Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 20.10.2010

Bankwesen:
1. Schweiz und Deutschland kooperieren im Steuerstreit:
2. Bank of America muss für 47 Mrd. Dollar Hypotheken zurückkaufen:
3. Auch Goldman Sachs weckt Zweifel an der Nachhaltigkeit des Investmentbankings:
4. Insolvenzverwalter von Lehman Brothers bereits über 1 Mrd. Dollar verdient:

Deutschland:
5. Wachstumsschub beschert Deutschland 30 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen:
6. DIHK rechnet mit 300.000 neuen Stellen in 2011:
7. Größten drei Energiekonzerne Deutschlands mit 23 Mrd. Euro Gewinn in 2009:
8. VW reserviert 3,9 Mrd. Euro für Porsche-Komplettkauf:
9. Buffett erhöht Anteil an Munich Re auf 10%:
10. BASF schraubt Prognosen für das Rekordjahr 2010 deutlich nach oben:

International:
11. US-Schuldenpolitik überschwemmt Asien mit Liquidität:
12. China hebt überraschend Leitzins um 0,25% an:
13. EU-weiter Pass für Hedge-Fonds ab 2015:
14. China will Monopol auf seltene Metalle selbst nutzen:
15. Russischer Automarkt wird 2014 den größten Absatzumfang in Europa aufweisen:
16. Energiekonzern Enel trennt sich von Ökostrom-Tochter Enel Green Power:
17. Apple fährt mit 4,3 Mrd. Dollar einen Rekordgewinn ein:
18. Brasilianische Beteiligungsgesellschaft übernimmt Burger King:
19. Coca Cola steigert Gewinn um 8% auf 2 Mrd. Dollar:

 

Bankwesen:

 

Schweiz und Deutschland kooperieren im Steuerstreit:
Die Schweiz hat angekündigt, künftig nach OECD-Standard Amtshilfe bei Steuerhinterziehung zu leisten. Basis für die Einigung ist Artikel 26 des OECD-Musterabkommens für Doppelbesteuerung. Damit lenkt ein weiteres Steuerparadies für deutsche Gesetzesumgeher in dem Thema internationale Besteuerung ein. Das bilaterale Abkommen mit Deutschland soll im Laufe der nächsten Woche verkündet werden. Momentan erheben die Schweiz, Österreich und Luxemburg bereits im Rahmen der EU-Zinsbesteuerung auf Zinserträge ausländischer Anleger eine Quellensteuer. 75% dieser Quellensteuer in Höhe von 20% werden anonymisiert an den Herkunftsstaat der Geldbesitzer weitergeleitet. Die Quellensteuer steigt 2011 auf 35%. Die Palette der Kapitalerträge, die über eine Abgeltungssteuer erfasst werden, soll nun bilateral erweitert werden. Auch soll dann gemäß dem OECD-Standard Amtshilfe bei Steuerhinterziehung geleistet werden. Allerdings gebe es weiterhin Schlupflöcher, auch können deutsche Behörden nur bei einem konkreten Verdacht tätig werden.

 

Bank of America muss für 47 Mrd. Dollar Hypotheken zurückkaufen:
Die Bank of America, das größte US-Geldhaus, soll in Anleihen verpackte problematische Hypotheken im Wert von rund 47 Mrd. Dollar zurückkaufen. Eine Gruppe von acht Investoren, darunter die US-Notenbank Fed und der Anleihefonds Pimco, wirft der Bank vor, die Hypotheken in nicht angemessener Weise in die Anleihen verpackt zu haben. Die Bank of America hatte zwar kürzlich ein unerwartet positives operatives Ergebnis gemeldet, allerdings aufgrund von Abschreibungen dennoch einen Milliardenverlust gemeldet. Zudem belastet die US-Branche die Ungereimtheiten bei Zwangsversteigerungen, mit denen Banken im Insolvenzfall ihres Kunden die Kreditsicherheiten verwerten. Momentan herrscht Unsicherheit darüber, ob die Finanzinstitute erneut auf einem Berg fauler Kredite in Milliardenhöhe sitzen bleiben.

