Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 22.11.2010

1. Irland begibt sich unter EU-Rettungsschirm – asiatische Börsen reagieren erfreut:
2. China kämpft mit Nahrungsmittelpreise und Dieselengpass:
3. Kongo wird die Hälfte seiner Schulden erlassen:
4. Airbus – peinliche Panne des US-Militärs verzögert Tankflugzeug-Auftrag erneut:
5. 2010 Rekordjahr für wetterbedingte Naturkatastrophen:
6. Bürgermeister aus 120 Ländern beschließen Klimapakt:
7. Oracle-SAP-Prozess um Datenklau kurz vor Abschluss:
8. Anklagen in größtem Insiderhandel der Wall Street:
9. Opels Restrukturierung beschert 2010 Verlust von 1,4 Mrd. Euro:
10. Wettbewerbszentrale verklagt Opel wegen „lebenslanger Garantie“:
11. Porsche muss 626 Mio. Euro Steuern nachzahlen
12. VW will 51 Mrd. Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre investieren:
13. Fusion von Deloitte und Roland Berger geplatzt:
14. US-Milliardenkonzern verlagert Hauptsitz in die Schweiz:
15. ThyssenKrupp baut Konzern um:

 

Irland begibt sich unter EU-Rettungsschirm – asiatische Börsen reagieren erfreut:
Irland hat sich am gestrigen Sonntag dazu entschlossen, die Finanzhilfen der EU und des IWF, den Euro-Rettungsschirm, in Anspruch zu nehmen. Die Finanzhilfen (rund 80-90 Mrd. Euro) werden um bilaterale Kredite Großbritanniens und Schwedens ergänzt, die nicht Mitglied der Eurozone und somit nicht Mitglied des Euro-Rettungsschirmes sind. Lange war die Weigerung der durch die Rettung seiner Banken hochverschuldeten Insel damit begründet worden, die nationale Souveränität in Steuerfragen nicht aufgeben zu wollen. Irland verfügt mit 12,5% Unternehmenssteuern über den niedrigsten derartigen Steuersatz in Europa und wollte diesen Standortvorteil über die aktuelle Krise hinaus retten. Aufgrund der strengeren Auflagen im Gegenzug für die nun in Aussicht stehenden Finanzhilfen wird Irland jedoch nun an einer Steuererhöhung nicht mehr vorbei kommen. Die asiatischen Märkte reagierten erleichtert auf die Einigung, der Euro legte im Handel am Montagmorgen zu. Auch die G7 begrüßten die rasche Einigung. Damit seien Risiken entschärft und die Marktstabilität gewährleistet worden. Auch das ebenfalls krisengeschüttelte Portugal reagierte positiv. Portugal hatte aufgrund der Sogwirkung der Irlandkrise gleichfalls mit hohen Risikoaufschlägen kämpfen müssen.

 

China kämpft mit Nahrungsmittelpreise und Dieselengpass:
Die größte Erdölraffinerie Chinas, die staatliche Sinopec, will alle Exporte von Dieseltreibstoff aussetzten. Aufgrund der Energieeffizienzziele der Regierung zur Minderung der Treibhausgasemissionen wurde kürzlich die Energie rationalisiert. Daraufhin warfen viele Unternehmen ihre Dieselgeneratoren an, weswegen der Treibstoff knapp wurde. Unter dem Treibstoffmangel leidet die Landwirtschaft und zusammen mit der enormen Liquidität, die für Spekulationen unter anderem auf Lebensmittel genutzt wird, stiegen die Nahrungsmittel um ein Vielfaches der Inflation. Allein im Oktober sind die Lebensmittelpreise um mehr als zehn Prozent gestiegen. Zur Korrektur hat Peking jetzt beschlossen, Diesel zu importieren anstatt zu exportieren. Peking befürchtet zudem, dass die hohe Inflation Unruhen zur Folge haben könnte.

