Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft vom 06.10.2010: International

1. US-Rettungspaket weniger teuer als befürchtet:
2. IWF sieht weiterhin Risiken bei der Stabilität der Finanzmärkte:
3. Deutschland und Frankreich wollen gegen Rohstoffspekulationen vorgehen:
4. Freihandelsabkommen EU-Südkorea gezeichnet:
5. Norwegen will Staatsfonds auf 418 Milliarden Euro aufstocken:
6. Japan senkt Leitzins auf 0%:
7. Russlands Staatschulden steigen auf moderate 11% des BIP:
8. US-Regierung verklagt American Express wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht:
9. Luftfahrtbranche vor Höhenflug:
10. Renaissance des Containerschiffbaus:
11. Weltweite Stahlproduktion bewegt sich auf Rekordniveau zu:
12. Russischer Mobilfunkanbieter Vimpelcom kauft sich zur weltweiten Nr. 5:
13. Alstom will 4.000 Stellen in der Kraftwerkssparte abbauen:
14. Bankangestellter muss knapp 5 Milliarden Euro zurückzahlen:
15. Rio Tinto und BHP Billiton sagen Mega-Joint-Venture ab:

 

IWF sieht weiterhin Risiken bei der Stabilität der Finanzmärkte:
Der Weltwährungsfonds IWF hat am Dienstag einen durchwachsenen Bericht zur globalen Stabilität der Finanzmärkte vorgelegt. Drei Jahre nach dem Beginn der globalen Finanzkrise gebe es zwar Fortschritte, um das weltweite Finanzsystem zu stabilisieren, aber es bestünden auch weiterhin hohe Risiken. IWF-Direktor José Viñals: „Das Finanzsystem bleibt die Achillesferse der wirtschaftlichen Erholung.“ Der Finanzsektor müsse daher weiter repariert und reformiert werden, einerseits in nationalen Anstrengungen, andererseits in einer globalen Zusammenarbeit. Ein Problem sei die noch nicht konsequent durchgeführte Bereinigung der Bankenbilanzen. Laut Schätzungen des IWF wurden weltweit rund drei Viertel der in der Finanzkrise entstandenen Verluste und Abschreibungen bei den Banken identifiziert. Das heißt, dass ein Viertel aller Schrottpapiere (Umfang: 550 Milliarden US-Dollar) nach wie vor unerkannt in den Bilanzen der Banken liegen. Aufgrund der bislang ungenügend gelösten Probleme sei das Vertrauen in die Finanzmärkte noch nicht zurückgekehrt. Der Ausstieg aus staatlichen Hilfsprogrammen für den Finanzsektor und die Konjunktur solle sehr sorgfältig geprüft und vom Stand der jeweiligen Wirtschaftserholung abhängig gemacht werden. Wo nötig sollen vor allem Strukturreformen für mehr Wachstum eingeleitet werden. Es gelte zwar, die Staatsfinanzen mittelfristig wieder in Ordnung zu bringen, aber die Zentralbanken und Regierungen sollten grundsätzlich gegenüber weiteren Hilfen offen sein.

 

US-Rettungspaket weniger teuer als befürchtet:
Das US-Rettungspaket für die Finanzbranche und Teile der Industrie (Troubled Asset Relief Program) im Gesamtumfang von 700 Milliarden Dollar wird den Staat nicht so viel kosten wie ursprünglich gedacht. Nach aktuellen Zahlen des US-Finanzministeriums dürften die tatsächlichen Kosten bei 50 Milliarden US-Dollar liegen. Im Sommer war noch von 66 Milliarden US-Dollar ausgegangen worden.

 

Deutschland und Frankreich wollen gegen Rohstoffspekulationen vorgehen:
Frankreich übernimmt ab November 2010 die G20-Präsidentschaft. Präsident Sarkozy hat den Kampf gegen die ausufernde Rohstoffspekulation nun zu einem seiner Hauptthemen für den G-20-Vorsitz gemacht und dabei Unterstützung von Bundeskanzlerin Merkel erhalten. Dies sei laut Merkel ein genauso wichtiges Thema wie eine stabile Währungsordnung mit realen Wechselkursen. Lebensmittel, aber auch Rohstoffe wie Erdöl, dürfen kein lukratives Spekulationsobjekt für Spekulanten sein. Die Wettgewinne gehen zu Kosten der Wirtschaft und der Verbraucher und belasten die Ärmsten über die Verhältnisse. Bereits 2008 hatte es in vielen ärmeren Ländern Ausschreitungen mit Dutzenden von Toten wegen der durch Spekulationen getriebenen Preiserhöhungen von Grundnahrungsmitteln gegeben, die zudem dringend benötigte Finanzmittel gebunden und somit die lokalen und nationalen Wirtschaften geschädigt haben. Innerhalb eines Jahres hatte sich damals nach Informationen des WDR die Spekulationssumme um 600% vervielfacht. Ein Ansatzpunkt sei es, künftig die Preisschwankungen für Rohstoffe zu begrenzen.