 

Auch Goldman Sachs weckt Zweifel an der Nachhaltigkeit des Investmentbankings:
Die Wall-Street-Bank Goldman Sachs büßte binnen Jahresfrist mehr als ein Drittel seines Gewinns ein. Das Finanzinstitut hat für das dritte Quartal einen Gewinn von 1,9 Mrd. Dollar ausgewiesen, was allerdings ein höheres Ergebnis ist als erwartet. Grund sei die Kostenbremse – die Einnahmen aus dem Kapitalmarktgeschäft gingen hingegen zurück. Diesen Rückgang vermochte Goldman Sachs, im Gegensatz zu den großen Universalbanken wie JP Morgan Chase und Citigroup, nicht durch eine Verbesserung im Kreditgeschäft auszugleichen. Laut Analysten weckt das erneut maue Ergebnis Zweifel an der künftigen Ertragskraft im Investmentbanking, vor allem da die Banken zudem künftig deutlich strengere regulatorische Vorgaben erfüllen müssen, was die Gewinne in diesem Segment ebenfalls drücken dürften.

 

Insolvenzverwalter von Lehman Brothers bereits über 1 Mrd. Dollar verdient:
Die Insolvenzverwalter der bankrotten US-Investmentbank Lehman Brothers (09/2008) haben bis dato bereits über eine Milliarde Dollar verdient – ihre Arbeit ist aber noch lange nicht zu Ende. Mehr als die Hälfte des Geldes haben die beiden großen Anwaltskanzleien Alvarez & Marsal sowie Weil Gotshal & Manges eingenommen. Die Insolvenzverwalter sortieren die Ansprüche der Gläubiger und treiben ausstehende Gelder ein. Insgesamt könnten bis zu 57,5 Milliarden Dollar an die Gläubiger ausgeschüttet werden. Damit könnte jeder Gläubiger mit 20% seiner investierten Summe rechnen.

 

Deutschland:

 

Wachstumsschub beschert Deutschland 30 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen:
Der unerwartet kräftige Wachstumsschub könnte dem deutschen Staat deutlich höhere Steuereinnahmen bescheren als erwartet. Demnach könnten die Einnahmen für 2010 und 2011 insgesamt um 30 Mrd. Euro höher ausfallen als noch in der letzten Steuerschätzung vom Mai prognostiziert. Damals war noch von einem Wachstum in 2010 von 1,4% ausgegangen worden. Mittlerweile wird mit 3,5% Wachstum gerechnet. Es wird erwartet, dass die Mehreinnahmen in die Konsolidierung des Haushalts fließen werden, um die Neuverschuldung herunterzufahren.

 

DIHK rechnet mit 300.000 neuen Stellen in 2011:
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2011 massiv Personal einstellen wird und erwartet 300.000 neue Stellen. Der größte Zuwachs wird mit 60.000 neuen Stellen in der Gesundheitswirtschaft (Pflege, Pharma, Medizintechnik) erwartet, vor Zeitarbeitsfirmen mit 50.000 Stellen und wissensintensiven Dienstleistern im Bereich Forschung und Entwicklung sowie IT-Unternehmen mit 25.000 Jobs.

 

Größten drei Energiekonzerne Deutschlands mit 23 Mrd. Euro Gewinn in 2009:
Laut der Frankfurter Rundschau haben allein die drei größten deutschen Stromkonzerne Eon, RWE und EnBW in 2009 rund 23 Mrd. Euro Gewinn eingefahren. Seit 2002 hätten sich die Gewinne versiebenfacht (insgesamt mehr als 100 Mrd. Euro). Im ersten Halbjahr 2010 wurden demnach bereits 15 Mrd. Euro Gewinn erzielt. Grund sei, dass es auf dem Strommarkt aufgrund der quasi Monopolstellung der Großen keinen wirklichen Wettbewerb gebe. Durch die geplante Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke könnten die drei Energiekonzerne zudem mit Einnahmen von 70 Mrd. Euro rechnen. Der Chef der Monopolkommission, Justus Haucap: „Die enormen Gewinne überraschen nicht. Es gibt keinen funktionsfähigen Wettbewerb bei der Energieerzeugung in Deutschland, das wurde durch die Laufzeitverlängerung für die Kernkraft noch einmal verfestigt.“ Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert, dass die Energieriesen über mehr Marktmacht verfügen würden als vor der Liberalisierung vor rund zehn Jahren.

