Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 25.10.2010

1. G20 einigen sich auf Reform des IWF, des globalen Bankensystems und der großen Finanzinstitute:
2. Deutscher Industrie droht jahrelange Rohstoffknappheit bei Seltenen Erden:
3. Bundesregierung beschließt Entlastungen für energieintensive Unternehmen:
4. BMWi weist Arbeitgeberforderung nach 45-Stunden-Woche zurück:
5. Wirtschaftsboom nährt Hoffnung auf ein deutsches „goldenes Jahrzehnt“:
6. Commerzbank doch nicht systemrelevant?
7. Chinesische Banken sollen im Ausland wieder expandieren dürfen:
8. Katar soll Hochtief im Abwehrkampf gegen ACS helfen:
9. Kanada erwägt feindliche Übernahme des Düngemittelgiganten Potash zu untersagen:
10. US-Versicherer AIG sammelt 18 Mrd. Dollar bei Börsengang in Asien:
11. VW legt überraschend seine guten Quartalszahlen vor:
12. Ford will Mazda in die Eigenständigkeit entlassen:
13. Fiats Werke in Italien alle in den roten Zahlen:

 

G20 einigen sich auf Reform des IWF, des globalen Bankensystems und der großen Finanzinstitute:
Auf einem Vorbereitungstreffen für den Weltfinanzgipfel der G20 im südkoreanischen Seoul Mitte November haben sich die Finanzminister der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) am Wochenende auf substanzielle Reformen geeinigt: Kernpunkte der allgemein als überraschend gewerteten Einigung sind die Reform des Internationalen Währungsfonds IWF, des internationalen Bankensystems und der großen (systemrelevanten) Finanzinstitute. Zudem soll der Abwertungswettlauf bei den Währungen verhindert werden. Die europäischen Industrieländer wollen demnach beim IWF Stimmgewicht zugunsten von Schwellenländern abgeben, konkret ist von zwei Sitzen im IWF-Direktorium die Rede. Der Abwertungswettlauf bei Währungen soll durch eine Reduzierung der globalen Ungleichgewichte verhindert werden. US-Finanzminister Tim Geithner hat hierzu den kontrovers diskutierten Vorschlag ins Spiel gebracht, künftig ein Limit für „erlaubte“ Exportüberschüsse bzw. Exportdefizite von Waren und Diensten in Höhe von 4% einzuführen (von den G20 betrifft dies China, Russland, Saudi Arabien und Deutschland). Wirtschaftsminister Rainer Brüderle kritisierte dies als „Planwirtschaft“. Auch die EU-Kommission hatte bereits auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise im Frühjahr 2010 auf die Notwendigkeit des Abbaus der Handelsungleichgewichte – sowohl der Defizite als auch der Überschüsse – hingewiesen.

 

Deutscher Industrie droht jahrelange Rohstoffknappheit bei Seltenen Erden:
China kontrolliert 97% des Welthandels für die als Seltene Erden bezeichneten seltenen High-Tech-Metalle und will seinen Rohstoffexport zugunsten der eigenen Produktion sukzessive zurückfahren. Die Folgen sind zunehmende Engpässe und steigende Preise. Japan hatte letzte Woche angekündigt, Vietnam als neuen Rohstofflieferanten aufbauen zu wollen. Die Projekte für Seltene Erden außerhalb Chinas dürften jedoch einige Jahre brauchen, bevor sie den Rückgang kompensieren können. In Kalifornien wird eine alte Mine wieder eröffnet, Explorationsprojekte gibt es zudem in Kanada, Australien, Malaysia und Grönland. Hohes Potential existiert zudem im „Urban Mining“, hochwertigen Recyclingprozessen in den Industrieländern. Der BDI veranstaltet nun am heutigen Montag einen Rohstoffkongress in Berlin. Bereits Anfang Oktober hat die deutsche Rohstoffagentur in Hannover eröffnet. Sie soll die Rohstoffmärkte transparenter machen, Förderprogramme unterstützen, neue Rohstoffpotenziale erforschen sowie die Kompetenzen der Rohstoffberatung für KMUs weiter bündeln. Alle Industrierohstoffe seien im Blick, besonderes Augenmerk liege jedoch auf den Hochtechnologiemetallen, den „Seltenen Erden“.

 

Bundesregierung beschließt Entlastungen für energieintensive Unternehmen:
Die schwarz-gelbe Koalition hat eine Nachbesserung bei der Ökosteuer für energieintensive Unternehmen beschlossen, um die internationale Konkurrenzfähigkeit dieser Branche und somit Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Im Gegenzug soll die Tabaksteuer angehoben werden. Da die Erhöhung in den nächsten Jahren mehr Geld einbringt als die bislang geplante Anhebung der Abgabe für energieintensive Unternehmen, soll es zudem eine Steuervereinfachung mit Entlastungen im Umfang von 500 Millionen Euro geben.

