Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 22.10.2010

1. EU schlägt Testamente für Großbanken vor:
2. London will neue Bankensteuer in Höhe von 2,9 Mrd. Euro:
3. Russische Großbank warnt vor Erschütterung des globalen Währungssystems:
4. Fannie Mae und Freddie Mac benötigen weitere 215 Mrd. Dollar:
5. Credit Suisse meldet Gewinneinbruch um 74% auf 439 Mio. Euro:
6. Chinas 10,6% Wachstum im Detail:
7. Japan will seltene Metalle in Vietnam erschließen:
8. VW will bereits 2015 weltgrößter Autobauer werden:
9. Fiat mit 2 Mrd. Euro Gewinn vor der Konzernteilung:
10. Pharmakonzern Novartis mit 2,6 Mrd. Gewinn im dritten Quartal:
11. Volvo zurück in der Gewinnzone:
12. Übernahme des Kranherstellers Demag erst einmal auf Eis gelegt:

 

EU schlägt Testamente für Großbanken vor:
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat vorgeschlagen, dass Banken Pläne für ihre eigene Abwicklung aufstellen sollten – quasi ein Testament. Damit soll vermieden werden, dass bei Schieflagen erneut der Steuerzahler einspringen muss. Im Frühjahr 2011 sollen konkrete Richtlinienvorschläge vorgebracht werden, die eine geordnete Abwicklung von Banken gewährleisten sollen.

 

London will neue Bankensteuer in Höhe von 2,9 Mrd. Euro:
Die britische Regierung hat angekündigt, künftig risikoreiche Geschäfte von Banken mit einer neuen Abgabe höher besteuern zu wollen. Die neue Abgabe bemisst sich nicht an den Gewinnen, sondern an der Bilanzsumme und soll von 2012 an jährlich bis zu 2,9 Mrd. Euro einbringen. Risikoarme Geschäftsfelder wie das Privateinlagengeschäft sollen davon nicht erfasst werden.

 

Russische Großbank warnt vor Erschütterung des globalen Währungssystems:
Ein Analyst der größten russischen Bank Sberbank, Nikolaj Kaschejew, hat auf der Konferenz „Russlands Geldmarkt“ ernsthafte Erschütterungen und starke Veränderungen des globalen Währungssystems innerhalb der nächsten fünf Jahre prognostiziert. „Die Disproportionen, die die Krise ausgelöst haben, sind noch nicht beseitigt.“

 

Fannie Mae und Freddie Mac benötigen weitere 215 Mrd. Dollar:
Die US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac könnten laut der US-Regulierungsbehörde FHFA in den kommenden drei Jahren bis zu 215 Mrd. Dollar zum Überleben benötigen. Die Untergrenze seien 73 Mrd. Dollar. Die beiden Immobilienfinanzierer waren Mitte 2008 unter staatliche Aufsicht gestellt worden und haben bislang 148 Mrd. Dollar vom Staat erhalten. Hintergrund der erneuten Zahlungen sind ausbleibende Hypothekenzahlungen überschuldeter Hauskäufer.

 

Credit Suisse meldet Gewinneinbruch um 74% auf 439 Mio. Euro:
Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Gewinneinbruch von 74% erlitten. Der Gewinn betrug 439 Millionen Euro. Hauptursächlich für den Gewinneinbruch war vor allem das Investmentbanking. Diese Sparte verhagelt derzeit auch den großen Konkurrenten wie Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre Quartalszahlen.Laut Analysten weckt das erneut maue Ergebnis in dieser Sparte Zweifel an der künftigen Ertragskraft im Investmentbanking, vor allem da die Banken zudem künftig deutlich strengere regulatorische Vorgaben erfüllen müssen, was die Gewinne in diesem Segment ebenfalls drücken dürften.

 

Chinas 10,6% Wachstum im Detail:
Chinas Wirtschaft wächst weiterhin robust und zunehmend breiter abgestützt. Im dritten Quartal hat sich das Bruttoinlandprodukt im Vergleich zur Vorjahresperiode um 9,6% erhöht. Im ersten Quartal lag der Wert noch bei 11,9%, im zweiten bei 10,3%. Das Wachstumstempo habe sich aber saisonbereinigt um 0,6 Prozentpunkte erhöht. Für die ersten neun Monate 2010 ergibt sich insgesamt ein Wirtschaftswachstum von 10,6%. Dabei legte die Industrieproduktion um 16,3% zu, Dienstleistungen um 9,5% und die Stromproduktion um 16,9%. Das verfügbare reale Einkommen stieg in den Städten pro Kopf um 7,5% und auf dem Land um 9,7%. Die Binnenwirtschaft gewinnt dabei zunehmend an Gewicht. Rund einen Fünftel des chinesischen BIP erwirtschaftet die Bauwirtschaft. Auch der Binnenkonsum legte im dritten Quartal inflationsbereinigt um 20% zu und übernimmt damit zunehmend eine wichtige Rolle als Wachstumsstütze.

