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Interview mit Angela Dietz über Konfliktlösung, Mediation und gewaltfreie Kommunikation

Aus der Interview-Reihe zum „First International Speaker Event“ der Geman Speaker Association in München:

Nach dem Motto „8 Experten, 8-facher Nutzen, 8-fache Emotion“ geben am 10. September 2012 acht internationale Speaker aus USA, Südafrika, Österreich und Deutschland zum „First International Speaker Event“ in München spannende Keynote-Vorträge. Agitano bat die 8 Experten zum Interview. Heute mit Angela Dietz. Die studierte Biologin, Sportwissenschaftlerin und psychologische Beraterin arbeitet als Speaker und Trainerin mit der Spezialisierung auf die gewaltfreie Kommunikation und Konfliktlösung.

Guten Tag Frau Dietz. Sind wir nicht alle im Grunde unseres Herzens Konfliktlöser?

Wenn Sie damit meinen, dass wir wohl alle tagtäglich Entscheidungen zu treffen, Herausforderzungen zu meistern, Unstimmigkeiten zu klären haben und dieses so gut, wie wir es eben können, tun, um z.B. Harmonie, Glück und Erfolg zu erreichen, dann stimme ich Ihnen voll zu.

Ich habe selbst viele Jahre meines Lebens damit verbracht, in schwierigen Gesprächen und Konfliktsituationen nicht wirklich sagen zu können, um was es mir geht, was ich brauche und was jemand, inklusive mir selbst, tun kann, damit Verständigung möglich wird.
Ich kannte nur Rückzug, Schweigen, Selbstvorwürfe, in mich hineinfressen und kochte dabei innerlich. Alternativ dazu: Angriff und Verteidigung. Das sah so aus, dass ich Vorwürfe machte, beschimpfte, kritisierte oder mich rechtfertigte.
Beide Verhaltensmuster haben nicht zu den Ergebnissen geführt, die ich gerne gehabt hätte. Beziehungen haben gelitten, ich habe gelitten. Doch, ich kannte nichts anderes.

Ich hatte nicht gelernt, dass es für gelingende Verständigung wichtig ist, Gefühle und Bedürfnisse zu benennen, empathisch zu hören und klare Bitten statt Forderungen zu stellen. Ich hatte gelernt zu urteilen und beurteilt zu werden.

Dass ich selbst für meine Gefühle verantwortlich bin, es bei allem, was Menschen tun, immer um die Erfüllung von Bedürfnissen geht (auch wenn niemand davon spricht), dass empathisches Zuhören heißt , nichts persönlich zu nehmen, sondern hinter den Worten die Bedürfnisse des Anderen zu hören – all das habe ich erst durch die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) von Marshall Rosenberg und jahrelanger Arbeit mit mir selbst gelernt.

Seither lebe ich viel zufriedener, ärgere ich mich zwar noch – erreiche jedoch meistens schnell Klarheit und kann äußern, um was es mir geht und hören, was der andere braucht.
Leben ist Veränderung, somit geht mein Lernen jeden Tag weiter, genau das finde ich spannend.

 

Wie geht man nun am besten mit den weniger Kompromissfähigen und -bereiten um? Was sind probate Deeskalationsstrategien?

Seminarteilnehmer oder Vortragsbesucher berichten mir oft, dass Sie so an beurteilendes Denken, vorwurfsvolle Sprache und vor allem „Wolfshören“ gewöhnt seien (so wie ich selbst bis zum Jahr 2001), dass Ihnen bis jetzt gar nicht bewusst war, wie sehr Sie selbst zu Konflikten und Verstimmungen beitragen, ohne es zu wollen.
Ich halte es daher für entscheidend, an der Selbstreflexionsfähigkeit, am Bewusstsein, an den Denk- und Sprachgewohnheiten jedes Einzelnen, allen voran der Führungskräfte, zu arbeiten. Meiner Arbeit liegt dafür das Modell von Marshall Rosenberg (GFK) zugrunde.

