Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 30.03.2011

1. Atomstrom wird durch Neubewertung des Risikos absurd teuer
2. EU lässt Import von radioaktiv verstrahlten Lebensmitteln zu
3. Rating von Portugal erneut gesenkt
4. Klonfleisch in der EU künftig ohne Kennzeichnung
5. Schäden aus Naturkatastrophen 2010 auf 218 Mrd. Dollar verdreifacht
6. Deutschland weltweit Nummer 2 bei Erneuerbaren Energien
7. China gefragtester Investitionsstandort für deutsche Unternehmen
8. Verstrahlter japanischer Frachter zurückgeschickt
9. Commerzbank will durch Kapitalerhöhung unabhängig werden

 

Atomstrom wird durch Neubewertung des Risikos absurd teuer

Die mögliche Schadenssumme eines Super-GAUs in einem AKW ist laut der Münchner Rück aufgrund der enormen Dimensionen nicht versicherbar. Nach Berechnungen des Schweizer Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) könnte ein Super-GAU Schäden von bis zu 4.000 Milliarden Franken verursachen. Das Bundesumweltministerium spricht für einen analogen Fall in Deutschland von bis zu 5.000 Milliarden Euro. Dagegen sind die AKWs in der Schweiz mit einer vom Gesetz vorgeschriebenen Versicherungsdeckung von derzeit einer Milliarde Franken restlos unterversichert – für alles, was darüber hinausgehen würde, müsste der Staat und die Steuerzahler aufkommen. Die vier AKW-Betreiber in Deutschland haften gemeinsam bis zu einer Schadenssumme von 2,5 Milliarden Euro. Die möglichen Folgekosten im Katastrophenfall – sowie auch die Kosten der bislang ungelösten Endlagerung – sind jedoch in den angeblich preiswerten Atomstrom nicht eingepreist, wodurch ein direkter Vergleich mit den immer preiswerter werdenden und risikolosen Erneuerbaren Energien verhindert wird.

Die Versicherungssumme eine AKWs ergibt sich allgemein aus der Formel Schadensausmaß mal Eintretenshäufigkeit und nicht aus dem Schadensausmaß allein. Allerdings hat Fukushima nun dieses Restrisiko erhöht: Nach der Kernschmelze in Harrisburg 1979, der Katastrophe von Tschernobyl 1986 und der zumindest partiellen Kernschmelze in drei Reaktoren im japanischen Fukuschima auf einmal, hat sich nun statistisch die Eintrittwahrscheinlichkeit einer gravierenden Katastrophe pro Reaktor auf 0,87 Prozent, also auf rund 1 zu 110 erhöht (5 Kernschmelzen bei 447 laufenden und 125 bereits stillgelegten Reaktoren = 0,87 Prozent). Dadurch müsste nun auch die bisher kalkulierten Versicherungssummen ansteigen. Wenn der Preis für Atomstrom jedoch die realen Kosten abbilden würde – analog müssten die Fossilen die Kosten des Klimawandels beinhalten – dann wären jetzt schon die Erneuerbaren Energien konkurrenzlos günstig und das Milliardenmonopol der Energiewirtschaft (in Deutschland beherrschen die vier Energieriesen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall mehr als 80% des Energiemarktes) gebrochen. Laut Greenpeace betragen somit die realen Kosten des Atomstroms rund 2,70 Euro pro Kilowattstunde – das ist weder bezahlbar noch wettbewerbsfähig. Zum Vergleich: Windenergie wird mit 9,2 Cent pro kWh vergütet.

 

EU lässt Import von radioaktiv verstrahlten Lebensmitteln zu

Die EU hat mittels einer Eilverordnung die Grenzwerte für radioaktive Belastung für den Import von Lebensmitteln aus Japan erhöht. Bislang galt ein Höchstwert von 600 Becquerel/Kilogramm (Bq/kg) für die kumulierte Radioaktivität von Cäsium 134 und Cäsium 137 in Lebensmitteln. In der Eilverfügung wurden die Höchstgrenzen auf 400 Bq/Kg für Säuglingsnahrung, auf 1000 Bq/Kg für Milchprodukte und auf 1250 Bq/Kg für alle anderen Nahrungsmittel erhöht. Bei Lebensmitteln mit einer so genannten geringeren Bedeutung wie Knoblauch, Zimt oder Fischöl ist sogar der bis zu 20-fach erhöhte Wert zugelassen. Dadurch wird es nun auch möglich, bislang über den Grenzwerten liegende Lebensmittel aus der Umgebung von Tschernobyl einzuführen. In der Kritik steht auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), da sie für die Anhebung keine Begründung gegeben hat. Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch: „Die Ministerin redet nur von verstärkten Kontrollen und verschweigt, dass gleichzeitig die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel gesenkt wurden. Frau Aigner enthält der Öffentlichkeit wichtige Informationen vor – so gewinnt sie sicher nicht das Vertrauen der Bürger.“