 

BMWi weist Arbeitgeberforderung nach 45-Stunden-Woche zurück:
Arbeitgeberkreise hatte kürzlich aufgrund des Facharbeitermangels eine 45-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht. Bundeswirtschaftsminister Brüderle hat dies nun zurückgewiesen und auf andere Rezepte gegen den Fachkräftemangel hingewiesen: „Wir müssen auch älteren Arbeitnehmern neue berufliche Perspektiven eröffnen und Frauen noch besser in das Erwerbsleben einbinden.“ Auch die Zuwanderung müsse „nach unseren nationalen Interessen“ gestaltet werden.

 

Wirtschaftsboom nährt Hoffnung auf ein deutsches „goldenes Jahrzehnt“:
Die exzellenten Zahlen der deutschen Wirtschaft für 2010 und vor allem auch das Anziehen des traditionell schwachen Binnenkonsums lassen die Erwartungen für 2011 weiter wachsen. Experten der DZ Bank erhöhten ihre Prognosen für 2011 von 1,6% auf 2,5%. Der Optimismus dürfte auf eine noch breitere Basis gestellt werden, wenn die Bundesagentur für Arbeit diese Woche bekannt gibt, dass die Zahl der Jobsuchenden unter die Drei-Millionen-Marke gefallen ist. Erste Experten sprechen daher sogar schon von einem „goldenen Jahrzehnt“. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank: „Wir stehen vor einem lang anhaltenden Aufschwung mit deutlich höheren Wachstumsraten als vor der Krise.“ Der Aufschwung stehe auf einer breiten Basis, so dass Deutschland bis 2020 um jährlich rund 1,75% wachsen könne.

 

Commerzbank doch nicht systemrelevant?
Mit 900 Mrd. Euro Bilanzsumme hat die Commerzbank eine immense Größe und wurde dadurch Mitte Oktober auf einer Liste des Financial Stability Boards (FSB) aufgenommen, die insgesamt rund 30 systemrelevante Finanzkonzerne umfasst. Da die Commerzbank allerdings überwiegend in Deutschland ihr Geschäft erwirtschaftet, würde sie laut Branchenexperten nicht in die Kategorie global tätiger Häuser fallen. Dadurch würden dem Institut zusätzliche Auflagen für eine erhöhte Kapitaldeckung erspart bleiben. Mit der endgültigen Liste wird Mitte 2011 gerechnet.

 

Chinesische Banken sollen im Ausland wieder expandieren dürfen:
Peking denkt darüber nach, den chinesischen Finanzinstituten wieder Fusionen und Übernahmen außerhalb Chinas zu erlauben. Mit Beginn der Krise 2008 war dies praktisch untersagt worden. Zuvor hatte es Ende 2007 eine Reihe von Investitionen staatlich kontrollierter chinesischer Unternehmen in westliche Finanzfirmen wie ABN Amro, Fortis, Citigroup, Blackstone und Morgan Stanley gegeben, die dann Krisenbedingt reichlich Verluste einfuhren. Guo Tiangyong vom Bankenlehrstuhl der Zentraluniversität für Finanzen und Ökonomie: "Der chinesische Bankensektor hat seine Strategie für die internationale Expansion vor Jahren formuliert, aber dieser Prozess wurde gebremst, als die Krise ausbrach. Die Expansion ins Ausland ist unvermeidlich."

 

Katar soll Hochtief im Abwehrkampf gegen ACS helfen:
Laut Medienberichten gibt es derzeit Gespräche zwischen dem größten deutschen Baukonzern Hochtief und dem Emirat Katar. Hintergrund ist die Abwehrschlacht Hochtiefs gegen den spanischen Konkurrenten ACS. Der Einstieg des finanzstarken Emirats könnte die Übernahme deutlich verteuern. Katar wiederum versucht, sich von der Abhängigkeit von Energieexporten zu diversifizieren. Katar würde demnach mindestens 25,1% der Anteile an Hochtief übernehmen, um damit über eine Sperrminorität zu verfügen.

