Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 19.05.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Regierungsprogramm Elektromobilität beschlossen
2. Wirtschaftsweise fordern Rente mit 69 – Sozialverband kontert „absurd!“
3. Weltbank prognostiziert multipolare Welt bis 2025

Branchen und Unternehmen:
4. Werbemarkt boomt, Bewegtbilder im Internet stark im kommen
5. Defizitäre Schlecker-Kette poliert ihr Negativimage auf
6. Daimler will Joint Venture zur Batterieherstellung
7. Toshiba durch 2,3-Mrd.-Übernahme Weltmarktführer bei intelligenten Stromzählern
8. Japanischer Pharmariese kauft für 10 Mrd. in der Schweiz zu
9. SAP schickt Vorstand und Manager zur Schulung und zum Eignungstest

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Regierungsprogramm Elektromobilität beschlossen
Die Bundesregierung hat am Mittwoch die milliardenschwere Förderung von Elektroautos beschlossen. Das Regierungsprogramm Elektromobilität enthält Förderzusagen, Steuererleichterungen und weitere Unterstützungen (wie Sonderparkplätze für E-Autos und die Erlaubnis zur Nutzung von Busspuren), mit dem Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge und bis 2030 sechs Millionen auf die deutschen Straßen zu bekommen und Deutschland damit zum weltweiten Leitmarkt für die Elektromobilität zu machen. Der Schwerpunkt des Regierungsprogramms liegt jedoch auf Forschung und Entwicklung – hier werden bis 2013 eine Milliarde Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Die Industrie will bis 2015 weitere zwölf Milliarden Euro investieren. Hauptaugenmerk liegt hier auf einer konkurrenzfähigen Batterietechnik. Steuerliche Anreize für E-Autos und auch Hybridautos bilden die Befreiung von der Kfz-Steuer für zehn Jahre sowie eine Absenkung des Steuersatzes für Dienstwagen. Der Bund selbst will bei dem Ersatz seiner Fahrzeugflotte künftig verstärkt E-Autos ordern. Von den in Deutschland angemeldeten 42 Millionen Pkw sind momentan nur rund 2.300 Elektroautos. Die Mehrkosten für ein Elektrofahrzeug würden derzeit mit rund 11.000 Euro gegenüber einem mit Verbrennungsmotor zu Buche schlagen. Bis 2017 dürfte dies auf eine Größenordnung von 5.000 Euro zurückgehen. Laut der grünen Opposition sowie der Industrie Grund genug, zusätzlich eine Kaufprämie einzuführen, wie beispielsweise in Frankreich. Die Kaufprämie in unserem Nachbarland beträgt 5.000 Euro. Die Bundesregierung lehnt diese Art der Förderung jedoch weiterhin ab.

 

Wirtschaftsweise fordern Rente mit 69 – Sozialverband kontert „absurd!“
Die fünf Wirtschaftsweisen haben mit dem Gutachten „Herausforderungen des demografischen Wandels“ die Rentendiskussion neu belebt: Der demographische Wandel würde die deutsche Bevölkerung – ein Gleichgewicht von Zu- und Abzügen vorausgesetzt – bis 2060 um fast 24 Millionen Einwohner schrumpfen lassen (um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müssten jährlich 350.000 Menschen zuwandern). Die dadurch einhergehende Belastung für die Renten- und Krankenkassen seien nur über ein höheres Renteneintrittsalter abzufangen. Das heißt die Rente mit 67 ab 2029, ab 68 Lebensjahren im Jahr 2045 und schließlich ab 69 Jahren in 2060. Laut den Wirtschaftsweisen solle dies sogar auch für Beamte gelten. Das Gutachten stieß auf scharfe Kritik der Opposition und von Sozialverbänden. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles: „Das Rentenalter weiter zu erhöhen, ist mit der SPD nicht zu machen. Ziel muss vielmehr sein, dass endlich mehr ältere Menschen überhaupt Chancen am Arbeitsmarkt haben, denn ohne Arbeit ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nichts Anderes als eine Rentenkürzung.“ Auch der Sozialverband Deutschland bezeichnet die Rente mit 69 als „schlichtweg unverantwortlich“ und die Forderungen der Wirtschaftsweisen als „absurd“  – besonders, da die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer nach wie vor „jämmerlich“ sei. Entlastend für die öffentlichen Kassen würde eine entsprechende Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften wirken, eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen (bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie mehr und günstigere Krippenplätze vorausgesetzt) sowie ein soziales Sicherungssystem, dass nicht vornehmlich auf den Faktor Arbeit aufbaut und diesen über die Gebühr belastet, sondern alle Einkommensarten hinzuzieht, wie beispielsweise in der Schweiz, sowie auch nicht die Besserverdienenden durch die privaten Krankenkassen aus dem solidarischen System herausnimmt, gut verdienende Berufszweigen eigene Rentenkassen zubilligt wie beispielsweise den Anwälten, oder riesige Berufsgruppen wie die Beamten gar nicht erst zur Kasse bittet.


