Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 28.03.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Staatsdefizit Deutschlands sinkt auf 2,5% Neuverschuldung
2. Deutsche Wirtschaftsstimmung trotzt Katastrophenmeldungen
3. Kanada stolpert über Sozialkürzungen bei gleichzeitiger Aufrüstung
4. Hunderttausende Briten demonstrieren gegen sozialen Kahlschlag

Branchen und Unternehmen:

5. Deutsche Telekom und France Télécom legen Netze zusammen
6. Schaeffler reduziert Beteiligung an Conti zum Schuldenabbau
7. Porsche platziert am Mittwoch neue Aktien
8. Opel setzt auf 30%-Rabatt für Astra
9. Siemens will Ankeraktionär bei Osram bleiben

 

Wirtschaftspolitik:

 

Staatsdefizit Deutschlands sinkt auf 2,5% Neuverschuldung
Das Defizit der öffentlichen Kassen in Deutschland soll im laufenden Jahr 2011 auf 2,5 Prozent des Bruttoninlandsprodukts (BIP) zurückgehen und damit wieder unter die Schuldenobergrenze des Euro-Stabilitätspakts von 3,0 Prozent gefallen. Für 2012 wird ein weiterer Rückgang auf 2,0 und bis 2015 auf 0,5 Prozent angepeilt. Daher sehe die Bundesregierung laut dem Nachrichtenmagazin „der Spiegel“ Spielraum für eine Steuersenkung: „Steuerliche Entlastungen insbesondere von unteren und mittleren Einkommen sollen sobald wie möglich realisiert werden.“ (Neuverschuldung 2008: 11,5 Milliarden Euro; 2009: 34,1 Milliarden Euro; 2010: 44 Milliarden Euro; 2011: 48,4 Milliarden; 2012: 31,5 Milliarden Euro; 2013: 22,3 Milliarden Euro: 2014: 15,3 Milliarden Euro.)

 

Deutsche Wirtschaftsstimmung trotzt Katastrophenmeldungen
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März trotz der noch nicht absehbaren Auswirkungen der Atomkatastrophe in Japan und dem Krieg in Libyen nur leicht eingetrübt und sich damit robuster gezeigt als erwartet. Der ifo-Geschäftsklimaindex ging minimal um 0,2 Punkte von 111,3 im Februar auf nunmehr 111,1 Punkte zurück. Die derzeitige Lage wurde von den 7.000 befragten Unternehmern besser eingeschätzt als im Februar (Anstieg von 114,8 Punkten auf 115,8 Punkte). Leicht Rückläufig waren hingegen die Erwartungen der für die nächsten sechs Monate (von 107,9 Punkten auf jetzt 106,5 Punkte). Der Wert im Februar war der bislang höchste seit der Wiedervereinigung.

 

Kanada stolpert über Sozialkürzungen bei gleichzeitiger Aufrüstung
In Kanada ist zum vierten Mal in sieben Jahren die Regierung gescheitert. Neuwahlen wurden für den 2. Mai angesetzt. Die Opposition hatte der konservativen Minderheitsregierung unter Premier Harper in einem Votum das Vertrauen entzogen. Grund sind empfindliche Einschnitte in die Sozialleistungen des Staates, bei gleichzeitiger Milliardenaufrüstung mit dem technologisch fragwürdigen US-Mehrzweckkampfjet F-35 "Lightning II" (Joint Strike Fighter). Die F-35 war ursprünglich als Tarnkappen-Allrounder (Stealth-Fähigkeit) mit der Fähigkeit zum Supercruise (ohne Nachbrenner dauerhaft schneller als der Schall = schnell und spritsparender) konzipiert. Realisiert wurden jedoch lediglich die ausufernden Kosten. Mit 300 Milliarden Dollar ist das F-35Projekt das teuerste jemals bewilligte Entwicklungsprogramm des Pentagon. Im April 2009 hatten Hacker Terabytes an Daten zu den Details der F-35 aus den Rechnern des Verteidigungsministeriums gestohlen (Kritik: Die F-35 verfügt über lediglich vier interne Waffenpositionen, die lediglich maximal 2 × 900 kg Bombenlast aufnehmen können, zusätzliche Außenlasten reduzieren die ohnehin schon schlecht umgesetzten Tarneigenschaften; die Supercruisefähigkeit wurde nicht realisiert; die Höchstgeschwindigkeit liegt gerade einmal bei Mach 1,6; die F-35 besitzt nur ein Triebwerk, was sie für Störungen sehr anfällig macht; der Kostenrahmen wurde deutlich verzögert und gesprengt). Harper wollte nun an dem Kauf der 65 Maschinen festhalten und gleichzeitig die Sozialleistungen kürzen. Insgesamt sollte der Haushalt bis 2015 ausgeglichen werden (Schuldenquote: 81,7%; Wachstum 2009: -0,8%; Prognose für 2010: +1,2%).

