Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 23.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Spanien zahlt weniger Zinsen bei neuer Anleihen-Emission
2. Griechenlands Sparkurs zeigt Erfolge
3. Ifo-Geschäftsklimaindex zum neunten Mal in Folge gestiegen
4. Deutschland EU-weites Schlusslicht bei Bezahlung von Leiharbeitern
5. Commerzbank will 2011 Teile der geliehenen Staatsgelder begleichen
6. Nabucco-Pipeline wird mit 14 Mrd. Euro doppelt so teuer

Branchen und Unternehmen:
7. Schweizer Depotvermögen um 1% auf 4.312 Mrd. Franken gesunken
8. Neue Razzien bei Credit Suisse Deutschland
9. Deutschland Nummer 3 bei Rüstungsexporten
10. Lokführer drohen mit weiteren Warnstreiks
11. Schwerstes Erdbeben in Neuseeland verursacht 12 Mrd. Dollar Schäden
12. BMW gründet für E-Autos neue Marke
13. HP Aktie stürzt nach Gewinnwarnung um 12% ab
14. Leo Kirch verliert erste Klage, zweite entscheidet sich am Freitag

 

Wirtschaftspolitik:

 

Spanien zahlt weniger Zinsen bei neuer Anleihen-Emission
Die Unsicherheit über die weitere politische Entwicklung in Nordafrika geht auch an der Börse nicht spurlos vorbei: Der Ölpreis verteuerte sich auf ein zweieinhalb Jahreshoch von 106,95 Dollar für das Nordseeöl Brent und die Anleger suchen vermehrt die als sicher geltenden Staatsanleihen (der Bund-Future stieg von auf 123,75 Prozent auf 124,22. Davon konnte auch Spanien profitieren, das mit guten Kernzahlen in der Hinterhand bei neuen Emissionen weniger Zinsen zahlen musste als zuletzt. Für die Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten sanken die Zinsen von 1,801 Prozent auf 1,588.

 

Griechenlands Sparkurs zeigt Erfolge
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou die griechische Regierung für ihren Sparkurs gelobt. Griechenland habe begonnen, sein Haus in Ordnung zu bringen. Der griechische Ministerpräsident sicherte weitere Anstrengungen zu: „Wir werden dem deutschen Steuerzahler nicht eine zusätzliche Bürde auflegen.“ (Details zum Sparkurs.)

 

Ifo-Geschäftsklimaindex zum neunten Mal in Folge gestiegen
Der monatlich vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung herausgegebene Geschäftsklimaindex ist im Februar von 110,3 Punkten auf 111,2 Punkte zum neunten Mal in Folge gestiegen. Damit bewerten die befragten 7.000 Unternehmer ihre aktuelle Geschäftslage noch einmal deutlich besser als im Januar. Auch der Ausblick auf das kommende halbe Jahr ist erneut optimistischer als zuletzt. Einzig beim Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima leicht abgekühlt. Allerdings könnten weiter steigende Rohstoff- und Energiepreise weiteres Wachstum behindern. Dem entgegen wirken sich die Binnenwirtschaft und steigende Kaufkraft (höhere Löhne, mehr Arbeitsplätze) positiv auf die Konjunktur aus. Dennoch ist der Export nach wie vor die tragende Säule des deutschen Wirtschaftswachstums.

 

Deutschland EU-weites Schlusslicht bei Bezahlung von Leiharbeitern
In keinem Land der EU sind die Unterschiede zwischen Leiharbeitern und der Stammbelegschaft größer als in Deutschland. Und innerhalb Deutschlands wird der Negativwert im Großraum München erreicht. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von Zahlen der Arbeitsagentur durch den DGB München. Laut den Zahlen, die sich auf das Jahr 2009 beziehen, verdienen bayernweit Leiharbeitskräfte mit Berufsabschluss rund 45% weniger als Stammkräfte mit Berufsabschluss. Laut der IG Metall beweise dies, dass die Leiharbeit nicht nur zum Abfangen kurzfristiger Auftragsspitzen eingesetzt wird, sondern viel mehr systematisch zum Absenken des Lohnniveaus. Beide Gewerkschaften kritisierten in diesem Zusammenhang den jüngsten Kompromiss zu Hartz IV, bei dem der Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit, überraschend aus dem Kompromiss entfernt worden war. Ursprünglich war angedacht worden, den Leiharbeitern nach einer Übergangszeit die gleiche Bezahlung zuzugestehen, wie ihren fest im Betrieb angestellten Kollegen – lediglich über die Länge der Übergangszeit hatte man zunächst gestritten. Die IG Metall hat nun „betriebliche Aktionen“ in 20 Münchner Firmen angekündigt, in denen Leiharbeiter über ihre Rechte informiert werden sollen.

