Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 25.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Bundesdeutsches Cyber-Abwehrzentrum
2. Eurostat ermittelt Unterschiede in der Kaufkraft innerhalb der EU
3. Hoher Ölpreis löst Gewinnmitnahmen an den Börsen aus
4. IG Metall schreibt sich Anliegen der Leiharbeiter auf die Fahne

Branchen und Unternehmen:
5. Boing gewinnt Jahrhundert-Auftrag gegen Airbus
6. SAP will Strafe an Oracle nicht zahlen
7. Rekordgewinner RWE pokert tief
8. BASF verdoppelt sich auf Rekordwert
9. Telekom rechnet mit Gewinnrückgang

Automotive:
10. Toyota muss erneut 2,4 Mio. Fahrzeuge zurückrufen
11. Ermittlungsverfahren bedroht Zusammenschluss von Porsche und VW
12. GM gewinnt, Opel verliert
13. Spyker konzentriert sich auf Saab und kündigt BMW Motoren an
14. Renault und PSA zahlen Milliardentranche zurück

 

Wirtschaftspolitik:

 

Bundesdeutsches Cyber-Abwehrzentrum
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Cyber-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung erläutert. Pro Tag gebe es 43.000 Attacken im deutschen Internet, über die Täter herrscht meist Unklarheit. Allerdings erfolge ungefähr einmal wöchentlich ein erfolgreicher Angriff auf eine Bundesbehörde und nahezu täglich Angriffe, von denen das Innenministerium vermutet, dass sie von ausländischen Staaten ausgehen. Dabei gehe es um politische, militärische und vor allem auch wirtschaftliche Spionage. Anfang April soll nun das Nationale Cyber-Abwehrzentrum in Köln seine Arbeit aufnehmen. In diesem Zentrum sollen Fachleute des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit Verfassungsschützern und Experten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zusammenarbeiten. Auch mit dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesnachrichtendienst (BND) wird kooperiert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschäftigt rund 500 verbeamtete Computer-Experten.

 

Eurostat ermittelt Unterschiede in der Kaufkraft innerhalb der EU
Die Statistikbehörde Eurostat hat die Unterschiede in dem Pro-Kopf Einkommen innerhalb der EU ermittelt, ausgedrückt in Kaufkraftstandards (KKS). Der EU-weite Durchschnitt liegt bei 25.100 Euro. Den niedrigsten Wert erreicht die bulgarische Region Severozapaden mit einem BIP von 3.000 Euro, nach den KKS von 7.100 Euro, das entspricht 28% des Durchschnitts. 64 der 271 Regionen liegen unterhalb von 75% des Durchschnitts. Den höchsten Wert erreichen die Groß- und Hauptstadtregionen, angeführt von der Londoner City (Bankenviertel), das mit 88.300 Euro (KKS: 85.800 Euro) 343% über dem Durchschnitt liegt. Es folgen Luxemburg, Brüssel, Groningen, Hamburg (188%), Prag, Ile de France, Stockholm, Bratislava und Wien. Auf Platz elf folgt Oberbayern mit 33.900 Euro (162%), auf Platz zwölf Bremen mit 33.500 Euro (158%). Zehn Regionen in Deutschland liegen 125% über dem Durchschnitt.

 

Hoher Ölpreis löst Gewinnmitnahmen an den Börsen aus
Am Donnerstag stieg der Ölpreis für die Nordseesorte Brent aufgrund der Unruhen in den arabischen Ölproduzenten in der Spitze auf 119,79 Dollar, hauchdünn unter der ominösen 120 Dollar-Schmerzgrenze. Ab dem Wert von 120 Dollar wird ein Abwürgen des Aufschwungs befürchtet. Bereits in den vergangenen Wochen stieg der Anteil der Ölkosten am weltweiten Bruttoinlandsprodukt auf über 4%. Darauf hin brachen weltweit die Börsenkurse ein. Allerdings sind die Aktienkurse durch den starken Aufschwung 2010 so stark angestiegen, dass der Markt nur auf einen Anlass zur Gewinnmitnahme gewartet hat – ein Einbruch sei also bereits in der Luft gelegen. Im Gegenteil sei der schier endlose Aufwärtstrend zuvor bemerkenswert gewesen. Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Landesbank Hessen-Thüringen: „Das Maß an Sorglosigkeit unter den Aktien-Investoren war zuletzt beängstigend.“ Zwischenzeitlich haben die asiatischen Börsen nach den Kursbereinigungen wieder gute Vorlagen gegeben, auch der Ölpreis ist wieder auf 112,48 Dollar gesunken.

