Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 26.01.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Weltwirtschaft wächst robust mit 4,4% in 2011:
2. Obama kündigt Einsparungen und Zukunftsinvestitionen an:
3. Prognosen erwarten deutsches Wirtschaftswachstum von 2,2 bis 3,1% in 2011:
4 .Inflation von 4% für Deutschland befürchtet:
5. Britische Wirtschaft strauchelt durch hohe Inflation und niedriges Wachstum:
6. EU-Rettungsfonds platziert völlig überzeichnete Anleihen für 5 Mrd. Euro:
7. World Economic Forum in Davos beginnt:

Branchen und Unternehmen:

8. Tarifeinigung bei der Deutschen Bahn – 1,8% mehr in 2011:
9. Die Erholung des Welthandels spüren auch die deutschen See- und Flughäfen:
10. Zahl der Aktionäre in Deutschland weiter gesunken:
11. Toyota muss erneut 1,6 Mio. Fahrzeuge zurückrufen:
12. Siemens mit Rekordgewinn und vollen Auftragsbüchern:
13. Bosch meldet ebenfalls ein Rekordergebnis:
14. Bezahlsender Sky spült erstmals Gewinn in die Kassen:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Weltwirtschaft wächst robust mit 4,4% in 2011:
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhöhte seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 0,2% auf 4,4% und auf 4,5% in 2012. Dieses Wachstum werde derzeit mit durchschnittlich 6,5% in 2011 und in 2012 zu rund Zweidritteln von den aufstrebenden Schwellenländern (BRIC) getragen, die Euro-Zone selber wachse mit 1,5% in 2011 und 1,7% in 2012 deutlich langsamer. In Europa und den USA seien nun schnelle und umfassende Maßnahmen nötig, um die Finanzprobleme zu lösen. Dazu gehöre es, die ausufernden Defizite mit Reformschritten in vielen Bereichen zu senken.

 

Obama kündigt Einsparungen und Zukunftsinvestitionen an:
US-Präsident Obama hat in seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation eine Begrenzung der Rekord-Staatsausgaben, einen Schuldenabbau, neue Investitionen in Forschung, Bildung und Zukunftsbranchen sowie eine Reduzierung der Abhängigkeit von Importöl angekündigt. Besonders die Investitionen sollen dabei die Zahl der Beschäftigten sichern und die Vormachtstellung der weltgrößten Volkswirtschaft gegenüber den aufstrebenden Schwellenländern wie China, Brasilien und Indien verteidigen. Die US-Staatsverschuldung hat gerade erst 14 Bio. US-Dollar erreicht, das Etatdefizit 2011 beträgt rund 10,75% (doppelt so viel wie im Euro-Raum). Die dem zugrunde liegende extrem lockere US-Geldpolitik (Gelddrucken) wird vielfach kritisiert, da diese Geldvermehrung zusammen mit historisch niedrigen Zinsen die aufstrebenden Märkte wie China und Brasilien mit US-Dollar flutet, was für diese Länder einen zusätzlichen Aufwertungsdruck, höhere Inflation und dadurch höhere Zinsen zur Folge hat. Demgegenüber hat sich das wichtige Konsumklima in den USA im Januar überraschend stark aufgehellt. Der Index für das Konsumentenvertrauen stieg von 53,3 Punkten im Dezember auf 60,6. Analysten waren nur von 54,3 Punkten ausgegangen.

 

Prognosen erwarten deutsches Wirtschaftswachstum von 2,2 bis 3,1% in 2011:
In dem jüngsten Ausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 2,2% erwartet. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht gar von 2,5% aus, der Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO, Carsten Klude, sogar von 3,1%. Rund zwei Drittel dieses Wachstums seien dabei auf die Industrie zurückzuführen. Allerdings dürfte auch der private Konsum in 2011 zulegen: Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist positiv und das Konsumklima ist laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg auf dem höchsten Stand seit Oktober 2007. Auch der Mittelstand ist gestärkt aus der Krise gekommen: Nach Daten der „Diagnose Mittelstand 2011“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) stieg die Eigenkapitalquote im Schnitt von 12,8 auf 15,6%. Die immer wieder befürchtete "Kernschmelze der Kapitalbasis" sei demnach ausgeblieben. Während der Krise war die Umsatzrentabilität von 6,6 auf 5,3% gesunken und der Personalaufwand von 18,4% auf knapp 20% gestiegen. Allerdings waren die etwas höheren Personalkosten eine richtige Investition in den gegenwärtigen Aufschwung und damit in die Zukunft.

