Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 24.01.2011

Wirtschaft und Politik:
1. Schwarzarbeit in Deutschland sinkt auf niedrigsten Wert seit 1995:
2. Irische Regierung auseinandergebrochen:
3. Portugiesischer Präsident wiedergewählt:
4. Bolivianisches Kabinett geschlossen zurückgetreten:

Finanzen:
5. EZB über Rohstoffteuerung besorgt – Zinsanstieg möglich:
6. BayernLB will 200 Mio. Euro Schadensersatz vom früheren Risikovorstand:
7. Einnahmen aus Kapitalertragssteuer sinkt um 3,7 Mrd. Euro:
8. UBS will Bonuszahlungen für 2010 um 25% auf 3 Mrd. Euro steigern:
9. Wall-Street will 90 Mrd. Dollar an Boni ausschütten:
10. Bank of America mit Verlust von 2,2 Mrd. Dollar in 2010:

Branchen und Unternehmen:
11. Daimler gründet Joint Venture mit japanischem Kohlefaserspezialisten:
12. Drogeriekette Müller erhöht Anteile an Konkurrenten Douglas:
13. Hongkonger Milliardär will britisches Stromnetz kaufen:
14. 3,5-Mrd.-Dollar-Übernahme in der US-Verpackungsindustrie:
15. Philips steigert Gewinn um 80% auf 465 Mio. Euro, enttäuscht aber Analysten:
16. General Electrics legt deutlich um 52% auf 4,5 Mrd. Dollar zu:
17. Wechsel an der Google-Spitze geht mit 100 Mio. Dollar Abfindung einher:

 

Wirtschaft und Politik:

 

Schwarzarbeit in Deutschland sinkt auf niedrigsten Wert seit 1995:
Laut dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) ist die Schwarzarbeit auf den niedrigsten Stand seit 1995 gefallen. Insgesamt wurden 2010 in der Schwarzarbeit rund 347,6 Mrd. Euro umgesetzt (minus 4,2 Mrd. Euro). Die Schattenwirtschaft hatte damit 2010 einen Anteil von knapp 14% des Bruttoinlandsprodukts. Hintergrund sei, dass durch den Aufschwung viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz gefunden hätten. Laut der IAW-Erhebung macht dabei der in bar entgoltene Arbeitseinsatz  rund 40% der Schattenwirtschaft aus, rund 30% gehen auf illegale Geschäfte wie Drogenhandel und Glücksspiel zurück, gut 20% entfallen auf den Materialeinsatz ohne Rechnung bei der Schwarzarbeit und etwa 10% seien statistisch nicht erfasste landwirtschaftliche Erzeugnisse. 80% der Schwarzarbeit entfallen dabei auf Hausbau, Hausarbeiten, Kfz-Reparatur, Gastronomie, Schönheitspflege und Nachhilfe/Kinderbetreuung. Die restlichen 20% verteilen sich auf Alten- und Krankenpflege, gehobene Dienstleistungen, Industrie und Einzelhandel.
 
Irische Regierung auseinandergebrochen:

In Irland ist die Regierung von Ministerpräsident Cowen nach der Ankündigung der Grünen, sich aus der Koalition zurückzuziehen, vor dem auseinanderbrechen. Die Grünen kündigten jedoch an, vor den am 11. März angesetzten Neuwahlen die geplanten Sparbeschlüsse noch mitzutragen. Somit verbleiben dann nach dem Rücktritt mehrerer Minister in der vergangenen Woche nur noch 7 von ursprünglich 15 Ministern.

 

Portugiesischer Präsident wiedergewählt:
In dem Schuldenstaat Portugal wurde der konservative Präsident Cavaco Silva mit 53% für eine weitere Amtszeit bestätigt. Das Wahlergebnis dürfte die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident José Sócrates weiter unter Druck setzen.

