Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 28.04.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Renditen für griechische Staatsanleihen steigen auf 25 Prozent
2. DIW: Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent realistisch
3. Arbeitslosenzahl sinkt auf 3,078 Millionen
4. 89% zufrieden mit der Arbeit, aber 38% beklagen schlechte Bezahlung
5. Inflation von 2,4 Prozent verteilt gestiegene Einkommen um
6. Indien will für 10 Mrd. Dollar 126 „Eurofighter“ Kampfjets
7. USA fluten die Welt weiterhin mit billigem Geld
8. Japans Industrieproduktion um 15,3 Prozent eingebrochen
9. Türkei plant 20-Mrd.-Kanal zur Entlastung des Bosporus

Branchen und Unternehmen:
10. VW verdreifacht Gewinn auf netto 1,7 Mrd. Euro
11. Volvo Group verdoppelt den Gewinn
12. Scania verdient 57% mehr
13. Bayer verdient 2,2 Mrd. bei einem Umsatz von 9,4 Mrd. Euro
14. Johnson & Johnson übernimmt Synthes für 21,3 Mrd. Dollar

 

Wirtschaftspolitik:

 

Renditen für griechische Staatsanleihen steigen auf 25 Prozent
Die Rendite für zweijährige griechische Staatsanleihen stiegen am Mittwoch erstmals über die Marke von 25 Prozent (die Rendite für deutsche Staatspapiere mit entsprechender Laufzeit liegt bei 1,76 Prozent). Zehnjährige Papiere rentierten mit 16,407 Prozent. Da sich Griechenland jedoch derzeit über den europäischen Rettungsfonds finanziert, hat das noch keine Konsequenzen für das Land. Eine schnelle Rückkehr an die Kapitalmärkte wird dadurch allerdings immer unwahrscheinlicher. In der Reaktion wird an den Finanzmärkten weiter über eine Umschuldung von Griechenland spekuliert. So kritisiert auch der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco (Tochter des Versicherers Allianz), im Falle Griechenlands sei bereits eine zu große Schuldenlast auf öffentliche Institutionen und die Steuerzahler abgewälzt worden. Pimco empfiehlt daher „eine möglichst freiwillige und ordentliche Umschuldung“. Pimco-Chef Mohamed El-Erian: “Die bisherigen Lösungsversuche für Griechenland haben nicht funktioniert. Und viele, mich eingeschlossen, glauben auch nicht daran, dass sie künftig funktionieren werden.“ Griechenland benötige daher neben Sparsamkeit und Strukturreformen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit. Neben Liquiditätshilfen gehöre dazu auch eine Umschuldung. Obwohl Griechenland seit einem Jahr große Opfer bringe, sei es weit davon entfernt, seine wirtschaftliche und finanzielle Stabilität wiederzuerlangen. Die Konsequenz müsste daher lauten „Rettungsversuche aufzugeben, wenn sie nicht funktionieren und auch künftig nicht funktionieren werden.“ Eine Umschuldung bedeutet, dass die Inhaber dieser Staatsanleihen, beispielsweise durch eine Streckung der Rückzahlung oder durch einen "hair cut" nach dem Rasenmäherprinzip, auf Teile ihrer Forderungen verzichten müssen.

 

DIW: Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent realistisch
Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um starke 0,9 Prozent zugelegt. Für das zweite Quartal werden 0,6 Prozent prognostiziert. Grund sei eine leichte Abschwächung des Nachholeffekts der Bauwirtschaft. Auf das Jahr hochgerechnet würde das ein Wachstum von 3,0 Prozent bedeuten. Risiken bergen das weltwirtschaftliche Umfeld, der gestiegene Ölpreis und die durch die Staatsschulden nervöser werdenden Finanzmärkte. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geht für Deutschland bislang von einem Wachstum von 2,8 Prozent aus, die führenden Forschungsinstitute haben in ihrem Frühjahrsgutachten ebenfalls 2,8 Prozent prognostiziert, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhöhte seine Konjunkturprognose kürzlich auf „etwas mehr“ als 2,5 Prozent.

