlieferant des indischen Kontrahenten Pakistan, das seinerseits seit dem WK.II drei große blutige Kriege gegen Indien und zahlreiche Scharmützel führte. Das Verhältnis zwischen den beiden Wirtschaftsriesen Indien und China hat sich mittlerweile im letzten Jahrzehnt zunehmend normalisiert. Nun haben die Außenminister beider Länder eine weitreichende wirtschaftliche Kooperation vereinbart, in deren Folge der bilaterale Nachbarschaftshandel auf jährlich 100 Mrd. US-Dollar verdoppelt werden soll. Es soll auch ein Rat der Chefs der größten Unternehmen Indiens und Chinas gegründet werden. China wird zudem Energieanlagen im Wert von acht Mrd. Dollar liefern. Indien wird vor allem Informationstechnologien und Arzneimittel liefern.

 

Irlands Bonität um fünf Stufen auf Baa1 herabgestuft:
Die Ratingagentur Moody’s hat trotz des 85-Mrd.-Euro-EU-Rettungsschirms die Kreditwürdigkeit Irlands drastisch um fünf Stufen herabgestuft. Die Bewertung liegt jetzt bei Baa1, nach zuvor Aa2 (das sind zwei Stufen über „Ramschniveau"). Der Grund seien die „wachsenden Unsicherheiten“ im Haushalt aufgrund der hohen Kosten der Bankenrettung. Damit werden sich die Risikozinsen des Landes auf dem Kapitalmarkt weiter erhöhen. Allerdings benötigt die Insel derzeit den Kapitalmarkt (zum Glück) gar nicht, da es momentan auf den EU-Rettungsschirm zurückgreifen kann. Moody’s warnte zugleich, eine weitere Herabstufung sei möglich, falls das Land seine Schuldenentwicklung nicht auf absehbare Zeit unter Kontrolle bringe.

 

US-Notenbank greift in Kreditkartengebühren ein – betroffene Aktien verlieren 10%:
Die US-Notenbank Fed hat angekündigt, die Gebühren von Kreditkartenanbietern zu kappen. Hintergrund ist, die Kaufkraft der US-Konsumenten zu stützen. Der private Konsum trägt in den USA rund 70% zur Wirtschaftsleistung bei. In einem ersten Schritt sollen nun die Finanzinstitute von den Einzelhändlern künftig nur noch Gebühren von maximal zwölf Cent pro Transaktion verlangen dürfen. Bislang war meist ein prozentual berechneter Betrag auf den Einkaufswert fällig, die sich insgesamt auf einen Wert von über 20 Mrd. Dollar jährlich summierten (hinzu kommen noch bis zu 24% Zinsen, durchschnittlich 14,7%). Nach Bekantwerden der Offerte gaben die Aktien von Visa und MasterCard um mehr als zwölf beziehungsweise mehr als zehn Prozent nach.

 

USA verklagen BP wegen  Ölkatastrophe – BP stößt weitere Aktiva ab:
Der britische Ölkonzern BP verkauft weitere Aktiva, um Geld für die Beseitigung der Schäden der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu bekommen. Am 22.04.2010 war die Ölplattform Deepwater Horizon havariert und in den folgenden Wochen in der größten Ölpest der Geschichte rund 4,9 Mio. Barrel Öl ausgelaufen. Die gesamten Kosten stehen noch nicht fest, dürften aber einen zweistelligen Milliardenbetrag ausmachen (die Credit Suisse schätzte noch im Sommer die Kosten auf 37 Mrd. Dollar). Nun haben die USA Klage gegen BP und vier weitere Unternehmen eingereicht. Ihnen werden grobe Fahrlässigkeit und Verstöße gegen die Umweltgesetze der USA vorgeworfen. Sollte das Gericht tatsächlich eine grobe Fahrlässigkeit feststellen, könnte dies die Kosten für BP drastisch erhöhen. Beobachter rechnen dann, inklusive der Klagen von Privatpersonen und Firmen, mit Kosten für BP in Höhe von 80 Mrd. Dollar. Diese Woche hatte BP bereits seine Aktiva in Pakistan an das chinesische Unternehmen United Energy Group Limited (UEG) für 775 Millionen Dollar abgetreten. Nun sollen die Gasreserven, Werke, Gasspeicher und Anlagen in Kanada im Wert von 1 Mrd. Dollar folgen. Insgesamt hatte BP angekündigt, als Folge der Ölkatastrophe Aktiva im Wert von 30 Mrd. Dollar verkaufen zu wollen.
Für die Katastrophe hat BP bisher 40 Mrd. Dollar abgeschrieben.

 

Wirtschaftspolitik national:

 

Ifo-Geschäftsklimaindex auf höchstem Stand seit der Wiedervereinigung 1991:
Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) hat den neuen Geschäftsklimaindex herausgegeben. Dieser stieg den siebten Monat in Folge und erreichte mit 109,9 Punkten den höchsten Stand seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991. Dabei wurden – der EU-Schuldenkrise zum Trotz – sowohl die Aussichten für das nächste halbe Jahr als auch die Geschäftslage besser bewertet als zuletzt. Die Frankfurter Rundschau titeltse sogar „Die Superwirtschaft“.

