Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 18.05.2011

Wirtschaft und Internationales:
1. Deutschland wieder unter den Top-10 der wettbewerbsfähigsten Länder
2. Deutschlands Vermögende mit neuem 4,9 Bio. Euro Rekordguthaben
3. USA erreichen Schuldenobergrenze von 14,3 Bio. Dollar
4. Schweiz verantwortet ein Drittel der weltweit zurückgeführten Despotengelder

Branchen und Unternehmen:

5. VW der innovativste Autobauer weltweit vor Daimler
6. BMW-Großaktionärin Klatten stockt bei SGL Carbon auf

Öl und Gas:

7. Total übergibt 20% seines Bolivienanteils an Gazprom
8. Ahmadinedschad nun auch iranischer Ölminister
9. Auch der libysche Ölminister setzt sich ab

 

Wirtschaft und Internationales:

 

Deutschland wieder unter den Top-10 der wettbewerbsfähigsten Länder
In der jährlich vom Lausanner Institut für Management-Entwicklung (IMD) erstellten Rangliste der wettbewerbsfähigsten Länder hat Deutschland einen großen Sprung nach vorne gemacht, von Platz 16 auf Platz 10. Es führt Hongkong, vor den USA, Singapur, Schweden, der Schweiz, Taiwan, Kanada, Katar, Australien, Deutschland, Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Niederlande, Finnland, Malaysia, Israel, Österreich, China, und Großbritannien. Gemessen werden dabei die vier Kriteriengruppen wirtschaftliche Leistung, die Stärke und Effizienz der staatlichen Institutionen, die Produktivität der Unternehmen und die Qualität der Infrastruktur.

 

Deutschlands Vermögende mit neuem 4,9 Bio. Euro Rekordguthaben
Die Vermögen der Deutschen (in Bargeld, Bankeinlagen und Aktien) erreichten laut der Deutschen Bundesbank 2010 einen neuen Rekordstand und übertrafen damit sogar die Werte von vor der Finanzkrise. Die Vermögen legten um 154 Milliarden Euro auf rund 4,9 Billionen Euro zu. Die Verschuldung nahm geringfügig um 5 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen Euro zu. Sachwerte wie Immobilien sind in der Statistik nicht enthalten. 1991 lag das Geldvermögen der privaten Haushalte noch bei 1,75 Billionen Euro, vor zehn Jahren waren es dann bereits 3,515 Billionen Euro.

 

USA erreichen Schuldenobergrenze von 14,3 Bio. Dollar
Rien ne va plus – nichts geht mehr. Zumindest was die verfassungsmäßige Schuldenobergrenze der USA angeht. 14,3 Billionen Dollar Schulden wurden bis zum Montag angehäuft. Nun sind die USA nach ihrer eigenen Definition zahlungsunfähig (selbst schuld, möge man meinen: allein der Militärhaushalt macht im laufenden Jahr 725 Milliarden Dollar aus). US-Finanzminister Timothy Geithner will nun mit einer Reihe „außergewöhnlicher Maßnahmen“ die Zahlungsfähigkeit der Regierung weiter gewährleisten – dies sei allerdings maximal bis zum 2. August möglich. Beispielsweise sollen zunächst die automatischen Einzahlungen in die Rentenkasse für Staatsangestellte gestoppt werden, was vorerst keine Folgen für die Rentner haben soll, aber das Budget kurzfristig um 224 Mrd. Dollar entlastet. Die Regierung umwirbt nun die republikanische Opposition, die gesetzliche Schuldenobergrenze weiter anzuheben. Da der Umstand nicht überraschend kam, erwarten Experten keine unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen, obwohl es – falls die Anhebung ausbleibt – zum ersten Zahlungsausfall in der Geschichte der USA kommen könnte.