 

Inflation von 4% für Deutschland befürchtet:
Ökonomen der Finanzinstitute Deutsche Bank und Postbank halten eine Vervierfachung der Inflationsrate auf 4% innerhalb der nächsten 2-3 Jahre für durchaus möglich (nach 1,1% in 2010). Hintergrund sei, dass die EZB aufgrund der Schuldenkrise zu einer ähnlich lockeren Geldpolitik ohne Zinserhebung gezwungen sein könnte, wie derzeit die USA. Die hohe Inflation könnte es dann sogar für einige Jahre geben.

 

Britische Wirtschaft strauchelt durch hohe Inflation und niedriges Wachstum:
Die britische Wirtschaft muss derzeit mehrere schlechte Nachrichten verdauen: Im Dezember war aufgrund des für britische Verhältnisse harten Wintereinbruchs die Wirtschaftsleistung um 0,5% eingebrochen. Nun prognostiziert die britische Notenbank ein mögliches Ansteigen der Inflation auf bis zu 5%. Die verstärkte Inflation sei dabei auf höhere Importpreise, einen Anstieg beim Ölpreis und eine Erhöhung von indirekten Steuern zurückzuführen. Nun ist die Quadratur des Kreises gefordert: Die Inflationsrate schreit nach einer Anhebung des Leitzinses, was sich jedoch wiederum kontraproduktiv auf das Wachstum auswirken würde.

 

EU-Rettungsfonds platziert völlig überzeichnete Anleihen für 5 Mrd. Euro:
Der Europäische Rettungsschirm EFSF hat erstmals selbst direkt Anleihen platziert, um Geld bei Investoren einzusammeln und es an Irland weiterzuleiten. Das Interesse war enorm und die Anleihen mit einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren achtfach überzeichnet – damit war auch das Vertrauen der rund 500 Anleger in den EFSF offenkundig. Hintergrund sind auch erste positive Budgetprognosen der Euro-Problemländer. Die zu zahlenden Zinsen belaufen sich auf 2,7% (zum Vergleich: Deutschland zahlt für eine vergleichbare Anleihe 2,3%). Größte Anleger waren Notenbanken, vor allem aus Asien und Südamerika: Allein Japan sicherte sich 20% der Papiere. In den beiden Jahren 2011 und 2012 plant der EU-Rettungsschirm insgesamt eine Kapitalaufnahme von bis zu 26,5 Mrd. Euro für Irland.

 

World Economic Forum in Davos beginnt:
 Am heutigen Mittwoch beginnt mit 2.500 Top-Managern, Politikern und Wirtschaftsexperten aus aller Welt das alljährliche World Economic Forum in dem Schweizer Davos. Dieses Jahr geht es erneut um die Folgen der großen Krise, was die neue Realität sei und was anders ist als vor der Krise. Größte Einzelthemen sind dabei die staatliche Schuldenkrise sowie der Währungsstreit über Wechselkurse und eine alternative Leitwährung im Weltwährungssystem, die nicht von einem einzelnen Staaten manipuliert werden kann (derzeit: US-Dollar).

 

Branchen und Unternehmen:

 

Tarifeinigung bei der Deutschen Bahn – 1,8% mehr in 2011:
Die Deutsche Bahn (DB) hat sich in den Tarifverhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verständigt. Betriebsbedingte Kündigungen von Eisenbahnern im DB-Konzern bleiben demnach weiter ausgeschlossen. Der EVG, die rund 135.000 Eisenbahner vertritt, hatte ursprünglich 6% mehr Lohn gefordert. Die Einigung sieht nun 3,8% verteilt auf zwei Jahre (2011 1,8%, 2012 2,0%), eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro sowie sichere Arbeitsplätze vor. Zudem vereinbarten die Verhandlungspartner auch Verbesserungen bei der Altersvorsorge, den Schichtzulagen und beim Urlaubsgeld. Der Tarifvertrag gilt rückwirkend vom 1. August 2010 bis zum 31. Dezember 2012. Die Lokführergewerkschaft GDL (20.000 Mitglieder) wurde aufgefordert, das Ergebnis zu übernehmen, diese sieht den Kompromiss jedoch als nicht tragbar und drohte mit Streiks.