 

VW reserviert 3,9 Mrd. Euro für Porsche-Komplettkauf:
Der Autobauer VW hat angekündigt, falls rechtliche und steuerliche Hürden die geplante Verschmelzung mit Porsche blockieren, notfalls die übrige Hälfte des Porsche Sportwagengeschäfts für 3,9 Mrd. Euro zu kaufen. Porsche wiederum hält noch 51% der VW-Stammaktien. Aufgrund einer 2009 geschlossenen Grundlagenvereinbarung wollen die beide Konzerne im kommenden Jahr miteinander verschmelzen. Probleme bereiten die noch nicht feststehenden steuerlichen Rahmenbedingungen der Verschmelzung. So könnte der Fiskus für eine kurzfristige Fusion mehr als 1 Mrd. Euro Steuern fordern, nach Ablauf einer gesetzlichen Frist würden ab Ende 2014 gar keine Steuern anfallen. Ende Juni betrug die Nettoliquidität VWs 17,5 Mrd. Euro, die Porsche-Holding hat hingegen 6 Mrd. Euro Schulden.

 

Buffett erhöht Anteil an Munich Re auf 10%:
Der US-Großinvestor Warren Buffett (80), mit einem Vermögen von 47 Mrd. Dollar laut Forbes der drittreichste Mensch der Erde, stockt seine Anteile an dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re auf nunmehr über 10% der Anteile auf (Gesamtwert: ca. 2 Mrd. Euro). Buffett hat zudem angekündigt, seinen Anteil weiter ausbauen zu wollen. Er ist der mit Abstand größte Aktionär der Munich Re vor dem Vermögensverwalter BlackRock. Buffett habe keine strategischen Ziele mit dem Unternehmen, will auf die Besetzung von Vorständen oder Aufsichtsräten keinen Einfluss nehmen und auch die Dividendenpolitik nicht ändern.

 

BASF schraubt Prognosen für das Rekordjahr 2010 deutlich nach oben:
Nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal (EBIT stieg um 122% auf 2,15 Mrd. Euro) hat der Chemiekonzern BASF die Erwartungen für das Jahr 2010 deutlich erhöht: Erwartet wird nun ein Umsatzplus von 25% auf rund 63 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereinflüssen (EBIT) soll mehr als 8 Milliarden Euro erreichen, ein neuer Rekordwert. Für 2011 wurden die Erwartungen jedoch gleichzeitig gedämpft: Die hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern bedrohe die Stabilität der Banken -und Finanzsysteme und der zu erwartende Sparkurs sowie das Auslaufen der Konjunkturprogramme könnten zudem die Nachfrage belasten.

 

International:

 

US-Schuldenpolitik überschwemmt Asien mit Liquidität:
Die Schwellenländer, insbesondere in Asien, aber auch Brasilien, werden derzeit mit Liquidität überflutet. Damit wächst die Sorge vor Investitionsblasen, die eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung massiv beeinträchtigen. Auch der Inflationsdruck nimmt dadurch zu. Die Weltbank hat nun die lockere Geldpolitik („durchlaufende Notenpresse“) der USA für die übermäßigen Kapitalflüsse nach Asien verantwortlich gemacht. US-Finanzminister Timothy Geithner wehrt sich hingegen gegen den internationalen Vorwurf, die USA würden eine Schwächung ihrer eigenen Währung anstreben, um ihren Export wettbewerbsfähiger zu machen. Diesen Vorwurf reichen US-Kreise stets an China weiter. Die Finanzminister der G-20 beraten ab Donnerstag in Südkorea unter anderem auch über das Währungssystem und einen besseren Ausgleich unter den Volkswirtschaften.

 

China hebt überraschend Leitzins um 0,25% an:
Die chinesische Zentralbank hat zum ersten Mal seit Dezember 2007 den Leitzins angehoben. Sie verteuerte das Geld für die Geschäftsbanken um 0,25 Prozentpunkte. Durch die Verteuerung der Kredite wird die Nachfrage gebremst, was das Wirtschaftswachstum und den Preisanstieg (Inflation) dämpfen soll. Das Wirtschaftswachstum betrug im zweiten Quartal 10,3%, die Inflationsrate lag zuletzt bei 3,5%, das offizielle Ziel sind 3%. Befürchtet werden aufgrund der enormen Liquidität ein Überhitzen der Wirtschaft sowie die Bildung einer Immobilienblase. Experten rechnen mit weiteren Zinserhöhungen.