 

Freihandelsabkommen EU-Südkorea gezeichnet:
Die entsprechenden Verhandlungen hatten sich über drei Jahre hingezogen. Innert der nächsten drei bis fünf Jahren sollen nun fast sämtliche Handelszölle für Industrie- und Landwirtschaftsprodukte zwischen dem südostasiatischen Land und der EU beseitigt werden. Auch der Dienstleistungssektor wird liberalisiert. Das Handelsvolumen könnte dadurch um 19 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Das Abkommen wird am 1. Juli 2011 in Kraft tritt. Das EU-Parlament, dessen Zustimmung noch aussteht, besteht voraussichtlich auf Schutzklauseln, die bei einem kritischen Hochschnellen der Importe aus Südkorea eine befristete Wiedereinführung von Zöllen ermöglichen.

 

Norwegen will Staatsfonds auf 418 Milliarden Euro aufstocken:
Das erdöl- und erdgasreiche Norwegen will seine Staatsfonds bis Ende 2010 auf 375 Milliarden Euro und bis Ende 2011 auf 418 Milliarden Euro aufstocken. Für 2011 erwartet das skandinavische Land einen Haushaltsüberschuss von 33,1 Milliarden Euro, bei einem Wirtschaftswachstum von 3,1% (2010: 28,3 Milliarden Euro und 1,7%). Ziel der Staatsfonds ist es, den Sozialstaat in seiner bisherigen Form auch dann erhalten zu können, wenn die Ölreserven des Landes erschöpft sind.

 

Japan senkt Leitzins auf 0%:
Der starke Yen macht der exportabhängigen drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zu schaffen. Die Null- Zinspolitik werde solange beibehalten wie die Preisstabilität gewährt sei. Um die japanischen Exporte auf dem Weltmarkt wieder wettbewerbsfähiger zu machen, müsse der im internationalen Vergleich überbewertete Yen billiger werden.

 

Russlands Staatschulden steigen auf moderate 11% des BIP:
Russlands Staatschulden werden gegen Ende 2010 von heute 10,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 11% leicht ansteigen. Für Ende 2011 geht das Finanzministerium von 13,6% aus, Ende 2012 dürften es 15,7% sein und Ende 2013 schließlich 17%. Russland sieht sich enormen Investitionen in die Modernisierung seiner Wirtschaft gegenüber. Im internationalen Vergleich fallen die Zahlen noch moderat aus: Laut IWF werden die Staatsschulden der USA Ende 2011 auf 97% des BIP ansteigen, Großbritanniens auf 84,8% , Frankreichs auf 88,6% und Deutschlands auf 79,6%. Russlands Gold- und Devisenreserven belaufen sich mit Stand Ende 09/2010 auf 487,7 Milliarden US-Dollar.

 

US-Regierung verklagt American Express wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht:
Die US-Regierung hat das Kreditkartenunternehmen American Express (Amex) wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht verklagt. Visa und Master Card kommen mit einem Vergleich davon. American Express hatte dagegen eine außergerichtliche Einigung kategorisch abgelehnt. Die Unternehmen sollen in den USA Einzelhändler eingespannt haben, um die preiswertere Konkurrenz fern zu halten und somit einen fairen Preiswettbewerb verhindert zu haben. Die drei Kreditunternehmen und die mit ihnen verbundenen Banken haben allein im Jahr 2009 über 35 Milliarden US-Dollar an Gebühren eingenommen.

 

Luftfahrtbranche vor Höhenflug:
2009 hatte die Luftfahrtbranche noch einen Verlust von 11 Milliarden US-Dollar weltweit verbucht. Für das laufende Jahr prognostiziert die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA hingegen wieder einen Branchengewinn von 8,9 Milliarden US-Dollar. Noch im Juni war von lediglich 2,5 Milliarden ausgegangen worden. Für 2011 wird ein Gewinn von 5,3 Milliarden US-Dollar erwartet. Hintergrund der Erholung seien nicht nur das gewachsene Volumina sondern auch teurere Ticketpreise sowie Einsparungen bei den Kosten gewesen. Seit dem 1. Oktober sind die fusionierten US-Gesellschaften Continental und United (nun United Airlines) die neue Nummer Eins der Branche.

