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Kaufe dir das Stromnetz Berlins! Energiegenossenschaft

Wenn in Berlin das Jahr 2015 beginnt, könnte sich der Energiesektor für die Bürger gewandelt haben. Denn nach zwanzig Jahren wird die Erlaubnis für den Betrieb des Berliner Stromnetzes wieder vergeben. Die Möglichkeit einer erneuten Übernahme durch das schwedische Unternehmen Vattenfall war für viele Berliner Bürger Motivation genug, eine Alternative anzubieten.

Um den bisherigen Betreiber abzulösen, schlossen sich Ende letzten Jahres engagierte Berliner Anwohner aus unterschiedlichen Branchen zusammen und gründeten die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin.

Visionen eines neuen Netzbetriebes

Im Gegensatz zu renditeorientierten Aktiengesellschaften steht für die BürgerEnergie Berlin die Energiewende und nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund. Deshalb setzt sich die Genossenschaft das Ziel, den Netzanschluss der regenerativen Energien für die Versorgung in Berlin zu optimieren. Im Falle der Übernahme würde ein Teil des Gewinnes für erneuerbare Energien-Projekte genutzt werden. Aus diesem Grund wollen die Mitglieder auch das Netz kaufen und kein Kraftwerk, da für sie die Entwicklung intelligenter Stromnetze im Vordergrund steht.

Denn diese spielen durch die Interaktion von Netz, Erzeugungsanlage, Speicher und Verbraucher eine Schlüsselrolle in der effizienten Stromverteilung. Zudem speisen dezentrale Anlagen aufgrund iher Nähe direkt in das Verteilnetz ein und müssen flexibler werden. Für die technische Umsetzung werden die Mitglieder voraussichtlich Partnerschaften mit Netzbetreibern eingehen. Zudem sollen die jetzigen Mitarbeiter übernommen werden.

Finanzierung des Projektes

Die Differenz der Preisvorstellungen für den Kauf wirken ziemlich abenteuerlich: Während die BürgerEnergie Berlin von 400 Millionen ausgeht, nennt Vattenfall einen Wert von drei Milliarden Euro. Natürlich ist dies auch ein strategischer Wert für die Ausgangsposition der Verhandlungen.

Doch zuvor muss sich das Berliner Abgeordnetenhaus noch entscheiden, an wen es die Konzession, also die Erlaubnis für den Betrieb des Stromnetzes, vergibt. Mit im Rennen sind unter anderem die landeseigene Berlin Energie, die Stadtwerke Schwäbisch Hall und das chinesische State Grid International. Für die Übernahme müssen 40 Prozent des Betrags selbst gestemmt werden. Der Rest kann über Kredite finanziert werden.

Die Genossenschaft ist nun auf der Suche nach Mitgliedern und Treugebern. Gegen einen Mindestbetrag von 500 Euro bieten sie Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung. Die Einnahmen der Netzbetreiber bestehen dabei aus Netznutzungsentgelten, die rund 25 Prozent des Strompreises der Verbraucher ausmachen. Jedes Mitglied in der Genossenschaft hat eine Stimme, unabhängig von dem eingezahlten Betrag. Zudem ist die Mitgliedschaft nicht auf Einwohner Berlins beschränkt. Zur Zeit finanziert die Genossenschaft sich noch über Sponsoring und die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Doch das Projekt findet rasch Anhänger. Unterstützt wird es unter anderem vom BUND, den Vorreitern Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy und Naturstrom.

Mögliche Partnerschaften für den Netzbetrieb

Für den Kauf der Netze gibt es verschiedene Szenarien. So könnte die Genossenschaft alles selbst kaufen. Eine weitere Lösung wäre die Beteiligung der Kommunen. Da sich das Land Berlin unlängst für eine stärkere Einflussnahme aussprach, ist dieses Modell auch wahrscheinlich. Zudem besteht die Möglichkeit der Beteiligung der Netzpartner, die jedoch eine ähnliche Vorstellung für die Entwicklung der Netze mitbringen müssen. Eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Konzern schließt die BürgerEnergie Berlin also aus. Ein weiterer Austausch findet auch mit dem lokalen Bündnis ‚Berliner Energietisch‘ statt, das sich für eine Rekommunalisierung des Stromnetzes einsetzt.

Die Alternativen zur Übernahme des Netzes durch einen Großkonzern sind also zahlreich. Es wird sich zeigen, ob der Berliner Senat dem spannenden Projekt eine Chance einräumt.

(Quelle: Jenny Lohse / Clean Energy Project)

 

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