Panorama

Interview mit Uwe Geisler, Diplom-Volkswirt, famity.de

Welche Bedeutung hat MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) aus Ihrer Sicht für den Technologiestandort Deutschland?

 

Bekanntlich verkauft der Export-Weltmeister Deutschland in alle Welt – und in der Regel handelt es sich bei unseren Exportgütern eben um technische Produkte. Unser Wohlstand ist daher schicksalhaft an unsere Fähigkeit gebunden, als Gesellschaft auf Arbeitskräfte mit wettbewerbsfähigen MINT-Kenntnissen zurückgreifen zu können – dies gilt für die Spitze ebenso wie für die Breite.

Vor diesem Hintergrund ist es schockierend, was uns verschiedenste Indikatoren über die MINT-Problematik verraten. Dies gilt über die internationale Vergleichsstudien der Bildungssysteme (u.a.  PISA), den immer wieder festgestellten Mangel an Mathematikern, Informatikern,  Naturwissenschaftlern und Ingenieuren (jüngste Zahlen sprechen von 150.000) bis hin zum gravierenden Lehrermangel in den MINT-Fächern, verstärkt durch die anrollende Pensionswelle.

Noch schockierender aber ist nach meiner Ansicht die Untätigkeit, mit der auf diese Befunde reagiert wird, abgesehen von punktuellen Maßnahmen und Lippenbekenntnissen. Daher begrüße ich ausdrücklich die Initiative "MINT Zukunft  schaffen" und stehe als MINT-Botschafter sehr gerne zur Verfügung.

 

Wie sollte die Gesellschaft auf das Problem reagieren und wie schafft man es insbesondere, mehr junge Menschen für mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern?

 

Nach meiner Auffassung sollte das Ziel sein, flächendeckend die MINT-Begeisterung sowie die Bildungs- Qualität zu erhöhen, und zwar in Spitze und Breite. Dies sollte über alle Altersstufen hinweg geschehen, nicht nur in "en-vogue-Bereichen" wie dem Kindergarten oder direkt vor der Berufswahl, sondern z.B. auch in den unteren Klassen der Sekundarstufe 1, wo bei vielen MINT-Themen häufig eine Lücke klafft.

Zu fordern ist weiter die nachhaltige und wirksame Erhöhung der Bildungsausgaben, nicht nur durch Ankündigung, sondern durch Spürbarkeit im Schulalltag. Gleichzeitig sind Maßnahmen zu treffen, die Effizienz der Mittelverwendung zu erhöhen, z.B. durch die intelligente Vernetzung mit Partnern, (Einbindung von außerschulischen (MINT-)Lernorten in lokale Schulkonzeptionen). Wie schon so oft zuvor weisen uns hier die skandinavischen Länder den Weg, ebenso wie auch die Niederlande und Großbritannien.

Wenn Informatik und Technik schon nicht als eigenständige Fächer der Mittelstufe vorgesehen werden, sollte zumindest eine tiefgehende und nachhaltige Verankerung dieser Themen in anderen Fächern erfolgen, anders als das bisher der Fall ist. Nebenbei: für das Fach Wirtschaft gilt dies genauso.

Und noch eine Bemerkung zum Image der MINT-Berufe: Wer Begeisterung wecken möchte, sollte insbesondere auch Maßnahmen ergreifen, die vor der Pubertät ansetzen. Ziel muss auch sein, das Image der MINT Berufe in Richtung ‚cool‘ zu bewegen. Nach der Pubertät hat die Peer-Group das Sagen – und diese hält MINT-Interessenten zu oft von einer Berufswahl ab (Karohemd-Image).

Mein persönlicher Beitrag zu "MINT Zukunft schaffen" besteht darin zu zeigen, dass man eben schon vor der Pubertät Begeisterung wecken kann, dass 10 bis 14-jährige durchaus eine ganze Reihe der MINT-Ideen hinter der Digitaltechnik verstehen können. Und diese Altersgruppe interessiert sich sehr wohl für die Funktionsweise von Technik, wenn sie ihnen verständlich nahe gebracht wird.

 

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Uwe Geisler ist Diplom-Volkswirt und studierte an der Universität Mainz sowie der London School of Economics neben Volkswirtschaft auch Informatik, Statistik, Marketing und Physik. Parallel zu seiner selbständigen Tätigkeit als Berater begann er vor ca. 10 Jahren, sich mit der Vermittlung von Grundlagen der Computertechnik zu beschäftigen. Dabei interessierte ihn insbesondere auch der Aspekt, dass Digitalelektronik als motivierender Einstieg in MINT-Themen dienen kann. Diese Arbeit mündete in einem didaktischen Ansatz, den er mittlerweile an über 20 Hochschulen als Kinder-Mitmach-Vortrag vorgestellt hat. Zu seinen Referenzen und Kooperationspartnern zählen das Forschungszentrum Jülich (JuLab), die Kinderunis in Köln und Frankfurt, diverse Bezirksvereine des VDI, das Max-Planck-Institut PKS in Dresden, das Bildungsministerium des Saarlandes, das BMBF in Bonn sowie viele weitere Hochschulen und Science-Center.