Bedürfnisse sind unsere Lebensenergie und solange wir nicht auf diese Ebene kommen, bleiben wir nur an der Oberfläche eines Konflikts.
Personen halten an ihrem Standpunkt fest, wollen sich durchsetzten, erreichen keine nachhaltige Lösung, die von allen Beteiligten gerne mitgetragen wird, so lange sie nicht mit Ihrem Bedürfnis gehört wurden.

– Der Schlüssel liegt also für mich darin, die Bedürfnisse der Personen hören zu lernen.
– Das Ziel ist zunächst eine Verbindung miteinander zu erreichen, bevor wir uns um Lösungen kümmern.
– Zu wissen und zu benennen, welches Bedürfnis gerade „hungrig“ ist, ermöglicht Konfliktlösungen auf einer anderen Basis und bringt es auf den Punkt. Lästiges Hin- und Her Gerede entfällt, weil man schneller hört, was dem Gesprächspartner wichtig ist.

Bei all dem geht es nicht um piep, piep, piep, um Gefühlsduselei oder darum, immer schön friedlich und angepasst zu sein. Nein, in meinen Seminaren und Vorträgen lade ich die Teilnehmer herzlichst dazu ein, für sich einzustehen. Anstatt brav zu schweigen, Vorhaben abzunicken oder sich innerlich aufzuregen, erlernen Sie mit dem Rosenberg Modell einen Weg, sehr klar und aufrichtig zu sagen, was Sie denken und brauchen – ohne andere zu verletzen oder zu nörgeln. Auf diese Weise erhalten Unternehmen effizientere Gespräche, neue Ideen und ungeahnte Lösungen.

Probate Strategien:

1) Selbstreflexion erhöhen: Was beurteile ich wie, wie denke ich über?
2) Trainieren, die eigene Gefühle und Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen
3) Selbstverantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen. Das beendet schlagartig Vorwürfe, Beschuldigungen, Rechtfertigungen und persönliches Beleidigtsein!
4) Konkrete Bitten formulieren – statt darauf zu warten, dass jemand von den Augen abliest und Enttäuschung das Ergebnis ist!
5) Lernen, mit Giraffenohren zu Hören: Hören, was andere fühlen und brauchen und nicht, was Ihnen (an mir) nicht passt.
6) Mitbestimmung und Verantwortung zu jeder Zeit, für jeden.

 

Was sind im Umkehrschluss die häufigsten unnötigen Fehler, die zu einer Verschärfung von Spannungen beitragen? Wie können diese dann wieder abgebaut werden?

Urteile, unbewusste Sprache, Nörgeln und Klagen, Ablenken, Schweigen, Recht haben wollen, etwas anderes vorleben, als man selbst einfordert, Beschuldigen, Reden über Dritte, „Ja“ statt „Nein“ sagen, mangelhafte Informationsweitergabe, Entscheidungen werden nur von wenigen getroffen, unklare Abmachungen, Rechtfertigungen, zu wenig nachfragen, ein defizit-orientierter Blick, Angst in der Führung, Einfluss zu verlieren, wenn sie sich für den transparenten, partnerschaftlichen Weg miteinander entscheiden… all das sind unnötige Verhaltens- und Denkweisen, die Unternehmen täglich sehr viel Geld kosten, Projekte be- sowie Kreativität und Engagement verhindern. Kundenbeziehungen, wie interne Abläufe und Verbindungen sind dadurch belastet und in jüngster Zeit rückt ein weiterer Punkt ins Licht der Betrachtung: Konflikte, Unausgesprochenes und kraftzehrende Dialoge erschöpfen und machen krank!

Die Einführung des Rosenberg Modells im Business führt zu anderem Bewusstsein und einer Sprache, die eine Kultur des Miteinanders und der 100%igen Verantwortung fördert. Konflikte werden dabei auf der Ebene geklärt, wo sie entstehen, eine Ebene, die bisher in Unternehmen selten echte Beachtung findet – auf die sich ein Blick lohnt – die Ebene der Bedürfnisse!
Dabei versteht die GFK keine Handlungen sondern bestimmte Werte, die alle Kulturen der Welt miteinander teilen, als Bedürfnis. Ein Grund, der dieses Modell gerade für international wirkende Unternehmen so attraktiv macht.