 

EU-weiter Pass für Hedge-Fonds ab 2015:
Die EU-Finanzminister haben sich auf strengere Regeln für Hedge-Fonds geeinigt. Die Kontrollen werden verschärft, zudem müssen sie ihre Geschäfte besser gegen Risiken absichern. Laut EU-Binnenmarktkommissar Michel ist dies ein entscheidender Schritt zu einer lückenlosen Finanzmarktregulierung. Mittels eines neu eingeführten „EU-Passes“ müssen außerhalb der EU ansässige Hedge-Fonds ihre Zulassung in Europa beantragen. Unter anderem dadurch sollen die neu geschaffenen EU-Aufsichtsbehörden die notwendigen Informationen, sowie auch weitreichende Befugnisse erhalten. Der EU-Pass soll 2015 eingeführt werden. Ab 2018 würde es dann keine nationalen Zulassungen mehr geben.

 

China will Monopol auf seltene Metalle selbst nutzen:
Laut der Zeitung China Daily plant Peking, die Exportquote für seltene Metalle (als „seltene Erden“ bezeichnet) in 2011 um 30% zu reduzieren. Das chinesische Handelsministerium widersprach dieser Äußerung, sie entbehre jeglicher Grundlage. Die Seltenen Erden spielen eine herausragende Rolle für moderne Technologien, kommen aber nur in geringen Mengen vor. Mehr als 90% davon werden in China gefördert, der Großteil wird momentan noch exportiert.

 

Russischer Automarkt wird 2014 den größten Absatzumfang in Europa aufweisen:
Laut dem russischen Minister für Industrie und Handel, Viktor Christenko, wird der russische Markt bis Mitte 2013 den Vorkrisenstand erreichen und 2014 erstmals die Drei-Millionen-Marke an verkauften Autos knacken, womit er zum größten Markt n Europa aufsteigen würde. Für 2010 wird eine Kfz-Jahresproduktion von insgesamt 1,3 Millionen Stück erwartet, bei einem Absatz von mehr als 1,7 Millionen Autos.

 

Energiekonzern Enel trennt sich von Ökostrom-Tochter Enel Green Power:
Der italienische Energiekonzern Enel will sich mittels eines Milliardenbörsengangs von der Ökostrom-Tochter Enel Green Power trennen. Dabei werden deutliche Kompromisse beim Preis eingegangen. Das Emissionsvolumen beträgt 3,4 Mrd. Euro. Enel benötigt dringend Geld. Der Konzern ist mit Verbindlichkeiten in Höhe von 54 Mrd. Euro der am höchsten verschuldete Versorger Europas. Das Emissionskonsortium unter der Führung von Credit Suisse, Goldman Sachs und Mediobanca erhalten 1,8% des Emissionsvolumens als Provision (61,2 Mio. Euro). Enel Green Power erzeugt rund 44% seines Stroms in Wasserkraftwerken, 41% in Windkraftwerken und 15% in anderen Bereichen. Bis 2014 will Enel Green Energy seine Erzeugerkapazitäten von derzeit 5.700 auf 9.200 Gigawatt ausbauen und den Betriebsgewinn um die Hälfte auf 2,1 Mrd. Euro steigern.

 

Apple fährt mit 4,3 Mrd. Dollar einen Rekordgewinn ein:
In dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 legte der Umsatz von Apple im Vergleich zum Vorjahr um 67% auf 20,3 Mrd. Dollar zu. Der Gewinn steigerte sich um 70% auf 4,3 Mrd. Dollar. Beides bedeutet für Apple Rekordwerte. Bedeutenden Anteil an dem Erfolg hat die neue Version des iPhones, von dem binnen drei Monaten mehr als 14 Millionen Stück verkauft wurden (+ 91%). Apple-Chef Steve Jobs kündigte zudem „noch ein paar Überraschungen“ noch vor Weihnachten an.

 

Brasilianische Beteiligungsgesellschaft übernimmt Burger King:
Die Beteiligungsgesellschaft 3G Partners, hinter der mehrere brasilianische Großinvestoren stehen, übernimmt für 4,0 Milliarden Dollar inklusive Schulden die Nummer Zwei der Schnellrestaurants, Burger King (12.000 Schnellrestaurants). Allerdings ist der Konkurrent McDonald´s rund zehnmal so groß.

 

Coca Cola steigert Gewinn um 8% auf 2 Mrd. Dollar:
Der Coca-Cola-Konzern, der weltgrößte Softdrinkhersteller, hat seinen Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 8% auf 2,06 Mrd. Dollar steigern können. Der Umsatz stieg um 5% auf 8,4 Mrd. Dollar.

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