 

Welche Bedeutung hat MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) aus Ihrer Sicht für den Technologiestandort Deutschland?

 

Bekanntlich verkauft der Export-Weltmeister Deutschland in alle Welt – und in der Regel handelt es sich bei unseren Exportgütern eben um technische Produkte. Unser Wohlstand ist daher schicksalhaft an unsere Fähigkeit gebunden, als Gesellschaft auf Arbeitskräfte mit wettbewerbsfähigen MINT-Kenntnissen zurückgreifen zu können – dies gilt für die Spitze ebenso wie für die Breite.

Vor diesem Hintergrund ist es schockierend, was uns verschiedenste Indikatoren über die MINT-Problematik verraten. Dies gilt über die internationale Vergleichsstudien der Bildungssysteme (u.a.  PISA), den immer wieder festgestellten Mangel an Mathematikern, Informatikern,  Naturwissenschaftlern und Ingenieuren (jüngste Zahlen sprechen von 150.000) bis hin zum gravierenden Lehrermangel in den MINT-Fächern, verstärkt durch die anrollende Pensionswelle.

Noch schockierender aber ist nach meiner Ansicht die Untätigkeit, mit der auf diese Befunde reagiert wird, abgesehen von punktuellen Maßnahmen und Lippenbekenntnissen. Daher begrüße ich ausdrücklich die Initiative "MINT Zukunft  schaffen" und stehe als MINT-Botschafter sehr gerne zur Verfügung.

 

Wie sollte die Gesellschaft auf das Problem reagieren und wie schafft man es insbesondere, mehr junge Menschen für mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern?

 

Nach meiner Auffassung sollte das Ziel sein, flächendeckend die MINT-Begeisterung sowie die Bildungs- Qualität zu erhöhen, und zwar in Spitze und Breite. Dies sollte über alle Altersstufen hinweg geschehen, nicht nur in "en-vogue-Bereichen" wie dem Kindergarten oder direkt vor der Berufswahl, sondern z.B. auch in den unteren Klassen der Sekundarstufe 1, wo bei vielen MINT-Themen häufig eine Lücke klafft.

Zu fordern ist weiter die nachhaltige und wirksame Erhöhung der Bildungsausgaben, nicht nur durch Ankündigung, sondern durch Spürbarkeit im Schulalltag. Gleichzeitig sind Maßnahmen zu treffen, die Effizienz der Mittelverwendung zu erhöhen, z.B. durch die intelligente Vernetzung mit Partnern, (Einbindung von außerschulischen (MINT-)Lernorten in lokale Schulkonzeptionen). Wie schon so oft zuvor weisen uns hier die skandinavischen Länder den Weg, ebenso wie auch die Niederlande und Großbritannien.

Wenn Informatik und Technik schon nicht als eigenständige Fächer der Mittelstufe vorgesehen werden, sollte zumindest eine tiefgehende und nachhaltige Verankerung dieser Themen in anderen Fächern erfolgen, anders als das bisher der Fall ist. Nebenbei: für das Fach Wirtschaft gilt dies genauso.

Und noch eine Bemerkung zum Image der MINT-Berufe: Wer Begeisterung wecken möchte, sollte insbesondere auch Maßnahmen ergreifen, die vor der Pubertät ansetzen. Ziel muss auch sein, das Image der MINT Berufe in Richtung ‚cool‘ zu bewegen. Nach der Pubertät hat die Peer-Group das Sagen – und diese hält MINT-Interessenten zu oft von einer Berufswahl ab (Karohemd-Image).

Mein persönlicher Beitrag zu "MINT Zukunft schaffen" besteht darin zu zeigen, dass man eben schon vor der Pubertät Begeisterung wecken kann, dass 10 bis 14-jährige durchaus eine ganze Reihe der MINT-Ideen hinter der Digitaltechnik verstehen können. Und diese Altersgruppe interessiert sich sehr wohl für die Funktionsweise von Technik, wenn sie ihnen verständlich nahe gebracht wird.

 

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Uwe Geisler ist Diplom-Volkswirt und studierte an der Universität Mainz sowie der London School of Economics neben Volkswirtschaft auch Informatik, Statistik, Marketing und Physik. Parallel zu seiner selbständigen Tätigkeit als Berater begann er vor ca. 10 Jahren, sich mit der Vermittlung von Grundlagen der Computertechnik zu beschäftigen. Dabei interessierte ihn insbesondere auch der Aspekt, dass Digitalelektronik als motivierender Einstieg in MINT-Themen dienen kann. Diese Arbeit mündete in einem didaktischen Ansatz, den er mittlerweile an über 20 Hochschulen als Kinder-Mitmach-Vortrag vorgestellt hat. Zu seinen Referenzen und Kooperationspartnern zählen das Forschungszentrum Jülich (JuLab), die Kinderunis in Köln und Frankfurt, diverse Bezirksvereine des VDI, das Max-Planck-Institut PKS in Dresden, das Bildungsministerium des Saarlandes, das BMBF in Bonn sowie viele weitere Hochschulen und Science-Center.

 

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