Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 31.01.2011

Wirtschaftspolitik:
1. World Economic Forum 2011 in Davos:
2. China kritisiert erneut US-Geldpolitik scharf:
3. Verschuldetes Japan wächst deutlicher als bislang prognostiziert:

Branchen und Unternehmen:

4 .Einzelhandel wächst um 2,3% bleibt aber hinter Werte von 2008 zurück:
5. Honda trotz Gewinneinbruch von 40% weiterhin optimistisch:
6. Autozulieferer Sellner meldet Insolvenz an:
7. Lieferengpass bei VW – Bänder stehen still:
8. Daimler will neue Modelle der Kompaktklasse auf den Markt bringen:
9. Siemens investiert Milliarden in Indiengeschäft:
10. China Development Bank bietet für angeschlagene Landesbank WestLB:
11. ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien kämpft um guten Ruf:
12. Wacker mit Solar und Halbleiter zum Rekordgewinn:

 

Wirtschaftspolitik:

 

World Economic Forum 2011 in Davos:
Auf dem am Sonntag zu Ende gegangenem World Economic Forum 2011 im Schweizer Davos diskutierten rund 2500 Teilnehmer Themen aus Wirtschaft und Politik. Im Mittelpunkt standen die Euro-Krise, ausufernde Staatsverschuldungen sowie die galoppierende Rohstoff- und Energieverteuerung. Durch den Boom der Schwellenländer BRIC würden zudem gefährliche "Blasen" drohen. Dabei zeichne sich in Sachen Euro jedoch eine deutliche Entspannung ab. Zahlreiche Politiker und hohe Bankiers bekräftigten ihre Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaftswährung, ein Zerbrechen der Eurozone sei dagegen kein Thema mehr gewesen. Finanzminister Schäuble bestätigte, man habe viel über den Euro diskutiert: „Wir sind bereit und können die Stabilität des Euro verteidigen.“ Auch sei das Vertrauen in die Währungsunion zurückgekehrt. Größere Verwerfungen in Europa erwarte er nicht mehr. Auch Wirtschaftsminister Brüderle sieht die Eurokrise zwar als „noch nicht vorbei, aber entschärft“. Sogar Starinvestor Geroge Soros sieht Europa auf dem Weg aus der Schuldenkrise: „Es gibt Wachstum“, die Lage sei insgesamt nicht so schlecht.

 

China kritisiert erneut US-Geldpolitik scharf:
Die chinesische Zentralbank hat erneut die extreme Geldvermehrung durch die US-Notenbank Fed scharf kritisiert (Schuldenstand: über 14 Bio. Dollar). Die Fed hatte zuletzt allein im November US-Staatsanleihen im Wert von 600 Mrd. Dollar aufgekauft, in dem sie das neue Geld einfach druckte. Diese erhöhte Geldmenge, kritisiert China, würde die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme nicht lösen, sondern lediglich die Inflation in den Schwellenländern anheizen und die Rohstoffspekulation befeuern. Die USA und China sind die beiden Länder, die derzeit ihre Währungen am massivsten manipulieren – wovon die Weltwirtschaft als ganzes betroffen ist: Während China seine Währung künstlich niedrig hält, um Wettbewerbsvorteile zu behalten, drucken die USA am laufenden Band neues Geld, um ihre Schulden zu finanzieren. Da der Dollar momentan jedoch den Rang einer Reservewährung hat, werden durch die Geldentwertung der US-Notenbankpolitik die Neuschulden der USA durch eine Abwertung der Devisenreserven anderer Länder international gestreut, sowie zudem auch gleichzeitig die Geldmenge und damit die Spekulationssummen ausgeweitet.

 

Verschuldetes Japan wächst deutlicher als bislang prognostiziert:
Die Industrieproduktion Japans ist im Dezember um 3,1% zum Vormonat gestiegen. Die Anzeichen eines Aufwärtstrends würden sich damit fortsetzen. Für das Ende März auslaufende Steuerjahr wird nun mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3% gerechnet, bislang war noch von 2,1% ausgegangen.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Einzelhandel wächst um 2,3% bleibt aber hinter Werte von 2008 zurück:
Der deutsche Einzelhandel konnte 2010 saison- und kalenderbereinigt um 2,3% zulegen. Preisbereinigt stiegen die Umsätze im Gesamtjahr um 1,2% gestiegen. Da die Umsatzeinbußen in dem Krisenjahr 2009 jedoch nominal 3,7 % betrugen, ist der Vorkrisenwert aus dem Jahr 2008 noch nicht erreicht.

 

Honda trotz Gewinneinbruch von 40% weiterhin optimistisch:
Der drittgrösste japanische Autokonzern Honda hat im vierten Quartal 2010 einen Rückgang des Nettogewinns von 40% auf 721,3 Mio. Euro hinnehmen müssen. Grund sei der starke Yen und das Ende der staatlichen Förderung umweltfreundlicher Autos in Japan. Das operative Geschäft ging um 29% zurück. Der Quartalsumsatz fiel um fast 6% auf 18,7 Mrd. Euro.

 

Autozulieferer Sellner meldet Insolvenz an:
Trotz gut gefüllter Auftragsbücher muss der Autozulieferer Sellner (Landkreis Ansbach) Insolvenz anmelden. Das Unternehmen zur Herstellung von Innenraum-Oberflächen mit weltweit 2.400 Mitarbeitern produziere zuviel Ausschuss und habe sich bei Großaufträgen verkalkuliert. Nun werde über mögliche Sanierungskonzepte beraten, die Ausgangsvoraussetzungen seien aufgrund der Marktstellung und der vollen Auftragsbücher gut. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten. Zu den Kunden zählen alle deutschen Autohersteller, aber auch große internationale Marken wie Cadillac, Chrysler, Nissan, Renault und Rolls Royce.