 

Commerzbank will 2011 Teile der geliehenen Staatsgelder begleichen
Die Commerzbank konnte die Finanzkrise nur durch massive staatliche Unterstützung überstehen: Sie erhielt stille Einlagen in Höhe von 16,2 Mrd. Euro, zudem hält der Bund ein Viertel der Commerzbank-Anteile. Für 2010 sei ein Jahresgewinn von 1,4 Mrd. Euro erzielt worden. Dennoch sorgte die Commerzbank vor einigen Tagen für Empörung, als bekannt wurde, dass sie zunächst keine Gelder zurückzahlen will und auch keine Zinsen auf die geliehenen Gelder entrichte, aber dennoch ihren Angestellten Boni in Höhe von 440 Mio. Euro ausschütten will. Insgesamt belaufen sich die Personalkosten auf 4,4 Mrd. Euro. Die Bank habe sich trotz des Milliardengewinns arm gerechnet und umgehe damit die vereinbarten Zinsen von neun Prozent, also 1,5 Mrd. Euro im Jahr. Nun hat die teilverstaatlichte Großbank gegengesteuert und angekündigt, wenigstens noch in diesem Jahr einen Teil der Staatsgelder zurückzahlen. Die Commerzbank war durch ihr Verhalten bereits Anfang 2011 negativ in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass der 11 Mrd. Kredit an den fränkischen Autozulieferer Schaeffler auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im August 2009 (die Hälfte des Kredits entfällt auf die Commerzbank) in der Spitze mit 15% verzinst war, plus einer Beteiligung der insgesamt fünf Banken an der Steigerung des Unternehmenswerts. Die Branche sprach damals sogar über sittenwidrige Konditionen.

 

Nabucco-Pipeline wird mit 14 Mrd. Euro doppelt so teuer
Der britische Energiekonzern BP hat wegen der wachsenden Preise für Baustoffe die Kostenschätzung für die Gaspipeline Nabucco, die Gas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands nach Europa liefern soll (Verminderung der Abhängigkeit), auf 14 Mrd. Euro verdoppelt. Die Nabucco soll 3.300 Kilometer quer durch das Kaspische Meer, über den politisch instabilen Kaukasus, durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich verlaufen. Mit 30 Mrd. Kubikmetern pro Jahr würde sie fünf Prozent des EU-Bedarfs decken. Die Bauphase ist auf Ende 2012 bis Ende 2015 angesetzt. Russland wiederum baut mit der Nord-Stream und der South-Stream zwei Pipelines, um seine eigene Abhängigkeit von den Transitländern wie der Ukraine aber auch der Türkei zu reduzieren. Für South-Stream, die 900 km am Grund des Schwarzen Meeres zwischen Russland und Bulgarien verlaufen soll, werden derzeit weitere Projektpartner gesucht. Momentan stemmen das Projekt die russische Gazprom und die italienische Eni. Über einen Einstieg der französischen EdF und der deutschen Wintershall wird spekuliert. Mit einer Jahreskapazität von 63 Mrd. Kubikmeter würde die Pipeline rund 35% des europäischen Gasbedarfs decken.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Schweizer Depotvermögen um 1% auf 4.312 Mrd. Franken gesunken
Die von Schweizer Banken verwalteten Gelder sind 2010 um 1% (45 Mrd. Franken) auf insgesamt 4.312 Mrd. Franken leicht zurückgegangen. Dabei seien vor allem die Depots ausländischer Privatkunden geschrumpft. Grund seien Wechselkursverluste und die Debatte um das Bankgeheimnis im Zuge des weltweit zunehmenden Kampfes gegen Steuerhinterziehung.

 

Neue Razzien bei Credit Suisse Deutschland
Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Als Ergebnis der bislang laufenden Ermittlungen seien vier weitere Mitarbeiter der Schweizer Großbank Credit Suisse zu Beschuldigten geworden. Am Dienstag wurden Büros und Privaträume der Beschuldigten in Hamburg, Hannover, Köln und zwei weiteren Orten durchsucht. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen acht Bankangestellte der Credit Suisse. Eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldzahlungen stehe nicht zur Debatte.

 

Deutschland Nummer 3 bei Rüstungsexporten
Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) haben die 100 größten Rüstungskonzerne weltweit ihre Umsätze um 8% auf 401 Mrd. US-Dollar steigern können. Von den größten 100 Rüstungskonzernen befinden sich 45 in den USA und 33 in Westeuropa, die zusammen 91% des Volumens abdecken. Deutschland liegt nach den USA und Russland weiterhin traditionell auf Platz 3. (Bildserie der größten deutschen Rüstungskonzerne.)

