Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 20.12.2010

International:
1. Putin erklärt Rolle des RUS-Geheimdienstes bei der Wirtschaftsspionage:
2. Nach Einigung auf dauerhaften EU-Krisenmechanismus folgt nun die Ausgestaltung:
3. Weltgrößter Anleiheninvestor Pimco schaltet sich bei Eurokrise ein:
4. Leistungsbilanzdefizit des Euroraums leicht gestiegen:
5. Iranische Wirtschaft kommt gefährlich ins Schlingern:
6. London fordert die mächtige Londoner City heraus – Boni sollen begrenzt werden:
7. Bank of America schließt sich Zahlungsboykott an Wikileaks an:

 

Deutschland:
8. Erzeugerpreise in Deutschland um 4,4% gestiegen:
9. Deutsche Bahn verklagt Zulieferer wegen Kartellabsprachen:
10. Solarunternehmen Conergy einigt sich mit Gläubigern:
11. MAN und Scania – eine Kooperation auf Augenhöhe:
12. Siemens verkauft Panzergeschäft aus Imagegründen:

 

International:

 

Putin erklärt Rolle des RUS-Geheimdienstes bei der Wirtschaftsspionage:
Der russische Premierminister Putin hat die Rolle des russischen Auslandsgeheimdienst SWR bei der Modernisierung der Wirtschaft im wissenschaftlich-technischen Bereich dargelegt. Putin: „Da wir uns mit der Modernisierung unserer Wirtschaft befassen, wird sich Hilfe seitens der Geheimdienste nicht erübrigen. (…) Das bedeutet nicht, dass man gegen die Gesetze anderer Länder verstoßen muss. Denn die Geheimdienste vieler Länder nehmen auch legale Quellen ins Visier. Auf diese Weise werden aussichtsreiche Entwicklungen im Voraus abgefangen – man braucht dabei nichts zu klauen. Man muss nur alles analysieren, was vorhanden ist, um aussichtsreiche Forschungsrichtungen zu finden und die einheimischen Wirtschaftsbranchen entsprechend zu orientieren.“ Erst vergangene Woche hatte der deutsche Verfassungsschutz vor einer zunehmenden Wirtschaftsspionage über das Internet gewarnt. Ins Visier der Attacken (allen voran aus Fernost aber auch Russland, teilweise von den Nachrichtendiensten unterstützt) geraten dabei zunehmend auch kleine und mittelständische innovative Unternehmen.

 

Nach Einigung auf dauerhaften EU-Krisenmechanismus folgt nun die Ausgestaltung:
Die Euro-Staaten haben sich am Wochenende auf einen dauerhaften Schutzschirm für die Gemeinschaftswährung geeinigt. Der dauerhafte Krisenmechanismus soll den vorläufigen Schutzschirm ab 2013 ablösen. Die Details müssen indes noch ausgearbeitet werden (bis März). Nicht-Euro-Länder können sich an den Arbeiten und dem Mechanismus auf freiwilliger Basis beteiligen. Als weiterer wichtiger noch auszugestaltender Punkt gilt die Harmonisierung einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik. Dazu Bundeskanzlerin Merkel: „Wir brauchen mehr Gemeinsamkeiten in unseren Wirtschaftspolitiken.“ Es sei wichtig, dass wir „nicht nur gemeinsam stabile Haushalte haben. Es ist genau so wichtig, dass wir auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik entwickeln; Schritt für Schritt, das ist ein langer Prozess.“ Eine Währungsunion, die nicht an eine politische Union gekoppelt ist, sei ein Geburtsfehler der Euro-Einführung und eine der Mitursachen der Schuldenkrise.