 

Rating von Portugal erneut gesenkt
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Bonitätswertung für Portugal erneut gesenkt. Nur vier Tage nach der letzten Abstufung setzte S&P die Kreditwürdigkeit des Landes von "BBB" auf "BBB-" herab. Zur Begründung hieß es, dass Portugal wahrscheinlich unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen und daher seine Schulden neu ordnen müsse (was allerdings die Wahrscheinlichkeit einer Sanierung erhöht, allerdings eventuell unter Einbeziehung privater Gläubiger – Streckung der Rückzahlung). Portugal musste daraufhin am Dienstag so hohe Zinsen auf neue Staatsemissionen zahlen wie nie zuvor. Für zehnjährige Staatsanleihen stiegen sie auf 8,238 Prozent. Analysten zufolge drohe Portugal allerdings bereits ab einem dauerhaft ungesund hohen Zinssatz von rund fünf Prozent der Staatsbankrott. S&P stufte gleichzeitig auch die Kreditwürdigkeit von Griechenland von "BB+"auf "BB-" herab. Die alle in New York ansässigen drei Ratingagenturen stehen allerdings nicht nur wegen ihrer Unfähigkeit im Vorfeld der Finanzkrise in massivster Kritik: Verabschieden Krisenländer Reformen, wird ihre Kreditwürdigkeit herabgestuft, weil kurzfristig die Wirtschaftsdynamik nachlassen würde. Verabschieden sie keine, droht ihnen ebenfalls eine Abstufung, weil sie notwendige Strukturreformen nicht anpacken würden.

 

Klonfleisch in der EU künftig ohne Kennzeichnung
Ein Vorstoß des EU-Parlaments zum Verbot bzw. zur Kennzeichnung von Erzeugnissen geklonter Tiere (Fleisch, Milch) ist gescheitert. Die Kennzeichnungspflicht ist dabei an der Sperrminorität von Deutschland, Schweden, Großbritannien, den Niederlanden und einiger anderer Länder gescheitert. Laut der amtierenden ungarischen EU-Ratspräsidentschaft sei das Parlament „unfähig für einen Kompromiss“ gewesen. Von Seiten des Parlaments hieß es hingegen: „Offenbar wollen die Mitgliedsstaaten, dass die Verbraucher Klonfleisch essen, ohne dies zu erfahren.“ Laut Peter Liese (CDU), dem gesundheitspolitischen Sprecher der konservativen EVP-Fraktion im Parlament habe Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) einen Kompromiss vorgeschlagen, den aber ihr liberaler Kollege, der Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), „bis zuletzt blockiert“ habe. Nach dem Scheitern der Verhandlungen wird es weiterhin keine Kontrolle über Klontechniken und Klone in Europa geben wird.

 

Schäden aus Naturkatastrophen 2010 auf 218 Mrd. Dollar verdreifacht
Laut dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re haben sich die weltweiten Schäden aus Naturkatastrophen im vergangenen Jahr auf Kosten in der Höhe von 218 Milliarden Dollar (155 Milliarden Euro) belaufen. Damit liegt die Schadenssumme etwa dreimal so hoch wie im Vorjahr. Die Versicherungswirtschaft musste dafür rund 43 Milliarden Dollar (30,6 Milliarden Euro) aufbringen, über 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Toten hat sich im Vergleich zu 2009 von 15.000 auf 304.000 Opfer erhöht: Davon gehen allein 222.000 Tote auf das Erdbeben in Haiti zurück, 56.000 Todesopfer forderte die von massiven Wald- und Torfbränden begleitete Rekord-Hitzewelle in Russland und 6.200 Menschen starben bei den gewaltigen Überschwemmungen in Pakistan und China.

 

Deutschland weltweit Nummer 2 bei Erneuerbaren Energien

Laut einer aktuellen US-Studie der Pew-Umweltgruppe rangiert Deutschland auf Platz zwei der größten Investoren in Erneuerbare Energien. Demnach hat China 2010 rund 54,4 Milliarden Dollar in den Ausbau der grünen Technologien investiert. Deutschland folgt mit 41,2 Milliarden Dollar (29,2 Milliarden Euro) und auf Rang drei die USA mit 34 Milliarden Dollar.