 

IG Metall schreibt sich Anliegen der Leiharbeiter auf die Fahne
Mittlerweile gibt es über eine Millionen Leiharbeiter in Deutschland. EU-weit ist dabei in keinem Land die Schere zwischen der Stammbelegschaft und Leiharbeitern größer als in Deutschland. Bayernweit verdienen Leiharbeitskräfte mit Berufsabschluss rund 45% weniger als Stammkräfte mit Berufsabschluss.  Das sind Indizien dafür, dass mit der Leiharbeit nicht nur Auftragsspitzen abgefangen werden, sondern gezielt Lohndumping betrieben wird, die der Steuerzahler mit 11 Mrd. Euro jährlich „aufstocken“ muss – Ausnahmen bestehen, wie bei Audi, das seinen Leiharbeitern den selben Lohn zahlt wie seiner Stammbelegschaft (Equal Pay / gleicher Lohn für gleiche Arbeit, in den Niederlanden und Frankreich Gesetz). Die IG Metall befürchtet, dass durch schlechter bezahlte Leiharbeitnormale" Arbeitsplätze verloren gehen und machte deshalb mit den bundesweiten Protestaktionen „Aktion Arbeit – sicher und fair“ gegen die ausufernde Leiharbeit mobil und fordert einen arbeitsmarktpolitischen Neustart. Die Leiharbeit müsse reguliert und eingedämmt, sowie ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden. Die Auseinandersetzung um Leiharbeit sei auch ein Kampf um den Respekt vor der Arbeit und den Menschen, die sie leisten.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Boing gewinnt Jahrhundert-Auftrag gegen Airbus
Boeing hat den Zuschlag zum Bau von insgesamt 179 Tankflugzeugen für die US-Air-Force erhalten. Das Auftragsvolumen des „Jahrhundert-Auftrags“ beläuft sich auf über 30 Mrd. Dollar (25,5 Mrd. Euro). Boeing wird die Tankflugzeuge nach dem Modell des Langstreckenflugzeugs 767 bauen. Bis 2017 sollen die ersten 18 Flugzeuge geliefert werden. In dem mehrfach von Pannen durchzogenen seit zehn Jahren andauernden Auswahlprozess lag die Offerte von Airbus schließlich rund ein Prozent über dem Preis des US-Konkurrenten. Es war die dritte Bieterrunde. Das US-Verteidigungsministerium will einen erneuten Einspruch gegen die Entscheidung verhindern, da es nicht noch länger auf die neuen Tankflugzeuge warten kann – die jetzige Flotte stammt zum Teil noch aus den 1950er Jahren und muss dringend ersetzt werden.

 

SAP will Strafe an Oracle nicht zahlen
Der deutsche Softwarekonzern und Weltmarktführer für Unternehmenssoftware SAP will die Strafzahlung wegen Datendiebstahls vom US-Konkurrenten Oracle deutlich drücken. Statt der von einem US-Gericht ausgesprochenen 1,3 Mrd. Dollar spricht SAP von maximal 409 Mio. Dollar. Demnach sei die Art der Berechnung falsch und die Höhe der Summe dementsprechend „reine Spekulation“. SAP hatte in dem Prozess einen Schaden von 28 Mio. Dollar eingeräumt. Ein Gutachter von Oracle hatte die Zahl von 409 Mio. Dollar genannt. Daher müsse sich laut SAP die Strafzahlung innerhalb dieses Spielraums bewegen. Der Prozess soll daher neu aufgerollt werden. Die SAP-Tochter TomorrowNow hatte laut den Vorwürfen 2005 in den USA in großem Stil unerlaubt Daten und Software-Codes von Oracle-Rechnern heruntergeladen, um dem US-Konkurrenten damit Kunden abspenstig zu machen.

 

Rekordgewinner RWE pokert tief
Der deutsche Energieriese RWE hat für 2010 einen Rekordgewinn im operativen Geschäft von 10,3 Mrd. Euro vermeldet, der Netto-Gewinn beläuft sich auf 3,75 Mrd. Euro (+6,2%). Allerdings warnt Vorstandschef Großmann: „Wir stehen auf dem Gipfel und von hier aus geht es in jeder Richtung nur bergab.“ Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Vorsteuergewinn vor allem wegen niedrigeren Großhandelspreise für Strom und der neuen Brennelementesteuer um 15% zurückgehen, das betriebliche Ergebnis um 20%. Dies dürfte jedoch bewusst zu tief gegriffen sein, um sich einen strategischen Rückzugsraum für die anstehenden Tarifverhandlungen zu schaffen – die sich auf die Werte des so eben zurückliegenden Geschäftsjahrs beziehen dürften. Zudem sollen Unternehmensteile im Wert von acht Mrd. Euro verkauft werden, um den Schuldenstand von 29 Mrd. Euro zu reduzieren. Ab 2014 soll es dann wieder aufwärts gehen.

 

BASF verdoppelt sich auf Rekordwert
Der größte Chemiekonzern der Welt hat 2010 einen Netto-Gewinn von 4,6 Mrd. Euro realisiert, im Krisenjahr 2009 waren es noch 1,4 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg um 26% auf 63,9 Mrd. Euro. Auch das Jahr 2011 habe sehr stark begonnen und könnte im Gesamtjahr einen neuen Rekordwert erreichen. BASF kündigte zudem an, die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um 800 auf 51.600 zu erhöhen.