 

Weltgrößter Anleiheninvestor Pimco schaltet sich bei Eurokrise ein:
Pimco ist mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Billion Dollar der weltweit größte Anleiheinvestor. Nun hat sich die Allianz-Tochter nach den jüngsten Gipfelbeschlüssen der EU-Regierungschefs am Wochenende in die Eurokrise eingeschaltet. Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements: Die Politik müsse jetzt entweder eine glaubwürdige und damit langfristig stabile Wirtschafts- und Fiskalunion auf, oder sie riskiere einen Zusammenbruch der Währungsunion und damit des Euro. Zugleich solle ein vorübergehender Austritt von Griechenland, Irland und Portugal aus der Währungsunion möglich sein, da es für diese Länder extrem schwierig sei, innerhalb eines festen Wechselkursmechanismus wie dem Euro zu wachsen und gleichzeitig ihren Haushalt zu entlasten. Eine eigene Währung könnten sie jedoch abwerten. Mittelfristig käme man auch nicht an der Lösung von Euroanleihen, sog. Eurobonds, vorbei. Damit würden verschuldete Staaten niedrigere Zinsen zahlen, wodurch sie besser aus der Krise kommen könnten. Im Gegenzug müssten dann Nettozahler wie Deutschland auch mehr Mitsprache und Gewicht bekommen. Bosomworth: „Die Politik darf nicht länger die Augen vor einer Staatspleite innerhalb der Europäischen Union verschließen. Sie muss dringend eine Lösung für den Insolvenzfall finden. 2013 ist viel zu spät.“

 

Leistungsbilanzdefizit des Euroraums leicht gestiegen:
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich das Defizit des Euroraums (Europäische Währungsunion EWU) im Oktober bereinigt und revidiert um 0,1 Milliarden Euro auf 9,8 Milliarden Euro im Vergleich zum Vormonat erhöht. Rückgänge gab es in der Handelsbilanz und der Dienstleistungsbilanz. Die Defizite der Einkommens- und Übertragungsbilanz vielen hingegen geringer aus.

 

Iranische Wirtschaft kommt gefährlich ins Schlingern:
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat angekündigt, die enormen Subventionen für Basisprodukte wie Benzin und Nahrungsmittel von derzeit jährlich 75 Mrd. Euro auslaufen zu lassen. Die Benzinpreise haben sich daraufhin vervierfacht. Erfahrungsgemäß hat dies schwerwiegende Proteste in der Bevölkerung zur Folge. Das iranische BIP beträgt insgesamt 361 Mrd. Dollar (2009), 80% der Wertschöpfung liegt in den Händen der mächtigen religiösen Stiftungen wie den mächtigen Religionswächtern um Ahmadinedschad. Rund ein Drittel der Staatsfinanzen flossen bislang in die Subventionen für Lebensmittel und Benzin. 60% der nun eingesparten 75 Mrd. Dollar sollen an arme Bevölkerungsschichten verteilt werden, um die soziale Sprengkraft der Einsparungen zu mildern. Mit 30% soll die angeschlagene Industrie unterstützt werden und 10% sollen tatsächlich eingespart werden.

 

London fordert die mächtige Londoner City heraus – Boni sollen begrenzt werden:
Premierminister David Cameron hat von den Londoner Banken einen moderateren Umgang mit Boni-Zahlungen gefordert. Sollten die Ausschüttungen in „ungerechtfertigter“ Höhe weiter gehen, müssten die Banken mit höheren Steuern rechnen. Zuvor hatte bereits die britische Zentralbank die Banken aufgefordert, ihre Gewinne lieber zur Stärkung ihrer Kapitalreserven anstatt für hohe Boni zu verwenden.

 

Bank of America schließt sich Zahlungsboykott an Wikileaks an:
Die US-Großbank Bank of America hat sich anderen Finanzdienstleistern (Amazon, Paypal, Mastercard, Visa) angeschlossen und wickelt keine Zahlungen mehr an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks ab. Als Begründung wurde angegeben, Wikileaks könnte in Aktivitäten verstrickt sein, die nicht mit den Richtlinien der Bank für den Zahlungsverkehr übereinstimmten. Die Bank of America gilt als aussichtsreicher Kandidat für die nächsten für Anfang 2011 angekündigten Enthüllungen Wikileaks. Darin soll es um eine der großen Wall-Street Banken und deren unmoralisches Handeln an und jenseits der Grenzen der Legalität gehen. Wikileaks reagierte auf die Ankündigung seinerseits mit einem Boykott-Aufruf gegen die Bank beim Informationsdienst Twitter.