 

Bolivianisches Kabinett geschlossen zurückgetreten:
In Bolivien ist das Kabinett von dem indigenen Präsidenten Morales geschlossen zurückgetreten. Alle 17 Minister verließen die Regierung. Erst vor einem Jahr hatte Morales seine zweite 5-Jahres-Amtszeit angetreten. Binnen Jahresfrist ist die Beliebtheit des Präsidenten von 70% Zustimmung auf 36% gefallen. Die neue Regierung soll bald bekannt gegeben werden. Im Dezember hatte es wegen der versuchten Kürzung der Subventionen für Benzin heftige Proteste gegeben.

 

Finanzen:

 

EZB über Rohstoffteuerung besorgt – Zinsanstieg möglich:
Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat sich zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen besorgt über steigende Rohstoffpreise und deren Auswirkungen auf die Inflation gezeigt. Besonders der wieder deutlich gestiegene Ölpreis und weitere Rohstoffe heizen die Teuerungsrate an (+2,2% im Dezember). Trichet hatte bereits vor knapp zwei Wochen aufgrund zunehmender Inflationssorgen die prinzipielle Bereitschaft der EZB zu einer Zinserhöhung signalisiert. Die Rohstoffteuerung zumindest im Agrarbereich dürfte 2011 weiter anhalten: Angesichts niedriger Lagerbestände (weltweit witterungsbedingte Ernteausfälle 2010) und einer robusten Nachfrage dürften zumindest bei Weizen, Mais und Sojabohnen die Preise in diesem Jahr weiter zulegen. Hinzu kommt noch die zunehmende Spekulation mit ihren negativen Auswirkungen. Dabei wird bereits von einem hohen Niveau ausgegangen: Der von der UNO erstellte Agrarpreis-Index erreichte im Dezember den höchsten Wert seit Einführung des Indikators im Jahr 1990.

 

BayernLB will 200 Mio. Euro Schadensersatz vom früheren Risikovorstand:
Die Bayerische Landesbank verlangt im Zuge der Aufarbeitung des 3,7-Mrd.-Euro-Finanzdesasters mit der österreichischen Hypo Alpe Adria offenbar Schadenersatz vom früheren Risikovorstand Gribkowsky. Dieser sitzt bereits wegen Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft, auch wegen des Verdachts der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung wird ermittelt. Die BayernLB fordere 200 Mio. Euro von Gribkowsky, die bislang höchste Schadenersatzforderung gegen einen Bank-Manager in Deutschland. Insgesamt will die Landesbank gegen acht frühere Vorstandsmitglieder einschließlich Ex-Bankchef Werner Schmidt vorgehen. Gribkowksy habe unter anderem ein Vermögen von 25 Mio. Euro in einer österreichischen Privatstiftung mit dem Namen „Sonnenschein“ hinterlegt. Die Vermögenswerte seien hinterzogenes Geld aus geheimen Geschäften mit der Formel 1, für die er im Jahr 2006 37 Mio. Euro Bestechungsgelder erhalten haben soll. Es werde daher geprüft, ob sich zusätzlich zum Fall Hypo Alpe Adria weitere Schadenersatzansprüche gegen Gribkowsky ergeben könnten.

 

Einnahmen aus Kapitalertragssteuer sinkt um 3,7 Mrd. Euro:
Die Steuereinnahmen aus Zinsen, Dividenden und Wertpapiergeschäften (Kapitalertragssteuer) ist 2010 um rund 3,7 Mrd. Euro auf 8,7 Mrd. Euro eingebrochen (2009: 12,4 Mrd. Euro). 2008 waren es sogar noch 13,5 Mrd. Euro. Grund sei laut der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG) das gefloppte 2009 neu eingeführte Abgeltungsmodell mit einer pauschalen Erhebung von 25%, die nachteilig für Arbeitnehmer und Rentner sei, Spitzenverdiener aber erneut bevorteile, dies funktioniert in einem Nullsummenspiel nur zulasten der ohnehin überproportional zahlenden Mittelschicht. Bis Ende 2008 galt dagegen der persönliche Einkommensteuersatz. Laut dem DSTG-Vorsitzenden habe das Modell jedoch vor Gericht keinen Bestand: „Die Privilegierung von Kapitalerträgen gegenüber anderen Einkünften verstößt gegen den Grundsatz einer gleichmäßigen Besteuerung und ist damit verfassungswidrig.“ Auch habe sich weder das Ziel, im großen Stil im Ausland verstecktes privates Kapital ins Land zurückzuholen, noch die angekündigte Vereinfachung des Steuerrechts ergeben.