 

Japan will seltene Metalle in Vietnam erschließen:
Nach der Ankündigung Chinas, den Export der als Seltenen Erden bezeichneten High-Tech-Metalle um 30% zu reduzieren, will Japan seinen Import nun künftig aus Vietnam decken. Derzeit werden Machbarkeitsstudien erarbeitet, wie die Metalle in Vietnam gefördert werden könnten. China besitzt mit momentan noch rund 97% der Förderung quasi ein Monopol auf diese Ressourcen.

 

VW will bereits 2015 weltgrößter Autobauer werden:
Der Wolfsburger Autokonzern VW strafft seinen Zeitplan, den Konkurrenten Toyota an der Spitze der Branche abzulösen. Bislang galt das Jahr 2018 als Zielvorgabe, nun sollen bereits 2015 über zehn Millionen Fahrzeuge verkauft werden und der Konzern somit zum Weltmarktführer aufsteigen. VW plant dabei mit einer breiten Produktpalette, vom Motorrad über preiswerte Familienautos und Sportwagen bis hin zu schweren Lkws.

 

Fiat mit 2 Mrd. Euro Gewinn vor der Konzernteilung:
Die letzten Quartalszahlen vor der Aufspaltung Fiats in zwei Konzernteile zeigen einen deutlichen Gewinnanstieg und eine höhere Jahresprognose. So soll der operative Gewinn in 2010 bei mehr als 2 Mrd. Euro liegen. Im September hatte das Fiat-Management beschlossen, den Industrie und Autokonzern zum Jahreswechsel aufzuspalten, um sich eigenständig besser entwickeln zu können. Zu Fiat Industrial werden künftig der Bau- und Landmaschinenhersteller Case New Holland, der Lkw-Bauer Iveco sowie ein Teil des Motorenherstellers Fiat Powertrain Technologies gehören. Die Fiat SpA wird die Automarken Fiat, Alfa, Lancia, Maserati und den 85-Prozent-Anteil an Ferrari umfassen.

 

Pharmakonzern Novartis mit 2,6 Mrd. Gewinn im dritten Quartal:
Der Basler Pharmakonzern Novartis hat bislang in den ersten neun Monaten 2010 bereits einen Gewinn von 7,7 Mrd. Dollar erwirtschaftet (+26%). Der Nettoumsatz stieg um 16% auf 36,4 Mrd. Dollar. Im dritten Quartal lag der Umsatz 12,6 Mrd. Dollar (+13%) und der operative Gewinn bei 2,6 Mrd. Dollar (-2 Prozent). Innerhalb dieses Zeitraums haben sich die Wechselkurse mit drei Prozentpunkten beim Umsatz und fünf Prozentpunkten beim operativen Ergebnis negativ ausgewirkt.

 

Volvo zurück in der Gewinnzone:
Der nach Daimler zweitgrößte LKW-Hersteller der Welt, der schwedische Konzern Volvo, ist im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Besonders profitabel liefen die Geschäfte in Lateinamerika und Asien. Im dritten Quartal erzielte der Konzern einen operativen Gewinn von 528 Mio. Euro, nach einem Verlust von 356 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Für 2010 rechnet Volvo mit einem Wachstum von rund 10% auf dem europäischen und 20-30% auf dem nordamerikanischen Lkw-Markt.

 

Übernahme des Kranherstellers Demag erst einmal auf Eis gelegt:
Der finnische Kaufinteressent Konecranes zieht sich aus dem Übernahmekampf um den deutschen Kranhersteller Demag Cranes vorerst zurück. Aufgrund des starken Kursanstieges der Demag-Aktie seit Bekanntwerden der Übernahmepläne (+40%) habe sich laut Konecranes-Vorstandschef Lundmark die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme verringert. Konecranes sei zwar noch immer an einer Übernahme interessiert und schließt auch eine feindliche Übernahme nicht aus, vorerst stehe aber das organische Wachstum im Vordergrund. Beobachter gehen davon aus, dass der Bieterkampf neu beginnen wird, wenn sich der Aktienkurs wieder normalisiert hat. 

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