 

Arbeitslosenzahl sinkt auf 3,078 Millionen
Die Arbeitslosenzahl ist im April im Vorjahresvergleich um 321.000 auf 3,078 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote ging damit im Monatsvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent zurück. Von den drei Millionen Arbeitslosen sind rund eine Millionen Arbeitslosengeld 1 Bezieher, das maximal ein Jahr lang ausbezahlt wird. Sie waren also unmittelbar vor ihrer Arbeitslosigkeit noch beschäftigt. Zwei Drittel sind Hartz IV Bezieher. Arbeitslose, die eine Fortbildung besuchen, werden in der Statistik jedoch nicht mitgezählt, genauso wenig wie diejenigen, die auf eigene Faust nach Arbeit suchen, ohne sich bei der Bundesagentur zu melden.

 

89% zufrieden mit der Arbeit, aber 38% beklagen schlechte Bezahlung
Laut einer Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Stern“ sind 89 Prozent der Deutschen mit ihrer Arbeit zufrieden, davon 40 Prozent sogar sehr zufrieden. Am zufriedensten sind dabei Beamte und Frauen. Beamte und Angestellte sind zu 42 Prozent sehr zufrieden, Arbeiter hingegen nur zu 24 Prozent. Nach Geschlecht gelistet fühlen sich 43 Prozent der Frauen sehr zufrieden am Arbeitsplatz, gegenüber 36 Prozent der Männer. Allerdings beklagten zugleich 38 Prozent der Beschäftigten, sie würden nicht angemessen bezahlt – dies äußerten vor allem Frauen und Arbeiter.

 

Inflation von 2,4 Prozent verteilt gestiegene Einkommen um
Den ausufernden Gewinnen der Mineralölkonzerne (Shell hatte 2010 seinen Nettogewinn um 61 Prozent auf 20,13 Milliarden Dollar gesteigert – im ersten Quartal 2011 steigerte es seinen Nettogewinn erneut um 60 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar allein in den ersten drei Monaten; den Rekord hält jedoch Exxon Mobil mit 45,2 Milliarden Dollar im Rohstoffspekulationsjahr 2008) und den Tradern an den Spotmärkten für Öl sei für eine hohe Inflation von 2,4 Prozent gedankt – laut statistischem Bundesamt waren erneut leichtes Heizöl und Kraftstoffe die hauptsächlichen Preistreiber. Schade, dass das Wirtschaftswachstum und das erste Plus in den Taschen der Verbraucher seit langem sofort wieder in die gierigen Taschen anderer wandert, die daran keinerlei Verdienst haben… Schade auch, dass die Politik der Rohstoffspekulation zulasten der realen Wirtschaft keinen Einhalt zu bieten vermöchte. Spekulation ist keine Investition und schadet jedem, der kein Spekulant ist. Mehr noch, Spekulanten treiben die Armut weltweit, bereichern sich ohne eigene Wertschöpfung und haben im Bereich der Agrarrohstoffe Tausende von Hungertoten auf ihrem Gewissen („70 Prozent der Preisaufschläge sind den Spekulanten geschuldet“, so Klaus Josef Lutz, Vorstandschef von Europas größtem Agrarhändler Baywa). Die Verbraucherpreise legten im Vorjahresvergleich um 2,4 Prozent zu, verglichen mit dem Vormonat März waren es 0,2 Prozent. Eine so hohe Inflationsrate war zuletzt im Oktober 2008 verzeichnet worden, als die Finanzhändler kurz vor der Wirtschaftskrise aus den unsicherer werdenden Anlagen raus spekulativ in die Rohstoffe hinein flüchteten. Die Inflation übertrifft damit die Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei Teuerungsraten bis knapp unter 2,0 Prozent die Preisstabilität gewahrt sieht. Allerdings reagierte die EZB kürzlich auf das Anziehen der Rohstoffpreise mit einer Zinserhöhung anstatt ein Eindämmen der Rohstoffspekulation anzustrengen – durch die Zinserhöhung werden Kreditnehmer wie die Schuldengeplagten Staaten der Euro-Zone zusätzlich belastet.