 

Lokführer drohen mit weiteren Warnstreiks
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat am Dienstag mit einem Wahnstreik für zahlreiche Verspätungen im Zugverkehr gesorgt. Sie verlangt ein einheitliches Bezahlniveau für die 26.000 Lokführer, das 5% über dem jetzigen Niveau des Marktführers Deutsche Bahn liegt – was vor allem die sechs Privatbahnen mehrheitlich ablehnen. Zudem soll der Gesundheitsschutz verbessert werden, sowie einheitliche Qualifizierungen und eine Übernahme von Lokführern eingeführt werden, wenn der Betreiber einer Schienenstrecke wechselt. In den kommenden zwei Wochen sollen die GDL-Mitglieder über einen längerfristigen Streik abstimmen. Die nächsten Tage hingegen bleiben streikfrei. Man wolle „der Arbeitgeberseite Zeit geben, sich den Streik noch mal eindrucksvoll vor Augen zu führen.“, so der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. Die Privatbahnen seien nach eigener Darstellung bereit, einen Flächentarifvertrag abzuschließen, jedoch sei ihnen das Bahn-Niveau zu hoch. Die Deutsche Bahn signalisierte hingegen in vielen Punkten Übereinstimmungen. DB-Personalvorstand Ulrich Weber: Es sei „widersinnig“, die Deutsche Bahn zu bestreiken, da sie fast alle GDL-Forderungen erfüllen wolle. Der Streik sei nicht mit Augenmaß.

 

Schwerstes Erdbeben in Neuseeland verursacht 12 Mrd. Dollar Schäden
Das jüngste Erdbeben in der Stadt Christchurch auf der Südinsel Neuseelands war das schwerste jemals in dem Land gemessene. Laut der US-Großbank J.P. Morgan könnten sich die Schäden bei den Versicherungen auf bis zu 12 Mrd. Dollar belaufen. Das wäre an den Versicherungsschäden gemessen das zweitteuerste Erdbeben weltweit. Allein das Northridge-Erdbeben 1994 in den USA war mit 20,3 Mrd. Dollar noch teurer. Das liegt daran, dass in armen Ländern erstens weniger Versicherungen gegen Erdbeben geschlossen werden, sowie auch, dass die dortige Infrastruktur nicht so teuer ausgebaut ist.

 

BMW gründet für E-Autos neue Submarke
Die Münchner Autoschmiede BMW hat für seine Elektroautos eine neue Marke aus der Taufe gehoben. Sie werden dann unter der Marke BMWi laufen. Die beiden ersten Elektroautos – der BMW i3 und der i8 – sollen dann ab 2013 in dem Leipziger Werk gebaut werden. Damit wird das Werk in Leipzig, in das zusätzliche 400 Mio. Euro investiert werden, zum Kompetenzzentrum in Sachen Elektromobilität (800 neue Arbeitsplätze). Der i3 wird ein reinrassiger Elektro-Viersitzer, der i8 ein sportlicher Hybrid, der im Stadtverkehr rein elektrisch fahren soll und erst bei hohen Geschwindigkeiten auf einen klassischen Verbrennungsmotor zurückgreift.

 

HP Aktie stürzt nach Gewinnwarnung um 12% ab
Der US-amerikanische IT-Konzern Hewlett-Packard steigerte seinen Gewinn im ersten Quartal seines Geschäftsjahres von 2,25 Mrd. Dollar auf 2,61 Mrd. Dollar (Umsatzplus von 3,6% auf 32,3 Mrd. Dollar). Da jedoch die PC-Sparte und die Dienstleistungssparte Umsatzrückgänge berichten mussten und auch die Umsatzprognose von 132-133,5 Mrd. Dollar auf 130-131,5 Mrd. Dollar gesenkt wurde, stürzte die Aktie im nachbörslichen Handel um 12% ab. Gemessen an den Umsatzzahlen ist HP das größte Technologieunternehmen der Welt.

 

Leo Kirch verliert erste Klage, zweite entscheidet sich am Freitag
Der 84-Jährige Medienunternehmer Leo Kirch hatte vor acht Jahren eine spektakuläre Pleite hingelegt und dafür den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer teilverantwortlich gemacht, weil dieser wenige Monate vor der Pleite die Bonität des Medienunternehmers in einem Interview angezweifelt hatte, was nachhaltige Auswirkungen auf Kirchs Finanzierung gehabt habe. Eine erste Schadenersatzklage über 1,3 Mrd. Euro gegen die Deutsche Bank, die Kirch über die Print-Beteiligungs GmbH vortrug, wurde nun von dem Landgericht München I abschlägig beurteilt, da der Print-Beteiligungs GmbH gar kein Schaden entstanden sei. Kirchs Anwälte wollen Berufung einlegen. Am Freitag wird es nun im Rahmen einer zweiten Klage über 2 Mrd. Euro zu einem Aufeinandertreffen Kirchs und Breuers vor Gericht kommen. Kläger ist hier Kirchs Firma KGL Pool, in der 17 einstige Kirch-Töchter Ansprüche gebündelt haben.
 

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