Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 21.03.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Netzausbaubeschleunigungsgesetz; 27-Mio.-Ausfall bei Brennstoffsteuer
2. Weltbank schätzt Schäden in Japan auf 166 Mrd. Euro
3. US-Banken bestehen undurchsichtigen US-Stresstest
4. Ölpreis wieder gestiegen

Branchen und Unternehmen:
5. Telekom trennt sich für 39 Mrd. Dollar vom US-Geschäft
6. Produktionsstopp bei Autoherstellern aufgrund japanischer Ausfälle
7. MAN mit 722 Mio. Euro wieder deutlich in Gewinnzone
8. Nutella-Hersteller will Parmalat übernehmen

 

Wirtschaftspolitik:

 

Netzausbaubeschleunigungsgesetz; 27-Mio.-Ausfall bei Brennstoffsteuer
Nach der Entscheidung der Bundesregierung, die sieben ältesten AKWs in Deutschland aufgrund von Sicherheitsbedenken drei Monate vom Netz zu nehmen, haben die Betreiber nun angekündigt, ein Aussetzen der von diesen AKWs geleisteten Brennstoffsteuer zu prüfen. Diese fließt seit dem 1. Januar 2011 zu Teilen in den Haushalt sowie in einen Fonds zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Betrag für die nun betroffenen AKWs summiert sich in den drei Monaten auf 27 Mio. Euro. Bundeswirtschaftsminister Brüderle hat unterdessen mit dem so genannten „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ einen beschleunigten Netzausbau zur besseren Integration der Erneuerbaren Energien angekündigt. Dafür sollen auch Kompetenzen der Länder an den Bund übertragen werden. Mit einem einheitlichen Bundesnetzplan könnten dann bestimmte Trassen für den Bau von Höchstspannungsleitungen reserviert werden, um bisherige Verzögerungen bei den Projekten zu umgehen. Zum Ausgleich der Betroffenen schlägt das Wirtschaftsministerium finanzielle Leistungen für Beeinträchtigungen vor, „die Gemeinden beim Leitungsbau im Interesse des Gemeinwohls hinnehmen müssen“. Die Eckpunkte des „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ werden am heutigen Montag vorgestellt. Bundesumweltminister Röttgen hat bereits seine Zustimmung signalisiert. Die Deutsche Energieagentur hat kürzlich der Bedarf an neuen Hochspannungsleitungen zur Integration der dezentral erzeugten Erneuerbaren Energien auf 1.700 bis 3.600 km bis zum Jahr 2020 beziffert. Die Kosten liegen für 380-Volt-Freileitungen bei bis zu 10 Mrd. Euro, für erdverlegte Leitungen (Strahlung, Gesundheit, Landschaftsbild) bei 22 bis 29 Mrd. Euro. Eine Teilverkabelung unter der Erde in der Nähe von Siedlungen (20-30%) würde die Kosten entsprechend reduzieren. Die Investitionen in Erneuerbare Energien rechnen sich jedoch unter dem Strich: So hat kürzlich auch die Leitstudie 2010 des Bundesumweltministeriums „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und Global“ angeführt, dass unterm Strich allein die deutsche Volkswirtschaft bis zur Jahrhundertmitte (2050) rund 670 Mrd. Euro gegenüber der Weiterführung der konventionellen, fossilen Energieversorgung einspart.

 

Weltbank schätzt Schäden in Japan auf 166 Mrd. Euro
Die Weltbank schätzt die Schäden in Japan infolge des schweren Erdbebens und des verheerenden Tsunamis auf bis zu 166 Mrd. Euro (235 Mrd. Dollar). Die Credit Suisse geht hingegen von bis zu 132 Mrd. Euro aus, die Dekabank von 137 Mrd. Euro. Die Folgen der Atomkatastrophe um das AKW Fukushima lassen sich für Japan und die ganze Region dagegen noch nicht abschätzbar. Auch der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, hat erneut bekräftigt, dass wegen der Addition der möglichen Schäden es für die Assekuranz nicht verantwortbar sei, Atomrisiken zu versichern. Die Schäden aufgrund des Erdbebens und der Tsunami allein könnten nach Einschätzung der Weltbank hingegen vergleichsweise schnell behoben werden. Dies habe bereits das schwere Beben von Kobe im Jahr 1995 gezeigt. Die damaligen Schäden in Höhe von 100 Mrd. Dollar seien relativ zügig behoben worden.

 