 

Schweiz verantwortet ein Drittel der weltweit zurückgeführten Despotengelder
Die Schweiz hat in den letzten 15 Jahren rund 1,7 Milliarden Franken an eingefrorenen Geldern von Despoten und Diktaturen nach entsprechenden Regime-Changes in die jeweiligen Länder zurückgeführt – das entspricht rund einem Drittel des auf diese Weise weltweit zurückgegebenen Geldes. Dies liegt auch an der weiterhin ungebrochenen herausragenden Position des internationalen Finanzplatzes Schweiz: Rund ein Viertel der grenzüberschreitenden beweglichen Privatvermögen werden in der Schweiz verwaltet. Derzeit sind aus den Unruhestaaten des Maghrebs rund 830 Millionen Franken auf Schweizer Konten eingefroren. Die Zahl könnte sich jedoch laut Schweizer Medieninformationen noch deutlich erhöhen.


Branchen und Unternehmen:


VW der innovativste Autobauer weltweit vor Daimler
Laut der bislang unveröffentlichten Studie „Automotive Innovations 2011“ des Center of Automotive Managements in Bergisch Gladbach gaben die 20 größten Autobauer 2010 rund 50 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. 2009 waren es 48,2 Milliarden Euro, 2005 44,2 Milliarden Euro. Von 634 ermittelten Innovationen gehen dabei 128 auf das Konto von Europas größtem Autobauer VW. Mit 64 Neuheiten rückt Daimler auf Rang zwei vor, auf dem dritten Platz folgt GM, das sich vor allem aufgrund seiner deutschen Tochter Opel von Rang sechs nach vorne gearbeitet hat. Den vierten Rang nimmt BMW ein. Der aufstrebende koreanische Autobauer Hyundai verbesserte sich von Rang neun auf fünf. Branchenprimus Toyota stürzte hingegen von Rang zwei auf Rang acht ab. Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft: „Toyota droht den Wettbewerbsvorteil zu verschenken.“

 

BMW-Großaktionärin Klatten stockt bei SGL Carbon auf
BMW stockt über seine Milliardärin, Quandt-Erbin und Großaktionärin Susanne Klatten die Beteiligung an dem Wiesbadener Grafitspezialisten SGL Carbon auf 27,27 Prozent auf und verfügt damit über eine Sperrminorität und ein Vetorecht. (Geld hat die Milliardärin genügend vererbt bekommen – auf Wikipedia heißt es über die Quandt-Dynastie, eine der mächtigsten Industriellenfamilie Deutschlands: „In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter Konkurrenten und wurde zu einem der größten Rüstungsproduzenten des Dritten Reichs. Die von Quandt und seinen Söhnen geführten Unternehmen beuteten dabei im Zweiten Weltkrieg in enger Zusammenarbeit mit dem Machtapparat des NS-Regimes systematisch die Arbeitskraft von Zwangsarbeitern aus, von denen viele aufgrund der schlechten Behandlung starben. Einer Anklage bei den Nürnberger Prozessen konnten sich die Verantwortlichen aus der Familie entziehen und Teile ihrer Firmen und ihres Vermögens über das Ende der Naziherrschaft hinaus retten. Das heutige Vermögen der Familie wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Die noch lebenden Mitglieder der Familie gelten als verschwiegen und öffentlichkeitsscheu.“ Siehe hierzu auch die NDR-Doku „Das Schweigen der Quandts“ aus dem Jahr 2007.)


Öl und Gas:


