Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 28.01.2011

Internationale Wirtschaftspolitik:
1. Offizielle US-Untersuchung zur Finanzkrise:
2. US-Notenbankchef sah 12 der 13 größten US-Banken 2008 vor dem Aus:
3. Sarkozy gegen Rohstoffspekulation und für neues Währungssystem:
4. IWF warnt Japan und USA vor Herabstufung der Kreditwürdigkeit:
5. China verspricht Handelsungleichgewicht abzubauen:
6. Russland lädt zur internationalen Erdölparty:

Branchen und Unternehmen:
7. Ikea-Gründer hortet 11,3 Milliarden Euro in Liechtenstein:
8. Hedge-Fonds-Manager Paulson mit 5-Mrd.-Dollar Rekordgewinn:
9. Daimler will über künftigen Elektromotor-Partner entscheiden:
10. Fiat mit 2 Mrd. Euro zurück in der Gewinnzone:
11. Xing- und Facebook-Konkurrent LinkedIn will an die Börse:
12. Microsoft überrascht mit Rekordumsatz:
13. Novartis steigert Gewinn um 18% auf 10 Mrd. Dollar:

 

Internationale Wirtschaftspolitik:

 

Offizielle US-Untersuchung zur Finanzkrise:
Der US-Kongress hat seine offizielle Untersuchung der Vorgänge zur Finanzkrise vorgelegt. Diese sei demnach „eine vermeidbare Katastrophe“ gewesen. Millionen von Dokumenten wurden gesichtet und mehr als 700 Zeugen verhört. Auf 576 Seiten wird ein niederschmetterndes Zeugnis für den Staat (Politik) und die Finanzwirtschaft ausgestellt, die zusammen mit den untätigen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden die 11.000 Mrd. Dollar Verluste verschuldet hätten. Die Schulden bleiben den öffentlichen Haushalten auf Jahre hinaus, während die Banken schon wieder ihre Reue abgelegt haben und mit business as usual Milliardengewinne einfahren. Die bei der Vorstellung des Berichts häufig genannten Eigenschaften der Protagonisten dürften jedoch wieder einmal an dem heroischen Selbstverständnis der Finanzbranche abprallen: Irrwitz, Gier, Gutgläubigkeit und Blindheit. Der Ursprung der Krise gehe auf die Deregulierungen der Finanzwirtschaft unter US-Präsident Clinton zurück. Auch der Ex-Fed-Chef Greenspan habe einen großen Teil der Schuld, da er mit seinem (lange Zeit als Mode geltenden) Lob der Deregulierung dafür gesorgt habe, dass wichtige Sicherheitsmechanismen außer Kraft gesetzt wurden. Sein Nachfolger Bernanke und Ex-Präsident Bush hätten ebenfalls versagt, weil sie nicht rechtzeitig gegensteuerten.

 

US-Notenbankchef sah 12 der 13 größten US-Banken 2008 vor dem Aus:
US-Notenbankchef Bernanke hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 eine weitaus pessimistischere Einschätzung der Lage als bislang bekannt: Demnach schätzte der Fed-Chef nur eine von 13 Großbanken als sicher ein (Name wurde nicht genannt), den Rest ortete er am Rande des Konkurses. Der Chefkontrolleur des US-Bankenrettungsfonds TARP, Neil Barofsky, hatte ebenfalls eine vernichtende Bilanz über den Zustand des US-Fiananzsystems gezogen: Mit Milliardenhilfen wurden zwar die Banken gerettet, damit habe man aber gleichzeitig die Saat für die nächste Krise gesät: Den Banken zu zeigen, dass man sie keinesfalls fallenlassen würde sei „ein Rezept für Katastrophen“ und für eine neue Finanzkrise.

 

Sarkozy gegen Rohstoffspekulation und für neues Währungssystem:
Der französische Präsident Sarkozy, der dieses Jahr den Vorsitz der G20 inne hält, hat auf seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dem Kampf gegen die Rohstoff-Spekulation mit strengeren Regeln die höchste Priorität zugeordnet: Die hohen Preise, ob für Öl oder Getreide, würden die Inflation befeuern – und das mache die Welt gefährlicher. Spekulation und Armut würden sich gegenseitig hochschaukeln. Auch der indonesische Präsident Yodhoyono hatte in diesem Zusammenhang vor sozialen Unruhen gewarnt. Ein weiteres Hauptproblem seien die durch die Krise aufgehäuften Schuldenberge der Staaten. Besorgniserregend sei zudem auch das internationale Währungssystem, das nicht wirklich funktioniere und sich noch auf dem Stand des letzten Jahrhunderts befände. Dafür müsste jedoch der Dollar als Leitwährung abgelöst werden. Deutschland und Mexiko leiten derzeit eine entsprechende Arbeitsgruppe innerhalb der G20. Den Euro hingegen verteidigte Sarkozy: „wir werden den Euro niemals aufgeben“. Zu den Währungs- und Finanzungleichgewichten äußerte Sarkozy: „Eines Tages wird etwas Schlimmes eintreten, wenn wir nicht sehr entschieden handeln.“

