Kolumnen

Kollegen: Misserfolgsvermeider oder Erfolgssucher?

aus der wöchentlichen AGITANO-Kolumne „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ vom Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Erfahren Sie heute, warum man als Erfolgssucher so oft an Kollegen, Kunden und Vorgesetzten scheitert. Und wie Sie es in Zukunft besser machen!

Reich und berühmt werden können Sie doch auch von ganz alleine

Fußfessel, Kette, Hindernis
Wie eine Eisenkugel eine Sträfling am Fortkommen hindert, verhindern manche Kollegen uns daran reich und berühmt zu werden. (Bild: Peter Reinäcker / pixelio.de)

Erinnern Sie sich noch an alte Western-Filme? In denen bekam der Cowboy immer, wenn er ins Gefängnis musste, eine Stahlkugel inklusive Kette an die Füße geschmiedet bekam, um ihm im Falle einer Flucht das Fortkommen zu erschweren. Und genauso wie diese Eisenkugel den Sträfling am Fortkommen hindert, so hindert mich so mancher Kunde oder Kollege daran, meine stets innovativen Ideen umzusetzen und damit so reich und berühmt zu werden, wie es mir zustünde.

Sie könnten jetzt sagen: „Das können Sie doch auch ganz alleine!“ Ich fürchte aber, dass das nicht klappt. Eine Idee ist meist nur so gut, wie das Team, dass sie umsetzt. Und ich arme Wurst bin umgeben von Misserfolgsvermeidern. Wie geht es Ihnen? Haben Sie vielleicht einen Chef, der Sie ständig blockiert und Sätze sagt wie „Ich will Ihre Euphorie ja nicht bremsen …“ oder „Ihren Optimismus will ich haben …“. Und dann kommt es, das böse Wort, dass jede Innovation im Keim erstickt: Aber! Es ist das Wort des Misserfolgsvermeiders. Was diese Kollegen uns damit eigentlich sagen wollen ist nämlich: „Die Geschäftswelt steckt voller Gefahren und ich bin nicht in der Lage oder gewillt, ein Risiko einzugehen!“. Und damit ist Ihre Idee vom Tisch.

Wie gehen wir aber mit solchen Kollegen um?

Befolgen Sie einfach meine Höllenregel Nummer 1: Nehmen Sie am besten die Zweifel des Misserfolgsvermeiders vorweg und erklären Sie ihn stets in Ihrem Anliegen zum Ratgeber. Ich nenne das die DDSS, die Devote-Durchsetzungs-Strategie. Und die geht so:  Sie sind über Nacht auf eine hervorragende Idee gekommen. Steigen Sie dann gedanklich in die tiefsten Niederungen Ihrer eigenen Existenz herab und treten Sie Ihre grandiose Idee vollkommen in den Staub. Dabei übergießen Sie sich mit Unmengen von Bescheidenheit und Demut und machen aus Ihrem Gegenüber den respektierten Vater und aus sich selbst ein kleines, naives Kind, das den großen weisen Mentor um Rat bittet. Gehen Sie in sein Büro und beginnen Sie mit dem Satz: „Lieber XY, ich bin da wirklich ganz unsicher, ich brauche Ihren Rat. Dann lassen Sie ihm erst mal Raum, um Sätze zu sagen wie: „Nun setzen Sie sich erst mal, wir zwei finden da schon eine Lösung.“ Dann antworten Sie: „Ach nein, ich befürchte, ich habe da nur Flausen im Kopf …“ Er wird etwas entgegnen wie: „Nur raus mit der Sprache.“ Sie: „Ich glaube, das hat keinen Sinn, da sind noch so viele Fragen ungeklärt …“ Er: „Bitte legen Sie los“. Sie haben sich also breitschlagen lassen.

Jetzt ist Ihre Stunde gekommen

Sie machen Ihren Verbesserungsvorschlag, weisen aber gleichzeitig auf die hohen Kosten, angesetzte Sparmaßnahmen und Ihre Zweifel hin, streuen in Ihren Ausführungen zwar Infos wie „Synergieeffekte“, „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ oder „Win-Win-Situation“ ein. Vergessen Sie aber auf keinen Fall zu erwähnen, dass das Ganze auch gründlich nach hinten losgehen kann. Das Ergebnis: Ihr Misserfolgsvermeider sieht natürlich die Risiken, da liegen Sie ganz richtig, dennoch wird ihm auch das Potenzial Ihrer Idee auffallen. Wenn Sie dann noch einmal nachfragen, ob er dafür wirklich Chancen sieht, können Sie sicher sein, dass Ihre Idee rasch umgesetzt wird.

Und wenn Sie sich hier selbst als Misserfolgsvermeider enttarnt haben, rate ich Ihnen ganz klar zur „Ja-Und-Strategie“. Sagen Sie einfach anstatt „ja, aber …“ von heute an „ja, und …“ Ein Beispiel: „Ja, Herr Schmitt, Ihre Kolumnen sind grandios und ich finde, Sie sollten Sie einem noch viel breiterem Publikum präsentieren. Ich rufe mal eben meinen Kumpel, den Chefredakteur von YZ an. Der wird begeistert sein!“ Klingt doch gut, oder? Überlegen Sie doch mal. Wenn wir immer auf die ganzen Aber-Sager gehört hätten, würden wir wahrscheinlich heute noch im Kerzenlicht an unseren Schreibtischen sitzen, auf unsere Notizblöcke kritzeln und „Mails“ per Post verschicken.

Ralf Schmitt, Kollegen
Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt:

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil.

Lesen Sie hier seinen Beitrag von letzter Woche: Die Realität

Christoph Schroeder

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