Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 18.03.2011

1. G7 intervenieren gegen Spekulanten beim japanischen Yen
2. NRW bleibt Exportmeister in Deutschland
3. GM will 1.200 Mitarbeiter im Opelwerk Bochum kündigen
4. Groupon vervielfacht Wert auf 15-25 Mrd. Dollar
5. Neue Klage von Leo Kirch gegen Ex Deutsche Bank Chef Breuer zugelassen
6. Barmer-Vorstandsvorsitzende wird Pharma-Lobbyistin

 

G7 intervenieren gegen Spekulanten beim japanischen Yen
Japan benötigt eine billige Währung. Das würde den Export der angeschlagenen Wirtschaft verbilligen und dem katastrophengeplagten Land helfen. Japan hat bereits vor der Katastrophe mit einem stark überbewerteten Yen und einer Deflation gekämpft. Nun haben offenbar vor allem Spekulationsgeschäfte dafür gesorgt, dass der Yen sich weiter verteuert hat (auf 78,41 Yen pro Dollar, knapp unter dem Allzeittief des Dollar von 79,75 Yen aus dem April 1995). Laut Währungsexperten Derek Halpenny von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ sei der Kursverlauf eindeutig unnormal. Er sei „getrieben von kurzfristigen spekulativen Geldflüssen“. Viele Investoren haben offenbar ihre spekulativen und hoch riskanten so genannten „Carry Trades“ aufgelöst. Dabei wird der nahe Null liegende Leitzins in Japan ausgenutzt, um sich günstig zu verschulden und das Geld in Regionen mit höherem Zinsniveau anzulegen. Die Differenz wird eingestrichen. Daher seien automatische Orders zur Verlustbegrenzung ein wichtiger Grund für die Talfahrt des Dollar zum Yen gewesen. Zudem würden ausländische Investoren dringend Yen benötigen, um nach dem vorübergehenden Kurssturz der japanischen Börsen die gestiegenen Sicherheitsleistungen ihrer Terminkontrakte zu erfüllen. Von Donnerstag auf Freitag haben die Zentralbanken der G7-Staaten inzwischen interveniert und koordiniert Yen verkauft. Dadurch wurden die Kursgewinne des Yen vom Vortag nahezu wieder wettgemacht. Japans Finanzminister Yoshihiko Noda: „Es ist von großer Bedeutung, dass die G-7-Führungen sich in einer für Japan schwierigen Lage geeinigt haben, gemeinsam zu handeln, um die Märkte zu stabilisieren.“

 

NRW bleibt Exportmeister in Deutschland
Nordrhein-Westfalen hat auch 2010 so viel Exportiert wie kein anderes Bundesland (16,9% an den gesamten Ausfuhren = 162,1 Mrd. Euro). Allerdings wurde der Abstand zu den zweit- und drittplatzierten, Baden-Württemberg (16% = 154 Mrd. Euro) und Bayern (15,1% = 145 Mrd. Euro), kleiner. Dabei stiegen die baden-württembergischen Ausfuhren gegenüber 2009 um rund 25%, Bayern steigerte seinen Export um rund 19% und NRW um 18%. Auf die fünf ostdeutschen Bundesstaaten entfielen zusammen gerade einmal 7%.

 

GM will 1.200 Mitarbeiter im Opelwerk Bochum kündigen
General Motors (GM) löst nach knapp einem Jahr den Opel-Sanierer Nick Reilly als Opel-Chef ab. Ihm folgt der Autoingenieur und GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke nach, der bereits von 1995 bis 1999 Fertigungsdirektor in dem Werk Bochum war. Das ambitionierte Sanierungskonzept von Opel sieht die Streichung von 1.800 Mitarbeitern in Bochum vor (Insgesamt 8.300 Stellen in Europa, 3.900 davon in Deutschland). 600 haben bereits freiwillig das Angebot von Alternativjobs in Rüsselsheim oder Abfindungen angenommen. Die restlichen 1.200 Stellen werden wohl bis zum 1. Mai mit Kündigungen gestrichen.