 

IWF warnt Japan und USA vor Herabstufung der Kreditwürdigkeit:
Die USA und Japan müssten nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) möglichst schnell Pläne zur Sanierung ihrer Haushalte vorlegen. Andernfalls drohe ihnen die Herabstufung durch die Märkte, was höheren Zinsen bei der Kreditaufnahme gleichkäme. Am Mittwoch erst hatte der parteiunabhängige US-Rechnungshof erklärt, dass den USA im laufenden Haushaltsjahr ein neues Rekorddefizit von knapp 1,5 Billionen Dollar bevorstehe – 40% mehr als in der letzten Schätzung vom August. „Die USA stehen vor erschreckenden wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen“, hatte der Rechnungshof kommentiert. Die Ratingagentur Moody’s nannte als einen der Gründe, die zu einer Herabstufung der USA beitrügen, die äußerst umstrittene Verlängerung von Steuererleichterungen für Spitzenverdiener über 200.000 Dollar Jahreseinkommen aus der Amtszeit von Ex-Präsident George W. Bush. Japan wiederum kämpft den 22. Monat infolge mit fallenden Verbraucherpreisen (Deflation). Die Ratingagentur S&P hat das Land daraufhin zum ersten Mal seit 2002 im Rating um eine Note auf AA- herabgestuft (der Ausblick bleibe aber stabil). Zur Begründung hieß es, es fehle ein glaubwürdiger Plan der Regierung der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft, die Rekord-Schulden abzubauen. Damit hat Japan jetzt das gleiche Rating wie China und Saudi Arabien und sogar einen Tick schlechter als Spanien.

 

China verspricht Handelsungleichgewicht abzubauen:
Extreme Handelsungleichgewichte stehen weltweit in der Kritik: sowohl hohe Überschüsse als auch hohe Defizite – die sie sich in einem Nullsummenspiel gegenseitig bedingen. Schuldenländer werden daher aufgefordert, sparsam zu haushalten, Überschussländer hingegen sollen ihre Binnenmärkte entwickeln, indem sie die Kaufkraft ihrer Bürger stärken und somit mehr aus sich selbst heraus wachsen (das ist gleichzeitig auch das beste Rezept gegen exogene Krisen). Einer der beiden „Haupttäter“ bei extremen Überschüssen ist China, das nun angekündigt hat, seine Importe in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln (Handelsüberschuss 2010: 183 Mrd. Dollar). Das zweite Land im Mittelpunkt der internationalen Kritik, das dringend seinen Binnenmarkt stärken müsste, hält sich indes noch zurück und peilt statt dessen erneut die Exportweltmeisterschaft an:

 

Russland lädt zur internationalen Erdölparty:
Nachdem Russland (bzw. der staatliche Ölkonzern Rosneft) erst kürzlich mit BP eine strategische Partnerschaft beschlossen hat, um die gewaltigen, aber schwierig zu fördernden Reserven in der Arktis zu heben, zieht nun der US-Ölkonzern Exxon-Mobil nach. Gemeinsam mit Rosneft will es die Vorkommen im Schwarzen Meer fördern (bis 2.000 m Tiefe). Die Ölkonzerne freuen sich über die Förderkonzessionen, während die russischen Konzerne von dem internationalen Know-how profitieren. Russland verfügt über 24% der weltweiten Gas- und 5,6% der globalen Ölreserven. Verhandlungen über ein Gemeinschaftsprojekt zur Förderung auf dem arktischen Festlandsockel werden derzeit auch mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil geführt.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Ikea-Gründer hortet 11,3 Milliarden Euro in Liechtenstein:
Der Ikea-Gründer und Milliardär Ingvar Kamprad (84) mit festem Wohnsitz im schweizerischen Lausanne soll nach einer schwedischen TV-Dokumentation sein Möbel-Imperium seit gut 30 Jahren über eine bisher geheime Stiftung namens Interogo mit einem Kapital von 11,3 Mrd. Euro mit Sitz in Vaduz in der "Steueroase" Liechtenstein lenken. Den Vorwurf der Steuerhinterziehung weist der Milliardär jedoch entschieden zurück. Er habe mit den Stiftungsmodellen zwischen 2,3 und 3,2 Mrd. Euro Steuern gespart, heißt es. Die rund 300 Ikea-Warenhäuser weltweit müssen über ein Franchise-System drei Prozent aller Umsätze an die internationale Holding Inter Ikea unter Führung der Interogo-Stiftung abführen.