 

Lieferengpass bei VW – Bänder stehen still:
Wegen stockender Teileversorgung muss VW in seinem Stammwerk in Wolfsburg und in dem Passat-Werk in Emden die Produktionsbänder anhalten. In Emden fallen am Montag zwei in Wolfsburg drei Schichten aus. Für Emden fehlen Dieselmotoren. Derzeit gebe es aufgrund der starken Nachfrage Engpässe bei Motoren, Karosserien und Antriebe. VW ist dabei nicht als Einziger betroffen. Daimler-Chef Dieter Zetsche: „Die Lieferindustrie ist insgesamt sehr angespannt.“ Normalerweise existieren für strategische Teile mehrere Zulieferer. Offenbar haben aber derzeit alle Lieferanten so viel zu tun, dass sie die Lücken nicht mehr schließen können.

 

Daimler will neue Modelle der Kompaktklasse auf den Markt bringen:
Der Stuttgarter Autohersteller Daimler will innerhalb der nächsten drei Jahre neue Kompakt-Modelle unterhalb der C-Klasse auf den Markt bringen. Die Einführung soll zunächst auf dem US-Markt erfolgen. Damit sollen den Konkurrenten Audi und BMW mehr Kunden abgejagt und insgesamt mehr jüngere Kunden erreicht werden.

 

Siemens investiert Milliarden in Indiengeschäft:
Der Münchner Eletronikriese Siemens will sein Engagement in dem Wachstumsmarkt Indien stark ausbauen. Für 1 Mrd. Euro soll die Beteiligung an der dortigen Tochter von 55% auf 75% ausgebaut werden. Die nun vorgelegte Offerte liegt laut Siemens um 28% über dem Schlusskurs vom 28. Januar 2011. Im Geschäftsjahr 2010 erzielte die Indien-Tochter mit 7.500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,5 Mrd. Euro und einen operativen Gewinn von rund 200 Mio. Euro. Im vergangenen Quartal war der Auftragseingang allein aus Indien um 160% gestiegen. Siemens verspricht sich dort vor allem gute Geschäfte mit Infrastrukturtechnik in den Bereichen Eisenbahn und Kraftwerke. Die Unternehmenskassen sind zudem nach dem erfolgreichen Jahr 2010 gut gefüllt. In Indien ist Siemens seit 1867 aktiv, seit 1961 mit einer eigenen Tochter.

 

China Development Bank bietet für angeschlagene Landesbank WestLB:
Die chinesische Entwicklungsbank (Chinese Development Bank) erwägt offenbar eine Übernahme der angeschlagenen Landesbank WestLB. Als Preis werden 13 Mrd. Dollar geschätzt. Insgesamt sind vier Bieter an dem Verkaufsprozess beteiligt. Diese müssen nun bis zum 11. Februar ein verbindliches Gebot abgeben. Neben der staatlichen chinesischen Bank sind das die Finanzinvestoren Apollo, J.C. Flowers und Blackstone. Die Landesbank gehört den Sparkassenverbänden Nordrhein-Westfalens, dem Land NRW sowie dem Bund. Insgesamt 77 Mrd. Euro an toxischen Papieren hat die WestLB in eine "Bad Bank" verschoben, für die der Steuerzahler und die Sparkassen haften.

 

ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien kämpft um guten Ruf:
2010 hat ThyssenKrupp für 5,2 Mrd. Euro ein riesiges hochmodernes Stahlwerk in dem wichtigen Wachstumsmarkt Brasilien fertig gestellt. Die Anlage steht in Santa Cruz, einem Stadtteil von Rio de Janeiro. Aufgrund von Störungen bei der Inbetriebnahme zweier Hochöfen kam es zu Graphitstaub-Emissionen, weswegen der Konzern bereits zu Strafzahlungen in Millionenhöhe verurteilt wurde. Insgesamt beinhaltet die Anklageliste der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro: gesundheitsschädigende Emissionen, die Errichtung von Umwelt verschmutzenden Anlagen, Nichteinhaltung von Umweltauflagen, die Einreichung falscher oder irreführender Gutachten im Genehmigungsprozess, sowie die Beschäftigung von Milizen, um für die Sicherheit der Anlage zu sorgen. ThyssenKrupp weist alle Anschuldigungen zurück. Das Stahlwerk habe erstklassige Umwelttechnologien, mehr als sechs Millionen Euro werden in die Verbesserung des lokalen Gesundheitswesens und der Infrastruktur investiert und man zahle die besten Löhne in Brasilien.

 

Wacker mit Solar und Halbleiter zum Rekordgewinn:
Der Chemiekonzern Wacker erzielte in 2010 Rekordwerte: Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verdoppelte sich nahezu auf 1,19 Mrd. Euro. Der Nettogewinn stieg auf 495 Mio. Euro, nach einem Verlust von 75 Mio. Euro in 2009. Der Umsatz stieg um 28% auf 4,75 Mrd. Euro. Noch deutlich stärker als das eigentliche Chemiegeschäft legten dabei die Zweige Halbleitergeschäft und das Geschäft mit polykristallinem Reinstsilicium zu.

 

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