Bezogen auf die Windenergie wurden im Jahr 2010 weltweit rund 35.800 MW an installierter Leistung hinzugebaut (Rekordwert 2009: 38.000 MW). Davon wurden 16.500 MW in China errichtet (ein modernes AKW entspricht rund 1.200 MW), womit China weiterhin der größte Windenergiemarkt weltweit bleibt. In den USA halbierte sich der Zubau bei Windenergieanlagen nahezu auf rund 5.100 MW. Auf Rang drei folgt mit 2.100 MW Indien vor Spanien und Deutschland mit jeweils etwa 1.500 MW. Damit stieg die Gesamtleistung der weltweit installierten Windenergieanlagen Ende 2010 auf 195.000 MW. Mit einer Gesamtkapazität von über 42.000 MW hat China dabei die USA (etwa 40.000 MW) überholt. Auf Rang drei folgt Deutschland (27.000 MW), vor Spanien (20.000 MW) und Indien (13.000 MW). Die Photovoltaikbranche setzte 2010 weltweit rund 82 Milliarden Dollar (rund 59 Milliarden Euro) um. Der PV-Markt wuchs damit um 139%, der Zubau betrug 18.200 MW auf insgesamt rund 40.000 MW. Die größten PV-Märkte mit zusammen 80 % der weltweiten Nachfrage waren Italien, Deutschland, Tschechien, Japan und die USA. 81% des weltweiten Zubaus entfielen auf Europa (14.700 MGW). Bei der Solarzellen-Produktion haben Suntech und JA Solar den Modulhersteller First Solar von seiner Spitzenposition verdrängt. 59% der produzierten Module kamen aus China und Taiwan, 13,5% aller produzierten Module waren Dünnschichtmodule. Die Preise für kristalline Si-Module sanken im Jahresverlauf 2010 ab Fabrik um 14% (2009: 38%). Innert der nächsten fünf Jahren sollen die Modulpreise ab Fabrik im Vergleich zu 2010 um weitere 37-50% sinken. Damit werden weltweit derzeit 13% der globalen Primärenergieversorgung und 19% der globalen Stromproduktion durch erneuerbare Energien gedeckt. Dabei fällt der Wasserkraft in der Stromproduktion die größte Bedeutung zu: 16% des Stroms werden weltweit mit Wasserkraft erzeugt.

 

China gefragtester Investitionsstandort für deutsche Unternehmen
Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages planen 43% der deutschen Unternehmen, die 2011 im Ausland investieren wollen, den Aufbau neuer Vertriebs- oder Fertigungskapazitäten in China (2009: 37%). Damit verdrängte China Europa von der Spitze der beliebtesten Regionen für Investitionen deutscher Transnational tätiger Konzerne.

 

Verstrahlter japanischer Frachter zurückgeschickt
Das japanische Containerschiff „MOL Presence“ hatte den Katastrophenreaktor Fukushima in rund 120 Kilometern Entfernung passiert. Das reichte aus, dass die chinesischen Grenzbehörden in dem Hafen Xiamen eine erhöhte Strahlung messen konnten. Sie schickten das Schiff mit 4.698 Containern daraufhin wieder weg. Es waren 3,5 Mikrosievert (µSv) pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Ein Flug von Frankfurt nach New York belastet die Passagiere mit der doppelten Strahlendosis, die zulässige radioaktive Belastung beträgt allerdings insgesamt gerade einmal 1000 µSv im Jahr. Bei geringer Kontamination würde es bereits ausreichen, den mit den radioaktiven Partikeln belasteten Staub vom Deck und den Containern mit Wasser und Seife abzuschrubben – gleiches macht die US-Navy mit einem Flugzeugträger, der vor der Küste von Fukushima durch eine radioaktive Wolke kontaminiert wurde. Derzeit überprüfen die europäischen Häfen ihre Vorschriften und Kontrollen. Mitte April wird mit den ersten verstrahlten Frachtern aus Japan gerechnet. Eine Lösung der Problematik gebe es bislang noch nicht. Die Reedereien Hapag-Lloyd, Claus-Peter Offen und Hamburg Süd steuern Tokio bereits nicht mehr an. Hapag-Lloyd zieht nun zudem alle Container aus dem Verkehr, die sich im Umkreis von 100 Kilometern von Fukushima befinden.

 

Commerzbank will durch Kapitalerhöhung unabhängig werden
Die Commerzbank plant laut Presseberichten eine Kapitalerhöhung im Milliardenbereich, um wieder vom Staat unabhängig zu werden. Die Commerzbank war im Zuge der Finanz- und Bankenkrise mit rund 16 Milliarden Euro vom Staat gerettet worden.
 

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