 

Groupon vervielfacht Wert auf 15-25 Mrd. Dollar
Die Online-Schnäppchenseite Groupon hat offenbar mit Banken über einen Börsengang noch in diesem Jahr gesprochen. Dabei wird über einen Unternehmenswert von 15-25 Mrd. Dollar spekuliert. Im April 2010 wurde der Wert auf 1,3 Mrd. Dollar taxiert, im November dann auf 3 Mrd. Dollar. Im Dezember 2010 wurde schließlich ein Kaufangebot von Google über 6 Mrd. Dollar abgelehnt. Inzwischen wurden weltweit alle Nachahmer aufgekauft, um sich Entwicklungsarbeiten in den entsprechenden Ländern zu sparen. Dadurch haben sich die Märkte von Groupon von 300 im Dezember 2010 auf nun 500 Städte in 40 Ländern mit zusammen 70 Mio. Usern vergrößert. So stieg der Unternehmenswert auf 4,75 Mrd. Dollar im Januar 2011. Für seinen Service erhält das Unternehmen angeblich eine Provision zwischen 30 und 50 Prozent. Aufgrund der parallelen Wertsteigerungen bei den aufstrebenden social media Dienstleistern Twitter und Facebook, hatte Google-Chef Schmidt bereits im Februar vor einer neuen Internetblase gewarnt (analog der Spekulationsblase über Dotcom-Unternehmen der New Economy zur Jahrtausendwende).

 

Neue Klage von Leo Kirch gegen Ex Deutsche Bank Chef Breuer zugelassen
Die Ursprünge des Milliardenzwists zwischen dem ehemaligen Medienmogul Leo Kirch und dem damaligen Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, reichen rund neun Jahre zurück. 2002 hatte Breuer im Fernsehen eine negative Beurteilung von Kirchs Kreditwürdigkeit gemacht. Eine self-fulfilling-prophecy: Rund zwei Monate später war Kirchs Imperium, von der Schuldenlast von 7 Mrd. Euro erdrückt und von frischen Krediten abgeschnitten, am Ende. Nun hat das Oberlandesgericht München eine neue Klage wegen Prozessbetrugs gegen Breuer zugelassen. Dieser soll im Schadensersatz-Prozess 2003 die Unwahrheit gesagt haben. Zusätzlich verklagt Kirch Breuer im neu aufgerollten Zivilprozess weiter auf Schadensersatz wegen geschäftsschädigender Äußerungen. Bei Verurteilung droht Breuer eine hohe Geldstrafe und bis zu fünf Jahre Haft. Das Strafverfahren wird für Sommer erwartet, der Zivilprozess geht am kommenden Freitag weiter. Zwar hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass Kirch grundsätzlich Anspruch auf einen teilweisen Schadenersatz habe, allerdings ist es Kirch bislang noch nicht gelungen, den mit dem Interview zusammenhängenden Schaden gerichtsfest zu beziffern.

 

Barmer-Vorstandsvorsitzende wird Pharma-Lobbyistin
Die Vorstandsvorsitzende der größten deutschen Krankenkasse, Barmer GEK, Birgit Fischer wechselt als Lobbyistin in den Dienst der Pharmaunternehmen – zum Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Ihr Gehalt dürfte sich dadurch mindestens verdoppeln. Ihre Entscheidung ruft jedoch in Berlin Erstaunen hervor: Fischer ist Mitglied des SPD-Parteivorstandes, ehemalige NRW-Gesundheitsministerin und gilt als überzeugte Gewerkschafterin. Dieser Vorgang habe laut einigen Entscheidungsträgern auf dem Jahresempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ein gewisses „Geschmäckle“. Fischer, die bisher nicht als pharmafreundlich galt, soll vor allem das Image des Verbandes bei den politischen Entscheidungsträgern verbessern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.