 

Kanada erwägt feindliche Übernahme des Düngemittelgiganten Potash zu untersagen:
Der Regierungschef der kanadischen Provinz Saskatchewan hat die Zentralregierung aufgefordert, die feindliche Übernahme von Potash durch den australischen Bergbaukonzern BHP Billiton zu verhindern. Der kanadische Düngemittelhersteller Potash kontrolliert rund 25% des Weltmarkts für das steigend nachgefragte Düngemittel Kali. Das feindliche Übernahmeangebot von dem Bergbaugiganten BHP Billiton ist 39 Mrd. Dollar schwer. Potash hatte die BHP-Offerte bislang als zu niedrig zurückgewiesen. Diese Summe entspricht auch dem von Analysten erwarteten Cashflow BHPs allein für das kommende Jahr 2011. Mit einem Marktwert von 188 Milliarden Dollar ist BHP die achtgrößte Aktiengesellschaft der Welt, die Ebit-Marge liegt bei über 40% und durch die hohen Rohstoffpreise steigt der Druck, die Gewinne zu reinvestieren. Allerdings wachsen mit dem gigantischen Erfolg auch weltweit die Sorgen der staatlichen Regulierer. Unter anderem hatten die Wettbewerbshüter der EU, Australiens, Japans, Südkoreas und Deutschlands Mitte Oktober bedenken gegen das geplante Joint Venture BHPs mit dem australischen Konkurrenten Rio Tinto angemeldet (Nummer zwei und drei der Welt), das daraufhin abgesagt wurde. Eine Entscheidung der kanadischen Regierung muss bis zum 3. November getroffen werden.

 

US-Versicherer AIG sammelt 18 Mrd. Dollar bei Börsengang in Asien:
Der einst weltgrößte Versicherer AIG konnte im Herbst 2008 nur mit staatlichen Finanzhilfen in Höhe von 180 Mrd. Dollar vor dem Zusammenbruch gerettet werden, der Staat kontrolliert das Unternehmen derzeit noch zu 80 Prozent. AIG hat nun 58% der Anteile der Asien-Tochter AIA für 17,8 Mrd. Dollar an der Börse in Hongkong platziert. Ein Großteil der Einnahmen fließt an die US-Behörden, um die Loslösung vom Staat voranzutreiben. AIA ist seit mehr als 90 Jahren in der Wachstumsregion Asien tätig und ist gemessen an der Marktkapitalisierung der siebtgrößte Versicherer weltweit. Für das Geschäftsjahr 2009/10 rechnet AIA mit einem operativen Gewinn von 2 Mrd. Dollar.

 

VW legt überraschend seine guten Quartalszahlen vor:
Der VW-Konzern, Europas größter Autobauer, hat am Freitagnachmittag überraschend seine Gewinnzahlen zum dritten Quartal und den ersten neun Monaten des Jahres 2010 vorgelegt. Mit den Zahlen war erst für diesen Mittwoch gerechnet worden. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres hat sich der operative Gewinn um 3,3 Mrd. Euro auf 4,8 Mrd. Euro erhöht. Der Nachsteuergewinn stieg von 655 Mio. Euro auf rund 4 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg um rund 20% auf 92,6 Mrd. Euro. Die liquiden Mittel verdoppelten sich beinahe auf über 19,6 Mrd. Euro.

 

Ford will Mazda in die Eigenständigkeit entlassen:
Der US-Autobauer Ford hatte seine Anteile an dem japanischen Automobilkonzern Mazda auf dem Höhepunkt der Krise 2008 von 33,4% auf 13% reduziert. Das hat Mazda de facto von einer Tochtergesellschaft zu einem eigenständigen Unternehmen gemacht. Die Zeichen deuten nun auf eine endgültige Trennung hin, obwohl beide Konzerne versicherten, die strategische Partnerschaft fortsetzen zu wollen. Die Finanzgesellschaften sind schon abgespalten worden. Mazda hat nun seine Unternehmensstrategie für die nächsten Jahre vorgelegt: Zunächst werde – entgegen des Branchentrends – auf sparsame, aber herkömmliche Verbrennungsmotoren gesetzt. Damit sollen ähnlich günstige Verbrauchswerte erreicht werden, wie die alternativen Hybridmotoren der Konkurrenz. Hybrid- und Elektrofahrzeuge aus eigener Herstellung sollen aus Kostengründen erst nach 2015 kommen.

 

Fiats Werke in Italien alle in den roten Zahlen:
Der italienische Autobauer Fiat erwirtschaftet nach eigenen Angaben keinen einzigen Euro des für 2010 angestrebten Unternehmensgewinns in Höhe von 2 Mrd. Euro in seinen italienischen Werken. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat nun Investitionen in Höhe von 20 Mrd. Euro in Italien unter der Bedingung in Aussicht gestellt, dass sich die Mitarbeiter flexibler bei der Produktion zeigen.

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