Wirtschaft

Journalistenverband kritisiert Meinungsmanipulation durch Lobbyisten

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat vor einer zunehmenden Gefahr der Meinungsmanipulation im Internet gewarnt. Diese zunehmenden Manipulationsversuche kämen von Regierungen, Unternehmen und Lobby-Organisationen, die die Öffentlichkeit mit Hilfe von „Kommentarschlachten und lancierten Meinungsäußerungen“ im Internet beeinflussen und somit manipulieren wollen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Vernabdes Michael Konken warnt: „Wer gegen Bezahlung erwünschte Beiträge massenhaft in die sozialen Netzwerke drückt, führt die Öffentlichkeit in die Irre und manipuliert Meinungen.“ Dies sei – neben der erkauften oder von Eigeninteressen gelenkten Manipulation der Konsumentenmeinung – auch eine wachsende Gefahr für die Meinungsfreiheit allgemein. Besondere Vorsicht sei im Umgang mit massenhaft auftretenden Kommentaren in Blogs oder Internetforen geboten. Nur weil eine große Menge von Meinungsäußerungen mit identischem Tenor vorliege, dürfe nicht eine gesellschaftliche Tendenz abgeleitet werden. Ähnlich formuliert dies die Wissenschaftsdisziplin empirische Sozialforschung und speziell der Bereich Meinungsforschung, wenn sie als Schlüsselkriterium die Repräsentativität einer Erhebung oder Studie fordert. Diese geht jedoch nicht nur bei Blogs oder Internetkommentaren verloren, sondern wird auch bei einer Reihe von Telefonumfragen auf TV-Informationssendern oder auch bei abgedruckten Leserumfragen in Boulevardzeitungen missachtet und dabei – das ist das Gefährliche – nicht explizit darauf hingewiesen, dass die Aussagekraft solcher Umfragen nach wissenschaftlichen Standards leidlich gering ist. Besonders für Konsumenten, die mit den wissenschaftlichen Standards und dieser Materie nicht gut vertraut sind, müsste entsprechend deutlich darauf hingewiesen werden, dass – in Bezug auf die Telefonumfragen im TV – das einzig Wertvolle an der Aktion die 50 Cent sind, die pro Anrufer abkassiert werden. Allerdings wirkt der Vorwurf der massiven Meinungsmanipulation jenseits einer geordneten Debatte und Diskurses, also dem Austausch wohlüberlegter Argumente, natürlich deutlich gewichtiger, was durch die Warnung seitens der DJV-Spitze nur unterstrichen wird. 2007 hatte die Deutsche Bahn knapp 1,3 Millionen Euro für bahnfreundliche Veröffentlichungen ausgegeben, bei denen sie selbst als Urheber oder Auftraggeber nicht erkennbar war (kein virales Marketing!). Dieser Vorfall einer verdeckten PR-Aktion hatte nach Bekannt werden einem Bahn-Manager schließlich den Posten gekostet.
 

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