Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 19.01.2011

International:
1. EU-Finanzministerrat will Rettungsfonds nicht aufstocken:
2. EU will Banken-Stresstests verschärfen:
3. China vergibt mehr Entwicklungskredite als die Weltbank:
4. Chinas Export Seltener Erden sank 2010 um 9,3% gegenüber 2009:
5. US-Börsenaufsicht überprüft Deal von Goldman Sachs und Facebook:

Deutschland:
6. Verbesserte Steuer-Kooperation zwischen Deutschland und Österreich:
7. Das BIP bekommt einen aussagekräftigeren Bruder:
8. Deutsche Frauen weniger mächtig als Französinnen:

Autobranche:
9. Katar will 20% an VW:
10. Razzia bei MAN, Scania und Daimler wegen Kartellverdachts:
11. VW plant neuen „Miniwagen“ für den chinesischen Markt:

Unternehmen:
12. Apple mit 6-Mrd-Dollar-Rekordquartal:
13. Weltgrößter IT-Dienstleister IBM
14. US-Großbank Citigroup wieder mit 1,3 Mrd. Gewinn im IV. Quartal:

 

International:

 

EU-Finanzministerrat will Rettungsfonds nicht aufstocken:
Die Finanzminister der EU-Mitgliedsstaaten wollen den Euro-Rettungsfonds zunächst nicht aufstocken. Stattdessen wurde jedoch ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen, um den Euro langfristig zu schützen. Das Gesamtpaket soll alles abdecken und vor allem auch langfristig wirken, so dass nicht alle paar Monate mit Teillösungen nachgelegt werden muss. Dieser ganzheitliche Ansatz zum Schutz des Euros soll in den nächsten Wochen ausgearbeitet werden. Bundeskanzlerin Merkel hat sich zudem erstmals der Forderung Frankreichs nach einer europäischen Wirtschaftsregierung ausdrücklich angeschlossen: Dabei ginge es „um mehr Gemeinsamkeit in der Steuer- und Sozialpolitik, um Arbeitsrecht und Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst.“ Eine Rückkehr zur D-Mark schloss Merkel dabei ebenso kategorisch aus wie eine Aufspaltung der Euro-Zone in einen harten Norden und einen weichen Süden.

 

EU will Banken-Stresstests verschärfen:
Die EU will bei den nächsten Stresstest für die europäischen Banken die Kriterien verschärfen. Demnach soll nun auch die Liquidität und die harte Kernkapitalquote berücksichtigt werden. So war beim letzten Test im Sommer 2010 kein irisches Geldhaus durch den Test gefallen, obwohl die irische Finanzbranche schließlich den Staat in ein finanzielles Milliardenfiasko stürzte und das Land unter den EU-Rettungsschirm zwang. Hauptproblem bei den irischen Banken war die Liquidität. Ob die Stresstest-Daten dann allerdings auch veröffentlicht werden ist noch unklar. Aus der Branche hat sich dagegen Widerstand geregt.

 

China vergibt mehr Entwicklungskredite als die Weltbank:
In den Jahren 2009 und 2010 hat China insgesamt Kredite in Höhe von 110 Mrd. Dollar an Entwicklungsländer vergeben. Damit übertrifft das Reich der Mitte sogar die Weltbank, die in dem gleichen Zeitraum 100,3 Mrd. Dollar an Krediten vergab. China habe zudem auch bessere Konditionen gewährt als die Weltbank.

 

Chinas Export Seltener Erden sank 2010 um 9,3% gegenüber 2009:
Laut chinesischen Angaben sank der Export der begehrten Hightech-Metalle (Seltene Erden) 2010 gegenüber dem (Krisen-)Jahr 2009 um 9,3% auf 39.813 Tonnen. China prodziert derzeit rund 95% dieser seltenen Rohstoffe. Die Kapazitäten werden jedoch weltweit wieder hochgefahren, um von dem chinesischen Monopol unabhängiger zu werden. Die Preise sind im Jahresvergleich um 171% gestiegen. Mehr als 80% der Exporte gingen in die USA, nach Japan und in die EU.