 

Kongo wird die Hälfte seiner Schulden erlassen:
Dem von Bürgerkrieg und Korruption gezeichnetem afrikanischen Land Kongo werden von dem Pariser Club 7,35 Mrd. Dollar, rund die Hälfte seiner Auslandsschulden, erlassen. Der Schuldenerlass soll dem an Bodenschätzen sehr reichen Land die Bekämpfung der Armut ermöglichen. Der Reichtum an Bodenschätzen hat allerdings bislang lediglich einen der blutigsten Bürgerkriege der Menschheit befeuert und grassierende Korruption begünstigt. In dem von der internationalen Öffentlichkeit kaum beachteten Bürgerkrieg starben bislang rund 5,4 Mio. Menschen seit 1998  – mehr als in allen anderen Kriegen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Dies entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Dänemarks.

 

Airbus – peinliche Panne des US-Militärs verzögert Tankflugzeug-Auftrag erneut:
Dem US-Militär ist eine peinliche Panne bei der Vergabe des milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrags unterlaufen: In dem Bieterwettstreit zwischen Boing und Airbus hat die US-Airforce beide Konkurrenten versehentlich mit Details über die Offerte des jeweils anderen versorgt. Damit dürfte der fast ein Jahrzehnt währende Streit über den Auftrag in eine neue Runde gehen. Der Auftrag beläuft sich auf 179 ausgeschriebene Tankflugzeuge mit einem geschätzten Wert von 35 Mrd. Dollar (25 Mrd. Euro). Langfristig müssen 534 Tanker und Frachter im Wert von rund 100 Mrd. Dollar ersetzt werden. Die Financial Times Deutschland kommentiert die Panne: Was sonst nur über Industriespionage möglich wäre, wurde von der US-Luftwaffe direkt auf den Schreibtisch geliefert. Dies ist bereits der dritte Anlauf, den Auftrag zu vergeben. Northrop Grumman war bereits im Frühjahr 2010 aus dem Bieterstreit ausgestiegen, weil der Konzern keine neue Siegchance mehr sah – die Ausschreibung sei zu sehr auf Boeing zugeschnitten.

 

2010 Rekordjahr für wetterbedingte Naturkatastrophen:
Laut dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re nähert sich das Jahr 2010 für wetterbedingte Naturkatastrophen einem neuen Rekordwert. Mit 800 wetterbedingten Schadensereignissen bis Mitte November sei nach Einschätzung von Munich Re jetzt schon klar, dass 2010 einen vorderen Platz unter den erfassten Jahren einnehmen wird.

 

Bürgermeister aus 120 Ländern beschließen Klimapakt:
Die Bürgermeister von Großstädten aus 120 Ländern haben beschlossen, gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen. Der Zehn-Punkte-Beschluss wurde auf einer Weltklimakonferenz der Bürgermeister in Mexiko-Stadt gezeichnet und soll Ende November dem Weltklimagipfel in Cancún vorgelegt werden. Die Vereinbarung enthält Maßnahmen, mit denen die Städte den Ausstoß von Treibhausgasen vermindern wollen.

 

Oracle-SAP-Prozess um Datenklau kurz vor Abschluss:
Am heutigen Montag werden die Schlussplädoyers in dem Prozess über Datenklau abgegeben. Oracle hatte gegen SAP im Jahr 2007 Klage eingereicht. SAP soll sich über die ehemalige amerikanische Tochtergesellschaft Tomorrow Now unzulässig Daten von Oracle beschafft haben. SAP hat im August dieses Jahres Fehlverhalten von Tomorrow Now zugegeben. Oracle beziffert den Schaden auf 4 Mrd. Dollar. Ein von Oracle beauftragter Experte setzte hingegen einen Schaden von 1,7 Mrd. Dollar an. Der SAP-Sachverständige spricht von 40,6 Mio. Dollar sprach. SAP hat bislang 160 Millionen Dollar an Rückstellungen gebildet. Nach den Schlussplädoyers werden die acht Geschworenen ihre Beratungen aufnehmen. Der Prozess ging ohne die Aussage des damaligen SAP-Chefs Leo Apotheker zu Ende, der sich dem Prozess fernhielt. Oracle-Chef Ellison hatte vor dem Prozess öffentlich verkündet, es gebe Beweise, die Apotheker schwer belasten würden.

