Management

Keynote-Speaker brauchen einen langen Atem

Egal welche Couleur die Keynote-Speaker, mit denen wir hier auf AGITANO sprachen angehören, in einem sind sie sich einig: Ohne harte Arbeit geht in der Szene gar nichts. Davon weiß auch „PRofilBerater“ Bernhard Kuntz zu berichten. Nachdem er in „Keynote-Speaker: Traum versus Realität“ auf die unterschiedlichen Speaker-Typen, ihre jeweiligen Motive und Chancen auf dem Markt näher eingegangen ist, geht es heute in „Keynote-Speaker brauchen einen langen Atem“ um die Fähigkeiten, die ein Vortragsredner braucht, um den heiß begehrten „ein Experte für …“-Status zu erlangen.

Verabschieden Sie sich von Ihrem Traum

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Keynote-Speaker brauchen Ausdauer und einen langen Atem. (Bild: Ryan McGuire / gratisography.com)

Damit ein Keynote-Speaker gebucht wird und das erträumte Spitzen-Honorar erhält, muss er entweder (bei seiner Zielgruppe) bereits einen Promi-Status haben oder er muss aus Veranstaltersicht – zum Beispiel aufgrund seiner (beruflichen) Biografie, Veröffentlichungen und Referenzen – ein ausgewiesener Experte für das von ihnen gewünschte Thema sein. Und diese Grundanforderungen erfüllen fast alle auf in Teil 1 der vorliegenden Themenserie näher eingegangenen Newcomer sowie relativen No-Names im Trainer- und Beratermarkt nicht. Deshalb sollten sie sich schnellstmöglich vom Traum, ein Speaker zu werden, der 3.000, 5.000 oder gar mehr Euro pro Auftritt erhält und in zwei, drei Jahren hiervon leben kann, verabschieden.

Das heißt nicht, dass einige von ihnen – aufgrund ihrer Persönlichkeit, Kompetenz und ihres Redetalents – nicht das Potenzial hätten, dieses Ziel langfristig zu erreichen. Doch um dort anzukommen, müssten sie über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren Biografiearbeit betreiben und zum Beispiel durch:

  • das Veröffentlichen von Büchern und Artikeln,
  • das Auftreten für ein Taschengeld auf „Provinz-Bühnen“,
  • das Publizieren von Videos von ihren Auftritten im Internet
  • und, und, und … .

Summa Summarum: Mit Blut, Schweiß und Tränen darauf hinarbeiten, dass sie allmählich bei einer definierten Zielgruppe den Status „Experte für …“ erlangen – was außer viel Zeit meist auch eine Vorinvestition in einem hohen fünfstelligen Euro-Bereich erfordert. Denn ohne die Unterstützung von Marketing-Experten gelingt den meisten Möchte-gern-Rednern der Aufbau der Bekanntheit und des Images, das ein Keaynote-Speaker, der von seinem Beruf leben möchte, braucht, nicht.

Wovon sollen die Keynote-Speaker leben?

Hanebüchen ist es deshalb aus meiner Sicht, wenn einer der Granden der Speaker-Zunft, der zugleich Möchte-gern-Speaker ausbildet, coacht und vermarktet (und hiermit wohl das meiste Geld verdient), bei Auftritten vor Trainern, Beratern und Coaches verkündet: „Wer Speaker werden möchte, sollte von seiner Webseite solche Begriffe wie Trainer und Coach streichen. Sonst öffne sich beim Kunden gedanklich eine deutlich niedrigere Honorarschublade. Und statt den in der Speakerszene »üblichen 5.000 bis 6.000 Euro pro Auftritt« zahle er dann womöglich »nur den Trainertagessatz von 1700 Euro«.

Unabhängig davon, ob diese Aussage stimmt, erhebt sich die Frage: Und wovon sollen die Noch-nicht-Speaker in den Jahren leben, bis sie etablierte Speaker sind? Und womit sollen sie den Aufbau des Images und der Bekanntheit, die sie als Speaker brauchen, finanzieren – sofern sie nicht die Kinder reicher Eltern sind? Und wie viel Prozent der Redner, die sich zum Beispiel bei der German Speakers Association (GSA) tummeln, werden wirklich so oft als Redner engagiert und erhalten dafür 5.000 Euro und mehr, dass sie allein hiervon leben können? Vermutlich lassen sie sich, wenn nicht an zwei, dann doch an drei, vier Händen abzählen.

Die echten Rednergrößen waren fast nie Berater

Für die echten Größen im Speaker-Business gilt: Sie waren in ihrem Leben nie oder nur für sehr kurze Zeit Berater (meist bei McKinsey). Sie waren entweder Fernsehgrößen wie Ulrich Wickert oder Top-Politiker wie Joschka Fischer oder Unternehmensführer wie Utz Claassen. Und wenn demnächst eventuell Jörg Middelhoff bei einem Wirtschaftskongress auf die Rednerbühne tritt? Dann erhält er mit Sicherheit ein absolutes Spitzenhonorar! Allein schon weil viele Manager neugierig sind: Wie tritt er auf? Im Büßergewand oder mit der gewohnten Arroganz? Verglichen mit diesen „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ sind fast alle Redner, die ihre Wurzeln in der Beraterzunft haben, kleine Lichter. Denn sie haben nicht die Biografien, die die echten Größen im „Redner-Business“ auszeichnen.

Über Bernhard Kuntz:

Profilberater, Keynote-Speaker-Agentur
(Foto: © Bernhard Kuntz)

Bernhard Kuntz ist Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH, Darmstadt, die Trainer, Berater und Coaches bei der Vermarktung ihrer Person und Organisation unterstützt. Er ist unter anderem Autor der Marketing- und PR-Ratgeber „Die Katze im Sack verkaufen“, „Fette Beute für Trainer und Berater“ sowie „Warum kennt den jeder?“. Mehr über Bernhard Kuntz und die Profilberater im Internet, unter www.die-profilberater.de.

Lesen Sie in Teil 3: Möchte-gern-Speaker: eine lukrative Zielgruppe

Christoph Schroeder

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