Management

Interview mit Jürgen Richter zu „Mitarbeiter und Führung“

Im Rahmen des 54. Roundtables bei MUK-IT wurden mit den Referenten zu ihren Themen Interviews geführt. Im ersten Interview steht Jürgen Richter, Inhaber von catalyso, Rede und Antwort. Das Interview wurde parallel als Video aufgezeichnet. 

 

Schönen Guten Tag Herr Richter, wir haben gerade einen interessanten Vortrag zum Thema „Mitarbeiter und Führung“ von Ihnen gehört. Wo liegen denn die Problemstellungen in Unternehmen genau bei diesen Themen?

Die Hauptproblemstellung liegt eigentlich im menschlichen Umgang miteinander. Die Mitarbeiter werden von ihrer Führung oder von ihren Führungsmitarbeitern oft nicht als Menschen wahrgenommen, sondern nur als Werkzeuge, die irgendwie eingesetzt werden. Das heißt, sie vermissen den Respekt im Umgang miteinander. Sie fühlen sich als Menschen nicht wahrgenommen und sie werden oft nur als Werkzeug betrachtet. Das ist eines der Hauptprobleme, der zwischenmenschliche Umgang.

Wir haben neben internen Faktoren auch externe zu berücksichtigen, u.a. zum Beispiel den demographischen Wandel. Wie wirkt sich dieser auf Unternehmen aus?

Es ist relativ einfach zu erklären. In den nächsten Jahren werden wir rund 4 Millionen Menschen am Arbeitsmarkt verlieren, zumindest wenn wir die heutige Altersbegrenzung zugrunde legen. Und daran würde sich auch nichts ändern, wenn man die Rente auf 67 Jahre hinauszögert. Das bedeutet, dass die Unternehmen einen immer härteren Kampf um die richtigen Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt erleben.

Die richtigen Arbeitskräfte, das bedeutet nicht die Hochqualifizierten, wir reden immer nur von den qualifizierten und hochqualifizierten Mitarbeitern. Hier haben wir sicherlich eine gewisse Spitze, aber das geht querbeet über alle Qualifikationsstufen. In diesem Kampf werden nur diese Unternehmen überleben können, die es schaffen, sich attraktiv zu machen. Und die zwei Dinge schaffen, nämlich die richtigen Mitarbeiter zu finden und diese Mitarbeiter auch an sich zu binden.

Und ein drittes Element, das noch ganz entscheidend sein wird, ist, dass die Unternehmen dafür sorgen müssen, dass Leute auch jenseits der 40 und 50 noch leistungswillig und leistungsfähig sind. Heute ist es so, wenn ein Mitarbeiter über 50 ist, dann ist er häufig schon wertlos für das Unternehmen oder wird als wertlos betrachtet. Vielfach sind diese Leute, man sieht das an der Zunahme psychischer Erkrankungen, verbraucht oder ausgebrannt. Unternehmen werden dafür sorgen müssen, dass die Leute mit 40 bzw. 50 nicht ausgebrannt sind. Sie werden auch Mitarbeiter oberhalb der 50 noch qualifizieren müssen. Und umgekehrt müssen diese Mitarbeiter oberhalb der 50 auch noch bereit sein, sich qualifizieren zu lassen. Dies ist nur machbar, wenn es gelingt, die Mitarbeiter zu motivieren und zu binden, wenn sie Freude an der Arbeit haben. Das wird der entscheidende Erfolgsfaktor sein.

Sie haben die Themen Mitarbeiterbindung, Mitarbeitermotivation, Mitarbeiterzufriedenheit gerade angesprochen. Wie schafft es ein Unternehmen, genau diese Elemente bei sich zu implementieren? Welche Komponenten braucht ein Unternehmen?

Es sind verschiedene Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Der Ausgangspunkt ist der, der von dieser sog. Humanität getragen wird. Wenn man dies mit Kant beantworten wollte, würde man zwischenmenschliche Umgang meinen, also „Humanität“ sagen. Es ist ein wertebasiertes Regelwerk, dem das Unternehmen folgt. Damit schafft es die Grundvoraussetzung für einen weiteren wichtigen Faktor, nämlich Gesundheit. Nur gesunde Mitarbeiter sind wirklich in der Lage, zu leisten und auch leistungswillig zu sein. Das heißt, das ist eine wesentliche Grundvoraussetzung, um ein Problem zu vermeiden, nämlich Krankheit im Unternehmen. Wenn diese drei Elemente funktionieren, dann haben die Mitarbeiter die Kraft, die Muskelkraft und die Geisteskraft natürlich auch, um Prozesse so zu gestalten, dass sie auch reibungslos funktionieren. Und dann ist es Aufgabe der Führung, für ein richtiges Werkzeug zu sorgen. Die Organisation ist hier Werkzeug, indem die Mitarbeiter sich aufgehoben fühlen und den Rahmen erhalten, um diese Prozesse reibungslos ablaufen lassen zu können. Aber dies tun die Menschen eigenständig. Hier reicht das Vertrauen in die Menschen. Viele junge Manager oder neu in Unternehmen eintretende Manager machen den Fehler, dass sie mit der Organisation anfangen, diese umzugestalten.Jedoch ist die Organisation eigentlich das letzte Element. Die Reihenfolge heißt immer Mensch, Prozess und dann kommt die Organisation. Häufig wird es umgekehrt gemacht und viele Unternehmen funktionieren trotz ihrer Organisation. Und zwar wegen der Menschen, aber sicher nicht wegen ihrer Organisation.

Wo sehen Sie bei Unternehmen den ersten Handlungspunkt? Wo sollte ein Unternehmer ansetzen, dass er den ersten Schritt in die Veränderung schafft?

Er muss bei seinen Mitarbeitern anfangen, er muss ihnen vertrauen, er muss ihnen etwas zutrauen. Die Schwachstellen sind in der Regel in den Unternehmen bekannt. Viele Schwachstellen sind transparent. Wichtig ist, dass man das Ganze in verdaubare Portionen teilt, das heißt, dass man hergeht und sagt: diesen, diesen und diesen Punkt möchten wir jetzt adressieren. Anschließend werden interdisziplinäre Teams aus Mitarbeitern zusammenstellt, die Projekte bearbeiten und dies mit konkreten Zielstellungen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wenn sie eine hohe Personalfluktuation in einem bestimmten Bereich haben, stellen sie ein Team zusammen, das die Aufgabe bekommt, die Personalfluktuation in diesem Bereich von 15 auf 10 Prozent innerhalb von 2 Jahren zu reduzieren. Dann müssen diese sich was einfallen lassen. Sie werden erstaunt sein, wie viel doch positiv herauskommt, wenn sie ihren Mitarbeitern dies zutrauen, dass sie dies auch können. Sie werden überrascht sein, es wird gelingen. So geht dies auch in anderen Bereichen.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Gerne!

 

Das Interview mit Jürgen Richter führte Oliver Foitzik von FOMACO / AGITANO.

 

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