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JaJa-Sofort – kein Gespür für Prioritäten

… aus der wöchentlichen Kolumne „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ vom Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Nachdem Sie in „Die Bored-Identität – Bore-Out vorprogrammiert“ erfahren haben, wie Sie die Talente dieses ganz speziellen Kollegen für sich und Ihre Firma zunutze machen können, geht es heute um die Probleme beim Setzen von Prioritäten.

Prioritäten, Termine, Kalender, Zeitmanagement
Selbst Kalender können im Corporate Design erstellt werden und helfen somit als bei der Positionierung auf dem Markt. (Bild: Tommy Kujus / pixelio.de)

Liebe Leser, haben Sie auch so richtig nette Kollegen bei sich in der Firma? Also ich meine solche, die einfach von Grund auf herzensgut sind? Kollegen, die weder Vorgesetzten noch hierarchisch gleichgesetzten Kollegen je eine Bitte abschlagen können? Jetzt werden Sie wahrscheinlich sagen: „Der Schmitt schreibt hier doch nur über Problemfälle, nette Kollegen lösen doch Probleme.“ Darauf muss ich Ihnen ein klares und deutliches „Nein“ entgegenrufen. Gerade erst habe ich beobachtet, wie die Situation in einer mir nahestehenden Firma aufgrund einer so netten Person gleich zweimal an einem Tag eskalierte.

Ohne Fleiß kein Preis

Als ich morgens zu einer Besprechung mit dem Chef kam, erwartete mich ein Bild, das mich schwer an die 50s erinnerte, als Obrigkeitshörigkeit noch überall an der Tagesordnung war und unaufhörlich geackert wurde. Denn „ohne Fleiß kein Preis“. Der Chef von nennen wir sie mal „Fräulein JaJa-Sofort“ stand mit hochrotem Kopf vor ihrem Schreibtisch und versuchte der Dame, ohne auszuflippen, klarzumachen, dass Sie seine Angestellte sei und Aufgaben, die er ihr auf den Tisch lege, bearbeiten müsse. Fräulein JaJa-Sofort brach in Tränen aus und entgegnete aufgelöst, dass sie einfach nicht alles schaffen könne. Sie sei einfach zu gutmütig und Kollege A sowie Kollegin B und C hätten ihr in höchster Not noch diese Ordner hingelegt, weil die Mutter sei ja krank und die Kinder mussten aus der Schule abgeholt werden … Sie hätte einfach nicht „Nein“ sagen können. Dabei wäre ihre eigentliche Arbeit einfach liegen geblieben. Ihr Chef war stinksauer und erklärte ihr deutlich, dass sie auf alle Fälle lernen müsse, Prioritäten zu setzen, zu anderen „Nein“ zu sagen, damit sie nicht immer ausgenützt werde und ihre eigentliche Arbeit schaffen könne.

Wenn Sekretärinnen im Urlaub sind …

Nach unserem Meeting bot sich ein ähnliches Bild. Fräulein JaJa-Sofort heulte sich die Augen aus dem Kopf und neben ihr stand Abteilungsleiter XY aus dem Nachbarbüro, dessen Sekretärin im Schwangerschaftsurlaub war, und wollte, dass sie für eben diese als Protokollantin für ein Meeting einspringen sollte. Dieses Mal hatte sie sich den Rat ihres Chefs zu Herzen genommen und „Nein“ gesagt. Das Ergebnis: Abteilungsleiter XY lud all seinen Frust über seine beurlaubte Sekretärin bei ihr ab. Die Aufgabe, die ihr direkter Chef ihr am Vortag gegeben hatte, war noch immer nicht erledigt.

Lernen Sie Prioritäten setzen und „Nein“ zu sagen

Sollten Sie in Ihrer Firma solche Kollegen haben, rate ich Ihnen zu klaren Ansagen und Konsequenzen. Sonst werden Ihre Aufgaben nie erledigt. Aber Vorsicht, kündigen Sie nur solche Konsequenzen an, die Sie auch bereit sind, zu halten und handeln Sie selbst konsequent.
Gehören Sie zur Spezies der JaJa-Sofort-Kollegen? Dann gibt es nur eine Möglichkeit, damit Sie Ihre persönliche Kollegen-Hölle überleben: Setzen Sie Prioritäten und lernen Sie lieber sofort als später „Nein“ zu sagen.

Ralf Schmitt, Kollegen
Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt:

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil.

Christoph Schroeder

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