 

Indien will für 10 Mrd. Dollar 126 „Eurofighter“ Kampfjets
Der wahrscheinlich größte Auftrag für Kampfjets in diesem Jahrzehnt geht in die Endrunde. Indien will insgesamt 10 Milliarden Dollar investieren. Dafür gäbe es 126 Modelle des Typs Eurofighter. Als größter Konkurrent wird die französische Rafale angesehen. Indien fordert, dass die Endmontage t auf dem Subkontinent stattfindet, das Land Einblicke in die Technologie erhält, sowie dass 50 Prozent des Auftragswertes in indische Rüstungsunternehmen investiert werden müssen. 

 

USA fluten die Welt weiterhin mit billigem Geld
Zum ersten Mal in der Geschichte hat ein US-Notenbankchef öffentlich Rede und Antwort zu seiner Zinsentscheidung gestanden. Fed-Chef Bernanke kündigte dabei an, den Leitzins unverändert zwischen Null und 0,25 Prozent zu belassen und damit die Politik des billigen Geldes fortzusetzen. Des Weiteren werde zwar das 600-Milliarden-Dollar-Programm zum Kauf amerikanischer Staatsanleihen (Neuverschuldung) wie geplant Ende Juni auslaufen, die Einnahmen von auslaufenden Papieren und Hypotheken im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar sollen allerdings wieder in den Ankauf weiterer Anleihen investiert oder umgeschichtet werden. Der Ankauf von Staatsanleihen in so großem Umfang bedeutet faktisch, dass die Fed mehr Geld in Umlauf bringt und damit quasi frisches Geld druckt. Dadurch werden die internationalen Finanzmärkte weiterhin mit neuen Milliardensummen geflutet, die ihre best möglichen "Investments" suchen und in jüngerer Zeit durch massive Spekulationen in den Rohstoffmärkten die reale Wirtschaft von Angebot und Nachfrage durcheinander bringen (von der Politik bislang nicht unterbunden – für den Unterschied zwischen Investition und Spekulation siehe den Artikel „Crashkurs (3): Spekulieren mit Rohstoffen“ aus der Süddeutschen Zeitung). Heutzutage wird für diese Geldvermehrung allerdings nicht mehr die Notenpresse angeworfen, die das Volumen gar nicht bewerkstelligen könnte. Stattdessen kauft die Zentralbank von den Banken des Landes Wertpapiere sowie auch Staatsanleihen und schreibt dann den Kaufpreis auf deren Konto bei der Zentralbank gut. Seit September 2008 hat die US-Zentralbank auf diese Weise neu geschaffene 1,7 Billionen Dollar in die Märkte gepumpt. Bernanke wehrt sich allerdings gegen den Vorwurf, mit seiner Geldpolitik den Dollar zu entwerten. Ein starker Dollar würde im Interesse der USA liegen. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass eine gezielte Währungsmanipulation (analog zu der Chinas) zur Schwächung des Dollars den US-Interessen ebenfalls in die Hände spielen würde: US-Exporte werden billiger, was der US-Wirtschaft helfen würde (Wettbewerbsfähigkeit), und die Schulden würden entwertet, was eine Rückzahlung erleichtert. Parallel bedeutet das jedoch auch, da der US-Dollar die hauptsächliche Weltreservewährung ist, dass die Dollarbestände der anderen Zentralbanken weltweit an Wert verlieren. Für die US-Wirtschaft selbst senkte Bernanke die Prognosen vom Januar herab: So werde das Wirtschaftswachstum dieses Jahr zwischen 3,1 bis 3,3 Prozent betragen (zuvor: 3,4 bis 3,9 Prozent). Die Arbeitslosigkeit werde bis Ende des Jahres auf 8,4 bis 8,7 Prozent zurückgehen und bis Ende 2013 dann auf 6,2 bis 6,8 Prozent. Die Inflationsrate werde den hohen Wert von 2,1 bis 2,8 Prozent betragen – vor allem aufgrund der stark steigenden Rohstoffpreise.