 

Anklagen in größtem Insiderhandel der Wall Street:
In einem der größten Skandale der US-Finanzwelt wegen Insiderhandels an der Wall Street wird die Staatsanwaltschaft in den nächsten Wochen die ersten Anklagen erheben. Staatsanwaltschaft und Bundespolizei haben bereits seit Jahren in einem der bisher größten Insiderhandelskandale der Wall Street ermittelt. Betroffen sind etwa drei Dutzend Institute und Firmen. Unter anderem sollen sie heimlich Tipps über bevorstehende Fusionen im Gesundheitsbereich an bestimmte Investoren gegeben haben. Analysten-Firmen sollen zudem gegen hohe Gebühren nicht-öffentliche Informationen an Hedgefonds vermittelt haben. Die illegalen Gewinne sollen eine Höhe von Dutzenden Millionen Dollar besitzen.

 

Opels Restrukturierung beschert 2010 Verlust von 1,4 Mrd. Euro:
Laut Opel-Chef Nick Reilly wird der Rüsselsheimer Autobauer wegen Restrukturierungsmaßnahmen seines Europageschäfts dieses Jahr rund 1,4 Mrd. Euro Verlust einfahren. Die Maßnahmen werden im kommenden Jahr voraussichtlich mit 500 Mio. Euro zu Buche schlagen, allerdings laufe die Sanierung Opels plangemäß. Eine Rückkehr in die Gewinnzone sei aber bereits 2011 möglich.

 

Wettbewerbszentrale verklagt Opel wegen „lebenslanger Garantie“:
Opel wirbt mit einer „lebenslangen Garantie“ für seine Autos, die allerdings auf eine Laufleistung von 160.000 Kilometern begrenzt ist. Schon ab 50.000 Kilometern muss der Käufer zudem für Materialkosten zahlen. Opel begründet die Begrenzung der Laufleistung damit, dass private Pkws in Deutschland im Schnitt jährlich nur 11.000 Kilometer fahren, die Laufleistung somit rund 15 Jahre betrage – und die Garantie somit „ein normales Autoleben“ abdecke. Die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs hat den Autobauer Opel wegen dieser „klar irreführenden Angabe“ nun verklagt.

 

Porsche muss 626 Mio. Euro Steuern nachzahlen:
Wegen der milliardenschweren Optionsgeschäfte von Ex-Porsche-Chef Wiedeking mit VW-Aktien im Zuge des gescheiterten Übernahmeversuchs des VW-Konzerns durch Porsche, haben sich der Stuttgarter Autobauer und die deutschen Finanzbehörden auf eine kurzfristig zu entrichtende Steuernachzahlung in Höhe von rund 626 Mio. Euro geeinigt. Aufgrund des schwungvollen Optionsgeschäfts, das die Übernahme finanzieren sollte, hatte Porsche im Geschäftsjahr 2007/08 sogar mehr Gewinn als Umsatz ausgewiesen. Ursprünglich war geplant, die Einnahmen aus den Options-Transaktionen steuerfrei als Gewinn und als steuerlich wirksamer Verlust zu verbuchen. Porsche hatte eine Steuerrückstellung in Höhe der Maximalforderung von mehr als 1,3 Mrd. Euro angelegt. Von dieser Rücklage muss nun rund die Hälfte in Anspruch genommen werden. Porsche hatte sich im Zuge der gescheiterten Übernahme 2009 so hoch verschuldet, dass es seinerseits von VW gerettet wurde und ursprünglich noch 2011 eingegliedert werden sollte. Dieser Zeitplan scheint allerdings nun nicht mehr zu halten sein. In VW-Aktionärskreisen gilt es als sicher, dass die Verschmelzung bis Ende 2011 nicht mehr kommen wird.