 

UBS will Bonuszahlungen für 2010 um 25% auf 3 Mrd. Euro steigern:
Die im Zuge der Finanzkrise staatlich gerettete Schweizer Großbank UBS plant offenbar, die Bonuszahlungen für ihre Manager um bis zu 25% zu erhöhen. Damit könnten die Bonuszahlungen für 2010 auf insgesamt 4 Mrd. Franken (3 Mrd. Euro) steigen. 2009 wurden noch drei Milliarden Franken an Boni gezahlt. Detaillierte Angaben bei der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am 8. Februar.

 

Wall-Street will 90 Mrd. Dollar an Boni ausschütten:
Die Zeit der Zurückhaltung und der erhofften Demut der für die größte Finanzkrise verantwortlich zeichnenden Branche ist bereits spätestens nach zwei Jahren vorbei. Allein die fünf großen Wall-Street-Banken sollen 90 Mrd. Dollar an Boni ausschütten. Dieses Entlohnungsmodell gilt außerhalb der Branche als ein falscher Anreiz, der Finanzjongleure zu unverantwortlichen Risiken verleitet. Vor zwei Wochen hatte der Investmentbanker und neue Chef bei dem britischen Geldhaus Barclays, Bob Diamond, vor Abgeordneten des britischen Unterhauses erklärt, mit der Phase des Bedauerns und der Entschuldigungen müsse endlich Schluss sein. Die britischen Banken wollen offenbar insgesamt rund 7 Mrd. Pfund an Boni auszahlen.

 

Bank of America mit Verlust von 2,2 Mrd. Dollar in 2010:
Altlasten im Hypothekengeschäft haben das Ergebnis des größten US-Geldhauses, der Bank of America, tief in die roten Zahlen gedrückt. Im Schlussquartal 2010 fiel ein Verlust von 1,2 Mrd. Dollar an. Ohne die Sondereffekte wäre ein Ergebnis von 756 Mio. Dollar angefallen. Für das Gesamtjahr ergab sich ein Verlust von 2,2 Mrd. Dollar, der Abschreibungen von 12,4 Mrd. Dollar enthält. Die Bank of America war während der Krise mit 45 Mrd. Dollar gestützt worden, hat aber die letzten Bedingungen im Zusammenhang mit der Rückzahlung der Hilfen bereits wieder erfüllt. Die US-Konkurrenz hatte ihre Zahlen für das IV. Quartal bereits letzte Woche vorgelegt: Die Investmentbank Morgan Stanley verbuchte 600 Mio. Dollar, Citigroup erwirtschaftete 1,3 Mrd. Dollar, Goldman Sachs 2,2 Mrd. Dollar und JPMorgan sogar 4,8 Mrd. Dollar.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Daimler gründet Joint Venture mit japanischem Kohlefaserspezialisten:
Daimler und der japanische Kohlefaserspezialisten Toray haben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) vereinbart. An dem Joint Venture mit Sitz in Esslingen soll Toray 50,1%, Daimler 44,9% und weitere Partner zusammen 5% halten. Die Leichtbauteile verhelfen Autos zu niedrigeren Gewichten und damit zu einem geringeren Spritverbrauch und Emissionen. Das Gewicht der Rohkarosserien soll dadurch im Vergleich zu den Vorgängermodellen um rund 10% sinken.