 

Deutschland:

 

Erzeugerpreise in Deutschland um 4,4% gestiegen:
Die Erzeugerpreise sind in Deutschland im Vorjahresvergleich um 4,4% gestiegen. Hauptausschlaggebend waren höhere Energie- und Rohstoffpreise: Die Energiepreise stiegen im November in Relation zum Vorjahresmonat um 7,4% (Strom um 1,4%, Erdgas um 15,6%, Mineralölerzeugnisse um 12,3%). Metalle verteuerten sich durchschnittlich um 18,0%,  Verbrauchsgüter um 2,0% und Nahrungsmittel um 3,9%.

 

Deutsche Bahn verklagt Zulieferer wegen Kartellabsprachen:
Die Deutsche Bahn hat bei dem Londoner Kartellgericht eine Klage gegen Lieferanten von Zugmaterial eingereicht. Die Zulieferer hätten verbotene Preis- und andere Absprachen getätigt. Die DB verlangt Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Die Ausgleichsforderungen richten sich gegen die in Europa führenden Hersteller von elektrotechnischen und mechanischen Kohlenstoff- und Graphitprodukten Morgan Crucible, Schunk, SGL Carbon, Le Carbone-Lorraine SA und Hoffmann & Co. Elektrokohle.

 

Angeschlagenes Solarunternehmen Conergy einigt sich mit Gläubigern:
Das kriselnde Solarunternehmen Conergy aus Hamburg hat sich mit seinen Gläubiger-Hedgefonds York Capital und Sothic Capital geeinigt und ist vorerst gerettet. Die beiden Investoren werden ihre Kredite an Conergy, die sie zuvor Banken abgekauft hatten, im Rahmen einer Kapitalerhöhung in eine Kapitalbeteiligung tauschen. Dadurch soll auch die Zinslast sinken. Nach der Fastpleite 2007 war die Zahl der Conergy-Beschäftigten auf rund 1.600 halbiert worden, weil sich das Unternehmen für die Expansion verschuldet und auf Nebenschauplätzen wie der Windenergie verloren hatte. In diesem Jahr ist das Solarunternehmen operativ wieder schwarze Zahlen zurückgekehrt (30 bis 40 Millionen Euro).

 

MAN und Scania – eine Kooperation auf Augenhöhe:
Die unter dem VW-Konzerndach vereinten großen Lkw-Bauer MAN und die schwedische Scania wollen enger zusammenarbeiten und kooperieren – allerdings laut MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen nur auf Augenhöhe. Er betonte jedoch: „Wer heute die Herausforderungen der Globalisierung stemmen will, ist deutlich stärker, wenn er sowohl bei der Technologie als auch beim Einkauf zusammenarbeitet. Für MAN ist Scania der beste Partner.“ VW-Patriarch Piëch hat als Größe für Synergien eine Milliarde Euro genannt. Konkret geht es um Hybridantriebe und Motorbauteile wie Turbolader und Lichtmaschinen. Seit einigen Monaten wird über eine Fusion unter Führung der kleineren Scania spekuliert. Eine vollige Fusion hätte jedoch laut Pachta-Reyhofen gesetzliche Beschränkungen, kartellrechtliche wie auch aktienrechtliche.

 

Siemens verkauft Panzergeschäft aus Imagegründen:
Siemens hat seinen 49-Prozent-Anteil am weltweit drittgrößten Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) abgestoßen. Der Münchner DAX-Konzern will sich auf sein Kerngeschäft Industrie, Energie und Gesundheit konzentrieren und sich schlanker machen. Der Verkauf war schon seit rund einem Jahrzehnt im Gespräch, über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart, soll aber bei rund 400 Mio. Euro liegen. Die Kasseler Wegmann-Gruppe wird nun künftig alle Anteile an dem Münchner Rüstungskonzern halten, der 2009 rund 1,22 Mrd. Euro umsetzte (70% davon im Ausland). KMW baut unter anderem zusammen mit Rheinmetall den Kampfpanzer Leopard und den neuen Schützenpanzer Puma.

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