 

Katar plant weitere Milliardenkäufe in der deutschen Wirtschaft:
Das reiche Golfemirat Katar plant nach eigenen Angaben weitere Milliardenzukäufe in der deutschen Wirtschaft (die staatliche Qatar Holding verfügt nach Schätzungen über rund 100 Milliarden Euro Anlagekapital). Erst Anfang Dezember war bekannt geworden, dass sich das Emirat via Kapitalerhöhung mit mehr als 9% an dem von der Übernahme durch ACS bedrohten größten deutschen Baukonzern Hochtief beteiligt. Nun ist auch ein Einstieg beim Softwareriesen SAP in Erwägung gezogen worden. Insgesamt sei vor allem die IT-Branche und in der innovative Mittelstand im Visier. Wirtschafts- und Finanzminister Youssef Hussein Kamal: „Es geht darum, etwas für die finanzielle Beteiligung zurückzubekommen, etwa Erfahrung im Management und in der Technologie.“ Katar ist auch bereits bei Volkswagen und Porsche beteiligt. Ende 2009 hatte es seine VW-Beteiligung von 7% auf 17% aufgestockt. Minister Kamal stellte zudem ein Engagement in den Euro-Schuldenländern Irland und Portugal in Aussicht. „Wir haben etwas in der Pipeline, aber es ist noch nicht spruchreif.“

 

Branchen und Unternehmen:

 

Abwehrkampf: US-Fonds verkauft Anteile an Hochtief an Konkurrenten ACS:
Der US-Großaktionär, der Fonds „Southeastern Asset Management“ hat seine 4,8% Beteiligung an dem größten deutschen Baukonzern Hochtief dessen nach einer Übernahme trachtenden spanischen Konkurrenten ACS angeboten. Damit kämen die Spanier wieder haarscharf an die aktienrechtlich relevante 30% Grenze heran. Aufgrund der Kapitalerhöhung und dem Einstieg des Emirats Katar bei Hochtief, war der Anteil ACS von 29,98% auf 27,3% gesunken. Nach der Offerte des US-Fonds könnte sich der Anteil wieder auf 29,85% erhöhen. Derweil verhandelt Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter mit ACS über etwaige Zusagen des spanischen Konkurrenten: Absichtserklärungen zum Firmensitz und zur Börsennotierung. Damit relativierte Lütkestratkötter den Hochtief-Standpunkt, dass ein Deal nicht grundsätzlich abgelehnt würde. Er würde die Unabhängigkeit zwar bevorzugen, „aber ich werde nicht Aktionärsvermögen durch stumpfsinnige Abwehrmaßnahmen zerstören“.

 

Siemens weitet Finanzaktivitäten nach Russland aus:
Anfang Dezember hat Siemens Konzern von der BaFin die Lizenz zur Gründung einer Geschäftsbank erhalten. Damit will der Konzern – ähnlich wie bereits die großen Autobauer – seinen Kunden günstige Kredite für Großprojekte anbieten. Die Europäische Zentralbank stellt Banken seit Mai 2009 Geld auf Basis des Leitzinssatzs von einem Prozent zur Verfügung, das diese jedoch aufgrund von Ausfallrisiken etc. weitaus teurer weiterleiten. Siemens wird dies nun umgehen können. Jetzt hat der Konzern angekündigt, dem Investmentfonds USA-Russland ein Übernahme-Angebot für russische Leasinggesellschaft DeltaLeasing zu unterbreiten. Aus einer Unternehmensmitteilung: „Das Geschäft wird zu einem wichtigen Schritt bei der Umsetzung der internationalen Wachstumsstrategie des Siemens-Ressorts Finanzdienstleistungen, das die Möglichkeit bieten wird, dieses als einen wichtigen Teilnehmer des russischen Finanzierungsmarktes ins Spiel zu bringen.“

 

SAP-Konkurrent Oracle steigert Quartalsgewinn auf netto 1,87 Mrd. Dollar:
Der US-Datenbankspezialist Oracle hat seinen Nettogewinn im vierten um 28% auf 1,87 Mrd. Dollar steigern können. Der Umsatz wuchs sogar um 47% auf 8,58 Mrd. Dollar. Besonders neue Software-Lizenzen und positive Effekte der Übernahme des Computerbauers Sun haben sich ausgewirkt.

 

VW will Elektromotoren intern bauen:
VW will wichtige Kompetenzen bei der E-Mobilität nicht an Zulieferer vergeben. In einem Wettstreit hat sich nun das VW-Werk in Kassel gegen den japanischen Spezialisten Toshiba durchgesetzt. Das Werk in Kassel soll dann ab 2013 E-Motoren und Getriebe für den neuen E-Kleinwagen Up liefern.

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