Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 29.10.2010

1. DIHK-Umfrage | Rohstoffsorgen und Facharbeitermangel:
2. Unter drei Millionen Arbeitslose in Deutschland:
3. Doppelbesteuerung | 2 Mrd. Euro Mehreinnahmen durch Selbstanzeigen 2010:
4. China will seine Währung um 3-5% pro Jahr aufwerten:
5. USA verhängen 59%-Strafzoll auf chinesisches Spezial-Aluminium:
6. Neues Finanzprodukt unterstützt Banken bei Basel III:
7. Deutsche Autos schneiden beim US-Pannentest schlecht ab:
8. Operativer Gewinnsprung bei Daimler auf über 7 Mrd. Euro:

 

DIHK-Umfrage | Rohstoffsorgen und Facharbeitermangel:

Eine aktuelle Umfrage der DIHK belegt, dass deutsche Unternehmen besonders zwei Dinge fürchten: Knappheit an Rohstoffen und Sorge vor dem Fachkräftemangel. Besonders bei den als Seltene Erden bezeichneten Hightech-Metallen kommt es aufgrund der Exportbeschränkungen des 97-prozentigen Monopolisten Chinas zu starken Preissteigerungen (zum Teil Versiebenfachung) und Engpässen. Dies beunruhigt mittlerweile 44% der befragten Unternehmen. Anfang des Jahres waren es noch 37%. (Allerdings zeichnet sich hier Entspannung ab: siehe hier). Die Zahl der befragten Unternehme, die den Facharbeitermangel als bedrohlich einschätzen stieg von 16% zu Jahresanfang auf nun 27%. Hierzu warb DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann bei den Arbeitszeiten verstärkt die Familienfreundlichkeit zu berücksichtigen: "Durch flexiblere Teilzeitmodelle lässt sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern. (…) Gerade hier steckt hohes Fachkräftepotential." Dies sei zum Vorteil von Beschäftigten und Betrieben.

 

Unter drei Millionen Arbeitslose in Deutschland:
Die Anzahl der Arbeitslosen ist im Oktober um 86.000 erstmals seit 18 Jahren auf einen Wert unter drei Millionen gesunken. Erfreulich auch, da jeder neue Arbeitsplatz in der momentan stattfindenden Dynamik die extrem wichtige Binnenkonjunktur weiter anzukurbeln vermag. Bundeswirtschaftsminister Brüderle nannte die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als „stabil“. Die Kehrseite beleuchtet jedoch DGB-Vorsitzende Michael Sommer: Die Leiharbeit boomt. In Deutschland arbeiten laut Sommer derzeit 2,2 Millionen Menschen für einen Stundenlohn von weniger als sechs Euro. 1,3 Millionen Beschäftigte beziehen zusätzlich staatliche Unterstützung. Die Leih- oder Zeitarbeit sei in den letzten Monaten sprunghaft von 704.000 im Juni auf mittlerweile über eine Million angestiegen. Die Stahlindustrie hat hier Ende September einen Vorbildcharakter gezeigt: Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten sich darauf geeinigt, dass Leiharbeiter künftig genauso bezahlt werden, wie die Stammbelegschaft. In Frankreich und den Niederlanden schon längst üblich, um Verwerfungen und staatlich gefördertes Lohndumping (Aufstocker) zu vermeiden.

Doppelbesteuerung | 2 Mrd. Euro Mehreinnahmen durch Selbstanzeigen 2010:
Bundesfinanzminister Schäuble hat angekündigt, nach dem mit der Schweiz geschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen gegen deutsche Steuerflüchtlinge könne künftig auf weitere „Bankdatenkäufe verzichtet“ werden. Die gefundene Einigung sei zudem ein Modell für eine europäische Lösung. Aus Angst vor den sie erwartenden Strafen – ausgelöst durch zahlreiche CDs mit den Bankdaten der deutschen Gesetzesumgeher – haben 2010 bereits 25.000 reuige Steuerhinterzieher mit Schweizer Schwarzgeldkonten Selbstanzeige erstattet. Sie nutzen damit die Möglichkeit, sich selbst anzuzeigen, die hinterzogenen Steuern plus Zinsen nachzuzahlen und dadurch straffrei auszugehen. Der deutsche Fiskus kann durch diese 25.000 Selbstanzeigen in 2010 mit einem Plus von voraussichtlich mindestens zwei Milliarden Euro an Steuereinnahmen rechnen.

 

China will seine Währung um 3-5% pro Jahr aufwerten:
Die chinesische Zentralbank hat in Aussicht gestellt, künftig die Währung Yuan um drei bis fünf Prozent pro Jahr aufzuwerten. Grundlage für eine Aufwertung bleibe jedoch die heimische Wirtschaft, nicht der äußere Druck. Die USA sehen den Yuan um mindestens 40% unterbewertet, der IWF um rund 27%.  Internationale Forderungen nach einer schnelleren Aufwertung weist die chinesische Zentralbank stets als Schocktherapie zurück.

