Wirtschaft

IWF sieht 200-Mrd.-Lücke bei europäischen Banken und erntet Proteststurm

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einer gigantischen Finanzlücke bei Europas Banken in der Höhe von bis zu 200 Milliarden Euro gewarnt. Dieses Extremszenario basiert allerdings darauf, dass die Banken alle Staatsanleihen aus allen kriselnden Euro-Schuldenstaaten (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich und Belgien) auf den Marktwert abschreiben müssten. Dieses Szenario gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich. Entsprechend harsch fielen dann auch die Proteste Seitens der Banken und auch der Politik aus. Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer über die IWF-Chefin Langarde: „Entweder sie wurde von ihrem Mitarbeitern beim IWF falsch informiert – das ist möglich -, oder sie hat die französischen Banken nicht im Sinn gehabt.“ Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bankenverbandes (BdB): „Man tut nicht gut daran, Aufgeregtheiten zu provozieren.“

Der kürzlich durchgeführte, allerdings allgemein als zu milde kritisierte Stresstest europäischer Banken hatte erst im Sommer einen Kapitalbedarf von weniger als drei Milliarden Euro ergeben. So kommentiert dann auch ein nicht genannter Regierungsvertreter aus der Euro-Zone: „Wir kennen die IWF-Zahlen, aber wir glauben, dass der Bericht große methodische Schwächen aufweist.“ Eine „sehr fragwürdige" Methodik, der auch die Europäische Zentralbank widerspreche, warfen auch weitere Regierungsvertreter dem IWF vor.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die neue IWF-Chefin mit diesem verbalen Angriff auf die europäischen Banken international als von Europa unabhängig und unparteiisch profilieren will. Der Zeitpunkt scheint allerdings etwas unüberlegt, da gestern erst die EU-Kommission angekündigt hat, sich für eine Finanztransaktionssteuer einzusetzen. Der Bankensektor steht einer solchen Steuer mit Lenkungsfunktion („Sand ins Getriebe der Spekulation“ sowie gleichzeitig Beteiligung des Finanzsektors an den Folgekosten seiner gigantischen Krise 2007-2009) äußerst ablehnend gegenüber. Argumente, der Finanzsektor könne derzeit keinen Cent entbehren – die Deutsche Bank strebt allerdings dieses Jahr einen deutlichen Gewinnsprung auf ein absolutes Rekordergebnis von zehn Milliarden Euro an – könnten sich bei diesem Vorhaben noch als kontraproduktiv erweisen.

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