Sind Bewusstsein und Sprache geschult, werden Unternehmensstrukturen möglich, die die Bedürfnisse der Mitarbeiter im 21. Jahrhundert besser erfüllen – Seesternstrukturen!
Dazu ein anderes Mal gerne mehr. Zum Beispiel in meinem nächsten Vortrag in München am 10. September 2012 im Cincinatti Kino. Beginn 18:30 Uhr

 

Lohnt es sich für Unternehmen, Mediation inhouse anzubieten? Also einen oder auch mehrere Mitarbeiter auf Fortbildungen in diesem Bereich zu schicken, so dass sie die gewonnen Erkenntnisse nicht nur an sich selber sondern auch zwischen den Kollegen anwenden können?

Ich begleite Unternehmen über 18-24 Monate. Unternehmen, die den Wert von selbstbewussten Mitarbeitern, die sagen, was sie brauchen und sich 100%ig einbringen, erkennen und wissen, dass Denk- und Verhaltensänderungen Zeit und Wiederholungen benötigen.
Bei einer Weiterbildung in wertschätzender Kommunikation und Konfliktlösung geht es um viel mehr als um anderes Hören und Sprechen. Sie erhalten Unternehmenskulturen in denen Mitarbeiter aufblühen. Ein wertvolles Fundament für hochzufriedene Kunden und Spitzenresultate. Etwas, was Mitbewerber nicht einfach kopieren können.

Da mir Eigenständigkeit und Freiheit sehr am Herzen liegen, bilde ich inhouse- Trainer für Unternehmen aus, die dann dafür verantwortlich sind Haltung, Denken, bewusste Sprache und Zuhören im Unternehmen zu fördern, bei Konflikten als Mediatoren dienen, neue Mitarbeiter schulen und Berater vor Ort für die Vorbereitung von schwierigen Gesprächen, Meetings etc. sind.

Meine Antwort auf Ihre Frage lautet: Ja, es lohnt sich meiner Erfahrung nach, eigene Mitarbeiter als Multiplikatoren ausbilden zu lassen, wenn die Ausgebildeten, neben ihrer beratenden und mediierenden Tätigkeit durch Weiterbildungs- und Übungsangebote im Haus regelmäßig dazu beitragen, ein anderes Miteinander nachhaltig zu sichern.
Hat man dieses Ziel nicht, sondern braucht nur einen Mediator, wenn es gerade brennt, ist vermutlich ein Externer die günstigere Variante für die jeweils einzelne aktuelle Situation. Spätestens, wenn diese sich häufen, wird ein Unternehmen über eine andere nachhaltigere Maßnahme nachdenken.

Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse wird es immer geben – nur wie wir zukünftig mit Ihnen umgehen werden, wird unsere Lebens-Unternehmens-qualität entscheidend mitbestimmen. Die GFK ist ein äußerst kraftvolles Instrument zur Veränderung, sie kennen zu lernen geht schnell – sie zu leben braucht Zeit und Übung – beides Investitionen, die sich lohnen – das habe ich zig Male erlebt!

Frau Dietz, vielen Dank für das Interview!

Danke auch Ihnen – das Interview hat mir Spass gemacht.

(Das Interview führte Marc Brümmer, Redaktionsleiter von AGITANO)


Details zur Veranstaltung:

International Speaking Event
10. September 2012 18:30 Uhr
Cincinnati Kino – Cincinnatistraße 31 in 81549 München
Link zur Online-Anmeldung – für alle Agitano-Leser mit dem speziellen Rabatt-Code ADVIP von Frau Dietz statt zum regulären Preis von 49,– Euro zum Vorzugspreis von 35,– Euro!

 

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