 

Hedge-Fonds-Manager Paulson mit 5-Mrd.-Dollar Rekordgewinn:
Der Hedge-Fonds-Manager John Paulson hat 2010 so viel verdient wie wohl niemand in der Branche zuvor. Er soll laut dem Wall Street Journal in dem Jahr persönlich mehr als fünf Milliarden Dollar verdient haben – der größte Jahresgewinn in der Geschichte der Branche. Paulson hatte bereits 2007 vier Milliarden Dollar Gewinn durch Spekulationen gegen sogenannte Ramsch-Hypotheken erzielt, deren Kursverfall letztlich zwar nicht die alleinige Ursache waren, aber dennoch die Finanzkrise auslösten.

 

Daimler will über künftigen Elektromotor-Partner entscheiden:
Der Stuttgarter Autobauer Daimler will in den kommenden Wochen über seinen künftigen Partner beim Bau von Elektromotoren entscheiden. Dafür stünden drei bis vier Kandidaten aus dem In- und dem Ausland zur Auswahl. Nach Einschätzung des Vorstands Zetsche stehe die Branche derzeit vor einer „zweiten Erfindung des Automobils“. Staatliche Kaufanreize für Elektroautos seien daher für eine künftige Leitfunktion Deutschlands in diesem Segment unerlässlich. Einen Königsweg für das Auto der Zukunft sehe er nicht: Es sei noch nicht abzusehen, was sich letzlich durchsetze: Rein batteriebetriebene Fahrzeuge, Elektroautos mit kleinen Verbrennungsmotoren (Hybrid) oder Brennstoffzellen-Modelle. „Ein Hersteller, der dabei nur auf einen Weg setzt, riskiert die Zukunft seines Unternehmens. Vielleicht nicht schon in fünf, aber spätestens in 25 Jahren wird er dafür bestraft werden.“ In seinem 125-jährigen Jubiläumsjahr beteiligt Daimler zudem etwa 135.000 Beschäftigte mit einer Belohnung von je  3.150 Euro am Erfolg 2010 (insgesamt 425 Mio. Euro). Daneben soll eine Sonderzahlung von 125 Millionen Euro an die 260 000 Mitarbeiter weltweit ausgeschüttet werden. Abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit beträgt sie bis zu 1.000 Euro.

 

Fiat mit 2 Mrd. Euro zurück in der Gewinnzone:
Der italienische Autobauer Fiat konnte seinen operativen Gewinn in 2010 auf über 2 Mrd. Euro verdoppeln und hat damit seine Jahresprognose für 2010 erfüllt. Alle Geschäftsbereiche hätten dazu positiv beigetragen. Der Nettogewinn beläuft sich auf rund 600 Mio. Euro, nach einem Verlust von 848 Mio. Euro im Krisenjahr 2009. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12,3% auf 56,3 Mrd. Euro, 37 Mrd. davon im Autogeschäft und 22 Mrd. im Industriebereich mit Lastwagen sowie Land- und Baumaschinen.

 

Xing- und Facebook-Konkurrent LinkedIn will an die Börse:
Das weltgrößte – im Unterschied zu Facebook (privates Netzwerk) – rein berufliche Online-Netzwerk LinkedIn will an die Börse gehen. LinkedIn verfügt derzeit über 85 Millionen Mitglieder. Zahl und Preisspanne der Aktien sowie das Datum sind jedoch noch unklar. Die Bedeutung der Onlinenetzwerke für Karriere und Beruf nimmt dabei sukzessive weiter zu: Bei einer Befragung unter 548 Unternehmen im Jahr 2010 gaben 59% an, die Reputation der Bewerber online zu überprüfen. 38% hätten sogar schon einmal einen Bewerber aufgrund seiner Darstellung im Internet nicht eingestellt. Laut Umfragen sind sich die Mehrheit der Unternehmen wie Bewerber allerdings grundsätzlich einig, berufliche (XING, Experteer, LinkedIn) und private Netzwerke (Facebook, VZ-Netze) voneinander zu trennen, um damit die Privatsphäre der Nutzer privater Netzwerker zu respektieren.

 

Microsoft überrascht mit Rekordumsatz:
Dank starker Verkäufe des Betriebssystems Windows 7, der Bürosoftware Office und der Spielekonsole Xbox 360 fiel der Gewinn des US-Softwaregiganten Microsoft im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres 2010/11 deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg um 4,9% auf 19,95 Mrd. Dollar, der Gewinn gab leicht auf 6,63 Mrd. Dollar nach (Vorjahresquartal: 6,66 Mrd. Dollar). Aufgrund des Aktienrückkaufprogramms ist jedoch die Anzahl an Aktien gesunken, so dass der Gewinn je Anteilsschein von 0,74 auf 0,77 Dollar stieg.

 

Novartis steigert Gewinn um 18% auf 10 Mrd. Dollar:
Der Baseler Pharmakonzern Novartis hat für das Gesamtjahr 2010 einen Reingewinn von 10 Mrd. Dollar ausgewiesen (+18%). Aufgrund der in 2010 erfolgten 50-Mrd.-Dollar-Übernahme des US-Augenheil-Spezialisten Alcon wuchs der Umsatz um 14% auf 51 Mrd. Dollar.
 

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