 

Hunderttausende Briten demonstrieren gegen sozialen Kahlschlag
Bei der größten Demonstration in Großbritannien seit der Großveranstaltung gegen den Irakkrieg im Februar 2003 haben in London Hunderttausende gegen die soziale Schieflage des Sparkurses der konservativ-liberalen Koalitionsregierung protestiert. Eine Mehrheit der britischen Bevölkerung lehnt den geplanten sozialen Kahlschlag ab. Dieser sieht die Schließung von Kindergärten und Büchereien vor, Kürzungen bei Schulneubauten, Sparmaßnahmen im Gesundheitsdienst, Lohnkürzungen und Verschlechterungen der Altersversorgung. Die Opposition fordert stattdessen, das Defizit durch Wachstum und faire Steuern zu bewältigen. Großbritannien war als international führender Bankenplatz stark von der Finanzkrise 2007-2009 betroffen: Während in Deutschland die Größe des Finanzsektors relativ zur gesamten Volkswirtschaft knapp 5% des BIP beträgt, liegt der Anteil der britischen Banken an den Gewinnen der britischen Volkswirtschaft bei unglaublichen 15% („Deindustrialisierung“ unter Thatcher). Während jedoch der britische Staat noch mit den Auswirkungen der Krise und der staatlichen Rettungsprogramme kämpft, fahren die britischen Banken bereits wieder Milliardengewinne ein. Der Vorstandschef der Großbank Barclays, der Starinvestmentbanker Bob Diamond, hatte bereits Anfang 2011 die Zurückhaltung bei Banker-Boni für beendet erklärt: „Es gab für uns die Phase des Bedauerns und der Entschuldigungen. Damit muss nun Schluss sein!“ Insgesamt zahlt sich die Londoner City für 2010 wieder 8,4 Mrd. Euro als Boni aus. (Wirtschaftswachstum 2009: -5,0%, Prognose für 2010: 1,0-1,5%; Neuverschuldung 2010/2011 rund 10% des BIP; Anstieg der Staatsverschuldung von 40% im Jahr 2007 auf 80% im laufenden Jahr 2011; Verschuldung der Privathaushalte 2008 mit rund 180% ihres jährlichen Haushaltseinkommens).

 

Branchen und Unternehmen:

 

Deutsche Telekom und France Télécom legen Netze zusammen
Die Deutsche Telekom (Umsatz 2010: 62,4 Milliarden Euro; Netto-Gewinn: 1,8 Milliarden Euro) und France Télécom (Umsatz 2010: 45,5 Milliarden Euro; Netto-Gewinn: 4,88 Milliarden Euro) wollen ihre Kooperation in Ost- und Mitteleuropa ausweiten. So sollen die Netze in Österreich und Rumänien zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen. Der gemeinsame Aufbau eines Netzes der vierten Mobilfunkgeneration in Polen war bereits vor einigen Wochen beschlossen worden.

 

Schaeffler reduziert Beteiligung an Conti zum Schuldenabbau
Der Autozulieferer Schaeffler will seine Beteiligung an Continental von 75% auf 60% reduzieren und damit seinen milliardenschweren Schuldenberg abbauen. Insgesamt lässt das die Verschuldung der Schaeffler Holding um 2,8 auf 4,6 Milliarden Euro sinken. Der Großteil der Verbindlichkeiten entfällt jedoch auf die operativ tätige Schaeffler GmbH (Gesamtschuldenstand inkl. Continental: 23 Milliarden Euro). Schaeffler hatte Mitte 2008 kurz vor der Finanzkrise versucht, das größere Unternehmen Continental zu übernehmen. Angesichts der einbrechenden Märkte waren dann allerdings weit mehr Conti-Aktionäre auf das Übernahmengebot eingegangen als geplant. Die Refinanzierung Schaefflers in Mitten der Finanzkrise war dann nur unter Wucher-Konditionen möglich (15% Zinsen), was die wirtschaftliche Lage des Unternehmens weiter belastete.

 

Porsche platziert am Mittwoch neue Aktien
Die hoch verschuldete Sportwagenbauer Porsche wird am Mittwoch bis zu 131,25 Millionen neue Aktien platzieren. Damit sollen die hohen Verbindlichkeiten bedient werden, die im Zuge der gescheiterten Übernahme des größeren Konkurrenten VW entstanden sind. Die Kapitalerhöhung soll netto rund 4,89 Milliarden Euro einsammeln.

 

Opel setzt auf 30%-Rabatt für Astra
Laut dem CAR-Centers Automotive Research der Universität Duisburg-Essen liegt der Autobauer Opel an der Spitze der Rabattliste unter den deutschen Herstellern. Der Kompaktwagen Astra wird derzeit mit Nachlässen von bis zu 30 Prozent angeboten. Der VW Konkurrent Golf ist dagegen mit einem Rabatt von maximal zehn Prozent erhältlich. Mit dem gegen den Markttrend neu entfachten Preiswettkampf versucht Opel offenbar mehr Marktanteile in Deutschland zu gewinnen, um noch in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

 

Siemens will Ankeraktionär bei Osram bleiben
Für den Herbst dieses Jahres ist der Börsengang der hochprofitablen Siemenstochter und Lichtspezialisten Osram geplant. Allerdings will Siemens „ein stabiler Ankeraktionär bleiben“ (25 plus X Prozent). Osram hat 2010 einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro erzielt, mit einer hoch profitablen Umsatzrendite von 12,2 Prozent.
 

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