 

VW will 51 Mrd. Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre investieren:
Europas größter Autobauer VW plant den Angriff auf Weltmarktführer Toyota mit 51,6 Mrd. Euro. Das Geld soll in den Ausbau der Werke, in die Entwicklung neuer Fahrzeuge sowie verbrauchsärmere Antriebe investiert werden. Insgesamt entfallen dabei rund 41,3 Mrd. Euro  auf Sachinvestitionen und 10,3 Mrd. Euro auf Entwicklungskosten für neue oder verbesserte Modelle, sowie in die Entwicklung von Hybrid- und Elektromotoren. 27,7 Mrd. Euro der Sachinvestitionen werden in die Modernisierung und Erweiterung der Produktpalette aller Marken fließen. Auch in Presswerke, Lackierereien und Montagen wird investiert. Mit 57 Prozent soll dabei mehr als die Hälfte der gesamten Summe allein in Deutschland investiert werden. Die Investitionsquote des Konzerns wird sich dadurch in den Jahren 2011 bis 2015 bei durchschnittlich rund 6 Prozent bewegen. Zusätzlich will VW mit seinen Gemeinschaftsunternehmen in China zwischen 2011 bis 2015 weitere 10,6 Milliarden Euro in den boomenden chinesischen Markt investieren. In den USA soll 2011 ein neues Werk eröffnet werden, in Mexiko entsteht bis 2013 eine neue Motorenfabrik. Bis 2018 will VW der größte und profitabelste Autokonzern der Welt sein und damit Toyota überholt haben.

 

Fusion von Deloitte und Roland Berger geplatzt:
Die Unternehmensberatung Roland Berger verzichtet auf eine Fusion mit der größeren US-Beratungsfirma Deloitte. Roland-Berger-Chef Wittig bilanziert: Ökonomisch sinnvoll, allerdings kulturell schwierig. Die Unabhängigkeit sei da noch die beste Alternative. Durch den Zusammenschluss wäre die weltweite Nummer zwei der Branche entstanden. Roland Berger ist vor allem in Deutschland und Frankreich aktiv, Deloitte ist international stark aufgestellt, allerdings mit niedrigeren Tagessätzen.

 

US-Milliardenkonzern verlagert Hauptsitz in die Schweiz:
Die milliardenschwere US-Erdölbohrfirma Weatherford hat ihren Hauptsitz nach Genf in die Schweiz verlegt und kotiert nun neu an der Schweizer Börse – als eines der 20 Schwergewichte des Schweizer Börsenplatzes. An dem neuen Hauptsitz arbeiten vier Personen für die Firma: zwei Topmanager und zwei Sekretärinnen. Die Verlagerung sei aus steuerlichen Gründen erfolgt, aber auch, da mittlerweile 50% des globalen Ölhandels in Genf abgewickelt werden. Zudem könne das Unternehmen nun künftig in Konfliktregionen, in denen Öl und Gas gefördert werden, als Schweizer Unternehmen auftreten – ein vertrauensbildendes Kriterium. Weatherford folgt damit anderen US-Unternehmen nach: Transocean, Foster Wheeler, Tyco International und Noble Corp. Problematisch ist, dass die Unternehmen vor allem auch Steuern einsparen wollen, aber nur lediglich geringe Substanz ins Land bringen. Dazu Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen: „Je mehr Firmen in die Schweiz kommen, die lediglich mit einem kleinen Verwaltungsbüro vertreten sind, desto mehr Angriffsfläche bieten wir ausländischen Steuerbehörden.“ Die Swiss-American Chamber of Commerce (Amcham) sieht gleichfalls durch diese Entwicklung die Gefahr eines neuen politischen Drucks auf die Schweiz.

 

ThyssenKrupp baut Konzern um:
ThyssenKrupp plant, die defizitäre Edelstahlsparte umzubauen. Mit Investitionsmitteln von rund 240 Millionen Euro soll das Edelstahlwerk in Düsseldorf geschlossen und die Kapazitäten nach Krefeld verlagert werden. Zudem will sich ThyssenKrupp aus der chinesischen Gemeinschaftsfirma Shanghai Krupp Stainless zurückziehen. Gespräche mit dem ebenfalls an dem Joint Venture beteiligten Stahlunternehmen Baosteel liefen bereits.
 

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