Panorama

Interview mit Fr. Zumpe, Herausgeberin des management meetings magazin

Wie haben Sie erfahren, dass Sie MINT-Botschafter werden können?

Von „MINT Zukunft schaffen“ habe ich auf dem diesjährigen Arbeitgebertag in Berlin erfahren. Die Idee hat mich einerseits begeistert, andererseits ist es angesichts des Fachkräftemangels pure Notwendigkeit, sich auf diesem Feld zu engagieren.  

 

Was haben Sie sich bei dieser Tätigkeit als Ziel gesetzt?

Ich kann mich gut erinnern, dass wir in der Schule kaum Berufsberatung hatten. Sofern Eltern und Lehrer nicht informiert waren oder man von den Ideen ältere Geschwister profitieren konnte, war man auf sich alleine gestellt. Mit meiner bisherigen Erfahrung und dem Wissen um die Bedürfnisse der Unternehmen ist es mein Anliegen, Karrieren und Perspektiven aufzuzeigen und über gesuchte Berufe und deren Inhalte zu informieren.  

 

Sie sind beruflich sicher stark beansprucht, was erhoffen Sie sich von Ihrer Arbeit als MINT-Botschafterin?

Zu meinem Beruf gehört es, mich mit Themen rund um den Bereich Personal & Führung zu beschäftigen. Die Ideen und Ziele von „MINT Zukunft schaffen“ in meinen täglichen Gesprächen mit Unternehmen und deren Personalabteilungen weiter zu tragen, ist daher kein zeitlicher Mehraufwand.

Viel Spaß und Abwechslung bedeutet es, den direkten Kontakt zu den Jugendlichen zu suchen, gerade in unserer momentanen Zeit, in der die Berufe so komplex und vielfältig geworden sind und sich so unendlich viele Möglichkeiten eröffnen, so dass Individualität, Ideenreichtum und Selbstbewusstsein über Lebenswege entscheiden; wahrscheinlich viel mehr als oft zu eingleisige Ausbildungen. Das gilt auch und besonders für die MINT-Fächer.

Dazu kommt, dass wir einen strukturellen, real bestehenden Fachkräftemangel haben. Daran wird auch die aktuelle Wirtschaftslage nichts ändern und genau das müssen die Kids erfahren, ebenso die Lehrer, die meines Erachtens zu wenig mit der Wirtschaft in Verbindung kommen und sich zu selten mit der Berufswirklichkeit befassen. Wir leben in einem Land, in dem Bildung immer noch von der Herkunft abhängt, obwohl jedes Kind zur Schule geht und jeder Jugendliche mit den entsprechenden Noten BAföG-unterstützt studieren kann. Es ist töricht, dieses Potenzial nicht zu fördern, sowohl für den Einzelnen, als auch für das Land. Mut zusprechen ist daher genauso wichtig wie schlichte Aufklärung über die Bedürfnisse der Wirtschaft. Im Gegenzug verspreche ich mir Anregungen von den Jugendlichen: Was denken sie? Was erwarten sie und wo suchen sie Unterstützung?  

 

Denken Sie, dass Frauen in den naturwissenschaftlichen Fächern nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind? Woran das liegt das nach Ihrer Meinung?

Ganz sicher! Meines Erachtens sind das tradierte Glaubenssätze, die wir Frauen – und die Gesellschaft ganz allgemein – mit uns herumtragen; und Glaubenssätze sind unglaublich schwer aufzubrechen.

In meiner Schulzeit waren wir in der elften Klasse 21 Mädchen und nur sieben Jungs. Alle 21 Mädchen haben Physik abgewählt, alle sieben Jungs haben Physik Leistungskurs genommen – Zufall? Hinzu kommt, dass wir ein völlig verschrobenes Bild von den MINTlern haben, nämlich das von Einzelgängern, Eigenbrödlern und Strebern. Wer „hip“ ist, tendiert zu den Geisteswissenschaften. Zwischenzeitlich benötigen wir aber kreative, ideenreiche und kommunikative, vertrieblich denkende, beratenden und gestaltende MINTler/Innen – dringend! Mit diesem Bedarf konfrontiert und neugierig gemacht, können wir hoffentlich die  Vorstellungswelt von den Berufsinhalten der Mädchen und Frauen erweitern und mehr Interesse wecken, um den MINT-Frauenanteil zu erhöhen. Im Moment ist diese Tatsache aber ebenso unbekannt wie Teil des Problems.  