 

USA verhängen 59%-Strafzoll auf chinesisches Spezial-Aluminium:
Nach jahrelangen Forderungen der US-Stahlindustrie hat das US-Handelsministerium am Donnerstag einen zusätzlichen Zoll auf Spezial-Aluminium aus China in Höhe von 59% verhängt. Damit sollten die chinesischen Dumping-Preise ausgeglichen werden. Die USA hatten bereits im August eine Reihe von Zöllen auf chinesische Produkte erhöht, um nach eigener Darstellung die Vorteile der Hersteller durch staatliche Subventionen auszugleichen. Wirtschaftlicher Protektionismus ist in der Regel jedoch ein zweischneidiges Schwert: Es bleibt abzuwarten, mit welchen Mitteln China hierauf reagieren wird.

 

Neues Finanzprodukt unterstützt Banken bei Basel III:

Der Kreditfondsmanager Christofferson Robb & Company (CRC) hat ein innovatives Finanzprodukt entwickelt, um der europäischen Finanzbranche bei den strengeren Eigenkapitalregeln Basel III zu helfen. Die im September getroffene Vereinbarung Basel III sieht als Reaktion aus der Finanzkrise deutlich höhere Eigenkapitalquoten der Banken vor, um sie für künftige Krisen widerstandsfähiger zu machen. Der Fonds plant nun Investitionen zur „regulatorischen Erleichterung“ mit Blick auf das Bankenkapital. Mittels "bilateralen synthetischen Verbriefungen" wird ein kleiner Teil des Risikos für der riskantesten Teile eines abgetrennten Pools von Bankaktiva übernommen. Die Institute bekommen dadurch einen Puffer für die ersten eventuell anfallenden Verluste. Dieser „bedeutsame Risikotransfer“ von riskanten Vermögenswerten bedeutet für die Banken, dass sie weniger Geld für den Fall vorhalten müssen, dass diese Aktiva notleidend werden. Dadurch könnte beispielsweise die Geldmenge, die eine Bank für einen Pool von Unternehmenskrediten im Volumen von 3 Mrd. Euro vorhalten muss, um bis zu 85% sinken. Der Fonds strebt über seine Laufzeit eine durchschnittliche jährliche Rendite von 20% an. Die Schweizer Credit Suisse hat bereits angekündigt, 800 Mio. Dollar hierfür aufzubringen. Laut der Financial Times bereiten weitere Banken ähnliche Projekte vor.

 

Deutsche Autos schneiden beim US-Pannentest schlecht ab:
Bei dem us-amerikanischen Äquivalent zum ADAC-Pannentest, dem jährlichen "Consumer Report" haben die deutschen Automobilmarken Mercedes, BMW und Audi schlecht abgeschnitten. An der Umfrage hatten sich 1,3 Mio. Autofahrer beteiligt, ihr wird großen Einfluss auf das Kaufverhalten der Amerikaner nachgesagt. Als zuverlässigste Familienlimousine wurde der Ford Fusion gekürt, vor dem Honda Accord und dem Toyota Camry. Gemessen an der Gesamtflotte belegten Toyota und Honda die Spitzenplätze. Als größtes Problem der deutschen Premiumhersteller wurde die Elektronik bezeichnet. Mercedes meldete Zweifel an der grundsätzlichen Methodik der Umfrage an, die Erhebung sei sehr intransparent. "In allen anderen Studien liegen wir bei der Qualität unter den ersten zehn." Volkswagen und Porsche schnitten überdurchschnittlich ab: Golf und Jetta landeten über dem Durchschnitt und der Porsche Boxster schaffte es sogar an die Spitze seiner Klasse.

 

Operativer Gewinnsprung bei Daimler auf über 7 Mrd. Euro:
Nach den glänzenden Quartalszahlen von BMW, Audi und VW hat nun auch Daimler seine Ergebnisse offen- und sogar noch einen draufgelegt. Der Autobauer Daimler hat seine Erwartungen für 2010 zum dritten Mal in diesem Jahr nach oben korrigiert. Das Stuttgarter Unternehmen rechnet nun mit einem Jahresergebnis vor Steuern und Zinsen von mehr als 7 Mrd. Euro. Ergebnistreiber sind die Marken Mercedes und die LKW-Sparte. Anfang des Jahres hatte der Konzern noch mit einem Jahresergebnis von 2,3 Mrd. Euro gerechnet. Die während der Krise von der Kurzarbeit betroffene Belegschaft und die 2009 leer ausgegangenen Aktionären machen sich nun Hoffnungen auf eine Beteiligung an den – gemessen an den Prognosen zu Jahresanfang – verdreifachten Gewinnen.

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