Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 21.01.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Griechenland dementiert Gerüchte über Umschuldung:
2. Portugal hat in 2010 überraschend „gut“ gehaushaltet:
3. EU gewährt Versicherern mehr Zeit für härtere Kapitalvorschriften:
4. Bundeswirtschaftsminister gibt rosigen Ausblick auf 2011:
5. China mit 10,3% Wachstum in 2010 und 3,3% Inflation:
6. Chinabesuch bringt den USA 45-Mrd.-Aufträge als Gastgeschenk:
7. Haftungsfrist für Manager auf 10 Jahre verdoppelt:

Branchen und Unternehmen:
8. Japanischer und chinesischer Computerriese planen Fusion:
9. BASF nach gesperrtem Rhein mit Rohstoffengpass:
10. Investmentbank Morgan Stanley mit schwachem Ergebnis:
11. McKinsey hält Gewinnmarge von über 30% für gerechtfertigt:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Griechenland dementiert Gerüchte über Umschuldung:
Aus den Hauptstädten Europas und aus Brüssel kommen einhellig Dementis, man plane derzeit keine Umschuldung des hoch verschuldeten Griechenlands. Die „Süddeutsche Zeitung“, die „Financial Times Deutschland“ und „Die Zeit“ hatten am Donnerstag (20.01.2011) berichtet, die europäischen Finanzminister bereiteten sich darauf vor, einen Teil der griechischen Staatsschulden zu strecken. Eine Umschuldung im Sinne einer Streckung der Laufzeit der Kredite würde die Zinslast für Griechenland reduzieren. Gerüchte ranken sich auch um einen "Haircut", bei dem die privaten Investoren/Gläubiger auf einen bestimmten Prozentteil ihrer Forderungen verzichten müssen. Die Gerüchte wurden nun von der Politik einstimmig zurückgewiesen.

 

Portugal hat in 2010 überraschend „gut“ gehaushaltet:
Das hoch verschuldete Portugal vermeldet gute Neuigkeiten: Man habe 2010 deutlich mehr eingenommen als gedacht (+4,6%) und deutlich weniger ausgegeben als befürchtet (-3,7%). Damit sei das Haushaltsdefizit unterhalb der 7,3% Marke gedrückt worden. Für 2011 peilt Portugal eine weitere Reduktion des Defizits auf 4,6% an, nach 9,3% in 2009. Stellschrauben sind dabei vor allem eine Kürzung der Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst und Steuererhöhungen.

 

EU gewährt Versicherern mehr Zeit für härtere Kapitalvorschriften:
Die EU-Kommission gewährt den Versicherern eine Schonfrist bei der Einführung der schärferen Kapitalregeln Solvency II. Ursprünglich war die vollständige Einführung ab 2013 geplant. Nun sollen bestimmte Sparten oder kleine Unternehmen Gnadenfristen zwischen drei und zehn Jahren bekommen. Damit soll vermieden werden, dass Versicherungen Ende 2012 in Schwierigkeiten geraten. Die Versicherungswirtschaft hatte darauf verwiesen, dass Banken für die strengeren Kapitalregeln nach Basel III ebenfalls Übergangsfristen bekommen.

 

Bundeswirtschaftsminister gibt rosigen Ausblick auf 2011:
Das Wirtschaftsministerium hat die Zahlen für 2011 prognostiziert. Dabei gingen die Beamten von einem Wachstum der Weltwirtschaft um 4%, einem durchschnittlichen Ölpreis von 94 Dollar pro Barrel und einem Eurokurs von 1,32 Dollar aus. Bei diesen Durchschnittswerten in 2011 dürfte die deutsche Wirtschaft nach 3,6% in 2010 dann im laufenden Jahr um 2,3% wachsen. 2012 wären es dann noch 1,8%. Das Wirtschaftswachstum käme somit nach Beendigung der staatlichen Konjunkturpakete wieder in normales Fahrwasser. Die Arbeitslosigkeit werde auf durchschnittlich 7% und damit unter die 3 Millionen-Marke sinken, das Haushaltsdefizit bleibt uns erhalten, soll aber mit 2,5% unter die 3%-Stabilitätsgrenze fallen. Gefahren bestünden durch die Euro-Krise und eine schwächelnde Weltwirtschaft – rund 50% des Wachstums der Weltwirtschaft hängen derzeit von China und Indien ab.

 

China mit 10,3% Wachstum in 2010 und 3,3% Inflation:
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt China wuchs in 2010 mit 10,3%, nach 9,2% in 2009. Die Inflation betrug im Schnitt 3,3% und ging im Dezember nach einem 28-Monatshoch mit 5,1% im November wieder auf 4,6% zurück. Die Regierung hat die Eindämmung der Inflation zur höchsten Priorität erklärt. Die Einkommen der Stadtbewohner stiegen um 7,8%, das der Landbevölkerung um 10,9%.