US-Banken bestehen undurchsichtigen US-Stresstest
In Europa sind sich die Mitgliedsstaaten noch nicht über die entsprechenden Prüfkriterien eines schon beschlossenen erneuten Stresstests einig. Hintergrund ist, dass der letzte Banken-Test Mitte 2010 noch nicht einmal die gewaltigen Lasten im irischen Finanzsystem aufgedeckt hatte, über die der keltische Tiger dann im Jahresverlauf beinahe zusammenbrach. Die USA haben nun ihren Belastungstest für die US-Geldhäuser durchgeführt – allerdings, ohne die Kriterien und die Ergebnisse im Detail zu veröffentlichen. Laut der US-Notenbank Fed würden demnach mehrere Institute wieder über so viel Eigenkapital verfügen, dass sie selbst nach einer höheren Ausschüttung an die Aktionäre einen Rückfall in die Rezession überstehen würden. Mehrere US-Banken wie JP Morgan und Wells Fargo haben daraufhin eine starke Erhöhung ihrer Dividenden angekündigt. Die Dividende ist jedoch durch die Notenbank auf 30% des Gesamtgewinns beschränkt worden. Vor der Finanzkrise hatten die US-Banken zum Teil bis zu 50% ihres Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Fed sieht sich durch den Stresstest in ihrer Auffassung bestätigt, dass die Banken nun bereits wieder damit beginnen könnten, ihre unter dem Druck der Finanzkrise gebildeten Kapitalpolster abzubauen. Demnach haben die großen US-Geldhäuser ihr Stammkapital von Ende 2008 bis Ende 2010 um mehr als 300 Mrd. Dollar aufgestockt. Von den 19 getesteten, großen US-Banken haben nur noch vier Schulden bei der US-Regierung: First Ally (früher GMAC), KeyCorp, Regions Financial und Sun Trust.

 

Ölpreis wieder gestiegen
Unter dem Eindruck der internationalen Intervention im libyschen Bürgerkrieg zur Einrichtung einer Flugverbotszone hat der Ölpreise am Montag (21.03.2011) im asiatischen Handel wieder zugelegt und sich damit von seinen Verlusten vom Freitag erholt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich im asiatischen Handel auf 116,22 Dollar und lag damit nur knapp unter dem im Februar erreichten Mehrjahreshoch von fast 120 Dollar.


Branchen und Unternehmen:

 

Telekom trennt sich für 39 Mrd. Dollar vom US-Geschäft
Die Deutsche Telekom verkauft ihre US-Mobilfunksparte T-Mobile USA für 39 Mrd. Dollar (27,5 Mrd. Euro) an den Konkurrenten AT&T. Davon werden 25 Mrd. Dollar in Bar bezahlt, der Rest in A&T-Aktien (entspricht 8%). Dadurch wird die Telekom der größte Minderheitsaktionär des US-Branchenführers. Die Einnahmen dienen dem Schuldenabbau (langfristige Schulden Mitte 2010: 62,8 Mrd. Euro) und einem größeren Aktienrückkaufprogramm. T-Mobile USA ist die viertstärkste Kraft im US-Mobilfunkmarkt, verlor aber allein im Schlussquartal 2010 netto 318.000 Vertragskunden. Bei einem Umsatz von 16,1 Mrd. Euro in 2010 erzielte die US-Tochter ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 4,2 Mrd. Euro. Der Einstieg der Telekom in den US-Markt hatte im Jahr 2000 mit der Übernahme des Anbieters Voicestream unter dem damaligen Telekom-Chef Ron Sommer 40 Mrd. Euro gekostet.

 

Produktionsstopp bei Autoherstellern aufgrund japanischer Ausfälle
Die ersten Autohersteller hatten bereits am Freitag über Nachschubprobleme aus Japan berichtet. In den USA muss diese Woche nun die erste Autofabrik wegen der Katastrophe in Japan ihren Betrieb vorübergehend einstellen. Dem Pick-up-Werk von General Motors in Shreveport, Louisiana, gehen bestimmte Zulieferteile aus. Unklar blieb, welche Teile betroffen sind und ob die Fertigung nach der einwöchigen Zwangspause wieder anläuft. Auch das Eisenacher Opel-Werk ist betroffen. Hier fallen diese Woche einige Schichten aus. Grund sind ebenfalls Nachschubprobleme bei bestimmten Zulieferteilen. Gleiches gilt für das spanische Werk Saragossa. In den beiden Werken wird der Kleinwagen Corsa produziert.

 

MAN mit 722 Mio. Euro wieder deutlich in Gewinnzone
Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern MAN hatte im Krisenjahr noch einenVerlust von 258 Mio. Euro eingefahren. 2010 legte der Umsatz wieder um 22% auf 14,7 Mrd. Euro zu, der Gewinn stieg auf 722 Mio. Euro. Im laufenden Jahr 2011 soll der Umsatz um weitere 7-10% steigen, die Umsatzrendite soll auf mindestens 8% verbessert werden. Mit dem schwedischen Konkurrenten Scania werde zudem weiterhin über „eine enge Zusammenarbeit bis hin zu einem Zusammenschluss beider Unternehmen“ verhandelt, Streitpunkt bleibt zunächst jedoch, welche von beiden VW-Töchtern das Sagen bekommen soll.

 

Nutella-Hersteller will Parmalat übernehmen
Der Nutella-Produzent Ferrero will eine Allianz italienischer Unternehmer gründen, um den riesigen italienischen Milchkonzern Parmalat zu übernehmen. Von Korruptionsskandalen begleitet war Parmalat 2003 pleite gegangen. Die Politik hatte sich zuvor bereits für eine nationale Lösung stark gemacht. Die Großbank Intesa Sanpaolo erklärte daraufhin, Ferrero bei dem Schritt zu unterstützen. Erst letzte Woche hatte sich der französische Milchkonkurrent Lactalis zum größten Aktionär bei Parmalat gekauft (11,4%). Lactalis strebt ein industrielles Bündnis an, um das Italiengeschäft mit dem von Parmalat zu fusionieren, um die hohen Synergien in Produktion, Vertrieb und Einkauf zu nutzen.

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