 

US-Börsenaufsicht überprüft Deal von Goldman Sachs und Facebook:
Die Ankündigung der US-Großbank Goldman Sachs, 1,5 Mrd. Dollar für das nicht an der Börse notierte soziale Netzwerk Facebook exklusiv einsammeln zu wollen, hat die US-Börsenaufsicht SEC aufgeschreckt: Beide Unternehmen könnten mit ihrem Vorhaben gegen US-Aktiengesetze verstoßen. Demnach dürfen private Aktienplatzierungen nicht öffentlich beworben werden. Die breite Berichterstattung in der vergangenen Woche käme jedoch einer Werbekampagne gleich. Auch müssen Unternehmen mit mehr als 500 Investoren ihre Geschäftszahlen offen legen – Facebook vermeidet das momentan noch. Die Goldman-Konstruktion mit dem Facebook-Fonds hätte vermutlich auch hiergegen verstoßen. Die Anteile zeichnen sollen daher offenbar nun nur noch Nicht-US-Amerikaner können. Die Schuld schieben sich Facebook und Goldman Sachs gegenseitig zu. Die ARD titelte dazu süffisant: „Goldman Sachs blamiert sich mit Facebook.“

 

Deutschland:

 

Verbesserte Steuer-Kooperation zwischen Deutschland und Österreich:
Die weltweit zunehmenden Aktionen der klammen Staaten zur Verhinderung der Steuerhinterziehungen gehen in ein neues Kapitel. Diesmal haben Deutschland und Österreich einen Steuer-Informationsaustausch beschlossen. Die entsprechenden OECD-Standards wurden in das deutsch-österreichische Doppelbesteuerungsabkommen eingearbeitet. Damit wird Österreich auf Ersuchen Deutschlands steuerrelevante Bankinformationen mitteilen, ohne dass zuvor in Deutschland ein Strafverfahren eingeleitet werden muss.

 

Das BIP bekommt einen aussagekräftigeren Bruder:
Der Deutsche Bundestag hat eine Enquete-Kommission eingesetzt ("Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität"), die bis 2013 die Aussagekraft des Wirtschaftsindikators BIP überprüfen soll. Darüber wird in Fachkreisen bereits seit einigen Jahren diskutiert. Das „Bruttoinlandsprodukt“ BIP ist die Summe aller in einem Jahr im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen, sowohl von In- und Ausländern. Nicht enthalten sind jedoch häusliche Arbeit wie Kindererziehung, Schwarzarbeit, Ressourcenverbrauch, ehrenamtliches Engagement, Zufriedenheit, soziale Gerechtigkeit und Zustand bzw. Verschmutzung der Umwelt (ökonomische Bewertung der ökologischen Schäden). Das BIP, über dessen Wachstum von 3,6% derzeit alle jubeln, hat also für den tatsächlichen Zustand der Gesellschaft nur eine geringe Aussagekraft und bewertet auch nicht, ob alle Teile der Gesellschaft wohlhabender würden oder nur eine kleine Elite. Daher soll nun einer neuer Index her, der den Wohlstandsbegriff umfassender widerspiegelt. Dies steht auch auf der Agenda des nächsten EU-Gipfels im Februar. Bundeskanzlerin Merkel und der britische Premier Cameron wollen sich dies ebenso zu Eigen machen, wie Frankreichs Präsident Sarkozy, der bereits 2008 die beiden Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen mit einem alternativen Entwurf zum BIP beauftragt hatte.

 

Deutsche Frauen weniger mächtig als Französinnen:
Die Deutsche Wirtschaftselite traut den hiesigen Frauen nicht. Über 90% der 100 größten einheimischen Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen liegt gerade einmal bei 3,2%, in den größten 100 sowie in den Dax-30-Konzernen sogar nur bei 2,2% (= vier Frauen). Dabei vertragen sich aus Sicht des fest im Sattel der Deutschland AG sitzenden kleinen Kreises der männlichen Wirtschaftselite offenbar auch Geld und Frauen nicht besonders gut: In der Finanzbranche sind zwar mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich, in den Vorständen nehmen sie allerdings nur 2,9% der Sitze ein, bei den Versicherungen sind es 2,5%. DIW-Expertin Elke Holst: „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen.“ In Frankreich wurde beispielsweise Anfang des Monats eine 20% Quote innerhalb von 3 Jahren und eine 40% Quote innerhalb von 6 Jahren eingeführt. Norwegen hat bereits 2003 eine 40% Quote für die Verwaltungsräte beschlossen. Für die deutschen Unternehmen würde sich etwas mehr Geschlechtergerechtigkeit auch finanziell rechnen: Frauen verdienen in Deutschland für die gleiche Arbeit immer noch bedeutend weniger (im Durchschnitt rund 23%). Falls sich bis 2013 der Frauenanteil nun nicht deutlich erhöhen sollte, dürfte es eine gesetzliche Regelungen (und somit Strafen bei Verstößen; Anm. d. R.) geben, heißt es aus dem Kanzleramt.