 

Telekom rechnet mit Gewinnrückgang
Die Deutsche Telekom AG hat ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2010 von 19,5 Mrd. Euro ausgewiesen, der freie Cashflow beträgt 6,54 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang des operativen Gewinns auf 19,1 Mrd. Euro erwartet. Grund ist der Wegfall von T-Mobile UK aus dem operativen Geschäft. 2009 wurden noch rund 20,7 Mrd. Euro und einen freien Cashflow von knapp 7 Mrd. Euro erreicht.

 

Automotive:

 

Toyota muss erneut 2,4 Mio. Fahrzeuge zurückrufen
Die Pannenserie bei dem Branchenprimus Toyota reißt nicht ab. Erneut müssen 2,4 Mio. Fahrzeuge weltweit in die Werkstatt zurückgerufen werden. Grund der Aktion: Bei Modellen der Marken Toyota Lexus könne das Gaspedal aufgrund einer fehlerhaften Befestigung einer Verkleidung im Fußraum beeinträchtigt werden. In Europa sei lediglich das Geländewagenmodell Lexus RX betroffen. Seit 2009 summieren sich die Rückrufe bei Toyota auf knapp 16 Mio. Fahrzeuge.

 

Ermittlungsverfahren bedroht Zusammenschluss von Porsche und VW
Die Ermittlungen gegen den früheren Chef des Sportwagenbauers, Wendelin Wiedeking, und einen weiteren Vorstand wegen Untreue und Kreditbetrugs verzögern den geplanten Zusammenschluss mit VW. Laut Porsche sei die Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenschluss noch 2011 von 70 auf 50% gesunken. Unter Umständen könnte die Fusion auch ganz scheitern. Der Ausgang der Verfahren habe Bedeutung für eventuelle Schadenersatzansprüche aufgrund möglicher Marktmanipulationen. Im Kern gehe es um „Erklärungen der Verantwortlichen von Porsche gegenüber der Öffentlichkeit beziehungsweise das zeitweise Unterlassen notwendiger Erklärungen in Bezug auf den Beteiligungserwerb an der Volkswagen AG in den Jahren 2007-2009.“ Sowie: „Es besteht der Verdacht, dass die ehemaligen Vorstände im Zuge des Übernahmeversuchs der Volkswagen AG existenzgefährdende Risiken für das Unternehmen durch Abschluss von Aktienkurssicherungsgeschäften eingegangen waren.“

 

GM gewinnt, Opel verliert
Der US-Autobauer General Motors erwirtschaftete 2010 mit 4,7 Mrd. Dollar den ersten Gewinn seit 2004. Allerdings ging der Gewinn im Schlussquartal wegen gestiegener Kosten für Öl, Stahl und Kunststoffe deutlich zurück. Die Konzerntochter Opel hingegen steckt noch in den roten Zahlen. Zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall kam ein Verlust von 1,28 Mrd. Euro zustande. Ob die Rüsselsheimer bereits wie geplant im laufenden Jahr schon wieder in die Gewinnzone zurückkehren werden scheint indes fraglich. Opel hatte im Zuge eines Sparkurses Tausende Stellen in Europa gestrichen und das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen. Abzüglich der Sanierungskosten wollte Opel 2011 die Gewinnschwelle erreichen und ab 2012 dauerhaft schwarze Zahlen schreiben.

 

Spyker konzentriert sich auf Saab und kündigt BMW Motoren an
Der vergleichsweise kleine niederländische Sportwagenbauer Spyker Cars hatte genau vor einem Jahr von dem US-Konzern General Motors den schwedischen Autobauer Saab abgekauft – dessen Management feiert diesen Tag als „Independence Day“ und schwärmt von „freien Entscheidungen“. Nun will sich Spyker von seiner Sportwagensparte trennen und sich ganz auf Saab konzentrieren. Für die neuen Modelle sind BMW Motoren vorgesehen. Bereits bei dem Saab-Kauf war eine Beteiligung des russischen Investors Wladimir Antonow, Besitzer der britischen Investment-Firma CPP Global Holdings Ltd., vorgesehen. Dies scheiterte jedoch damals an dem Veto der US-Behörden, die Antonow Kontakt zu Mafiakreisen nachsagten. Nun kommt Antonow als Käufer der Sportwagensparte doch noch zum Zug.

 

Renault und PSA zahlen Milliardentranche zurück
Die beiden französischen Autobauer Renault und PSA Peugeot Citroën zahlen in einer zweiten Tranche jeweils eine Milliarden Euro zurück. Der Staat hatte die beiden Konzerne während der Krise mit insgesamt sechs Mrd. Euro unterstützt. Beide Unternehmen hatten vor kurzem angekündigt, ihre Schulden vorzeitig bis zum Jahresende abzulösen.

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