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Interview mit Dr. Hermann Otto Solms, MdB, FDP

1. Sie sind Politiker. Für welche Partei sind Sie aktiv und in welcher(n) Rolle(n) und Funktion(en)?

Ich engagiere mich in der FDP und bin Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion. Als finanzpolitischer Sprecher der Fraktion ist mein Fachgebiet die Steuer- und Finanzpolitik. Auch in der FDP bin ich für die Finanzen zuständig – und zwar als Bundesschatzmeister. Außerdem habe ich das Amt des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages inne, leite Plenarsitzungen und repräsentiere das Parlament in der Öffentlichkeit.

 

2. Warum sind Sie Politiker geworden?

Weil ich meinen persönlichen Beitrag zu einer freien, aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft leisten möchte.

 

3. Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf als Politiker?

Das variiert je nachdem, ob es sich um eine Sitzungswoche des Deutschen Bundestages handelt oder um eine sitzungsfreie Woche. In den Sitzungswochen des Bundestages finden Gremiensitzungen der Partei, der Fraktion und des Bundestages statt. Das reicht von der Präsidiumssitzung der Bundes-FDP über die Fraktionssitzung der FDP-Bundestagsfraktion oder die Sitzung des Ältestenrates des Bundestages bis hin zu Ausschusssitzungen und Plenarsitzungen. Des Weiteren führe ich Gespräche mit Verbänden, Bürgern und Journalisten, arbeite in meinem Büro und nehme Termine wahr.
In den sitzungsfreien Wochen habe ich Termine in der ganzen Bundesrepublik und vor allem in meinem Wahlkreis in Mittelhessen. Ich besuche Unternehmen, halte Vorträge und Reden, nehme an Podiumsdiskussionen teil und führe Gespräche.

 

4. Wie sieht Ihre eigene politische Vision aus?

Meine politische Vision ist die einer freien, aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft, in der die Rechte und Pflichten zwischen dem Staat und den Bürgern sinnvoll aufgeteilt sind – und in der alle am politischen Prozess teilhaben. Jeder trägt zum Wohl der Gesellschaft entsprechend  seiner Leistungsfähigkeit bei so gut er kann. So entsteht Wohlstand für alle. Jeder Bürger erhält die besten Voraussetzungen, um etwas aus seinem Leben zu machen und nutzt diese Chance tatkräftig und selbstverantwortlich. Ressourcen werden nicht verschwendet, sondern nachhaltig genutzt.  Es gibt ein einfaches Steuersystem mit niedrigen Steuern. Die Steuerbürger werden gerecht besteuert.

 

5. Was möchten Sie als Politiker in den nächsten 5 Jahren inhaltlich erreichen und verändern?

Seit langen Jahren verfolge ich ein Anliegen, das nach der Wahl am 27. September umgesetzt werden soll: eine umfassende Steuerreform. Mein Ziel ist ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem, in dem jeder nach seiner Leistungsfähigkeit besteuert wird und das alle Steuerzahler verstehen.

 

6. Wie sieht Ihr ideales Deutschland aus und was muss heute für eine bessere Zukunft verändert werden?

Mein ideales Deutschland ist nach den Prinzipien eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaates aufgebaut.  Der eigenverantwortlich handelnde, selbstbestimmte Bürger steht im Mittelpunkt des Staates, der deshalb auch dem Subsidiaritätsprinzip folgt. Entscheidungen werden also dort getroffen werden, wo sie anfallen und nicht auf einer höheren Ebene. Nur wenn die niedrigere Ebene nicht in der Lage ist, Aufgaben eigenständig zu erfüllen, werden sie von der nächsthöheren Ebene übernommen. Alle sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Die politisch Verantwortlichen folgen dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft.

 

7. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Beides hat seine Berechtigung. Manchmal braucht man erst einmal einen kurzfristigen Erfolg, um etwas Nachhaltiges überhaupt erreichen zu können – einen richtungsgebenden Impuls sozusagen. Wichtig ist, dass man die Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verliert. Politische Entscheidungen müssen immer auch die Auswirkungen auf unsere Kinder und Enkel im Auge haben. Es wäre verantwortungs- ja rücksichtslos, Politik ausschließlich für den Augenblick und für den schnellen Erfolg zu machen.

 

8. Wie integrieren Sie die Menschen in Ihre Politik?

Indem ich sie an meinen Vorstellungen und an den Inhalten, für die ich stehe, teilhaben lasse. Als Beispiele möchte ich die sogenannten Neuen Medien nennen. Vor allem im Wahlkampf nutzen Menschen die Gelegenheit, mit mir im Internet in Kontakt zu treten, Fragen zu stellen und meine politischen Vorstellungen zu erfahren. Doch auch die klassischen Medien wie Zeitungen, Funk und Fernsehen sind wichtig in der politischen Diskussion. Ich suche das Gespräch mit Menschen auf allen gesellschaftlichen Ebenen, um Meinungen zu erfragen und Standpunkte auszutauschen. Nur wer einen offenen Dialog führt, kann gute Politik machen.

 

9. Was sind Ihre eigenen Werte und wie setzen Sie diese im Alltag um?

Glaubwürdigkeit, Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Disziplin, Humor. Das setze ich im Alltag um wie jeder andere auch: Indem ich es lebe.

 

10. Welche Person ist Ihr Vorbild und warum?

Immanuel Kant. Er war einer der großen Denker der Aufklärung. Sein Essay  „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ besitzt  heute noch ebenso große Aktualität wie sein Satz „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Kant definiert den freien, mündigen Bürger, der sein Recht,  „von seiner Vernunft in allen Stükken öffentlichen Gebrauch zu machen“ wahrnimmt. Dieser aufgeklärte, selbstbestimmte Bürger steht auch im Mittelpunkt meines politischen Wirkens.

 

11. Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen und warum?

Mit einem meiner Nachfahren in hundert Jahren: Um zu sehen, wie sich die Welt und die Menschen entwickelt haben.

 

12. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“ , (Goethe, Faust II)

 

 

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Profil: Dr. Hermann Otto Solms, MdB, FDP

 

Geboren am 24. November 1940 in Lich, Kreis Gießen, ev., verheiratet, drei Töchter.

 

Schule, Studium, Beruf:

Abitur 1960. Wehrdienst. Banklehre. 1964 Kaufmannsgehilfenprüfung. Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Landwirtschaft an den Universitäten Frankfurt, Gießen, Kansas State, USA. 1969 Diplomökonom und 1975 Promotion zum Dr. agr.

 

Politik:

In der FDP: Mitglied seit 1971. Mitglied des Präsidiums und des Bundesvorstandes der FDP. Von 1987 bis 1999 und seit Oktober 2004 Bundesschatzmeister der FDP.

 

Im Bundestag:

Mitglied des Bundestages seit 1980, Wahlkreis Gießen, Landesliste Hessen. Von 1985 bis 1991 stellvertretender Vorsitzender, von 1991 bis 1998 Vorsitzender der FDP-Bundestags-fraktion. Seit Oktober 1998 Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

 

 

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