Deutschland

Jede vierte Führungskraft ist eine Frau

Gender Pay gap, Verdienstlücke zwischen Mäenner und Frauen, Frauen in Führungspositionen

Es gibt Themen in Politik, Wirtschaft und Medien, über die immer wieder aufs Neue diskutiert wird. Die mit dem Thema verbundenen, wiederkehrenden Debatten bergen oft emotionalen Sprengstoff in sich. Dazu gehören die Diskussionen über Frauen als Führungskraft. Aber vielleicht werden diese gerade von der Realität überholt. Das zumindest legen Studienergebnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nahe.

Weiblicher Anteil im Topmanagement inzwischen bei 25 Prozent

So betonen, Susanne Kohaut und Iris Möller, die Autorinnen des aktuellen IAB-Kurzberichts „Führungspositionen in der Privatwirtschaft“, dass im Jahr 2014 25 Prozent der Führungskräfte der obersten Leitungsebene in der Privatwirtschaft Frauen waren. Allerdings – das zeigen die Ergebnisse auch – scheint damit das Ende der Fahnenstange in den meisten Betrieben erreicht zu sein. Denn auf der ersten Führungsebene stagnieren die Zahlen. Seit 2004 hat sich hier kaum etwas getan. Auf der zweiten Führungsebene hingegen ist ein durchaus bemerkenswerter Anstieg zu verzeichnen. 2004 waren 33 Prozent der Führungskräfte Frauen. 2014 waren es bereits 39. Als Basis für ihre Schlussfolgerungen dienten den Autorinnen das IAB-Betriebspanel, einer repräsentativn Befragung von rund 16.000 Betrieben in Deutschland durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

„Seid mutig! Es lohnt sich!“

Über die Gründe für die Stagnation in der obersten Leitungsebene herrscht Uneinigkeit. Dorothea Siems, Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik bei der Tageszeitung DIE WELT, sieht ein Problem in der mangelhaften Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. Als Chefin haben Sie besser keine Kinder titelte sie im Juli 2015. Das deckst sich mit den Untersuchungsergebnissen des IAB. Diesen zufolge bieten gerade einmal 16 Prozent der Betriebe auf der ersten oder zweiten Führungsebene die Möglichkeit zur Führung in Teilzeit an. Andere wiederum erachten es als dringend notwendig, dass die Frauen selbst das Hefter in die Hand nehmen und hierzu vor allem ihren Wunsch, Karriere zu machen, offen artikulieren: „Die Artikulierung ihrer Wünsche fällt Männern vom Naturell her möglicherweise leichter, doch nur wer laut seine Wünsche äußert, kann auch gehört werden. […] Seid mutig, stellt eure Forderungen, es lohnt sich!“, so Diana Klünner im Interview mit AGITANO. Und die Frau weiß, wovon sie spricht. 2014 übernahm Klünner Geschäftsführung eines IT-Systemhauses. Heute coacht sie Frauen bei ihrer Karrierentwicklung.

Frauen als Führungskraft: Die neuen Bundesländer sind schon weiter

Und noch etwas verrät die aktuelle IAB-Kurzstudie. In Ostdeutschland ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen höher als in Westdeutschland. Der Frauenanteil an den Führungspositionen der ersten und zweiten Ebene liegt in den neuen Bundesländern bei 30 beziehungsweise 44 Prozent, im Westen bei 23 beziehungsweise 37 Prozent. Kleine Betriebe werden häufiger von Frauen geführt als große. In Großbetrieben mit mindestens 500 Beschäftigten sind 16 Prozent der Führungspositionen auf der ersten Führungsebene mit Frauen besetzt. In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es bereits 24 Prozent und in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten sogar 26 Prozent. Weibliche Führungskräfte sind am häufigsten in Dienstleistungsbereichen wie Gesundheit, Erziehung und Unterricht zu finden.

Was der Bericht nicht verrät: Gender Pay Gap

Kohaut und Möller zeigen in ihrem Bericht zweierlei. Erstens, dass es inzwischen mühselig, ja sinnlos ist, beim Thema Frauen als Führungskraft über das „ob“ zu diskutieren. Schließlich ist bereits ihr Anteil in den Leitungsebenen recht groß. Zweitens zeigt er aber auch, dass weiterhin Debatten geführt werden müssen. Unter anderem auch über den so genannten Gender Pay Gap. Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Frauen für die gleiche Tätigkeit oft deutlich weniger verdienen als Männer. Diese Verdienstlücke existiert auch in Deutschland.

Christoph Schroeder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.