 

Die Erholung des Welthandels spüren auch die deutschen See- und Flughäfen:
Der Flughafenbetreiber Fraport konnte seinen Gewinn nach Steuern in 2010 auf 270 Mio. Euro steigern (2009: 152 Mio. Euro). Positiv habe sich auch das Auflösen von Rückstellungen ausgewirkt, die für mögliche Steuernachzahlungen gebildet worden waren. Der nördlichste deutsche Seehafen in Kiel konnte seinerseits ein Rekordjahr verbuchen. Das Frachtaufkommen stieg um 19,3% auf den Rekordumsatz von 5,8 Mio. Tonnen Ladung. Besonders stark wuchs auch der Fährverkehr nach Skandinavien und ins Baltikum.

 

Zahl der Aktionäre in Deutschland weiter gesunken:
Die Zahl der Aktionäre ist in 2010 weiter zurückgegangen. Ende 2010 hielten insgesamt noch 8,2 Millionen Anleger in Deutschland direkt oder indirekt Aktien. Das sind laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) 476.000 Aktionäre weniger als im ersten Halbjahr. Gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2001 bedeutet dies einen Rückgang um rund 4,7 Millionen oder 36,4%.

 

Toyota muss erneut 1,6 Mio. Fahrzeuge zurückrufen:
Die Pannenserie bei dem japanischen Weltmarktführer Toyota geht in eine nächste Runde: Nun werden 421.000 Fahrzeuge im Ausland und 1,2 Mio. in Japan selbst in die Werkstätten zurückgerufen. Die Rückrufaktion betrifft 16 Modelle der Jahre 2000-2008. Grund seien Probleme, die zum Austreten von Benzin führen können. Außerhalb von Japan sind die USA und Kanada mit 280.000 Fahrzeugen am stärksten betroffen, gefolgt von Deutschland. Durch die neue Aktion steigt die Zahl der von Toyota seit Ende 2009 zurückgerufenen Fahrzeuge auf mehr als 15 Millionen an.

 

Siemens mit Rekordgewinn und vollen Auftragsbüchern:
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat der Elektronikkonzern Siemens seinen Gewinn um 17% auf den Rekordwert von 1,8 Mrd. Euro steigern können. Der Umsatz stieg um 12% auf 19,5 Mrd. Euro. Auch die Auftragseingänge wuchsen auf einen Rekordwert – vor allem aus den Schwellenländern seien die Aufträge stark angestiegen: Insgesamt beträgt das Orderbuch der drei Kernsektoren Industrie, Energie und Medizintechnik rund 92 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr wird ein Gewinnwachstum um 25-35% auf 5,3 bis 5,6 Mrd. Euro erwartet.

 

Bosch meldet ebenfalls ein Rekordergebnis:
Der Bosch-Konzern feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Jubiläum und erwartet erstmals ein Überschreiten der 50-Mrd.-Euro-Umsatzgrenze. Bei einer vorläufigen Rendite von 7-8% bedeute dies einen Vorsteuergewinn von rund 4 Mrd. Euro. Jeder Mitarbeiter erhält nun eine Prämie in Höhe eines halben Monatsgehaltes, dazu kommt eine nach Dienstjahren gestaffelte Jubiläumsprämie in Höhe von durchschnittlich 900 Euro. Die Zahl der Beschäftigten steigt voraussichtlich um 17.000 auf über 300.000. Im zurückliegenden Jahr 2010 gelang mit einem Umsatz von 47,3 Mrd. Euro bereits ein Jahr nach der großen Krise wieder ein neues Rekordergebnis. Im Jahr 2009 hatte der Konzern erstmals seit der Nachkriegszeit einen Verlust eingefahren (1,2 Mrd. Euro).

 

Bezahlsender Sky spült erstmals Gewinn in die Kassen:
Bislang war der Bezahlsender Sky für das Medienimperium Murdochs ein Verlustgeschäft. Nun ist der Aktienkurs von Sky erstmals über den damaligen Einstiegspreis von Anfang 2008 gestiegen. Dadurch sei unter dem Strich die Gewinnzone für das Investment erreicht. Seit dem Einstieg James Murdochs, dem Sohn des legendären Medientycoons Rupert Murdoch, bei dem damals noch als Premiere firmierenden Sender im Januar 2008 hat der Medienunternehmer bereits rund 1 Mrd. Euro investiert.
 

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