Total übergibt 20% seines Bolivienanteils an Gazprom
In dem südamerikanischen Andenland Bolivien liegen rund 1,5 Billionen Kubikmeter Erdgas und rund 60 Millionen Tonnen Erdöl. 1.000 Kubikmeter Erdgas bringen rund 350 Dollar, somit sind die Reserven nach jetzigem Stand rund 525 Milliarden Dollar wert. Die Tonne Erdöl bringt rund 820 Dollar, damit ergeben die bolivianischen Reserven etwa 49,2 Milliarden Dollar. Zur Relation: Die rund 9,5 Millionen Einwohner erwirtschafteten 2007 ein BIP von rund 12,0 Milliarden Dollar. Bolivien verfügt zudem über die größten Lithium- und Borvorkommen der Welt. 2006 hatte der erste indigene Präsident der Welt, Evo Morales, die Öl- und Gasindustrie unter entsprechenden Entschädigungszahlungen rechtmäßig verstaatlicht, um die Milliardeneinnahmen stärker der Entwicklung des Landes und der Gemeinschaft zugute kommen zu lassen (2007 lebten etwa 60 Prozent der Bevölkerung des rohstoffreichen Landes unter der Armutsgrenze, davon waren 37,7 Prozent extrem arm). Ausländische Konzerne dürfen seitdem nur noch in Joint Ventures – und aus bolivianischer Perspektive unter faireren Konditionen, da für die Förderer höhere Steuern eingeführt wurden und eine Neuordnung der Konzessionsverträge erfolgte – mit den staatlichen Förderkonzernen als Mehrheitseigner tätig werden. Das französische Öl- und Gasunternehmen Total hat nun eine Reorganisation seiner Gas-Förderprojekte Ipati und Aquio vorgenommen: Total reduziert seinen Anteil von 80 auf 50 Prozent und tritt 20 Prozent dieser Aktien an den russischen Gasmonopolisten Gazprom und die restlichen zehn Prozent an die staatliche bolivianische YPEF ab. Das italienisch-argentinische Öl- und Gasunternehmen Tecpetrol, der vierte Partner, bleibt bei seinem Anteil von 20 Prozent. Zusammen sollen rund 850 Millionen Dollar in die Förderprojekte investiert werden, um ab voraussichtlich 2014 mit der Erschließung zu beginnen.

 

Ahmadinedschad nun auch iranischer Ölminister
Der Iran will bis 2015 die Anzahl seiner Minister von 21 auf 17 reduzieren. Nun hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad drei Minister entlassen: Ölminister Seyed Massud Mir Kazemi, Wohlfahrtsminister Sadegh Mahsuli und Industrieminister Ali Akbar Mehrabian. Hintergrund: Das Handelsministerium wird mit dem Industrieministerium zusammengeschlossen, das Transportministerium mit dem Ministerium für Wohnungs- und Städtebau sowie das Ministerium für Sozialfürsorge mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales. Präsident Ahmadinedschad wird nun vorläufig auch das Ölministerium leiten. Derzeit hat der Iran, einer der wichtigsten Ölproduzenten der Welt, den Vorsitz der OPEC inne. Die iranischen Ölreserven – je nach Aussage die hinter Saudi-Arabien zweit oder auch noch hinter Kanada drittgrößten weltweit – belaufen sich auf rund 138 Milliarden Barrel (je 159 Liter), bei rund 100 Dollar pro Barrel ergibt das einen Wert von 13,8 Billionen Dollar. Allerdings hat Venezuela im Februar einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht und mit 296,5 Milliarden Barrel Reserven sogar Saudi-Arabien von der Spitze verdrängt. Die iranischen Gasreserven sind hinter Russland ebenfalls die zweitgrößten weltweit: Die 28,1 Billionen Kubikmeter sind nach jetzigem Stand rund 9,8 Billionen Dollar wert.

 

Auch der libysche Ölminister setzt sich ab
Die Flucht von hochrangigen Regimemitgliedern um den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi setzt sich fort. Nach zahlreichen Armeekommandeuren und Diplomaten hat sich nun laut Medienberichten auch der Vorsitzende der staatlichen Ölgesellschaft NOC, Schukri Ghanim, abgesetzt. Ein Sprecher des Übergangsrates in Bengasi sagte sogar, Ghanim habe sich den Aufständischen angeschlossen. Angeblich sei die Flucht aus Tripolis schwierig, da alle Top-Funktionäre, an deren Loyalität Zweifel bestünden, streng überwacht werden würden. Umstritten ist auch die Medienmeldung, dass sich Gaddafis mächtiger Erstgeborener, Mohammed al-Gaddafi, der Chef der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft (ein lukrativer Posten der bei endemischer Korruption meist Milliarden in die Taschen der Elite spült) ins tunesische Djerba geflogen ist, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. Libyen verfügt über 44,3 Milliarden Barrel Erdöl (rund 4,4 Billionen Dollar wert) und 1,54 Billionen Kubikmeter Gas (im Wert von rund 540 Milliarden Dollar).

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