 

Japans Industrieproduktion um 15,3 Prozent eingebrochen
Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo ist die Industrieproduktion Japans aufgrund der Naturkatastrophe vom 11. März um 15,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote liege allerdings unverändert bei 4,6 Prozent.

 

Türkei plant 20-Mrd.-Kanal zur Entlastung des Bosporus
Die Bosporus-Meerenge ist eine der meist befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. Zur Entlastung plant die türkische Regierung nun den Bau eines rund 50 Kilometer langen Kanals an der Küste der 15-Millionen-Metropole Istanbul. Der Kanal soll laut Ministerpräsident Erdogan eine Tiefe von 25 Metern und eine Breite zwischen 145 und 150 Metern aufweisen. Damit könnte er sogar von den größten Schiffen befahren werden. Erdogan: „Das ist ein Energie-, Transport-, Wissenschafts- und städtebauliches Projekt zugleich (…) [und] eines der größten Projekte des 21. Jahrhunderts“. Der Investitionsbedarf wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Vergleich: Der Panamakanal ist 81,6 Kilometer lang, weist eine zwölf Meter tiefe Fahrrinne aus und die Mindestbreite beträgt 152,4 Meter, die größte Breite 304,8 Meter.


Branchen und Unternehmen:

 

VW verdreifacht Gewinn auf netto 1,7 Mrd. Euro
Der Volkswagen-Konzern setzt seine Rekordserie fort: Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um rund ein Drittel auf 37,5 Milliarden Euro, während sich der Gewinn sogar auf netto 1,7 Milliarden Euro verdreifachte (operatives Ergebnis: 2,9 Milliarden Euro). Die Zahl der ausgelieferten Autos stieg um 14 Prozent auf rund zwei Millionen Einheiten. VW-Chef Martin Winterkorn: „Volkswagen ist 2010 auf die Überholspur gegangen. Und genau dort wollen wir auch im laufenden Jahr bleiben.“ Ende März verfügte VW über eine Nettoliquidität von 19,65 Milliarden Euro, das sind 38 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Den größten operativen Gewinn steuerte Audi mit 1,11 Milliarden Euro vor der Marke VW mit1,06 Milliarden Euro bei.

 

Volvo Group verdoppelt den Gewinn
Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo, Nummer zwei der Branche nach Daimler, hat seinen Gewinn im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Das operative Ergebnis betrug 730 Millionen Euro, der Nettoertrag 471 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 22 Prozent. Die Bestellungen legten um 40 Prozent zu.

 

Scania verdient 57% mehr
Der schwedischen Volkswagen-Tochter Scania (Lkw) gelang in den ersten drei Monaten ein Gewinnsprung um 57 Prozent. Das operative Ergebnis für das erste Quartal betrug damit 370 Millionen Euro.

 

Bayer verdient 2,2 Mrd. bei einem Umsatz von 9,4 Mrd. Euro
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat im ersten Quartal seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 22,3 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro gesteigert. Die Erwartungen der Analysten gingen von 2,08 Milliarden Euro aus. Der Umsatz legte um 13,2 Prozent auf 9,415 Milliarden Euro zu. Gewinntreiber war vor allem das Geschäft mit Agrochemikalien. Der bereinigte operative Gewinn soll nun von 7,1 im vergangenen Jahr auf über 7,5 Milliarden Euro steigen.

 

Johnson & Johnson übernimmt Synthes für 21,3 Mrd. Dollar
Der US-Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson übernimmt für 21,3 Milliarden Dollar das Schweizer Medizintechnikunternehmen Synthes. Das entspricht einem Aufschlag von 8,5 Prozent auf den Unternehmenswert. Die Transaktion ist bereits von den Verwaltungsrätne beider Gesellschaften genehmigt. Synthes ist auf Implantate und chirurgisches Zubehör spezialisiert. Johnson & Johnson erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes mit Medizintechnik.
 

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