Kolumnen

Kommunikation im Web 2.0 Zeitalter – Segen oder Fluch?

Die wöchentliche Business-Kolumne von Ulrich B Wagner mit dem Titel "Me, myself and I – eine Reise in sich hinein und über sich hinaus".

             Heute: Kommunikation im Web 2.0 Zeitalter – Segen oder Fluch? Ein Versuch über die Demokratisierung der Kommunikation …

 

„Ich glaube an das Pferd.
Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung“

                                                        (Kaiser Wilhelm II., seines Zeichens letzter deutscher Kaiser)

„Denn die, die verrückt genug sind zu denken,
sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun“

                                                        (Steve Jobs, ein Mann mit Visionen)

 

Die Zukunft vorherzusehen ist ein schwieriges Geschäft. Sie zu gestalten, zu formen und zu ermöglichen erst Recht. Einer der größten Visionäre und Zukunftsgestalter der letzten Jahre ist letzte Woche nach langem Leiden verstorben: Steve Jobs.

Schon heute erkennen wir, wie sehr er unser tägliches Leben geprägt und verändert hat. Er hat uns Computer geschenkt, die auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind. Mit benutzerfreundlichen Oberflächen, einfacher Funktionalität, und darüber hinaus auch noch schön anzusehen. Kurz: Funktionale Design- und Kultobjekte.

Er hat neue Bedürfnisse in uns geweckt, von denen wir vorher gar nicht ahnten, dass wir sie haben. Er schenkte der Welt den iPod, das iPhone und das iPad. Dinge von denen wir vielleicht glaubten, sie nicht zu benötigen. Von denen wir jedoch, kaum dass wir in engeren Kontakt getreten sind, im wahrsten Sinne des Wortes unsere Finger nicht mehr lassen können.
Die technischen Entwicklungen der letzten 30 Jahre – Mobilfunk, Internet, Facebook & Co. – haben unser Leben fundamental verändert und durchgerüttelt. Überall und immer verfügbar zu sein, ist längst nicht nur zu einer Statusfrage geworden, sondern führt uns tagtäglich auch die Janusköpfigkeit des Internets schmerzlich vor Augen, an unserem eigenen Körper und unserer eigenen Psyche.

Auch ich habe an dieser Stelle in den vergangenen Kolumnen sehr häufig auf den verhängnisvollen, fast sekündlichen Kampf um Aufmerksamkeit in Zeiten des Internets und der mobilen Kommunikation hingewiesen, und ich denke, der Ausspruch: Ich maile, simse, facebooke, bin permanant online, also bin ich, wird mittlerweile von vielen Menschen als Irrtum erkannt.
Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die allerwenigsten Menschen sich nach den Zeiten des „guten alten“ Drehscheibentelefons, der Fernsehkultur mit 3 Programmen, der Musik auf Vinylscheiben oder dem Schriftwechsel über die klassischen Postwege zurücksehnen.

Deutschlands wohl bekanntester Unternehmensberater prognostizierte vor langer Zeit, dass im Zusammenhang mit dem Internet wohl kein Stein auf dem anderen liegen bleibt.

 

Roland Berger sollte Recht behalten: Das Internet hat unser Leben und unsere Kommunikation grundlegend verändert. Und wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang einer gigantischen sozialen Revolution.

Die neuen Technologien haben enorme kommunikative, aber auch soziale Kräfte in den letzten Jahren freigesetzt, und sie werden dies in den kommenden Jahren auch weiter tun. Mit jeder Applikation, jeder neuen Form der Online-Kommunikation verändert sich nicht nur unser Leben, sondern auch unsere Wahrnehmung der Welt und unserer Wirklichkeit.

Zwei soziale Megatrends haben sich, meines Erachtens, in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nur verstärkt, sondern sich auch gegenseitig befruchtet. Das eine ist die Individualisierung der Lebenswelten: Singles, Scheidungen, oder, allgemeiner ausgedrückt, die Pluralisierung und Atomisierung der Lebenswelten. Das andere ist das Aufkommen der modernen Kommunikations- und Internettechnologien.

Anders ausgedrückt, haben die Individualisierungstendenzen auf der einen Seite alte Beziehungs- und Sozialmuster verschwinden lassen, auf der anderen Seite haben die modernen Informationstechnologien zu einer noch nie dagewesenen Form der Gemeinschaft und des sozialen Informationsaustauschs geführt. Menschen kommunizieren über Landes- und Zeit- und politische Grenzen hinweg, bilden Netzwerke, tauschen sich aus, und finden damit auch neue Wege, die reale Welt nicht nur zu verändern, sondern von Zeit zu Zeit auch ein wenig besser werden zu lassen.

Der tunesische Online-Aktivist Foetus beispielsweise betonte die Bedeutung der neue Medien für die arabische Revolution wie folgt: "Facebook war so etwas wie das Navigationssystem für diese Revolution. Ohne die Straße gibt es nun mal keine Revolution, aber wenn man Facebook dazu nimmt, bekommt man echtes Potenzial."

Das Internet bietet nämlich nicht nur bessere Verständigungschancen, sondern das Netz demokratisiert auch die Kommunikation per se.
Jedoch steigt nicht nur in politischen Ausnahmezuständen der gesellschaftliche Stellenwert der Kommunikation rapide.

Das WEB 2.0 ist eine riesige soziale Tauschbörse. Hierbei geht es nicht immer nur darum, Informationen auszutauschen, sondern vor allem auch um den sozialen Austausch an sich, den der amerikanische Anthropologe Lionel Tiger als sociopleasure bezeichnet: Das Vergnügen, das Menschen beim Kontakt mit anderen empfinden. Darin zeige sich noch heute ein Jahrtausende alter, überlebenswichtiger Instinkt des kooperativen Nahrungssammlers Homo Sapiens, für den die Einsamkeit das Todesurteil gewesen wäre.

 

Der oben von mir genannte Begriff der Individualisierung bezeichnet in der Soziologie einen mit der Industrialisierung und Modernisierung der westlichen Gesellschaften einhergehenden Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung.

Wir haben es in der Hand, wie wir mit den neuen Medien umgehen. Jeder einzelne von uns muss heute zusätzlich zu seinen Gedanken darüber, wie er sein Leben entwerfen und gestalten will, auch noch herausfinden und entscheiden, wann und wo er den Aus-Schalter seines Mobiltelefons oder Computers drückt oder nicht.

Alles verändert sich und bleibt sich am Ende doch irgendwie treu.

Oder, wie unsere Bundesbildungsministerin Frau Prof. Annette Schavan es einmal sehr treffend auf den Punkt brachte: "Man muss sich verändern, um sich treu zu bleiben".

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Mut zur Veränderung und den Mut für Ihre ganz persönliche, auf Ihre Bedürfnisse maßgeschneiderte Online-Kultur.

Herzlichst

Ihr  Ulrich B Wagner


Zum Autor:

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie.

Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing, AGITANO-Expertenprofil und Facebook (Ulrich B Wagner).

 

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