 

Wie kann man junge Frauen für diese Studiengänge und Fächer begeistern?

Dazu gehört die direkte bis hin zur individuellen Ansprache der jungen Frauen und deren Umfeld. Begeisterung entfachen Sie mit der entsprechenden Leidenschaft, die sie als MINT-Botschafter ausstrahlen; diese Begeisterung sollte aber mit der Aufklärung über Karrierewege, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven untermauert werden. Berufsinhalte sind dabei nur das eine. Welchen Stellenwert Unternehmen den Themen Work-Life-Balance und Beruf & Familie zwischenzeitlich einräumen (und einräumen müssen), thematisiere ich an dieser Stelle gleichermaßen, auch, um der Vorstellung entgegenzutreten, dass Karriere und Familie sich ausschließen.

Der dritte Punkt bezieht sich auf das Selbstbewusstsein, das Mädchen in Bezug auf die eigene Leistungskraft und Karriere oftmals fehlt. Wenn ich noch mal auf meine elfte Klasse zurückkommen darf: Allein die Herausforderung sich im Alter von 16 oder 17 Jahren zwei Jahre lang in einen Physik Leistungskurs mit sieben heftig pubertierenden Jungs zu setzen und dort die Frau zu stehen, wird wahrscheinlich noch die letzte interessierte Schülerin am Fach Physik abgeschreckt haben, statt selbstbewusst den Weg zu verfolgen.  

 

Erwarten Sie, dass Frauen in den MINT-Fächern gute Zukunftsperspektiven zu erwarten haben?

Aber sicher! Zum einen „hilft“ uns die Demographie. Viel wichtiger ist aber, dass Frauen früh genug in sich reinhören, ihre eigenen Interessen verfolgen und überlegen, ob sie wirklich von vorne herein zur Sekretärin des technischen Leiters bestimmt sind oder nicht selbst seinen Posten anstreben, zur Übersetzerin wissenschaftlicher Texte geboren wurden oder deren Verfasserin sein wollen?!

Klären wir auf! Begeistern wir und sprechen Mut zu! 

 

Wie haben Sie erfahren, dass Sie MINT-Botschafter werden können?

Von „MINT Zukunft schaffen“ habe ich auf dem diesjährigen Arbeitgebertag in Berlin erfahren. Die Idee hat mich einerseits begeistert, andererseits ist es angesichts des Fachkräftemangels pure Notwendigkeit, sich auf diesem Feld zu engagieren.  

 

Was haben Sie sich bei dieser Tätigkeit als Ziel gesetzt?

Ich kann mich gut erinnern, dass wir in der Schule kaum Berufsberatung hatten. Sofern Eltern und Lehrer nicht informiert waren oder man von den Ideen ältere Geschwister profitieren konnte, war man auf sich alleine gestellt. Mit meiner bisherigen Erfahrung und dem Wissen um die Bedürfnisse der Unternehmen ist es mein Anliegen, Karrieren und Perspektiven aufzuzeigen und über gesuchte Berufe und deren Inhalte zu informieren.  

 

Sie sind beruflich sicher stark beansprucht, was erhoffen Sie sich von Ihrer Arbeit als MINT-Botschafterin?

Zu meinem Beruf gehört es, mich mit Themen rund um den Bereich Personal & Führung zu beschäftigen. Die Ideen und Ziele von „MINT Zukunft schaffen“ in meinen täglichen Gesprächen mit Unternehmen und deren Personalabteilungen weiter zu tragen, ist daher kein zeitlicher Mehraufwand.

Viel Spaß und Abwechslung bedeutet es, den direkten Kontakt zu den Jugendlichen zu suchen, gerade in unserer momentanen Zeit, in der die Berufe so komplex und vielfältig geworden sind und sich so unendlich viele Möglichkeiten eröffnen, so dass Individualität, Ideenreichtum und Selbstbewusstsein über Lebenswege entscheiden; wahrscheinlich viel mehr als oft zu eingleisige Ausbildungen. Das gilt auch und besonders für die MINT-Fächer.