 

Drogeriekette Müller erhöht Anteile an Konkurrenten Douglas:
Der Gründer und Eigentümer der Drogeriekette Müller, Erwin Müller (78), hat seine Beteiligung am börsennotierten Konkurrenten Douglas von 6,35% auf über 10% aufgestockt. Er strebe an, zweitgrößter Aktionär zu werden und bereits in den nächsten Monaten rund 15% zu halten. Bilang sind die Familien Kreke und Eklöh mit zusammen 30% sowie die Oetker-Gruppe mit 26% die größten Aktionäre bei Douglas. Müller kritisierte auch falsche Entscheidungen der Douglas-Manager, unter anderem bei der aus Rentabilitätsgründen wieder rückgängig gemachten Expansion auf dem russischen Markt. Müller selbst habe stets die Finger von Russland gelassen: „Die Mieten und das logistische Umfeld waren und sind zu teuer. Ein rentables Geschäft ist bis heute nicht zu betreiben.“

 

Hongkonger Milliardär will britisches Stromnetz kaufen:
Der Hongkonger Milliardär Li Ka-shing will das zum Energiekonzern Eon gehörende zweitgrößte britische Stromnetz kaufen. Seine Investmentgruppe Cheung Kong wolle Eon dafür bis zu 3,5 Mrd. Pfund (4 Mrd. Euro) bieten. Die Gruppe hatte bereits 2010 für 5,8 Mrd. Pfund das britische Stromnetz von dem französischen Staatsunternehmen EDF gekauft. An Eons britischem Netz haben auch die staatliche Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, der Investor Canada Pension Plan und die australische Bank Macquarie Interesse gezeigt.

 

3,5-Mrd.-Dollar-Übernahme in der US-Verpackungsindustrie:
Der US-Verpackungshersteller Rocktenn kauft für 3,5 Mrd. Dollar seinen größeren Rivalen Smurfit-Stone. Der fusionierte Konzern steigt damit mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 9 Mrd. Dollar zum zweitgrößten Hersteller von Wellpappenrohpapier in Nordamerika nach International Paper auf.

 

Philips steigert Gewinn um 80% auf 465 Mio. Euro, enttäuscht aber Analysten:
Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im vierten Quartal seinen Nettogewinn um 79% auf 465 Mio. Euro gesteigert, blieb damit aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Grund sei der Einbruch der Konsumelektroniksparte um 43% auf ein Ebita von 151 Mio. Euro. Der Umsatz stieg um 2% auf 7,4 Mrd. Euro. Die Lichtsparte blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, erfreulich entwickelte sich das Geschäft mit der Medizintechnik.

 

General Electrics legt deutlich um 52% auf 4,5 Mrd. Dollar zu:
Der US-Elektronikriese und Siemens-Hauptkonkurrent General Electric hat erstmals seit neun Quartalen seinen Umsatz wieder steigern können (+1%). Im Schlussquartal setzte der Konzern 41,4 Mrd. Dollar um und konnte dank drastischer Einsparungen seinen Gewinn um 52% auf 4,5 Mrd. Dollar steigern. Der Auftragseingang wuchs im vierten Quartal im Vorjahresvergleich um 12% an. Treiber des Ergebnisses waren die Infrastruktur-Sparte mit ihren Zügen sowie das Film- und Fernsehgeschäft der Tochter NBC Universal.

 

Wechsel an der Google-Spitze geht mit 100 Mio. Dollar Abfindung einher:
Letzte Woche wurde der Umbau der Konzernspitze bei Google bekannt gegeben. Demnach wird Mitgründer Larry Page nach 10 Jahren die Führung wieder übernehmen. Wie nun bekannt wurde erhält der bisherige Chef Eric Schmidt (ab April dann Verwaltungsratschef) ein Aktienpaket im Umfang von 100 Mio. Dollar als Abfindung. Googles Börsenwert hat sich seit dem Börsengang 2004 auf 196 Mrd. Dollar versechsfacht.

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