 

Renaissance des Containerschiffbaus:
In den nächsten drei Jahren sollen150 Megafrachter gebaut werden, die jeweils rund 10.000 bis 15.000 Standardcontainer laden können. Grund sind die derzeit niedrigen Produktionspreise, welche die Bestellung wirtschaftlich sinnvoll machen würden. Ein Containerschiffbau dieser Größenordnung ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Weltwirtschaft um mindestens 5% in 2011 wächst, nur dann können alle Schiffe genug Ladung verbuchen. Risiken bestehen daher bei Wirtschaftseinbrüchen. 2008 waren zwischenzeitlich 600 Containerschiffe ohne Fracht. In 2010 wuchs die Containerschifffahrt hingegen wieder um 13%.

 

Weltweite Stahlproduktion bewegt sich auf Rekordniveau zu:
Nach Angaben des Weltstahlverbandes hat sich der Stahlbedarf nach der Rezessionsphase, die ein Minus von 40% brachte, wieder deutlich erholt. Im laufenden Jahr 2010 wird die Stahlnachfrage schätzungsweise um 13,1% auf das Rekordniveau von 1,27 Mrd. Tonnen zulegen. Der Trend soll sich aufgrund der starken Nachfrage in China, Indien und den USA in 2011, wenn auch verlangsamt, weiter fortsetzen. Für 2011 wird ein Wachstum von 5,3% erwartet. In der EU hingegen wird dem Weltstahlverband zufolge die Nachfrage 2011 ein Niveau von 75% des Jahres 2007 erreichen.

 

Russischer Mobilfunkanbieter Vimpelcom kauft sich zur weltweiten Nr. 5:
Der russische Mobilfunkanbieter Vimpelcom kauft für 6,6 Mrd. Dollar in Italien (Wind) und Ägypten (Orascom Telecom) zu und steigt dadurch zur weltweiten Nummer fünf der Branche auf (174 Mio. Kunden). Das Geschäft wird mit Rücklagen und der Ausgabe neuer Aktien finanziert und ist das bislang größte internationale Geschäft eines russischen Unternehmens. Unklar ist noch die Zukunft um das algerische Standbein (Djezzy) der ägyptischen Orascom. Algerien hatte angekündigt, Djezzy verstaatlichen zu wollen. An Vimpelcom ist neben der russischen Alfa Group auch der norwegische Telenor-Konzern beteiligt.

 

Alstom will 4.000 Stellen in der Kraftwerkssparte abbauen:
Der französische Industriekonzern Alstom restrukturiert wegen der rezessionsbedingten Auftragsflaute für energieerzeugenden Anlagen seine Kraftwerksparte. Weltweit werden 4.000 Stellen abgebaut, besonders betroffen sind Werke in der Schweiz, in Deutschland und in den USA. Das entspricht rund 8% der Beschäftigung in der Sparte „Power“ (besonders thermische Anlagen) und etwa 4% der gesamten Belegschaft. Die Kraftwerksbereiche der Sparte erneuerbare Energien sind nicht betroffen. Das im März präsentierte Jahresergebnis wies einen um 16% gestiegenen operativen Gewinn (1,8 Mrd. Euro), einen um 7% zurückgegangenen Umsatz (42,6 Mrd. Euro) sowie um 39% verringerte Auftragseingänge (14,9 Mrd. Euro) auf.

 

Bankangestellter muss knapp 5 Milliarden Euro zurückzahlen:
Jérôme Kerviel (33), früherer Wertpapierhändler der französischen Bank Société Générale, hatte seinem Arbeitgeber im Januar 2008 einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingefahren. Er hatte zeitweise unerlaubt Positionen von 50 Mrd. Euro aufgebaut, die er durch gefälschte Absicherungsgeschäfte verschleierte – allerdings hatte er nichts unterschlagen, der Gewinn wäre bei der Bank geblieben. Kerviel wurde nun zu fünf Jahren Haft sowie zur Rückzahlung der Schadenssumme verurteilt – also finanziell lebenslänglich. Société Générale ist zufrieden mit dem Urteil, die Verteidigung will es anfechten.

 

Rio Tinto und BHP Billiton sagen Mega-Joint-Venture ab:
Die beiden rivalisierenden australischen Bergbaukonzerne (Nr. 2 und Nr. 3 weltweit) hatten in Mitten der Wirtschaftskrise beschlossen, ihre Eisenerzsparten zusammenlegen. Das Joint Venture hätte ein Geschäftsvolumen von 116 Mrd. Dollar gehabt. Inzwischen profitieren jedoch beide Firmen wieder von der anziehenden Nachfrage und den gestiegenen Metallpreisen und haben daher von den Plänen wieder abstand genommen.

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