Dazu kommt, dass wir einen strukturellen, real bestehenden Fachkräftemangel haben. Daran wird auch die aktuelle Wirtschaftslage nichts ändern und genau das müssen die Kids erfahren, ebenso die Lehrer, die meines Erachtens zu wenig mit der Wirtschaft in Verbindung kommen und sich zu selten mit der Berufswirklichkeit befassen. Wir leben in einem Land, in dem Bildung immer noch von der Herkunft abhängt, obwohl jedes Kind zur Schule geht und jeder Jugendliche mit den entsprechenden Noten BAföG-unterstützt studieren kann. Es ist töricht, dieses Potenzial nicht zu fördern, sowohl für den Einzelnen, als auch für das Land. Mut zusprechen ist daher genauso wichtig wie schlichte Aufklärung über die Bedürfnisse der Wirtschaft. Im Gegenzug verspreche ich mir Anregungen von den Jugendlichen: Was denken sie? Was erwarten sie und wo suchen sie Unterstützung?  

 

Denken Sie, dass Frauen in den naturwissenschaftlichen Fächern nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind? Woran das liegt das nach Ihrer Meinung?

Ganz sicher! Meines Erachtens sind das tradierte Glaubenssätze, die wir Frauen – und die Gesellschaft ganz allgemein – mit uns herumtragen; und Glaubenssätze sind unglaublich schwer aufzubrechen.

In meiner Schulzeit waren wir in der elften Klasse 21 Mädchen und nur sieben Jungs. Alle 21 Mädchen haben Physik abgewählt, alle sieben Jungs haben Physik Leistungskurs genommen – Zufall? Hinzu kommt, dass wir ein völlig verschrobenes Bild von den MINTlern haben, nämlich das von Einzelgängern, Eigenbrödlern und Strebern. Wer „hip“ ist, tendiert zu den Geisteswissenschaften. Zwischenzeitlich benötigen wir aber kreative, ideenreiche und kommunikative, vertrieblich denkende, beratenden und gestaltende MINTler/Innen – dringend! Mit diesem Bedarf konfrontiert und neugierig gemacht, können wir hoffentlich die  Vorstellungswelt von den Berufsinhalten der Mädchen und Frauen erweitern und mehr Interesse wecken, um den MINT-Frauenanteil zu erhöhen. Im Moment ist diese Tatsache aber ebenso unbekannt wie Teil des Problems.  

 

Wie kann man junge Frauen für diese Studiengänge und Fächer begeistern?

Dazu gehört die direkte bis hin zur individuellen Ansprache der jungen Frauen und deren Umfeld. Begeisterung entfachen Sie mit der entsprechenden Leidenschaft, die sie als MINT-Botschafter ausstrahlen; diese Begeisterung sollte aber mit der Aufklärung über Karrierewege, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven untermauert werden. Berufsinhalte sind dabei nur das eine. Welchen Stellenwert Unternehmen den Themen Work-Life-Balance und Beruf & Familie zwischenzeitlich einräumen (und einräumen müssen), thematisiere ich an dieser Stelle gleichermaßen, auch, um der Vorstellung entgegenzutreten, dass Karriere und Familie sich ausschließen.

Der dritte Punkt bezieht sich auf das Selbstbewusstsein, das Mädchen in Bezug auf die eigene Leistungskraft und Karriere oftmals fehlt. Wenn ich noch mal auf meine elfte Klasse zurückkommen darf: Allein die Herausforderung sich im Alter von 16 oder 17 Jahren zwei Jahre lang in einen Physik Leistungskurs mit sieben heftig pubertierenden Jungs zu setzen und dort die Frau zu stehen, wird wahrscheinlich noch die letzte interessierte Schülerin am Fach Physik abgeschreckt haben, statt selbstbewusst den Weg zu verfolgen.  

 

Erwarten Sie, dass Frauen in den MINT-Fächern gute Zukunftsperspektiven zu erwarten haben?

Aber sicher! Zum einen „hilft“ uns die Demographie. Viel wichtiger ist aber, dass Frauen früh genug in sich reinhören, ihre eigenen Interessen verfolgen und überlegen, ob sie wirklich von vorne herein zur Sekretärin des technischen Leiters bestimmt sind oder nicht selbst seinen Posten anstreben, zur Übersetzerin wissenschaftlicher Texte geboren wurden oder deren Verfasserin sein wollen?!

Klären wir auf! Begeistern wir und sprechen Mut zu! 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.