Weltbank prognostiziert multipolare Welt bis 2025
Die Schwellenländer werden bis 2025 laut dem aktuellen Report der Weltbank „Global Development Horizons 2011“ weiterhin mit durchschnittlich 4,7 Prozent jährlich deutlich stärker wachsen als die Industrieländer mit 2,3 Prozent. Dieser vor allem auf dem Nachholeffekt beruhende Trend dürfte dazu führen, dass die bevölkerungsreichen Schwergewichte Brasilien, Russland, Indien, China, Indonesien und Südkorea ihren Anteil an der Weltwirtschaft von bislang 36 Prozent bis 2025 auf 45 Prozent steigern werden. Des Weiteren dürfte der US-Dollar seine Position als Leitwährung verlieren. Mit dem Bedeutungsgewinns des chinesischen Yuans werden die Welt künftig drei Währungen dominieren, der Dollar, der Euro und der Yuan.


Branchen und Unternehmen:

 

Werbemarkt boomt, Bewegtbilder im Internet stark im kommen
2010 wurden in Deutschland fast 30 Milliarden Euro für Werbung ausgegeben – das ist ein weiterer Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings waren die Investitionen im Krisen-Jahr 2009 um sechs Prozent zurückgegangen. Daher werde es noch etwas dauern, „um zu alter Stärke zurückzukehren“, so Volker Nickel, der Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Erstmals hat dabei das Medium Fernsehen mit Einnahmen von 3,95 Milliarden Euro (+ 8,6) die Tageszeitungen (3,64 Milliarden Euro = -1,5 Prozent) vom Spitzenplatz verdrängt. Der Online-Werbemarkt wuchs prozentual am stärksten um 13 Prozent auf 861 Millionen Euro. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft (BVDW) gehen dabei 94 Prozent der befragten Experten davon aus, dass der Anteil von Internetspots, also Bewegtbildern im Internet,  in den nächsten zwei Jahren einen weiteren bedeutenden Zuwachs erfahren wird. BVDW-Präsident Arndt Groth: „Immer mehr Unternehmen nutzen Video-Werbung im Internet auf Grund der hohen Wirksamkeit und berücksichtigen sie bei ihrem Einsatz in innovativen Kampagnen.“ Der größte Vorteil der Onlinespots sei dabei in der Einführung neuer Produkte und der Imageaufwertung des Unternehmens durch innovative Kundenansprache. Dabei sollten die Videos im Idealfall nicht länger als 19 Sekunden dauern. Der ZAW rechnet für 2011 mit einer weiteren Steigerung des gesamten Werbemarktes um 1,4 bis 2,4 Prozent.

 

Defizitäre Schlecker-Kette poliert ihr Negativimage auf
Die Drogeriemarktkette Schlecker hat 2010 europaweit rund 6,55 Milliarden Euro umgesetzt. Die 3.000 Auslandsfilialen liefen dabei angeblich gut, anders bei den 7.800 Inlandsfilialen. Unter dem Strich fiel für die Kette ein Verlust an, über dessen Höhe sich ausgeschwiegen wird. 2012 soll jedoch die Wende geschafft werden – das funktioniert allerdings nur über den Absatz, also die Kunden. Zuletzt war das Ansehen von Schlecker stark ramponiert: Mehrmals war der Konzern wegen seines schlechten Umgangs mit den Mitarbeitern und Angestellten negativ in die Schlagzeilen geraten und hatte den Ruf eine Ausbeuterunternehmens gewonnen. (Der größte Schlecker-Skandal: Mit Leiharbeitern wurde Lohndumping betrieben und so der Tariflohn von 12,70 Euro auf erschreckende 6,78 Euro gedrückt  – angesichts des Missbrauchs der Leiharbeit bei der Drogeriekette Schlecker hatte sogar die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa OECD Deutschland eine „Zweiklassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt“ vorgeworfen.) Kein Image, mit dem man bei den zunehmend mündigen und kritischeren Konsumenten punkten kann – wie letztlich das negative Konzernergebnis verdeutlicht. Auch unter Juristen mauserte sich Schlecker zum „Lieblingsbösewicht“ im Arbeitsrecht, als das Unternehmen, das bereits mehrfach vorgemacht habe, wie man es im Arbeitsrecht gerade eben nicht machen darf und kann. Die zweite Schlecker-Generation, die Konzern-Mitinhaber Meike (37) und Lars Schlecker (39), vollziehen daher nun eine 180-Grad Wendung und verordnen den leitenden Mitarbeitern mehr Fairness im Umgang mit den Angestellten. Für das neue Regelwerk und die neuen Richtlinien wurde über den bisherigen eigenen Schatten gesprungen und auch erstmals mit den Arbeitnehmervertretern von Ver.di zusammengearbeitet. Meike Schlecker: "Es wurden viele Sachen vor Ort, draußen, umgesetzt, die so von hier nicht abgehakt waren. Die waren auch nicht gewollt. Es kommen teilweise Sachen an die Oberfläche, bei denen wir sagen: Nein, das ist nicht der Grundsatz unserer Familie, das ist nicht der Grundsatz unserer Firma. Darauf reagieren wir jetzt und haben dieses Regelwerk zusammengestellt, damit es da absolut keine Ausflüchte mehr gibt, dass jeder weiß, woran er ist und die Mitarbeiter auch wissen: Was kann ich von meinen Chefs erwarten, und was wird von mir erwartet?" Ihr Bruder Lars Schlecker ergänzte: "Wenn ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein will, muss es eine gewisse Akzeptanz in der Gesellschaft haben. Und da sind diese Führungsgrundsätze essenziell, genauso wie das proaktive Zugehen auf Arbeitnehmervertreter." Der zuständige Verdi-Handelssekretär äußerte sich zufrieden über die neuen Richtlinien: „Das ist das erste Mal, dass ich bei Schlecker nachvollziehbare Managementmethoden erkenne.“ Allerdings mahnte Neumann auch: „Es steht auf dem Papier, aber noch sind das nur Absichtserklärungen.“