 

Chinabesuch bringt den USA 45-Mrd.-Aufträge als Gastgeschenk:
Am Mittwoch haben sich die Staatschefs der beiden größten Wirtschaftsnationen in Washington getroffen. Der chinesische Präsident Hu Jintao hat dabei Aufträge im Wert von 45 Mrd. Dollar an US-Firmen vergeben – mit 19 Mrd. Dollar nahezu die Hälfte davon allein an Boing. Hier wurden 200 Flugzeuge bestellt, der größte Auftrag in der Geschichte der zivilen Luftfahrt. Durch die Summe dieser chinesischen Aufträge würden insgesamt etwa 235.000 amerikanische Arbeitsplätze gesichert. Bei den gegenseitigen Vorwürfen der Währungsmanipulation (China unterbewertet, USA drucken neues Geld in Rekordgeschwindigkeit) sicherten sich die beiden Staatschefs gegenseitig Verlässlichkeit zu.

 

Haftungsfrist für Manager auf 10 Jahre verdoppelt:
Die Bundesregierung hat die Verjährungsfrist für persönliche Haftungsansprüche an Manager auf zehn Jahre verdoppelt. Mit den neuen Verjährungsfristen soll unter anderem die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise verbessert werden. Die Änderung betrifft Geschäftsleiter, Aufsichts- und Verwaltungsorgane von Kreditinstituten sowie Vorstände und Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen. Die herkömmlichen Berufshaftpflicht-Policen (Directors‘-and-Officers‘-Versicherung / D&O)  bieten hingegen nur maximal sechs Jahre Schutz. Daher wird Betroffenen eine Verlängerung der Policen empfohlen, um mögliche Deckungslücken zu vermeiden.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Japanischer und chinesischer Computerriese planen Fusion:
Das japanische Elektronikunternehmen NEC und Chinas Computerbauer Lenovo Group Ltd planen offenbar eine Fusion ihrer PC-Geschäfte, unter der Mehrheit von Lenovo. Synergieeffekte ergeben sich bei Entwicklung, Produktion und Materialbeschaffung. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Unternehmen verbessert werden. Ziel sei es, zu Marktführern wie Hewlett-Packard aufzuschließen. NEC kam 2009 auf rund 18% des japanischen PC-Marktes und auf knapp 1% auf dem Weltmarkt. Lenovo seinerseits auf 27% auf dem chinesischen Markt und ist weltweit mit einem Marktanteil von rund 8% die Nummer vier.

 

BASF nach gesperrtem Rhein mit Rohstoffengpass:
Nach dem Schiffsunglück eines mit 2.400 Tonnen Schwefelsäure beladenen BASF-Tankers auf dem Rhein nahe der Loreley vor gut einer Woche war die wichtige Wasserstraße zunächst gesperrt worden. Mittlerweile hat sich ein Stau von 250 Schiffen gebildet. Das Chemieunternehmen BASF mit Sitz in Ludwigshafen meldete nun am Donnerstag, dass es aufgrund der Rheinsperrung nun zu Engpässen bei der Versorgung mit vereinzelten Rohstoffen komme, weshalb in einzelnen Bereichen vorübergehend die Produktion gedrosselt werde. BASF wickelt 42% seines Güterverkehrs über den Rhein ab.

 

Investmentbank Morgan Stanley mit schwachem Ergebnis:
Die Investmentbank Morgan Stanley bleibt das Schlusslicht der Wall-Street-Größen. Der Gewinn im vierten Quartal belief sich auf 600 Mio. Dollar. Die Konkurrenz hat bereits innerhalb der letzten Woche ihre Zahlen vorgelegt: Citigroup erwirtschaftete 1,3 Mrd. Dollar, Goldman Sachs 2,2 Mrd. Dollar und JPMorgan sogar 4,8 Mrd. Dollar. Die Zahlen der Bank of America werden im laufe des heutigen Freitags vorgelegt.

 

McKinsey hält Gewinnmarge von über 30% für gerechtfertigt:
Der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Mattern, hat eine Umsatzrendite von über 30% verteidigt und als Kernelement der Firmenstrategie bezeichnet: „Damit verschaffen wir uns eine Alleinstellung im Markt, die über unseren Größenvorteil hinausgeht.“ Der derzeitige Preiskampf in der Branche wird von dem Druck der Kunden angefeuert, die zum Teil extrem hohen Kosten für Beratungsleistungen reduzieren zu wollen. Dazu trägt auch das Misstrauen aufgrund der Intransparenz bei: McKinsey veröffentlicht schon seit Jahren keine Zahlen zu Umsatz und Gewinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.