 

Autobranche:

 

Katar will 20% an VW:
Porsche plant eine Kapitalerhöhung von 5 Mrd. Euro, um seine Schulden in Höhe von 6 Mrd. Euro zu tilgen. Dies gilt als Voraussetzung für eine Verschmelzung mit dem VW-Konzern. Das reiche Öl-Emirat Katar, das zu 10% an Porsche beteiligt ist, will die geplante Kapitalerhöhung mitzeichnen, um seinen Anteil an dem Sportwagenbauer zu halten. Da Katar zudem über 17% der Stimmrechte von VW verfügt, käme das Emirat bei dem Gesamtkonzern VW nach der Verschmelzung dann auf rund 20%, soll aber laut einer Vereinbarung knapp unterhalb der ähnlich großen Beteiligung des Landes Niedersachsen bleiben.

 

Razzia bei MAN, Scania und Daimler wegen Kartellverdachts:
Die drei Lastwagenhersteller MAN, Scania und Daimler sind in das Visier der EU-Kartellbehörde geraten. Bereits im September hatten die britischen Kartellhüter wegen möglicher Preisabsprachen Ermittlungen aufgenommen, nun folgt die EU-Kommission. Mehrere Büros wurden durchsucht. Es bestehe der Verdacht, gegen Wettbewerbsregeln verstoßen und/oder eine dominante Marktposition missbraucht zu haben. Die Unternehmen sicherten ihre volle Kooperation zu.

 

VW plant neuen „Miniwagen“ für den chinesischen Markt:
Mit einem neu entwickelten Kleinstwagen für unter 8.000 Euro will VW seinen Marktanteil in China weiter ausbauen. Es gebe bereits Verhandlungen mit Joint-Venture-Partnern, Details stünden aber noch nicht fest. Das Joint-Venture könnte dann als neue lokale Automarke auftreten. Peking hatte kürzlich als Zielgröße gefordert, den Anteil lokaler Marken bis zum Jahr 2015 von 30 auf 40% zu steigern. Daher wurden alle Gemeinschaftsunternehmen ausländischer Hersteller aufgefordert, lokale Marken aufzubauen.

 

Unternehmen:

 

Apple mit 6-Mrd-Dollar-Rekordquartal:
Die Kassenschlager iPhone und iPad haben die Gewinne bei Apple auf den Rekordwert von 6 Mrd. Dollar im ersten Geschäftsquartal beinahe verdoppelt. Der Umsatz stieg im Vorjahresvergleich um 71% auf 26,7 Mrd. Dollar.

 

Weltgrößter IT-Dienstleister IBM:
Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM hat im vierten Quartal seinen Gewinn im Jahresvergleich von 4,8 Mrd. Dollar auf 5,3 Mrd. Dollar steigern können. Der Umsatz lag bei 29,0 Mrd. Dollar nach 27,2 Mrd. Dollar im IV. Quartal 2009 (+6,6%).

 

US-Großbank Citigroup wieder mit 1,3 Mrd. Gewinn im IV. Quartal:
Im IV. Quartal 2009 hatte die Citigroup noch einen Verlust von 7,6 Mrd. Dollar verbucht. Im IV. Quartal 2010 wies die drittgrößte Bank der USA nun wieder einen Gewinn von 1,3 Mrd. Dollar aus. Die Einnahmen betrugen 18,37 Mrd. Dollar. Konkurrent JPMorgan hatte letzte Woche ein kräftiges Gewinnplus auf 4,8 Mrd. Dollar gemeldet.
 

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