 

Daimler will Joint Venture zur Batterieherstellung
Der Stuttgarter Autobauer Daimler will sein 2008 mit dem Industriekonzern Evonik gegründetes Gemeinschaftsunternehmen Li-Tec zur Herstellung von leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und Hybridfahrzeuge in eine größere Allianz mit Renault-Nissan und dem japanischen Elektronikkonzern NEC einbringen. Derzeit verhandeln die Partner über die genaue Struktur des geplanten Joint Ventures. Dabei sollen angeblich Daimler und Renault nur eine Minderheit der Anteile übernehmen, damit der neue Batteriehersteller besser externe Kunden gewinnen kann.

 

Toshiba durch 2,3-Mrd.-Übernahme Weltmarktführer bei intelligenten Stromzählern
Der japanische Elektronikriese Toshiba kauft für 2,3 Milliarden Dollar den Schweizer Traditionskonzern Landis+Gyr. Die Schweizer sind auf die Produktion von intelligenten Stromzählern spezialisiert. Toshiba wird in diesem Bereich nun nach eigener Darstellung Weltmarktführer. Neben Toshiba waren auch Siemens, ABB und General Electric als Interessenten gehandelt worden. Neuer Konzernleiter wird der bisherige operative Chef, der Deutsche Andreas Umbach. Bei konventionellen Stromzählern hat Landis+Gyr einen Weltmarktanteil von 11 Prozent. Bei der intelligenten Variante, den sogenannten „smart meters“, mit denen der Stromverbrauch besser gesteuert und damit die Auslastung der Stromnetze gesteigert werden kann, kommt das Unternehmen in Privathaushalten auf einen Marktanteil von weltweit 36 Prozent. Durch den weltweiten Aufbau von intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) wird der Technologie ein weiteres starkes Wachstum bescheinigt.

 

Japanischer Pharmariese kauft für 10 Mrd. in der Schweiz zu
Der japanische Pharmariese Takeda kauft für 9,6 Milliarden Euro den Schweizer Arzneimittelhersteller Nycomed. Nycomed ist derzeit mehrheitlich im Besitz von vier Kapitalbeteiligungsgesellschaften, der größte Eigner ist die Nordic Capital mit 41,2 Prozent. Der Schweizer Konzern hatte 2006 die Pharmasparte der deutschen Altana übernommen, war aber im letzten Jahr mit 44,2 Millionen Euro operativ in die roten Zahlen gerutscht. Grund für die Übernahme sei vor allem das Vertriebsnetz des Schweizer Arzneimittelherstellers mit skandinavisch-deutschen Wurzeln. Takeda erhofft sich offenbar einen Eintritt in die Schwellenländer, in denen Nycomed im Unterschied zu den Japanern stark aufgestellt ist.

 

SAP schickt Vorstand und Manager zur Schulung und zum Eignungstest
Der in Walldorf angesiedelte Softwarekonzern SAP unterzieht seinem Vorstand und Managern einem Eignungstest. Darin müssen die Topführungskräfte in einem dreitägigen Verfahren ihr persönliches Führungsverhalten einer Prüfung unterziehen lassen und gegebenenfalls nachbessern und dazulernen. Ziel ist es, die Führungskompetenzen des SAP-Managements zu verbessern, um die ambitionierten Wachstumsziele erreichen zu können. Zunächst ist der Vortand betroffen und die direkt an ihn berichtenden Führungskräfte, anschließend müssen die in der SAP-Hierarchie weiter unten angesiedelten Manager zur Schulung.

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