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Keynote-Speaker: Traum versus Realität

In unserer AGITANO-Coaching Lounge und auf unserem AGITANO-Marktplatz findet man zahlreiche Experten, Berater und Coaches zu den unterschiedlichsten Wirtschaftsthemen. Einige von ihnen haben zudem den steinigen Weg zum Keynote-Speaker erfolgreich bestritten. Auch Bernhard Kuntz, Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH, hat es berufsbedingt mit Trainern, Beratern und Coaches sowie Angehörige verwandter Berufsgruppen zu tun, die unbedingt Keynote-Speaker werden möchten. In Teil 1 unserer dreiteiligen Themenserie „Keynote-Speaker werden, aber wie?“ geht es um die unterschiedlichen Speaker-Typen, ihre jeweiligen Motive und um die Frage, wie realistisch ihre Chancen auf diesem hart umkämpften Markt überhaupt sind.

Die vier Keynote-Speaker-Typen

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„Ich habe der Welt etwas zu sagen!“ Viele haben den Traum, Keynote-Speaker zu werden. (Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

„Ich möchte Speaker werden“ – mit diesem Anliegen kontaktieren seit einigen Jahren Trainer, Berater und Coaches sowie Angehörige verwandter Berufsgruppen verstärkt Marketing- und PR-Agenturen. Diese Noch-nicht-Keynote-Speaker lassen sich vereinfacht vier Personengruppen zuordnen:

Typ 1: Leicht ergraute Berater. Dieser Typ Keynote-Speaker blickt auf ein erfolgreiches Beraterleben zurück, hat sich mental bereits auf den Ruhestand eingestimmt. Um nicht völlig in Vergessenheit zu geraten, möchte er ab und zu noch seine Erkenntnisse und Erfahrungen an ein größeres Publikum weitergeben.

Typ 2: Etablierte Trainer und Berater. Beziehungsweise Inhaber etablierter Trainings- und Beratungsunternehmen, die das Halten von Vorträgen zum Beispiel bei Verbandstagungen primär als Marketinginstrument betrachten. Ihr Ziel: mit Neukunden in Kontakt zu kommen.

Typ 3: No-Names-Berater. Genauer gesagt, relative No-Names im Trainings- und Beratungsmarkt. Sie möchten entweder ihr Geld leichter als bisher verdienen möchten oder sind getragen vom Gefühl: „Ich habe der Menschheit etwas zu sagen!“ Sie sehnen sich nach mehr öffentlicher Anerkennung.

Typ 4: Newcomer. Neueinsteiger im Trainings- und Beratungsmarkt, die aufgrund des Nimbus, mit dem sich manche (selbsternannte) Top-Keynote-Speaker umgeben und des Rummels, der seit dem Aufblühen der German Speakers Association (GSA) um das Speaker-sein entstanden ist, zur Überzeugung gelangt sind: „Im Speaker-Business liegt das Geld auf der Straße“ und „das, was die Lautsprecher der Szene können, das kann ich auch“.

Zumindest bei unserer Agentur lässt sich etwa ein Drittel der Personen, die sich mit der Anfrage „Können Sie mich beim Speaker-werden unterstützen?“ an uns wenden, den beiden erstgenannten Personengruppen zuordnen. Und ihre Ziele? Sie sind meist realistisch. Denn faktisch wollen sie nur „Teilzeit-Redner“ sein. Und das Ziel, ein absolutes Top-Honorar zu erzielen, hat für sie nicht höchste Priorität. Entweder weil sie ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben oder weil sie mit ihren Vorträgen primär an lukrative Beratungsaufträge kommen möchten. Deshalb ist für sie die Frage „Wer ist bei meinen Vorträgen da?“ entscheidender als die Frage „Wie hoch ist mein Honorar?“.

Die meisten haben keinerlei Chance

Mindestens zwei Drittel der Anfragen entfallen jedoch auf die beiden letztgenannten Personengruppen. Das heißt, Männer und Frauen, die am liebsten Fulltime-Speaker wären, jedoch nüchtern betrachtet keine Chance haben, kurz- oder mittelfristig – das heißt, in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren – einen nennenswerten Teil ihres Lebensunterhalts, mit dem Halten von Reden zu verdienen. Ihr Wunsch Keynote-Speaker zu werden ist schlicht ein Tagtraum, von dem sie sich schnellstmöglich verabschieden sollten – zumindest wenn sie eine Familie zu ernähren haben. Denn sie erfüllen nicht die Grundvoraussetzungen, um ein häufig gebuchter und gut bezahlter Redner zu werden.

Denn warum engagieren zum Beispiel Unternehmen, Verbände und Kongressveranstalter einen Redner oder Keynote-Speaker für eine Veranstaltung? Primär aus drei Motiven.

Motiv 1: Den „Gästen“ einen schönen Abend bereiten. Ein Abend, der ihnen im Gedächtnis haften bleibt, weshalb sie, wenn sie an die Veranstaltung denken, auch immer wieder positiv an den Veranstalter denken. Das ist bei vielen Firmenjubiläen und Kundenveranstaltungen der Fall. Für den Redner bedeutet dies:

Er muss entweder bereits einen gewissen Promi-Status haben (oder wie der Sohn von Helmut Kohl eine von seinem Vater geliehene Popularität), damit die Anwesenden anschließend stolz zu ihren Bekannten sagen können „Ich habe den XY schon mal live erlebt“ oder sein Auftritt muss so pointiert und spritzig sein, dass die Anwesenden wie beim Comedy-Redner Dr. Jens Wegmann sich zum Beispiel vor Lachen biegen, weshalb sie gerne an den Abend denken.

Motiv 2: Die Zuhörer zu einem Umdenken oder bestimmten Verhalten motivieren. Das ist bei vielen Kick-offs, Händlertagungen und Vertriebsmeetings der Fall. Dann muss der Experte aus Veranstaltersicht ein ausgewiesener Experte für das betreffende Thema – sei es Vertrieb, Changemanagement oder Motivation – sein, der den Zuhörern etwas zu sagen hat und seine Inhalte so präsentiert, dass er bei ihnen auf offene Ohren stößt.

Motiv 3: Sie wollen ein Zugpferd. Das heißt, eine Person, die den Saal mit zahlenden oder für den Veranstalter attraktiven Besuchern füllt. Das ist bei vielen Kongressen und Kundenveranstaltungen, die Unternehmen für Businesskunden oder Finanzdienstleister für ihre vermögenden Privatkunden durchführen, der Fall. Dann muss der Redner bei den Zielpersonen bereits eine hohe Bekanntheit haben beziehungsweise aus deren Sicht ein ausgewiesener Experte für „ … “ sein. Ansonsten verfügt er über die gewünschte Zugkraft nicht.

Über Bernhard Kuntz:

Profilberater, Keynote-Speaker-Agentur
(Foto: © Bernhard Kuntz)

Bernhard Kuntz ist Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH, Darmstadt, die Trainer, Berater und Coaches bei der Vermarktung ihrer Person und Organisation unterstützt. Er ist unter anderem Autor der Marketing- und PR-Ratgeber „Die Katze im Sack verkaufen“, „Fette Beute für Trainer und Berater“ sowie „Warum kennt den jeder?“. Mehr über Bernhard Kuntz und die Profilberater im Internet, unter www.die-profilberater.de.

Lesen Sie in Teil 2: Keynote-Speaker brauchen einen langen Atem

Lesen Sie in Teil 3: Möchte-gern-Speaker: eine lukrative Zielgruppe

 

 

Christoph Schroeder

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